Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 38 (21.9.1900)
- Date
- 1900-09-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021331-3021370--10227-3034697- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 686 %>£o Abitur# Wochenjrlrrt^. Nr. 38 nebst dessen Sohn Josua, und Gerson, Sohn des Moses. Ferner seien noch angeführt: Casalmaggiore 1486 mit dem hebräischen Drucke Machsor Rom und Bari bei Soncino, wo 1496 Gerson, der Sohn des Rabbi Moses Mentzlan erwähnt wird. Durch den rührigen Unternehmungsgeist der Juden gelangte die Buchdruckerkunst auch zuerst nach Portugal. Das älteste in Portugal gedruckte Buch, der Almanach perpetuus ecclesiasticus astronomi Zacubi, verdankt seine Entstehung dem Juden Mestre (Magister) Abraham ben Samuel d'Ortas und erschien zu Leiria im Jahre 1484. Fünf Jahre später druckten die Rabbi Eliezer uud Samuel Zorba in Lissabon u. A. des Rabbi Moses Nachmanides Commentar zum Pentateuch, und Eliezer's Sohn Zachäus übte ebenfalls die Kunst Gutenberg's aus. Wenn auch nicht erste, so doch bedeutende Druckereien besaßen die Juden im 2. Jahrhundert der Erfindung an vielen Orten, so ist die jüdische Druckerei und gelehrte Schule in Lublin (Kleinpolen) 1559 mit ihren gut ausgeführten hebräischen Druckwerken hervorzuheben. Wie zu den ältesten Typographen, so zählen auch Juden zu dm ältesten Lobrednern der Typographie. In den bereits erwähnten „Turim" des R. Jacob den Ashers vom Jahre 5235 (1475) befinden sich die hebräischen Verse auf die Buchdruckerkunst und ihr damals noch als Geheimniß betrachtetes Wesen: „Ich bin eine Kunst, die jeder Kunst Krone ist, Ich bin ein Geheimniß, jedem Rathe verschlossen. Ohne Rohr — und doch find meine Zeichen lesbar, Ohne Schreiber bin ich genau verbunden, Auf einmal ist die Tinte über mich hingegangen, Ohne Lineal ist die Schrift gerade gerichtet. Ein Wunder über die Heldin Deborah hinaus: Mit Schreibergriffel sang sie; Hätte sie mich vorausgesehen, Auf ihr Haupt wäre ich gesetzt zum Kranz." Ein anderes jüdisches Zeugniß dieser Art stammt von David Gans, der 1592 in Prag schrieb, daß die Buchdruckerkunst erfunden sei durch einen Mann Namens Johannes Gutenberg, und zwar im ersten Regierungsjahre des frommen Kaisers Friedrich im Jahre 5200 (1440). „Gelobt sei Der," heißt es dabei, „welcher die Menschen mit Eckenntniß begnadet und die Sterblichen Klugheit lehret! Gelobt sei Der, der uns seine Gnade thut kund durch eine Kunst wie diese, zum Nutzen aller Erdenbewohuer, durch eine Kunst, die unter allen Künsten und Wissenschaften seit Erschaffung der Welt nicht ihresgleichen gehabt hat. Nicht allein die positive Theologie, die Philosophie und die übrigen sieben freien Künste, sondern auch alle anderen für dieses Leben berechneten Fertigkeiten gewannen durch den Buchdruck eine Vervollkommnung und äußerliche Ausbreitung, indem für die Großen aller Gewerke Bücher ohne Zahl gedruckt wurden." Diese Worte des jüdischen Geschichtsschreibers bilden ein würdiges Gegenstück zu der berühmten Schlußschrift in dem von Gutenberg 1460 gedruckten Catholikon, worin es heißt, „unter dem Beistände des Allerhöchsten, auf dessen Wink der Unmündigen Zungen beredt werden und der oftmals den Kleinen offenbart, was er den Weisen verbirgt," sei das Buch zu Stande gekommen. Zur Geschichte der Juden. Aus Anlaß der zwanzigjährigen Professoren-Laufbahn des spanischen Historikers und Philosophen Marcelino Menendez y