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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-09-21 · 38 (21.9.1900) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
38 (21.9.1900)
Date
1900-09-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 36 Seite 689 Dr. InüTffs Wochenschrift Tarnosiol, 19. September. (Zwei Verbiete.) Im Juli vorigen Jahres beschäftigten sich viele Tagesblätter mit dem Straffalle des Leib Kwasmann, welcher vor dem hiesigen Schwurgerichte des Betruges durch ränkevolle Creditverlängerung angeklagt war. Dieser Proceß erregte hauptsächlich darum großes Aufsehen, weil der Staatsanwalt in seinem Plaidoyer die Behauptung aufgestellt hatte, die jüdische Religion gebiete deu Juden, Betrügereien zu verüben, eine Aeußerung, welche in der hiesigen jüdischen Bevölkerung, sowie auch in anderen weiten Kreisen die größte Entrüstung hervorrief. Die Haranguirung des Staatsanwaltes führte wirklich dazu, daß der Angeklagte trotz des mangelnden Thatbestandes von den Geschwor nen schuldig erklärt und zu drei Jahren schweren Kerkers, sowie zur Landesverweisung verurtheilt wurde. In Folge der gegen dieses Urtheil erhobenen Nichtigkeitsbeschwerde hob der Cassationshof das Erkenntniß auf und wies die Angelegenheit zur neuerlichen Verhandlung vor das Tarnopoler Schwurgericht. Der zweite Proceß wurde am 13. und 14. September durchgeführt, wobei die auf Betrug lautende Hauptfrage einstimm i g, die Eventualfrage auf leichtsinnige Crida mit Stimmenmehrheit verneint wurde, so daß die Freisprechung des Angeklagten erfolgte. Unter den Geschwornen befand sich, gleichwie bei der ersten Verhandlung, kein Jude. Bemerkenswerth ist, daß bei der zweiten Verhandlung das Plaidoyer des Staatsanwaltes frei von Ausschreitungen und maßvoll war. Als Vertheidiger fungirte neben dem Anwälte des früheren Processes der hiesige Advocat Dr. Schwarz. Nach der Verkündigung des Freispruches fiel K w a s m a n n in Ohnmacht und konnte nur mit Mühe zum Bewußtsein gebracht werden. Dieser Wahrsprnch der Jury hat nicht nur im Publicum, sondern auch bei den Richtern, die der Verhandlung beiwohnten, große Befriedigung hervorgerufen. Einweihung des Allofner israelitischen Tempels. Vertreter sämmtlicher in Altofen ansässiger Confessionen wohnten der Einweihung des glänzend restaurirten Altofner is raelitischen Tempels bei, welche gestern unter üblichem Ceremoniell erfolgte. Der Einweihung ging eine Festsitzung der Repräsentanz der Altofner israelitischen Cultusgemeinde voran. Der unermüdliche und verdienstvolle Gemeindepräses Samuel Ehrlich eröffnete die Sitzung mit einer längeren Rede, in welcher er die Geschichte des Altofner israelitischen Tempels skizzirte und schließlich allen jenen Factoren, welche zur Deckung der Restaurirungskosten beitrugen, Dank votirte. Nachdem das Protokoll von den Vorstandsmitgliedern Samuel und Berthold Goldberger de Buda uub Julius Ullmann authenticirt wurde, sprach Sparcaffendirector A u g e n st e i n unter lebhafter Zustimmung der Anwesenden dem Präses Samuel Ehrlich für dessen Bemühungen im Interesse der Verschönerung des Gotteshauses Dank aus. Unter stürmischen Eljenrufen auf den Vorsitzenden wurde hierauf die Sitzung geschloffen. Nachher begaben sich die Herren in den Tempel, wo Punkt vier Uhr die Einweihungsceremonie ihren Anfang nahm. 'V' Eine festlich gekleidete Menge nahm im Tempel, dessen der Ludwiggaffe zugewendete Fatzade mit Tricoloren reich decorirt und der Hofraum in einen Palmengarten umgewandelt war, Platz. Die vorderen Bankreihen waren für die Mitglieder der Gemeinderepräsentanz, von denen kein - einziges fehlte, ferner für die geladenen Gäste reservirt. Der Einladung der Cultusgemeinde hatten die Meisten Folge geleistet. Es waren erschienen der Neustifter röm.-kath. Pfarrer Dr. Adam O t t, der ref. Pastor M ß ß a r o s (im geistlichen Ornat), die Rabbiner Dr. Ludwig P o l l a k (in Vertretung des Pester Rabbinats) und Dr. Ludwig Benetianer (Neupest). Außerdem waren mehrere delegirte Officiere der hiesigen Garnison anwesend. Die Hauptstadt war durch Bürgermeister-StellvertreterRoszavölgyi und Baudirector Heuffel vertreten. Es hatten zugleich die Pester und Neupester isr. Cultusgemeinden Vertreter entsendet. Seitens des hauptstädtischen Municipalausschusses erschienen die Stadtrepräsentanten Rudolf P a l o t a i, Dr. Reiß, Alexander Schubert u. v. A. Im Innern des Tempels hielt ein hundertgliedriges Arrangirungscomite die Ordnung aufrecht, während im Hofraume die Altofner Feuerwehrmannschaft Spalier bildete. Für die Ordnung auf der Straße, welche von vielen, Hunderten