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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-09-14 · 37 (14.9.1900) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
37 (14.9.1900)
Date
1900-09-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 37 Dr. Bloch's Wochenfttzrist. Sette 671 welchem der Kaisertoast von Herrn Cultusvorsteher Straßmann in vorzüglicher Weise gesprochen wurde. Leiter der k. u. k. Bezirkshauptmannschaft W e r l i k aus Freistadt beglückwünschte namens der Regierung den Tempelverein zu seinem Werke. Edler Ritter von P o r t e n s ch l a g- Ledermayer sagte: „Ich bin strenggläubiger Katholik, aber trotzdem hat mich noch selten eine Rede so tief ergriffen, als die des Herrn Rabbiner Dr. I. S p i r a", und leerte auf das Wohl des Redners sein Glas. Hierauf sprach Pfarrer I e z e k einen humoristischen Toast auf die zahlreich vertretene Damenwelt. I. S. Jassy. Das hiesige Hilfscomits hat nachstehendes Schreiben von der Firma I. u. L. Hamburger in Frankfurt a. M. erhalten: Frankfurt a. M., 20. August 1900. Herrn A. S. Goldenthal, Jaffy. Von den Vorstehern des hiesigen Comites für Rumänien, vernehmen wir, daß, wie in Bukarest, Sie auch dort mit andern Philanthropen einen Verein bilden, der sich zur Aufgabe gestellt hat, die Allerärmsten unter den durch die Grausamkeit der dortigen „christlichen Liebe" im Elend Befindlichen durch Darreichung der allernothwendigsten Nahrungsmittel wenigstens am Leben zu erhalten, und daß dieser Verein täglich 250 Francs zu seinem Bestehen erfordert. Eine solche Ausgabe von 91.000 Francs per Jahr könnte nur einer unserer leider wenigen Millionäre allein auf sich nehmen, wohl aber gibt es. wie ich glaube, unter dem Mittelstände unserer Glaubensgenossen Tausende, die wenigstens für einen Tag die Ausgabe zu bestreiten in der Lage sind, und indem wir hiermit einen Check von 250 Francs auf Paris zur Bestreitung der Bedürfnisse Ihrer Einrichtung an einem von Ihnen zu bestimmenden Tage des nächsten Monats überreichen, hoffen wir damit ein Beispiel gegeben zu haben, um mit Hilfe von 364 andern benso gesinnten Glaubensgenoffen für ein Jahr das Schlimmste in Ihrer Stadt überstehen zu können. Wir senden zu ähnlichem Zwecke die gleiche Summe an das Comite in Ihrer Bruderstadt Bukarest, und, wie gesagt, bei nur tausend ähnlichen Spenden blieben außer Jassy und Bukarest noch 270mal 250 Franken übrig, um auch in den kleineren Städten die Allerelendsten von dem Hungertode zu retten, und binnen Jahresfrist wird, so Gott will, die allgütige Vorsehung die Verhältnisse zum Bessern ändern rc. rc. Daher wollen wir nach unseren bescheidenen Mitteln wenigstens dazu beitragen, den durch die unmenschlichen Verfolgungen Noth Leidenden dort, wo sie sind, das nothwendigste Brot zu schaffen. Samson Sohn Jitzchaks und seine Frau Thirza. München, 3. September. Wie aus früheren Meldungen bekannt, hatten die hier erscheinenden Zeitungen „Bay. Vaterland" und „Neues Münch. Tagbl." gegen den Wiener Gemeinderath Lucian Brunner heftige Angriffe gebracht auf Grund einer demselben fälschlich zugeschobenen Aeußerung. welche derselbe in einer Sitzung des Wiener Gemeinderathes gebraucht haben sollte, lautend: „Ich verachte alle Christen." Hieraufhin hatte Herr Lucian Brunner gegen den Redacteur Georg Freiherr v. d. Tann vom „Neuen Münch. Tagblatt" und gegen Otto Schoy vom „Bay. Vaterland" Klage angestrengt; die vor einiger Zeit beim kgl. Amtsgericht München I stattgehabte Verhandlung wurde behufs Erhebung geeigneter, den Sachverhalt klarlegender Momente vertagt. Nun ist im „Neuen Münchener Tagblatt" zu lesen: „Zwischen dem Gemeinderath Lucian Brunner in Wien und den Redacteuren Georg Freiherr von der Tann vom „Neuen Münchener Tagblatt" und Otto Schoy vom „Bayerischen Vaterland" kam zur Beilegung des von Herrn Lucian Brunner gegen die Redacteure von der Tann und Schoy bei dem kgl. Amtsgericht München I angestrengten Privatklage-Processes folgender Vergleich zu Stande: 1. Die Privatverklagten erklären, durch die Beweisaufnahme nicht die Ueberzeugung gewonnen zu haben, daß der Privatkläger die Aeußerung: „Ich verachte alle Christen" wirklich gebraucht habe. 2. Sie nehmen deshalb den Borwurf dieser Aeußerung, den sie dem Privatkläger im Vertrauen auf die Wahrheit der ihnen zugegangenen Berichte machten, ebenso wie die daran geknüpften sonstigen Beleidigungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück.. 3. Sie übernehmen sämmtliche Kosten. Hiermit hat eine Angelegenheit, welche der Antisemiteupreffe Gelegenheit bot, sich in dem bei ihr bekannten schönen Lichte zu zeigen, ihre Erledigung gefunden. Berlin» 4. September. Am 30. d. M. feiert der rühmlichst bekannte Obercantor der Synagogengemeinde zu Stettin, Herr I. S a r a s o h n sein fünfundzwanzigjähriges Amtsjubiläum. Einer in Rußland berühmten Rabbinerfamitie entstammend. wurde Sarasohn von seinem Vater in dem Geist der Bibel und des Talmuds eingeführt nnd zeichnete sich schon als Kind durch großen Scharfsinn aus. Er verließ früh das Elternhaus, ging zu seinem Großvater, der ebenfalls Rabbiner war, und konnte sich dort neben talmudischen auch allgemein wissenschaftlichen Studien widmen. Nachdem sein Vater später einem Rufe nach Wittkowo (Preußen) als Rabbiner gefolgt war. kehrte Sarasohn in das Elternhaus zurück und faßte, einem inneren Drang folgend, den Entschluß, das jüdischtheologische Seminar in Breslau zu besuchen, wo er fleißig talmudischen und weltlichen Studien oblag. In ihm schlummerte aber zugleich ein großes Gesangstalent Er besuchte eifrig die Gemeindesynagogen und lauschte mit ganz besonderer Aufmerksamkeit dem Gesänge der gefeierten Obercantoren Deutsch und Spiro. In dem Seelenkampfe, den die Frage der Berufswahl in ihm weckte, empfand er den „zarten Unterschied zwischen Rabbiner und Cantor", von dem Herr Obercantor Singer-Wien treffend in einem Artikel spricht. Er vertiefte sich in seinen Mußestunden in das Wesen des Gesanges und besuchte neben dem Rabbiner-Seminar das Institut des unsterblichen Meisters Deutsch, von dem er in den Geist des alten Chasonus, in Theorie und Contrapunkt, sowie in die Geschichte der Musik eingeführt wurde. Nach absolvirten Studien in Breslau und nach Ablegung eines Lehrerexamens bei der königlichen Regierung zu Bromberg nahm Sarasohn die Prediger- und Canrorstelle in Schubbin an und wurde alsdann in gleicher Eigenschaft nach Bunzlau berufen. In beiden Gemeinden wirkte er zur großen Zufriedenheit aller Mitglieder und erwarb sich ungetheilte Liebe und Verehrung. Er strebte aber immermehr nach Vervollkommnung im Gesänge und in der Musik; seine Stimmmittel und seine