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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-09-14 · 37 (14.9.1900) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
37 (14.9.1900)
Date
1900-09-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 37 B'och's Wochenschrift. Sette 667 Taymurath, d. h. „der große Fuchs", die Schrift den Dämonen, ähnlich, wie Odin den Äsen die Dichtkunst raubt.10) Die Babylonier führen ihre Schrift auf Nebo zurück, den „Schreiber des Himmels", den die Griechen ebenfalls mit Hermes, die Römer mit Mercnr ineinssetzen, der noch in der jüdischen Literatur safra de chamma „Schreiber der Sonne" oder einfach „Schreiber" heißt.".) , Also auch die Volkskunde nennt uns als Erfinder der Schrift göttliche Wesen, Dämonen, die man sich ja in Schlangengestalt dachte, oder deren Spuren man die Form der Fußtritte eines Vogels zuschrieb. Daher die Bogelspurschrift der Chinesen, daher die Kronen, die Schlangen krönen, die vom Himmel fallen. Die Dämonen sind ihrer Macht beraubt und weinen darüber; denn die Menschen haben ihnen die Schrift und damit ihre eigenen Namen bezw. Zeichen entrissen und so Macht über sie selbst gewonnen. So dürfen wir uns auf Grund bestimmter Daten, welche uns Sprachwissenschaft, Völkerkunde und Volkskunde liefern, die Anfänge der Schrift denken. Wie verhält sich nun 'die Schrift zur Sprache? Plato nennt die Schrift ptionen apeiron „eine endlose Stimme", und Schiller sagt: „Körper und Stimme leiht die Schrift dem stummen Gedanken, durch der Jahrhunderte Strom trägt ihn das redende Blatt." Beide empfanden richtig, daß Schrift und Sprache von Haus aus von einander völlig unabhängig sind. Die Schrift ist eine optische Sprache, wie die Sprache eine akustische Schrift ist. Beide sind sie Körper, Ausdruck des Gedankens, aber die eine fürs Ohr, die andere fürs Auge. Wie unabhängig die Schrift von der Sprache ist, lehren uns unsere Ä-b-c-Schützen. Sie buchstabiren in Wien J-o-s-e-f und lesen Pepi^), in Hamburg H-o-s-e-n und lesen Bussen") Eine Schrift ohne Worte sind unsere Wappen und Marken. So gebrauchen die Kirgisen eine Menge Zeichenalphabete für ihre Racenpferde"). Doch am deutlichsten zeigt uns diese Unabhängigkeit die chinesische Schrift"), welche, wie die Keilschrift und unsere Zahlenzeichen, die ja auch im Grunde nichts anderes als Schriftzeichen sind, von den verschiedensten Völkern in den verschiedensten Sprachen gelesen wird. Gerade an diesem Beispiele sehen wir am klarsten, wie viel mehr die Sprache von der Schrift abhängig sein kann. Denn das Stereotype, Beharrliche der Sprache der Chinesen ist in ihrem zähen Festhalten an ihrer alten Schrift begründet. Von einer Beeinflussung der Schrift durch die Sprache kann erst^>ie Rede sein, sobald die Wortschrift, das heißt die Schrift/ welche für jedes einzelne Wort ein besonderes Zeichen setzt, durch Zerlegung des Wortes in seine Bestandtheile zur Silben- und endlich zur Lautschrift fortschreitet. (Fortsetzung folgt.) Baron Banffy und die Inden. Der königlich ungarische Obersthofmeister Baron Desider B a n f f y hat vor einigen Tagen, wie wir bereits kurz berichteten, beim ersten Leiter der Wohlthätigkeitsaction für die rumänischen Juden, dem jüdischen Kaufmann Paul S a n d o r, einen Besuch gemacht, um „einen warmen Händedruck mit dem Manne zu wechseln", der den Wohlthätigkeitssinn seiner Glaubensgenosien und das Humamtätsgefühl Ungarns in schweren Tagen vor Bankbruch geschützt. Eines der angesehensten Blätter „A Het" bringt an leitender Stelle die Illustration dieses Händedruckes und knüpft hieran folgenden Commentar: In den meisten Fällen — so schreibt die genannte Zeitung — pflegt ein Baron beim Juden Besuch zu machen, wenn er sich von ihm Geld ausborgen will. Baron Desider Banffy, der frühere Ministerpräsident Ungarns, besuchte einen Juden, „um zu zahlen". Nicht seine eigene Schuld bezahlte er, sondern die lö) Nach Eleazar Roqeach in „Raziel", fol. 13d, bildete Adam die Schriftzeichen nach der Gestalt der gefallenen Engel. (Frdl. Mittheilung des Herrn A. Epstein, Wien.) ") W. 484 f. ia) Faulm. S. 583. ") W. 320. Vergl. franz. moi-moa u. s. w. ") W. 63. 