Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 37 (14.9.1900)
- Date
- 1900-09-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 672 Dr» Bloch's Wochrnft'zrM Nr. 9? Ferner erhielten die Armen in Italien und Deutschland große Unterstützungen. Besonders reich wurden mehrere israelitische Cultusgemeinden bedacht. So hinterließ Baron Rothschild zu Gunsten der israelitischen Gemeinde in Neapel 100.000 Lire, zur Errichtung einer Schule sür arme jüdische Kinder in Neapel ebensoviel, zur Errichtung eines jüdischen Hospitals ebenfalls in Neapel 50.000 Lire. Für die Errichtung einer jüdischen Schule in Genf testirte der Verblichene 50.000 Francs; zur Vertheilung unter die Humanitären Institute in Frankfurt a. M. 100.000 Francs; für ähnliche Anstalten in Neapel 100.000 Lire und in Genf 50.000 Francs; das Bettlerasyl in Neapel erhielt 5000 Francs Jahresrente; eine gleichhohe Rente erhält das Blindenasyl m Frankfurt. Ferner wurden testirt: dem Kinderhospital in Genf 200.000 Francs Jahresrente, den jüdischen Armen in Genf 10.000 Francs, dem Hospital des Cantons Genf 50.000 Francs, jenen Arbeitern des Cantons Genf, welche durch den Tod ihres Chefs ins Elend gerathen, jährlich 5000 Francs; dem Rothschild'schen Besitz neben Genf „Reposoir" wurde eine Jahresrente von 80.000 Francs für die Rothschild'sche ophthalmologische Gründung hinterlafsen. In einem Codicill werden dieser Stiftung noch eine Jahresrente von 80.000 Francs und ein Betrag von 525.000 Francs zugedacht. Witebsk. (Eine Ansprache an seine jüdischen Soldaten) hat gelegentlich des Auszuges der hiesigen Garnison nach China der commandirende General des XVI. Armeecorps, General der Jilfanterie M. P. Bortjanew, gehalten. „Hebräer!" sprach der General, „viele Leute behaupten, daß Ihr im Kriege gerne Euer Leben schont. Das ist aber nicht wahr! Ich habe die Juden gesehen, wie sie im Kaukasus gefochten haben. Beweist auch Ihr bei der nächsten Schlacht, daß ich Recht habe." Vermischtes. Wien. (M ä d ch e n u n t e r st ü tz u n g s - V e r e i n.) An den Privatschulen dieses humanitären Vereines beginnt die Einschreibung für das neue Schuljahr am 13. d. M. Dieselbe findet in der Kanzlei, II., Kaiser Josef-Straße Nr. 32, statt, und zwar: für die Fortbildungsschule Donnerstag den 13. von 9 bis 12 Uhr; für die Arbeitsschule und den Bonnencurs Freitag den 14. Vormittags und für den Handels-Lehrcurs Freitag den 14. Nachmittags von 3 bis 6 Uhr. Zur Aufnahme zulässig sind unbemittelte israelitische Mädchen, welche das vierzehnte (sür die Fachschule für Schneiderei, den Bonnen- und den Handels- Lehrcurs das fünfzehnte) Lebensjahr bereits vollendet haben. Beizubringen sind Geburts- und Schulentlaffungs-Zeugniß. Wien. Im Bethause „Marpe Lanefesch", II., Glockengasse 4, wurde am 10. d. M. für weiland Ihre Majestät Kaiserin Elisabeth ein Trauergottesdienst abgehalten. Wien. Zu den bevorstehenden Festtagen werden die Betsitze im Bethause „Marpe Lanefesch" täglich zwischen 5—8 Uhr Abends vermiethet. Wien. (Silberne Hochzeit.) Der bekannte praktische Arzt Herr Dr. Emanuel Blum feierte mit seiner Gattin Sophie, geb. Kornfeld, das Fest der silbernen Hochzeit. Wien. Am 31. August d. I. entschlief im hohen Greifenalter von 90 Jahren Frau Wilhelmine Edle von Hofmannsth al geb. Herz-Blümel. Die irdische Hülle wurde Montag den 3. September Vormittags der Erde übergeben. Sie war einer Familie entsprossen, die nicht blos den Adel führte, sondern auch adelige Gesinnungen entfattete, von denen vielfache bleibende Stiftungen und Gründungen von mannigfachen Wohlfahrts- und Humanitätsanstalten in Prag und Wien Zeugniß oblegen. Wien. (Tempeleinweihung.) Donnerstag den 20. September a. c., 4 Uhr Nachmittags, findet im XX. Bezirk, Kluckygaffe, die feierliche Einweihung des neu erbauten Gotteshauses statt. S i tzevermiethung. Sitze in dem neu erbauten Tempel in der Brigittenau werden in der Bereinskanzlei, XX., Webergasse 20, 1. Stock, Sonntag zwischen 11—12 Uhr Bormittags, an den übrigen Tagen zwischen 1—3 Uhr Nachmittags vermiethet. Wien, 6. September In Gr.