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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-09-21 · 38 (21.9.1900) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
38 (21.9.1900)
Date
1900-09-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 38 Sr. Vwch's WoUrenschrifr Sette 693 müdung möchte ich doch sofort noch Eines besprechen: was wir in der nächsten Zukunft zu unternehmen haben. Wir sind schon lange genug verlobt", wieder überflog ein Lächeln seine edlen Züge, „gewissermaßen bist Du mir schon seit Deiner Geburt zur Lebensgefährtin bestimmt und meine Liebe zu Dir ist genau so alt, wie Du selbst. .... Der Krieg ist zu Ende. Ich habe dies heute vor unserem Abmarsche aus des Kaisers eigenem Munde gehört. Er sprach mit Grafen Nansouty, in dessen Nähe ich stand, und richtete im Laufe der Conversation auch mehrmals das Wort an mich. Die beiden verbündeten Kaiser sind gezwungen, Frieden zu schließe.: und auch Kaiser Napoleon will endlich der Armee und seinem Reiche Frieden gönnen. Er beabsichtigt mäßige, acceptable Friedensbedingungen zu stellen. Kaiser Franz wird mit unserem Kaiser zusammenkommen, und alle Welt erwartet in den nächsten Tagen den Friedensabschluß. Wir werden somit, hoffentlich — einzelne Heeresabtheilungen, welche etwa die neugewonnenen Provinzen occupiren würden, ausgenommen — den Rückmarsch in die Heimat antreten. Wir hoffen auch, daß dieser Friede ein dauernder sein wird. Kaiser Napoleon kann mit den Resultaten des beendeten Feldzuges zufrieden sein, und nachdem sich die Coalition der zwei größten und mächtigsten Staaten Europas dem Feldherrngenie unseres Kaisers gegenüber unwirksam bewiesen, nachdem er die tapfersten und kriegsgeübtesten Soldaten Europas geschlagen, wird sich wohl kaum eine zweite Coalition gegen Frankreich bilden, umsoweniger, als die anderen Mächte, untereinander zerfallen, aufeinander eifersüchtig sind. Besäßest Du, theure Sara, irgend einen Verwandten, wo Du noch kurze Zeit bleiben könntest, hätte ich vorgeschlagen, unsere Trauung in Frankreich zu vollziehen; so aber wüßte ich nicht, wo Du, wenn wir uns wieder auf unbestimmte Zeit trennen sollten, diese verleben solltest. Daß Du als meine, eines französischen Genrals Braut, allein in W. Zurückbleiben solltest, erscheint vollkommen undenkbar. Es wird daher unter den bestehenden Verhältnissen am zweckmäßigsten sein, wenn wir uns sobald als möglich hier in Mähren trauen lassen. „Zum Glücke" — wieder überflog ein Lächeln des Generals Züge — „bedürfen wir nicht mehr der Ehebewilligung des mährischen Landesguberniums, die ich wohl, wenn ich in W. geblieben wäre, nie erlangt hätte, und jeder Rabbiner wird uns gerne trauen: Die kurze Zeit bis dorthin wirst Du, Sara, bei der würdigen Familie Goudchaud verleben. Ich werde voraus sichtlich in ein, zwei Tagen mit einem Regimente meiner Brigade nach Brünn zurückkehren und mir dort einen dreitägigen Urlaub erbitten, damit wir uns in der nächsten größeren Gemeinde*) trauen lassen. Du, Sara, wirst in Begleitung der Familie Goudchaud gleichfalls nach Brünn zurücksahren, wo wir, sv's Gott beliebt, Zusammentreffen werden. Ich möchte Dich auch meinem Chef, dem Grafen Nansouty, vorstellen. Ihm danke ich mein Leben und daß sich mein Schicksal zum Guten gewendet. Da er meine Lebensgeschichte genau kennt, so kennt er auch Deinen Namen und meine unauslöschliche Liebe zu Dir. Freilich, er glaubt, wie ich selbst bis vor Kurzem glauben mußte. Du seiest todt. Er ist mein Freund und wird sich meines wiedergewonnenen Glückes freuen. Bon Brünn fahren wir, so's Gott beliebt, nach Boskowitz und lassen uns dort Kedaß Moscheh wejisroel**) trauen. Sind wir dann Eheleute, dann können wir die Reise nach unserer Heimat gemeinschaftlich antreten. Bist Du mit meinem Plane einverstanden, Sara?" „Michael", erwiderte diese, „Deine Wünsche sind die weinigen, ich folge Dir blindlings!" Sech s unddre i ß igst e s C apitel. Die Friedensunterhandlungen zwischen den kriegführenden Mächten hatten sofort nach der blutigen Schlacht bei Austerlitz — als „Drei Kaiserschlacht" wird fie in der Weltgeschichte bezeichnet — begonnen und wurden mit großem Eifer fortgeführt; allein der Abschluß derselben verzögerte sich trotzdem in einer für die Bevölkerung höchst unangenehmen Weise. Diese Verlangsamung war zum Theile dadurch eingetreten, daß die Interessen der beiden verbündeten Mächte, Oester¬ *) Bis 1848 bestanden in Mähren nur 55 jüdische Gemeinden, Brünn zählte nicht zu diesen und die wenigen dort wohnenden Juden wurden von der Regierung nicht als Gemeinde anerkannt, dursten keinen Rabbiner, nur einen Koscherfleischaufseher halten. **) Nach