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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-09-21 · 38 (21.9.1900) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
38 (21.9.1900)
Date
1900-09-21
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 692 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 38 der Armen Preßburgs, welche in dem Heimgegangenen einen Freund und Schützer verloren, und Herr Vorsteher Gest ettn er im Namen des Gemeindevorstandes, der dem Verblichenen ein treues Andenken bewahrt. EperieS. (Uebertritt zum Judenthum.) Der Hauptmann im 67. Jnfanterie-Regimente Casimir Pietrzykovßki ist hier aus der katholischen Kirche den bestehenden Landesgesetzen gemäß zum israelitischen Glauben übergetreten. Prziwos. Dem Ehrenpräsidenten des hiesigen Tempelvereines Dr. Max Böhm, Großindustriellen, wurde eine besondere Ehrung zutheil. Eine Deputation dieses Vereines überreichte chm ein Diplom, welches in der Kunstanstalt der Firma Hebling angefertigt wurde. Der Ehrenpräsident dankte herzlichst für diese Ehrung und versicherte die Deputation der besten Sympathie sowie der werkthätigsten Unterstützung der Tempelangelegeuheit. Berlin, 9. September. Die Rechtsanwälte A. Gold stein, E. Auerbach, Dr. Nelson, Dr. R. Eisenmann, I. Auerbach, I. Cohn und S. Neumann sind zu Justizräthen ernannt worden. Breslau, 5. September. (Den, Thierschützlern ins Album.) Die antisemitische »Schles. Zeitung" läßt sich aus Orlau in Oesterr.-Schlesien berichten, daß dort ein Stier, nachdem er drei Kopfschläge erhalten, sich losgeriffen, zwei Menschen niedergeworfen und verletzt, eine dritte Frau aufgespießt habe und nach dreistündiger Hetzjagd eingeholt und zu Ende todtgeschlagen worden sei. London, 7. September. (M i s s i o n s b e r i ch t.) Der Bericht der Londoner Miffionsgesellschaft ist dieser Tage in einem hiesigen Wochenblatt erschienen. Die Gesellschaft hat sieben Miffionsgebiete, die im letzten Berichtsjahre das Sümmchen von 171.903 Pfd. St. verbraucht haben. Zürich. Sonntag den 16. September, 10 Uhr Morgens, fand in der hiesigen Synagoge der israelitischen Eultusgemeinde, wie alljährlich, ein feierlicher Gottesdienst statt. Es ist dies der Bet- und Bußetag, der jedes Jahr in sämmtlichen Cantons der Schweiz feierlich begangen wird. Man bewunderte neben der wundervollen, überaus sinnreichen Predigt Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Litt ms nn die herrlich vollendete Stimme, sowie Gesangsku'nst unseres Obercantors Herrn Simon T o n n e n b e r g, der in Begleitung eines vortrefflich geschulten, freiwilligen Chores das gesammte Publicum, darunter mehrere Musikdirectoren und Gesangsprofessoren, zum Entzücken brachte. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfaffer von Gabriel. (Fortsetzung.) Sara hatte sich nun schon Stunden lange in einem Wonnerausche befunden. Zuerst hatte die Begegnung mit dem todtgeglauhten, geliebten Manne so machtvoll auf sie eingewirkt daß sie geistig nur das Allerwichtigste zu erfassen vermochte: Daß Michael lebe, sie liebe, sie als seine Hausfrau heimführen wolle; alles Andere auf dieser Welt war ihr gleichgiltig erschienen, war vollständig in den Hintergrund getreten! Allein der von Gott geschaffene Menschengeist besitzt eine bewunderungswürdige Elastrcität. Die stärksten Eindrücke vermögen einen geisteskräftigen Menschen nur eine relativ kurze Zeit aus dem Gedankenkreise zu werfen. Er gewöhnt sich rasch an das, was ihm noch vor Kurzem als das Außerordentlichste erschienen, und Sara sprach wie aus einem schweren Traum erwachend: „Vor sechs und ein halb Jahren tratest Du, doch wohl nicht gleich als Officier, in ein französisches Regiment? Ich habe doch wohl recht gehört und Dich auch richtig verstanden? und jetzt bist Du schon General!.... o Gott!" eine entsetzliche Angst ergriff Sara plötzlich, fie war leichenblaß geworden und schrie laut auf: »Michael, .Du bist doch Jude geblieben? Du bist doch Deinem Glauben nicht untreu geworden?" Wer bevor Michael noch zu antworten vermochte, überzog wieder Purpurröche ihre Lilienwangen und sie sprach : »Verzech' den schmachvollen Verdacht; — ein Mann, der einem lodtgeglaubten Mädchen treu geblieben, wird noch viel weniger von dem Glauben seiner Väter abfallen!.... Aber wie war das möglich? Wie konnte sich das so rasch vollziehen? Wie konntest Du armer, verlassener Jude ohne Freunde und ohne jede Protection so hoch