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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-09-14 · 37 (14.9.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
37 (14.9.1900)
Date
1900-09-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 670 Dr. Bloch's Worten surrst. Nr. 87 19jährige Franja Ledermann sind am 24. Juli aus dem Kloster der Feliciauerinnen entkommen. Dieselben erzählen, daß während ihrer Anwesenheit noch acht indische Mädchen im Kloster festgehalten wurden, die schwere Arbeiten verrichten mußten. Allwöchentlich hält der Beichtvater des Klosters,?. G o l b a, mit den Mädchen eine Religionsübung ab, wobei derselbe wiederholt erklärte, die Juden seien schlecht und hätten keinen Gott. Die Nonnen versuchten die Mädchen ihren Angehörigen dadurch zu entfremden, daß sie ihnen sagten, sie würden von den Eltern umgebracht werden, wenn sie nach Hause zurückkehrten. Wien. (Wie in Galizien antisemitische E xcesse gemacht werden.) Vor mehreren Monaten wurde eine große Anzahl von Bauern vom Przemysler Kreisgerichte wegen öffentlicher Gewaltthätigkeit zu schweren Kerkerstrafen verurtheilt. Sie waren nämlich, bewaffnet mit Heugabeln, Beilen und Sensen, in das Haus der Ryfka Pfeffer in Nieradowa eingedrungen und hatten dort Alles dem. Boden gleichgemacht, so daß die Besitzerin des Hauses nur mit Mühe das nackte Leben hatte retten können. Ein Crvilproceß. der jetzt alle Instanzen durchgemacht hat, hat gezeigt, wer hinter diesen scheinbar antisemitischen Exceffen steckte. Wahrend des großen Bauernaufstandes im Jahre 1846 hatte der Graf Eustachius D e b i n s k i dem Pächter P s e s s e r, der ihn vor den Bauern beschützt und so das Leben gerettet hatte, aus Dank ein Bauernhaus geschenkt, das jetzt dessen Tochter Ryfka Pfeffer gehörte. Des Grafen Erbin. Gräfin Laura D e b i n s k i, wollte aber das Eigenthum der Ryfka Pfeffer nicht anerkennen und forderte sie auf, das Haus sofort zu verlaßen. Als diese der Aufforderung nicht Folge leistete, stiftete die Gräfin die Bauern an, die „Jüdin" dovonzujagen; dreißig Bauern hatten sich verleiten lasten, dieser Aufforderung nachzukommen und wurden verurtheilt. Das behauptete die Ryfka Pfeffer in der Schadenersatzklage, die sie bei dem Bezirksgerichte in Dubiecko gegen die Gräfin einbrachte. Der Bezirksrichter sprach die Geklagte frei. Das Kreisgericht in Przemysl aber, an das die Pfeffer appellirte, verurtheilte die Gräfin zur Zahlung einer ziemlich hohen Summe, indem es als erwiesen annahm, daß sie die Bauern zur Zerstörung des Hauses aufgefordert hatte, und der Oberste Gerichtshof, an den sich die Gräfin wendete, bestätigte das Urtheil. Auch der Letztere sprach ausdrücklich aus, daß die That der Gräfin Debinski ungesetzlich und verbrecherisch war. Die Gräfin kam mit ein paar Gulden davon, die armen verführten Bauern aber mußten die verbrecherische That der Gräfin mit ihrer Freiheit büßen. Europäische Cuttur in China. Ueber schlimme Scenen, die der Eroberung von Tientsin folgten, berichtet die eingetroffene Nummer des „Ostasiatischen Lloyd" vom 27. Juli: Nach der Einnahme der Chinesenstadt Tientsin, die von mehr als einer Million Menschen bewohnt war, gestatteten die Franzosen, Engländer, Amerikaner und Russen ihren Soldaten officiell, einen halben Tag zu plündern. Es darf besonders hervorgehoben werden, daß an der dann sich entspinnenden Plünderung sich kein deutscher Soldat betheiligt hat. Was für einen Umfang diese aber angenommen hat, davon macht man sich kaum einen Begriff. Tagelang wurde nicht nur dieChinesenstadt geplündert, sondern auch jedes Haus in der Europäer st ad t. Das Schlimmste aber ist, daß an dem schamlosen und barbarischen Treiben, das sich nun entwickelte, auch eine ganze Reihe von C i v i l i st e n theilgenommen hat und unter ihnen auch M i tglieder der sogenannten besten Gesellschaft Tientsins. Die mündlichen Berichte wiederzugeben, die von Augenzeugen hierhergebracht sind, sträubt sich die Feder. Sofort nach Besetzung der Chinesenstadt sah man Leute, die während des Bombardements nur in den tiefsten Kellern zu finden gewesen waren, dorthin ziehen und schwer beladen mit Beute aller Art, namentlich aber Silber-Sycees heimkommen. Die Freude dauerte indeffen nicht lange. Bailie, der englische Obercommandirende in der Stadt, nahm den Räubern Alles schnellstens wieder ab. Keiner von ihnen hatte auch nur Eine Hand gerührt in den Zeiten, als die Lage für uns Alle recht gefährlich war; das hinderte sie aber nicht, sich an der Plünderung zu betheiligen und dabei gründlich Beute zu machen. Alles ihnen wieder abgenommene Geld und