Pelayo ist eine umfangreiche Festschrift erschienen, die durch ihre Vielseitigkeit und Gründlichkeit der spanischen Wissenschaft entschieden Ehre macht. Am Anfang des zweiten Bandes steht eine Abhandlung des Ober- Bibliothekars der Madrider National-Bibliothek Paz y Melia: „Die spanische Bibelübersetzung des Rabbi Mose A r r a g e l d e G u a d a t f a j a r a", der wir Folgendes entnehmen: Als im Frühling des Jahres 1422 der Großmeister von Calatrava, Don Luis de Guzmän, in Toledo vom Kampfe gegen die Mauren ausruhte, regte sich in ihm, der des Jagens, des Schachspielens und des Lesens von Ritterromanen müde war, der Wunsch, eine gute spanische Bibelübersetzung mit Glossen zu lesen. Er ersuchte daher den Rabbi Mose A r r a g e l, diese Arbeit zu übernehmen. Der Rabbi lehnt aber den Auftrag höflich ab, weil er als Jude die Bibel so glossiren müsse, daß der Großmeister als Christ und Katholik keinen Ntchen davon haben würde. Der Großmeister läßt sich aber nicht abweisen, läßt dem Rabbi durch den Bruder Arkas de Enciena in Toledo die näheren Instructionen geben, und so macht sich denn der Rabbi an das Werk, das er 1433, also nach elfjähriger Arbeit beendet. Bei der Uebertragung ist Rabbi Mose da, wo der lateinische Text des Hieronymus mit dem hebräischen übereinstimmt, beiden gefolgt; wo sie von einander abweichen, hat er sich an den hebräischen gehalten. Im Allgemeinen hat er von Uebersetzungen keine gute Meinung; er hält nicht nur denjenigen für thöricht, der die Bibel, sondern auch den, der einen Brief von Hans an Kunz übertragen will. Die Schwierigkeit, hebräische Bibeln zu übersetzen, wird noch dadurch erhöbt, daß die Punkte fehlen und deshalb an manchen Stellen ganz verschiedene Lesarten möglich sind. Bei der Aufstellung der Glossen verfährt Arragel mit aller denkbaren Freiheit. Wo er es für gut hält, bekämpft er die Interpretationen seiner Glaubensgenossen. Wenn er sich mit den kirchlichen Dogmen im Widerspruch befindet, fügt er Worte wie die folgenden hinzu: „So hält es der Christ, aber die Juden glauben gerade das Gegentheil". Der Meinung des Großmeisters widerspricht er nie; er begnügt sich damit, sie anzuführen. Die natürliche Trockenheit der Glossen mindert er durch die Einfügung von jüdischen Fabeln und Erzählungen, von Sprichwörtern, Anspielungen auf die Sitten der Zeit und dergleichen mehr Ein Beispiel genüge: „In den jüdischen Fabeln erzählt man, daß, als Noah den Weinstock pflanzte, Satan kam und Noah fragte: „Sage, Mensch, was pflanzest Du da?" „Einen Weinstock". „Und was kann dieser Weinstock machen?" „Seine Frucht ist lieblich, gleichviel ob sie grün oder trocken ist, besonders wenn man Wein davon macht, an dem die Menschen große Freude haben." Da sagte Satan zu Noah : „O, wenn ich doch mitthun könnte!" Und Noah war damit einverstanden. Darauf brachte Satan ein Lamm, dann einen Löwen, dann einen Affen und schließlich ein Schwein. Diese schlachtete er, und mit ihrem Blute begoß er den Weinstock. Und daher hat offenbar der Wein seine Wirkung: Wenn der Mensch anfängt zu trinken, ist er ein zahmes Lamm; wenn er mehr trinkt wird er wie ein Löwe; dann macht er Späße wie ein Affe, und wenn er noch weiter trinkt, wälzt er sich wie ein schmutziges Schwein ..." Andere Glossen offenbaren die Menscheukenutniß und den literarischen Geschmack des Rabbi. Aus den der Abhandlung hinzugefügten drei Belegen kann man mit dem kundigen Paz h Melia den