Neugierigen besetzt war, sorgten zahlreiche Polizisten zu Pferde und zu Fuß. Nachdem Gemeindepräses Ehrlich, von den Mitgliedern der Repräsentanz umgeben, in der Borhalle dem Bürgermeister-Stellvertreter R ü s z a v ö l g y i für die Munificenz der Hauptstadt gedankt hatte, erklärte Letzterer, daß die Hauptstadt mit Freude ihr Möglichstes dazu beigetragen habe, damit das Altofner Gotteshaus in neuem Glanze prange. Mit dem Einzuge der Vornehmsten der israelitischen Caltusgemeinde in das Innere des in elektrischem Lichte erstrahlenden Tempels nahm die Einweihungsfeierlichkeit ihren Anfang. Den Zug eröffnete ein Mitglied des Arrangirungscomitös, welches einen blumengeschmückten, siebenarmigen, silbernen, Leuchter trug, sodann folgte Oberrabiner Dr. Adler, nachher 38 Mitglieder der Cultusgemeinde, von denen jedes einzelne eine Thorarolle trug. Nachdem der Altar dreimal umkreist wurde, zündete Oberrabbiner Dr. Adler das ewige Licht an, worauf er die Kanzel bestieg. In anderthalbstündiger, gedankenreicher, an Patriotismus und Humanität ermahnende Rede betonte der eloquente Redner, da das Judenthum trotz der seit vielen Jahrhunderten andauernden Feindseligkeiten keinen Augenblick daran vergessen habe, daß das höchst menschliche Gebot die Nächstenliebe ist. „Die jüdische Religion/ sagte Redner, „ist die Religion der Liebe zur gesammten Menschheit. Und sollten welche Stürme immer gegen die Bekenner der Lehre Moses' toben, das Judenthum wird selbst seinen ärgsten Feinden verzeihen, sie niemals hassen/ Zugleich erörterte Redner aus Grund historischer Beweise, daß in den Zeiten der Drangsal und der Noth nur das religiöse Gefühl Beruhigung und Trost verleihen konnte. Der Tempel war stets das Asyl gegen Haß und Verfolgung. Mit der Mahnung, die Religion nicht zu verlassen, und einem Gebet schloß Redner seine andächtig angehörte Predigt. Nachdem der durch Mitglieder des Opernchors verstärkte Tempelchor den „Hymnus" gesungen, hatte die Einweihung ves Tempels ihr Ende gefunden. Straßburg i. E., 9. September. (Bekehrung.) In der „Straßburger Post" schreibt ein Berichterstatter vom südafrikanischen Kriegsschauplatz: „Gegen Mittag kamen wir an einen Winkel, der von einem deutschen Juden gehalten wurde. Ich wollte Brod kaufen, aber es war nichts da, auch sonst nichts Eßbares. Als der Inhaber des Ladens jedoch entdeckte, daß ich Deutscher und noch dazu Süddeutscher war — er selbst stammte aus Nürnberg — da nöthigte er mich mit meinen vier Cameraden ins Zimmer und seine liebenswürdige Frau briet für uns schnell einige Eier, kochte Kaffee und setzte uns das letzte Brod vor, das sie im Haus hatte. Vom Bezahlen wollten die Leute nichts wissen, und so mußten wir uns begnügen, den Menschenfreunden — ihr Name war Bernheim — herzlichst zu danken. Ich bin einmal crafler Antisemit gewesen, aber ich wurde schon ums Jahr 1890 zur Zeit der Winterbälle einigermaßen bekehrt, heute trete ich freiwillig von diesem Glauben zurück/ Es gibt „craffe Antisemiten" genug, die nicht wissen, was sie thun, und die ihre Krankheit, selbst nach deren Ueberwindung, einen „Glauben" nennen, weil sie eben keine Erklärung für die Umnebelung haben, in der sie befangen gewesen. Wäre die Heimatsliebe bei allen Deutschen stets so groß gewesen, wie allezeit bei den deutschen Juden, die Stellung des Deutschthums in der Welt wäre eine bessere, als sie ist. Wilna. (Ein russischer Fürst für die Juden.) In dem Juliheft des „Wjestnik Ewropy" („Europäischer Bote") tritt Fürst Drutskoi-Sakalinski, ein Großgrundbesitzer im Gouvernement Pensa, in warmherzigerweise für die russischen Juden ein. Einleitend bemerkt der Fürst, daß heutzutage eine gewisse Portion Courage dazu gehört, öffentlich als Freund der Juden aufzutreten. Die planvolle Agitation der Judenfeinde hat fast den gesammten russischen Mittelstand ins antisemitische Lager übergeführt und dem gewissenlosen Treiben einer minderwerthigen Presse ist es gelungen, das öffentliche Gewissen einzuschläfern und die Freunde der Wahrheit und Gerechtigkeit so einzuschüchtern, daß sie es kaum noch wagen, zu Gunsten der Juden ihre Stimme zu erheben. Glücklicherweise sind die unteren Schichten der Bevölkerung, ist der Bauer und der Arbeiter, in Rußland durchwegs den Juden wohlgesinnt; letztere machen ihnen in keiner Weise Concurrenz. sondern gewähren ihnen ihm Gegentheil Arbeit und Verdienst; die Juden kaufen dem Volke zu gutem Preise seine Erzeugnisse ab und verkaufen ihm zu billigen Preisen nützliche Sachen, welche Bauer und Kleinbürger sehr gut gebrauchen könren.

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