der Vorschrift Moses und Israels. So lautet auch die Trauungsformel. reich und Rußland, sehr verschieden waren. Dieses befand sich in einer weit günstigeren Lage als jenes, das, von feindlichen Truppen überschwemmt, in der Hand eines übermüthigen Siegers lag und den Frieden mit namhaften Gebietsabtretungen bezahlen sollte. Allein noch weit mehr wurde der Abschluß des Friedens durch die Einmischung Preußens verhindert, welches aus der Niederlage Oesterreichs Gewinn ziehen wollte und zu diesem Zwecke unter dem Anscheine dienstfertiger Vermittlung, einen seiner feinsten Diplomaten, Grafen Haugwitz, an Napoleon gesendet hatte. Während der Unterhandlungen war ein eigenthümliches Provisorium eingetreten. Es waren alle Feindseligkeiten eingestellt worden, jede Partei erkannte, ohne dies offen einzugestehen, daß man unter allen Verhältnissen zu einem Friedensschlüsse gelangen müsse; aber in dem Publicum, welches über den Gang der Unterhandlungen im Dunkeln gehalten wurde, war doch die Befürchtung vorherrschend, dieselben würden sich zerschlagen, die Hostilitäten würden wieder beginnen. Napoleon hatte seine Armee, theils um sie leichter und besser zu erhalten und zu ernähren, theils um die große Masse Menschen und Pferde wenigstens auf kurze Zeit aus einer von Leichen verpesteten Atmosphäre und einer Gegend, in der ansteckende Krankheiten herrschten, zu entfernen, auf ein weiteres Terrain vertheilt, allein wie es General Klein vorausgesehen hatte, fand er es nach kurzer Zeit wieder für zweckmäßig, die Truppen zu concentriren; entweder nach dem alten Grundsätze si vis pacera para bellum; oder um in der That bei einem Ausbruche der Feindseligkeiten mit großen Massen operiren zu können. General Klein und Sara Brack kamen, wie es vorausbestimu.t worden war, in Brünn zusammen und schon am ersten Tage ihrer Ankunft hatte jener seine Verlobte, welche bei der Familie Goudchaud wohnte, in einem Wagen abgehvlt, um fie seinem Freunde und Chef, General Grafen Nansouty, vorzustellen. Brünn glich einem großen Feldlager. Die bürgerliche Bevölkerung war zum großen Theile geflüchtet; die Zurückgebliebenen hatten sich schon in ihre Wohnungen zurückgezogen. Ein Erlaß des französischen Gouverneurs, Grafen Hullin, hatte zwar unter Androhung empfindlicher Geldstrafen angeordnet, daß alle Geschäftslocalitäten, die Cafes, alle Wirths- und Gasthäuser geöffnet bleiben müßten und hatte die Versicherung ertheilt, daß Niemand an seiner Person oder seinem Eigenthum geschädigt werden würde; allein diese Proclamation hatte wenig praktische Erfolge, die Kaffee- und Wirthshäuser blieben leer, ja sogar die Promenaden wurden von der heimischen Bevölkerung gemieden; wen eben nicht die äußerste Nothwendigkeit dazu trieb, der vermied es, die Straßen zu betreten. Trotz alledem waren diese außerordentlich belebt. Man sah des Tages über fortwährend größere oder kleinere Abtheilungen Soldaten durch die Straßen marschiren, Officiere, lustig plaudernd die Säbelscheiden mit großem Geräusche auf dem Straßenpflaster nachschleppend, in größeren oder kleineren Truppen in den Straßen und auf den Plätzen herumflaniren, Geschütze, mitunter auch eroberte russische Kanonen, raffelnd dahinfahren, oft wurden Gefangene, die in der letzten Schlacht gefangen worden waren, namentlich Russen, von größeren Truppenübtheilungen escortirt, in den Kasernen, wo fie internirt wurden, abgeliefert; dazwischen rollten Munitions- und Brotwagen, welche den einzelnen Truppenkörpern Kriegsmateriake und Proviant zuführten, dann wieder Wagen, in welchen sich Verwundete und Kranke sowohl des französischen als des verbündeten Heeres befanden, welche in die Spitäler gebracht wurden. Dazwischen sich man Patrouillen, Infanterie- und Cavallerie-Pikets, um die Ordnung zu erhalten, und die Reiter hielten, wie dies in Feindesland Brauch ist, die Finger schußbereit an den Hähnen der Carabiner. Die vielen bunten Uniformen, das rege verschiedenartige Treiben der französischen Soldaten boten ein farbenreiches kaleidoskopisches Bild, das Sara in hohem Grade erregte, und da es ein schöner, frischer Wintertag war, fuhren "sie, trotz der ziemlich niedrigen Temperatur doch in einem offenen Wagen. Sara ließ sich von Michael Vieles, das ihr unbekannt war, erklären. Er nannte ihr nach den verschiedenen in der damaligen französischen Armee sehr mannigfaltigen Uniforme», die verschiedenen Truppengattungen, die verschiedenen Grade der Officiere und Soldaten und ließ, wenn sich ihren Blicken etwas Besonderes, Interessantes darbot, das eine längere Explication erforderte, den Wagen halten.

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