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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-09-14 · 37 (14.9.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
37 (14.9.1900)
Date
1900-09-14
Page
– (sequence 15)
Language
German
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SLr. 37 Dr. Blocht Wochenschrift 6eiif 675 Frieden gegönnt. Durch die Unvorsichtigkeit eines Tischlers entstand am 23. Februar 1668 ein großer Brand, welcher auch die neue Burg ergriff, so daß die kaiserliche Familie sich nur mit genauer Roth reiten konnte. Die Schuld wurde wieder den Juden in die Schuhe geschoben, und wieder mußten sie den Siindenbock abgeben und die meisten binnen 14 Tagen Stadt und Land verlassen; doch wurden die Abziehenden mit Paßbrief versehen und vor Beleidigung und Beschädigung geschützt. Aber am 14. Februar 1670 erfolgte die Ausweisung aller Juden. Die Judenstadt, vom Magistrat um! 00.000 Gulden übernommen, zählte damals 132 Häuser, welche verkauft wurden Die Synagoge in der Großen Pfarrgasse wurde in eine Kirche verwandelt. Dasselbe geschah mit dem von Zacharia b. Beer halewi gegründeten Lehrhause. Nach drei Jahren wurde den Berbannten die Rückkehr wieder gestattet, allerdings in beschränktem Maße, mit mannigfachur Plackereien niid dem Verbote, eine Gemeinde zu bilden. Selbst die Errichtung einer Synagoge oder die Abhaltung eines.gemeinschaftlichen Gottesdienstes war ihnen untersagt. — Ter alte Friedhof in der Seegasse für dessen Erhaltung und Fortbestand ein gewisser K. L F r ä n k l dem Magistrat 4000 Gulden erngehändigt hatte, war im Jahre 1696 i» den Besitz des kaiserlichen Kriegs-Factors und Hof-Banyuiers Sam. Oppenheimer gelangt, der ibn mit einer Mauer umgeben ließ und ihn seiner früheren Bestimmung übergab. Zwei dazu gehörige kleine Häuschen machte er zum „Hekdesch" oder Spital. — 17*7 entstand auf diesem Platze, nach Ueberwindung einiger Schwierigkeiten, ein neues Spital. Nach 57 Jahren durch eine große Ueberschwemmung stark beschädigt, mußte es wieder neu hergestellt und der daran stoßende Friedhof auf Anordnung der Behörde geschlossen werden. —Um diese Zeit entstand das nachher so berühmte Wiener Allgemeine Krankenhaus und es tauchte die Idee auf, das Jndenspital ganz aufzulassen und mit dem Allgemeinen Krankenhause zu vereinigen; aus rituellen und anderen Gründen wurde indeß.dieser Gedanke nicht verwirklicht, und so entstand für den Kostenpreis von 20.0«»> fl ein eigenes jüdisches Spital mit der Aufschrift: „K r a n k e n - H o s p i t a l für die leidende M e n s ch h e i t, erbaut von der i s r. Nation 1793." Laut Neg.-Decr. vom 5. Mai 1796 betrugen die Verpflegskosten: I- Classe 1 fl., II. Elasse 80 kr., HI. Classe 10 kr.- In den Jahren 1805 und 1809 übernahm das Spital freiwillig die Pflege kranker und verwundeter Soldaten der österreichischen und russischen Armee, und 1866 diente nebst dem Spitale auch das 1814 errichtete „Siechenhäus für unheilbare Kranke" zur Aufnahme kranker oder verwundeter Soldaten. Die Anstalt wurde wiederholt von hochstehenden und hervorragenden Persönlichkeiten besucht, und Alle sprachen sich sehr anerkennend über dieselbe aus. Durch den Aufschwung und die bedeutende Zunahme, die unsere Cultusgemeinde in der zweiten Hälfte des eben abgelaufenen Jahrhunderts erfuhr, genügten die verfügbaren Räumlichkeiten nicht mehr und