musikalische Auffassung wurden immer bedeutender. Sarasohn galt bald als einer der besten Jünger seines Lehrers und Meisters Deutsch, und so erging an ihn vom Vorstande der Stettiner Synagogengemeinde d.r ehrenvolle Ruf, den vacanten Obercantorposten anzunehmen. Er folgte diesem Rufe, und sein Probevortrag fiel so glänzend aus, daß er einstimmig gewählt wurde. Da damals die Kanzel in Stettin verwaist stand, sollte Herr Sarasohn auch hier Proben seines Predigertalentes ablegen. Er entledigte sich auch dieser Aufgabe in hervorragender Weise bis zur Anstellung des Herrn Rabbiners Dr. V o g e l st e i n. Nun widmete sich Sarasohn ausschließlich seinem cantoralen Berufe. Mit großem Geschmack und Geschick organisirte er den Gottesdienst und brachte den Synagogengesang auf eine künstlerische Höhe. Seine Leistungen und Verdienste wurden ihm oft in Wort und Schrift auch von den Behörden kundgethan. Sarasohn führte die Gesänge von Deutsch ein und errang, da er sich in den Geist dieser unsterblichen Schöpfungen vertiefte, nicht nur die Zufriedenheit, sondern auch die persönliche Beliebtheit der Gemeindeangehörigen, welche er, durch sein liebenswürdiges, einnehmendes Wesen unter >mtzt, dazu benützte, mehrere Wohlthätigkeitsvereine in's Leben zu rufen, u. A. den „Knabenverein", aus dessen Jahresbeiträgen unbemittelte Kinder in höhere Schulen geschickt werden. (Alljährlich ve anstaltet der Verein eine Chanucka-Feier, an der alle Kreist der Gemeinde theilnehmen.) Eine ganz besonders rührige Thätigkeit entfaltet Herr Sarasohn für die Feriencolonien. Vermöge seiner großen Bekanntschaft und seines weitreichenden Einfluffes gelingt es ihm alljährlich, zahlreichen erholungsbedürftigen Kindern Freistellen in Familien zu verschaffen. Auch nahm er sich oft der Witwen und Waisen verstorbener Collegen an und trat väterlich für dieselben ein. Zu den Gemeindemitgliedern steht Sarasohn in freundschaftlichem Verhältniß und nimmt an allen Familienereignissen regen Antheil. Die neugeborenen Knäblein führt er in den Bund Abraham's ein und verschönt diesen heiligen Act durch vortreffliche, von biblischen und talmudischen Citaten gewürzte Reden. So kann Herr Obercantor Sarasohn auf ein weites, umfangreiches Arbeitsfeld und auf eine gesegnete Amtsthätigkeit zurückblicken. Aber nicht allein in seinem Berufe waren ihm viele Freuden beschieden, sondern auch im Kreise seiner Familie, wo er sich an der Seite seiner liebevollen und wohlthätigen Gattin von Kindern umgeben sieht, die in der medicinischen, wie in der musikalisch n Welt einen klangvollen Namen sich erworben haben. Alle Freunde und Collegen des Herrn Sarasohn werden sicherlich seinen Jubeltag als willkommenen Anlaß benützen, ihm die verdiente Ehrung darzubringen. Möge er noch recht viele Jahre in voller Rüstigkeit seines heiligen Amtes weiter walten! A. Friedman». Paris. (Das Testament des Barons Adolphe Roth sch ild.) Aus dem inseinen llmriffen schon bekanntenTestamente des Barons Adolphe Rothschild veröffentlicht jetzt der .Figaro" nähere Details, aus denen hervorgeht, daß diese letztwillige Verfügung eines der größten Wohlthätigkeitswerke der letzten Jahre ist. Baron Rothschild hinterließ — wie bereits gemeldet wurde — Millionen für humanitäre Institutionen in Frankreich.

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