-Meseritsch (Mähren) veranstalteten die Unterreal- und Untergymnasialschüler eine Wohlthätigkeits-Vorstellung zu Gunsten der rumänischen Emigranten, deren Ertrag von 17 Kr. der Israelitischen Allianz zu Wien zufloß. In dieser Vorstellung wirkten in hervorragendem Maße mit: Frl. Emma Morgenstern, ferner Robert Fuchs, Paul Berger, Ernst Buchsbaum, Max Wilheim und Moritz Drechsler. Wien. Am 2. September d. I. wurde unter außerordentlich großer Betheiligung an der Leichenfeier Frau Hermine Singer, Gattin des Herrn Professor Richard Singer, im Alter von 35 Jahren zu Grabe getragen. Nicht allein die nächsten Angehörigen sind durch diesen herben Verlust in tiefe Trauer versetzt, auch zahlreiche Freunde und Arme, sowie insbesondere der Leopold städter Frauen-Wohlthätigkeits- Verein, welchem die Verblichene seit Gründung desselben als Vice-Präsidentin anqehörte, beklagen diesen Verlust aufs Tiefste. Die aufopfernde Thätigkeit, mit welcher die engelsgute Frau noch in der letzten Zeit ihrer qualvollen Leiden in treuer Pflichterfüllung die Obliegenheiten ihres Ehrenamtes versah, sichert ihr die unauslöschliche Dankbarkeit des Vereines. In ergreifender Trauerrede schilderte auch Se. Ehrwürden Herr Rabbiner D. Schmied! die schönen Charaktereigenschaften der. Verblichenen als Gattin, Mutter und Menschenfreundin. Da blieb kein Auge thränenleer, ein lautes Schluchzen vernahm man aus. den Reihen der Waisenmädchen des „Kaiserin Elisabeth-Hortes", welche unter Führung der Hortmutter, des Vorstandes und der Präsidentin erschienen waren. Von Nah und Fern kamen Condolenzen an den Verein, und erlaubt sich der Vorstand an dieser Stelle für die herzliche Theilnahme geziemend Dank abzustatten. Budweis, 30. August. Der inhaltreiche Satz „haneehowim w’hanneimim b’chajehem uw mossom lo nifrodu“ (die sich lieb und angenehm im Leben waren, sind auch im Tode von einander nicht geschieden) kann bei einem in unserer Gemeinde vorgekommenen seltenen Falle seine Anwendung finden. In einem Zeitunterschiede von wenigen Stunden starben hier am 22. d. M. die zwei Brüder Ignaz und Caspar Landesmann, welche seit ftühester Jugend in unserer Stadt in sprichwörtlich gewordener Liebe und Anhänglichkeit mit einander lebten. Heuer im Frühjahre erkrankte der Aeltere, Herr Ignaz, und in wenigen Tagen darauf erkrankte aus Herzleid darüber auch dessen jüngerer Bruder Herr Caspar Landesmann, und. .was,, sehr sonderbar dabei ist, daß, sobald sich der Zustand des Einen besserte oder verschlimmerte, beim Anderen derselbe Zustand zu bemerken war. Welcher Achtung sich die Verstorbenen erfreuten, bewies wohl am bestens die große Theilnahme am Leichenbegängnisse, welches am 24. d. M. auf dem hierortigen israelitischen Friedhofe stattfand. Wirkte schon der Anblick der beiden neben einander stehenden Särge in der Ceremonienhalle erschütternd, so blieb kein Auge trocken, als unser Kreisrabbiner Herr Dr. Wunder eine tiefergreifende Rede hielt. N.... m. Bisenz, 11. September. Unfern allverehrten Cultusvorsteher Herrn Eduard Fürst, der durch eine lange Reihe von Jahren in der opferwilligsten Weise gewirkt, haben wir gestern zu Grabe getragen. Die unbegrenzte Achtung und Verehrung, deren sich der theure Verblichene erfreute, gab sich kund durch die außerordentliche Theilnahme an seinem Leichenbegängnisse, zu dem von Nah und Fern die Trauergäste herbeiströmten. Bon dem Trauerhause bewegte sich der imposante Zug — voran die Schuljugend mit der Trauerfahne — zur hellerleuchteten, dichtgefüllten Synagoge, in die der Sarg getragen wurde. Nach einem Trauerchoral bestieg unser Rabbiner, Se. Ehrwürden Herr Dr. Josef Hoff, die schwarz drapirte Kanzel und schilderte in meisterhaft ausgeführter Rede die Verdienste des verstorbenen Vorstehers und nahm vom Verklärten Abschied im Namen der gesammten Gemeinde. Alle Anwesenden waren dabei aufs Tiefste ergriffen. Der Leichenzug bewegte sich sodann nach dem Friedhofe, woselbst Herr Dr. Hoff das Seelengebet verrichtete. -b-. Brünn, 10. September. Am 3. September wurde hier der in Wien höchst geachtete Advocat Dr. Berthold Raucher, aus Neu-Raußnitz gebürtig, zu Grabe getragen. Ein edler Mensch im wahren Sinne des Wortes wurde uns frühzeitig im Alter von 38 Jahren entrissen. Als Sohn armer Eltern hatte er durch Inanspruchnahme von Kosttagen sein Dasein gefristet und das Gymnasium mit Vorzug absolvirt, und hat es nach kurzer Zeit zur Stellung eines hochgeachteten Hof- und Gerichtsadvocaten in Wien gebracht. In seinem Testamente bedachte er seinen alten Vater und seine Geschwister, wie auch den israelitischen Freitisch-Verein in Brünn mit einem Legate von K 400,