nach Ansicht der Spitalsverwaltung war die Errichtung eines neuen Krankenhauses mit 100 bis ^00 Beilen dringend geboten. Da wurde am 17 Jänner 186» dem Eultusvorstande die erfreuliche Mittheilung gemacht, daß Herr Anselm Freiherr v. Rothschild bereit sei, ein modernes Spital für 100 Kranke zu errichten und der Gemeidne zumGeschenke zu machen, unter der einzigen Bedingung,daß es die Widmung trage: „Z u m Andenken an seinen Vater S a l o m o n F r h. von R o t h s ch i l d." Im März 1873 war die in jeder Beziehung musterhafte Anstalt vollendet und wurde feierlichst eingeweiht. — Da die Raumverhältnisse den heutigen Anforderungen auch nicht mehr entsprechen, so soll — abermals dnrch die Munificenz des Freih. von Rothschild — dem Platzmangel durch Errichtung von Pavillons abgeholfen und die Unterbringung von 150—160 Betten ermöglicht werden. — Möge dieses segensreiche Institut auch fernerhin Armen und Leidenden Heilung und Genesung verschaffen!- Den Freunden der altehrwürdigen Gemeinde an der Moldau und ihrer Älterthümer gibt der Prager Rabbiner und Prediger Tr. Alex Kisch Aufschluß über „Das Meiselbanner in P r a g." — Musikkennern und Liebhabern bietet Obercantor I. Singer eine willkommene Gabe mit der biographischen Skizze: „M a r c e l l o B e n e d e t t o, ein christlicher Psalmencomponist des 17. Jahrhunderts." Durch die beigefügten transcribirten „Altjüdischen Melodie ii" ist diese Skizze besonders interessant und werthvoll. — Schließlich wird ein Thema behandelt, das uns allen nahegeht: „Ein Schulmann" äußert seine Gedanken über den „Religions-Unterricht" oder vielmehr über den neuen Lehrplan für unsere Volks- und Bürgerschulen. Unsere Lehrer und Jugendbildner finden da manche beherzigenswerthe Anregung. Die Liebe und Begeisterung für unsere erhabene Religion und unsere heilige Sprache, die hier zum Ausdruck kommen, wirken wahrhaft . ergreifend. Im vorjährigen Kalender finden wir einen Aufsatz: „Ein jüdischer Pädagoge", welcher mit dem vorliegenden in Styl- und Schreibweise eine unverkennbare Aehnlichkeit aufweist. Jedenfalls ist der Autor nicht nur ein gediegener Schulmann, sondern auch ein Glaubensgenosse, auf den wir stolz sein können; denn „der Styl ist der Mensch selbst". Am Schlüsse folgt ein Bericht der „O e st.-J s r. U n i o n" und „ihres Rechtsschutz- und Abwehr-Bureaus" aus der gewandten Feder S F l e i s ch e r' S. So haben denn sämmtliche Mitarbeiter redlich dazu beigetragen, dem Werke einen bleibenden Werth zu verschaffen. Wien, 5. September 1900. Ad. Sternfeld. Srieskaflen. B. in Knttenbrrg. Das scheint uns unglaublich und deswegen nehmen wir Anstand, es zu pnbliciren. B. Zum israelitischen Neujahrsfeste dominiren Ansichts-(Post-) Karten als Wunschkarten (a u ch m i t j ü d i s ch e m T e r t e). Große Auswahl dürften Sie bei der Papier- und Postkarten-Versandtfirma Marcus S i l b e r st e i n, Wien, l., Eßlinggasse 8, finden. S. C. Abgesandt. A. K. in E. Ungeeignet und nicht entsprechend. I. H. Die antisemitischen Häuptlinge greifen die Juden zwar unausgesetzt an, aber wenn es ihnen an den Kragen geht, dann lassen sie sich von Juden oder „Judenstämmlinc.en" — vertheidlgen. Nemo. Wenn Schneider sea. versichert, daß sein Sohn nur durch den Umgang mit Inden corrnmpirt wurde, so erinnern wir uns, daß auch der Meister S t a m p i g l l u s vor Jahren mit Inden