Schluß ziehen, daß die Uebersetzung Arragel's größtentheils Originalarbeit ist. Die Vorzüge, die sie vor allen anderen bekannten spanischen Uebertragungen hat, rechtfertigen den Wunsch, daß diese Bibel, die sich als Manuscript in der Bibliothek der kunstsinnigen Herzogin von Alba befindet, eines Tages unverkürzt veröffentlicht werden möge. Fez, eine der größten und schönsten Städte Afrikas, hatte von jeher viele Juden zu Bewohnern; auch zahlreiche spanische Exulanten suchten dort Zuflucht, so daß gegen Anfang des sechzehnten Jahrhunderts ihre Zahl sehr bedeutend war. Nach dem spanischen Chronisten Bernaldez wohnten dort zehntausend Juden; der Portugiese Hierouymo de Mendoo a weiß nur von tausend jüdischen Bewohnern. Die Tuderia in Fez, wie der den Juden eingeräumte Stadttheil genannt wurde, mit ihren hohen, stattlichen Häusern hatte nur ein Thor, an dessen Eingang königliche Beamte ständig Wache hielten und von den Ein- und Ausgehenden den Tribut einzogen. Einige Jahre nach der Vertreibung der Juden aus Spanien fand in Fez eine große Judenverfolgung statt. Es lebte nämlich dort ein Jude Namens Aron, der sehr gelehrt und weise war und bei dem damaligen König in so großer Gunst stand, daß er auch auf die Regierungsgeschäste Einfluß nahm. Tnes erregte den Haß der vornehmen Mauren sowohl gegen den König wie gegen die Juden. Das aufgewiegelte Volk tödtetc an einem und demselben Tage den König und seinen jüdischen Günstling, drang dann in die Judenstadt, demolirte die Häuser, plünderte nach Herzenslust und tödtete viele der nichts Böses ahnenden Juden; nur diejenigen wurden verschont, welche sich zum Islam bekannten. Die in der- Hauptstadt ausgebrochene Revolte verbreitete sich mit Blitzesschnelle über die anderen Städte des Landes; überall wurden die Juden ihrer Habe beraubt und niedergemetzelt. Die gewaltsam „bekehrten" Juden waren aber ebensowenig Bekenner des Islam, wie sie in Spanien gläubige Christen waren. Das war dem Nachfolger des ermordeten Königs nicht entgangen. Er erließ daher den Befehl, daß alle zwangsweise bekehrten, in Fez wohnenden Juden sich auf freiem Felde versammeln, und dann stellte er es ihnen frei, entweder zu ihrer väterlichen Religion zurückzukehren oder sich freiwillig zum Islam zu bekennen. In diesem Falle sollten sie den Mauren gleichgestellt und wie Mauren behandelt werden, als Juden aber vielen Ausnahmegesetzen und Beschränkungen unterworfen bleiben. Die Juden dürsten nicht, wie die Mauren, lederne Schuhe tragen, sondern mußten sich einer groben, aus Hanf geflochtenen Fußbekleidung bedienen, sie durften kein gesatteltes Pferd besteigen, in der Stadt nicht reiten, keine Waffe tragen und dergleichen mehr. Den Jüdinnen war das Tragen von Schleiern und von olivenfarbenen Mänteln streng untersagt. Trotz dieser drückenden Gesetze kehrten die meisten der zum Abfall Gezwungenen freudig zum Judenthum zurück. Ein glänzendes Zeugniß für ihre Glaubenstreue! Einen anderen Beweis ihrer Festigkeit im Glauben gaben die Juden in Fez im Jahre 1532. Im Jänner dieses Jahres kam der Franziskaner Andreas de Spoleto dorthin und erbat sich von dem Könige Mulei Ibrahim die Erlaubniß, mit den dortigen Juden über ihre Glaubenssätze disputiren zu dürfen. Er veranstaltete öffentliche Religionsdisputationen; es gelang ihm aber nicht, sie für das Christenthum zu gewinnen. Aus Gram über seine mißlungenen Versuche nahm sich der eifrige Franziskaner das Leben.