Silber fällt dem Kriegsfonds zu. Thüren und Thore wurden besetzt und gründliche Haussuchung vorgenommen. Am meisten enttäuscht war ein englischer Berichterstatter, der sich Sycees im Werthe von 20.000 Taels mühsam herbeigeschleppt hatte. Heute tritt in dieser Sache ein Kriegsgericht zusammen Es brennt rings umher, wohin man auch sein Auge wendet. Auch ein Theil der Chinesenstadt steht bereits in Flammen. Die Luft ist ganz entsetzlich. Zu der ganz enormen Hitze kommen noch - die üblen Gerüche der Leichen und des Feuers. In unserem Bureau sieht es wüst aus. Ich kann kein Safe (Casse) öffnen, da alle Griffe abgehauen und die Safes selbst umgeworfen sind. Die sämmtlichen deutschen, in der französischen Niederlassung ansässigen Firmen haben nach Rücksprache mit dem deutschen Consul durch ihn ein Schreiben an den französischen Generalconsul gerichtet, in dem.sie. Schadenersatz beanspruchen. Aus einem Schreiben vom 17. Juli berichtet das Blatt' Ich schrieb Ihnen gestern Morgens und muß Ihnen heute die traurige Mittheilung machen, daß inzwischen unser ganzes Haus vollständig von den russischen und französischen Soldaten ausgeraubl und alles Mobiliar gewaltsam demolirt worden i st. Alle Safes sind ebenfalls erbrochen, und ich bin jetzt bemüht, wenigstens unsere Bücher zn retten. Vom französischen Consul war keine Hilfe zu erlangen, und der deutsche und der russische konnten nichts machen. Prag. (I nst al l atro ns fei er.) Die „Bohemia" vom 8. September meldet: Im israelitischen Tempel in Smichow fand gestern die Installation des neu ernannten Rabbiners der dortigen Cultusgemeinde Herrn Dr. D. Herzog in feierlicher Weise statt. Das Gotteshaus war aus diesem Anlasse mit Palmen und Blattpflanzen festlich geschmückt. Unter den zahlreich erschienenen Festgästen befanden sich Herr Dr. Bendiener in Vertretung der Prager israelitischen Cultusgemeinderepräsentanz. Herr Dr. Moritz Liechtenstern für die böhmische Landesjudenschüft, eine Deputation der Carolinenthaler Cultusgemeinde und Vertreter anderer Körperschaften. Nach Absingung eines Psalmes durch den Temp.-lchor geleitete der Gesawmtvorstand Herrn Dr. Herzog zur Bundeslade, daselbst hielt der Cultusvorsteher Herr Rudolf Grab eine schwungvolle Ansprache, in welcher erden neuen Rabbiner im Namen des Vorstandes begrüßte und die vertrauensvolle sympathische Gesinnung der Gemeindemitglieder mit dem Wunsche zum Ansdrucke brachte, seine Thätigkeit möge der Gemeinde zum Wohle gereichen. Herr Dr. Herzog dankte in bewegten Worten für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und versprach, stets im Sinne des Frieders wirken zu wollen. — Um halb 10 Uhr hielt Herr Dr. Herzog seine Antrittspredigt. Oderberg. Wie wir bereits berichtet haben, fand am 9. d. am Bahnhof Oderberg die Einweihnngsfeierlichkeit des neuen jüdischen Tempels statt. Viele Gemeinden und Rabbinäte waren vertreten, so unter Anderem aus Mähr.-Ostrau, Troppau, Prerau, Friedek. Kreisrabbinat Teschen, die B. B. Loge und das Rabbinat Ratibor. Ferner entsendeten Vertreter jüdische Vereine aus Privos und Mähr.-Ostrau. Im alten Bethause hielt Herr Rabbiner Dr. Tauber aus Prerau die Abschiedsrede. Dem Festzuge voran schritt die Freiwillige Feuerwehr, der Militär-Veteranenverein und unter einem Baldachin die sechs Rabbinen. Der Cultusvorsteher aus Mähr.-Ostrau, Herr M. Straßmann, eröffnete das Gotteshaus und empfahl dasselbe dem Schutze der hohen Regierung^ Unter den Anwesenden bemerkte man: k. u. k. Landesregierungsrath Johann W e r l i k, k. u. k. Steueramts-Oberinspector Schneider, den Bürgermeister von Oderberg Josef Edlen von P o r t e n s ch l a g- Ledermayer, den katholischen Pfarrer I e z e k, das evangelische Presbyterium, die Beamten der politischen Behörde, die Zollbeamten, die Bahnbeamten der österreichischen und preußischen Bahnen, sowie eine riesige Menschenmenge aller Confessionen. Die gesanglichen Functionen versah Obercantor Türk aus Mähr.-Ostrau. Nachdem die Schlußsteinurkunde von den anwesenden Honoratioren unterfertigt und das ewige Licht angezündet worden, sang der Chor der Mähr.-Ostrauer Gemeinde den XIX. Psalm und Herr Rabbiner Dr. Jacob S p i r a hielt eine ans Herz greifende Einweihungsrede. Mit der Absingung der Volkshymne endete die herrliche Feier. Erbaut wurde die Synagoge von Baumeister Richard Munk, den Bauplatz hat gespendet der schlesische Landeshauptmann Se. Excellenz Heinrich Graf L arisch. Abends fand unter dem Vorsitz des Vereinsobmannes Herrn Victor L ü st i g ein solennes Bankett zu Ehren der anwesenden Gäste statt, bei

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