emporsteigen? Erzähle mirs, ich will so rasch als möglich Alles erfahren, was Du während der Zeit unserer Trennung erlebt hast; nicht eine Secunde Deines Lebens soll mir noch ferner verhüllt bleiben." Ein heiterer Zug überflog des Generals Antlitz, ein fröhliches Lachen entquoll seiner breiten Brust, so daß Sara und Goudchaud überrascht aufblickten. Dieser hatte den General noch nie so lachen hören und Sara fühlte sich in ihre Jugendzeit zurückversetzt, als Michael im Hause ihres Vaters lebte und trotz seines gewöhnlichen Ernstes sie doch zuweilen nach Art junger Leute durch seine scherzhaften Einfälle erheitert hatte. »O, Du liebe Schwätzerin", sprach er, »Du fragst viel auf einmal und es wird mir nicht leicht, Alles so rasch zu beantworten, als Du es wünschest. — Die eine Cardinalfrage — sie hat mir weh gethan — hast Du zum Glücke selbst rasch und richtig beantwortet. Ich bin ein gläubiger, gottvertrauender Jude. Gott hat sich ja wunderbar an mir verherrlicht, hat mich aus tausend Fährlichkeiten gerettet. Ich habe zahllose Schlachten mitgemacht, stand im heißesten Kugelregen, hatte die blutigsten Attaquen ausgeführt, befand mich in dem wildesten Handgemenge, — vor mir, neben mir, hinter mir, wurden Tausende braver Soldaten von Granaten zerschmettert, von Kugeln durchbohrt, von Säbelhieben, Lanzen- und Bajonettstichen getödtet, zu Krüppeln gemacht, verwundet; — und ich bin durch Gottes Huld aus allen Kämpfen unversehrt hervorgegangen! .... ich wäre der Undankbarste auf Erden, wenn ich meinem Glauben untreu geworden wäre." Der General war während dieser Worte wieder sehr ernst geworden und fuhr fort. „Ich habe . allerdings in meinem Berufe, auch beim besten Willen, nicht immer meine religiösen Pflichten zu erfüllen vermocht, aber das Eine darf ich von mir behaupten: Mit freiem Willen habe ich nie ein religiöses Gebot freventlich verletzt, und wenn es in meiner Macht gelegen, jedes, dessen Erfüllung mir möglich, ausgeübt. .... Du frugst, wieso ich ohne Freund und Protection in so kurzer Zeit so hoch gestiegen, wie ich als Jude zu dem Range eines Generals emporzusteigen vermochte? Das ist in der französischen Armee nichts Seltenes. Ich Hab' es schon gesagt, Kaiser Napoleon kennt keinen Vorzug der Geburt, und Protection kommt in unserem Heere nicht vor. Ich habe das Glück gehabt, mich in allen Schlachten Frankreichs, die seit 1799 geschlagen wurden, unter Napoleons Augen auszuzeichnen. Als der Kaiser vor dem Beginne des jetzigen Feldzuges die große Armee organisirte und sie in sieben Corps eintheilte, hatte er Nansouty, der mein Vorgesetzter gewesen und mein Freund geworden, zum Oberbefehlshaber der schweren Cavallerie und und mich unter ihm zum Brigadegeneral ernannt. Es gibt in der französischen Armee einen Juden, der noch höher steht als ich; Graf Pierre Augustin Hullin, Divisionsgeneral, Commandant der Consulargarden, Gouverneur von Wien und Brünn, ist eines jüdischen Trödlers Sohn und hat noch vor wenigen Tagen in Brünn zehn jüdische Männer versammelt, um am Todestage seines Vaters mit Minjan sein Gebet verrichten zu können und hat selbst vorgebetet*). Herr Goudchaud war dabei anwesend. — Sara, ich habe in den sieben Jahren unserer Trennung unendlich viel Merkwürdiges erlebt, und es bedürfte einer langen Reihe von Tagen, wollte ich Dir Alles so genau erzählen, als Du es wünschest und ich es möchte; aber Sara, ich will Dirs gestehen, ich fühle mich jetzt geistig und körperlich erschöpft, wie noch nie in meinem an seltsamen Ereignissen und beispiellosen Aufregungen überreichen Leben; und das will viel sagen. Ich habe gestern eine der blutigsten Schlachten, die ich bis jetzt erlebt, mitschlagen helfen, ich konnte dann nur wenige Stunden ruhen, habe kaum anderthalb Stunden geschlafen, ich habe heute mit meiner Brigade einen forcirten Marsch gemacht und noch mehr als alles das hat die glückliche Begegnung mit Dir, Sara, meine Seele erschüttert; — und auch Du, mein theures Herz bist der Ruhe in hohem Grade bedürftig .... d'rum muß ich Dich bitten, mir es heute zu erlassen, das Bild meines Lebens während der letzten sieben Jahre vollständig vor Dir zu entrollen. Ich hoffe, wir werden, so's Gott beliebt, ein langes Leben vereint bleiben, dann will ich Dir die langen Winterabende am häuslichen Herde mit der Schilderung. meiner Erlebnisse kürzen. Aber trotz unserer Er- *) Thatsache.

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