verkehrte. Allerdings mit solchen, die von anständigen Juden gemieden wurden. i. Bei dem Selbstgefühl des Dr. Lueger ist es wohl anzunehmen, daß er mit seiner Reise nach Paris den armen Franzosen einen Ersav für den unterbliebenen Czarenbesuch zu geben vermeint. Neugieriger. Der Abgeordnete W r a b e tz war es, den Dr. Lueger einst znm Zweikampfe herausforderie Freilich hatte sich kurz vorher der Abgeordnete W r a b e tz als principieller Tuellgegner bekannt. Sie sehen also, den Dr. Lueger trifft da keinerlei Schuld I. W—g., Prag. Es ist eine handgreifliche Lüge, wenn der antisemitische Stadtverordnete Brzesnovsky behauptet, der Kampf zwischen Deutschen und Czechen würde lange nicht jene Schärfe angenommen haben, wenn er nicht von den Juden geschürt würde. In Wahrheit sind die Juden Jene, die den nationalen^Kampf perhorresciren, den» der Antisemitismus ist auch nur eine Frucht dieser unseligen Hetze. B. H. Die unter dem Namen schreibende französische Schriftstellerin S y p hatte sich, schon bevor sie Antisemitin wurde, ihren Namen gemacht. Allerdings durch eine Reihe der schamlosesten Unfläthigkeiten, die sie in Buchform herausgab. I. W—r. I. Herr Vergant hat offenbar in einem Zustande nicht völliger Zurechnungsfähigkeit die Notiz abgedruckt, aus welcher hervorgeht, daß S h y l o ck's Urbild ein — Christ war. II. Die „Arbeiter- Zeitung" war un Unrechte, als sie die Notiz auf eine Erfindung zurückführte. Die Quelle derselben ist in einem Werke Gregorio L e t i's zu finden, und zwar in seiner Biographie des Papstes Sixtus V. I. W. Tie Firma V. I. Plocek, Korbflechterei in Oberjeleni, Böhmen, Antisemit Schneider'scher Sorte, scheint sich die Worte des Prager Handelskammerpräsidenten Josef Vohänka über die Judenexcesse in Böhmen nicht sehr zu Herzen genommen zu haben, denn zu Hause ist er im wahren Sinne des Wortes Antisemit, in Tarnopol hingegen, wohin er seine Erzeugnisse zumeist an Juden verkauft, ist er Philosemit. Zweck dieses ist, unsere Glaubensgenoffen in Galizien auf den betreffenden Herrn aufmerksam zu machen, damit auch sie das „zvu.j k svemu“ dem Obgenannten gegenüber durchführen und die Konsequenzen seiner Handlungen daraus ziehen sollen. I. W g. Ihr Gedächtniß täuscht Sie nicht. In der That weilte Ahlwardt vor einigen Jahren, vom „Deutschen Volksblatt" enthusiastisch begrüßt, als Gast in Wien und ließ sich daselbst für — Geld sehen. Ahlwardt's Verdienste sollen nicht geleugnet werden. Der Mann mit den unterschlagenen Collecten hat unendlich viel zur Compromittirung des Antisemitismus in Deutschland geleistet. Notiz. Die von der hohen k. k. Landesschulbehörde concess. Musik- und Gesangsschule M o r i n i hat mit dem 15. September d. I. einen Cursus für Schauspiel- und Vortragskunst eröffnet. In der seit Jahren bestrenommirten Musik- und Gesangsschule können demnach Damen und Herren neben Musik- und Gesangsunterricht ihre vollständige Ausbildung für das Schauspiel und die Oper erlangen Ter Unterricht wird von anerkannt hervorragenden Lehrkräften geleitet. Begabten Schülern für die Schauspielschule werden halbe Freiplätze bewilligt. Rach erfolgter Ausbildung Engagement von der Schule gesichert Anmeldungen finden täglich in der Tircctionskanzlei, II., Taborstraße 59, statt Auswärtige Zöglinge können Pension in der Anstalt erhalten.

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