15) Ebenda. moralische Verpflichtung seines Nachfolgers im Amte und dessen College», die nun einmal nicht auf der Höhe der Situation gestanden. Baron Banffy war stets ein Freund und Gönner der Juden. Als liberaler Staatsmann in der umfassendsten Bedeutung des Wortes hat er auch bei jeder Gelegenheit die patriotischen Tugenden seiner jüdischen Mitbürger bereitwilligst hervorgehoben. Er vertheidigte sie vor Angriffen und versäumte es nie, jede gehässige Bewegung im Keime zu ersticken. Er war vom Patriotismus der Juden persönlich überzeugt, und das war für ihm genug bestimmend, sie als vollkommen gleichwerthige „ungarische" Bürger zu betrachten, und da er auch sonst die herrlichsten Vorzüge eines edlen Mannes in sich vereinigt, ließ er mit sich in solchen Dingen nicht handeln. Vor zwei Jahren hielt Baron Banffy eine fulminante Rede über die Juden, die in der Tagespresse einen mächtigen Widerhall hervorgerufen. Aus Anlaß des oben erwähnten „Händedrucks" reproducirt nun die „U. W." einen Artikel, der seinerzeit auch im officiösen Organ der Regierung, im „M. U." erschienen ist. Dieser Aufsatz ist auch heute von sehr aktuellem Interesse und lautet wie folgt: „Ministerpräsident Banffy und die Juden." Die vom Ministerpräsidenten im Abgeordnetenhause gehaltene Rede über die Juden, welche einen glänzenden Beweis von seiner hehren individuellen Auffassung in nationalen und konfessionellen Fragen liefert, sowie die Thatsache, daß er in all lenen Fragen einen idealen, nicht alltäglichen Standpunkt einnimmt, hat überall sehr angenehm berührt. Seitdem haben Staatsmänner und Publicisten in Reden, Leitartikeln und Feuilletons dieses Thema berührt. Alle stellten sich auf den Standpunkt des Ministerpräsidenten, indem sie verkündeten, daß das Ungarthum und das Judenthum nunmehr eine nationale Einheit bilden und daß bei uns tatsächlich nur eine jüdische Confession existirt. Es wird indessen nicht uninteressant sein, wenn wir bei dieser Gelegenheit die vorurtheilsfreie Denkweise des Cabinetschefs beleuchten und hauptsächlich aus seiner Wirksamkeit als Obergespan jene Momente hervorheben in denen er auf confessionelle Fragen auch in der Praxis aus freiem Antriebe die Antwort ertheilte. Als er Obergespan des Comitates Besztercze-Naszod wurde, wohnten wenig Juden im Sitze des Comitats, aber auch ein bedeutender Theil dieser Wenigen bestand aus solchen, die vom ungarischen Staatsgedanken einen recht geringen Begriff hatten. Die Sachsen und Rumänen verheimlichten damals noch, daß auch Bistritz zu Ungarn gehörte. Ungarische Schulen gab es damals dort noch nicht, während in den Lehranstalten der Nationalitäten die ungarische Sprache beiläufig in dem Maße gepflegt wurde, wie man etwa die hebräische Sprache in den reformirten Lyceen cultivirt. Der Rabbinerposten war noch nicht systemifirt. und so ist es erklärlich, warum der damalige jüdische Gemeindevorsteher keine ungarische Begrüßungsrede halten konnte. Trotzdem beanständete Baron Desider Banffy die bei der feierlichen Gelegenheit gehaltene deutsche Rede, und seine wohlwollende Ermahnung hatte auch den gehörigen Erfolg, denn ein Jahr später hatte Bistritz schon einen ungarischen Rabbiner, dessen Wahl Banffy selbst gefördert hat. Und nach der ungarischen Rede des neuen Rabbiners lobte der damalige Obergespan Baron Banffy mit Worten der Anerkennung die patriotisch fühlenden Juden von Bistritz. „Ich werde — sagte der Obergespan — den Juden nicht nur in weltlichen Dingen Gerechtigkeit widerfahren lassen, sondern sie auch in religiösen Angelegenheiten beschützen. Wegen ihrer Religion werde ich zwischen Juden und Nichtiuden keinen Unterschied machen. Wenn innerhalb meines Wirkungskreises nach dieser Richtung hin noch Hindernisse obwalten sollten, werde ich darauf bedacht sein, daß sie beseitigt werden. Was ich vom ganzen Publicum — abgesehen von der Religion — wünsche, ist, daß wir gleich treu seien unserem theuren Baterlande." Wie aufrichtig und ernst der illustre Herr diesbezüglich seine Mission aufgefaßt hat, erhellt auch daraus, daß, als im Jahre 1885 der damalige Cultusminister ein mit königlicher Bestätigung versehenes Circular erließ, wonach im Interesse der pünktlichen Matrikelführung jede Gemeinde innerhalb eines Präelufivtermins verpflichtet wurde, einen solchen Rabbiner anzustellen, der eine ungarische Schule absolvirt hat, da sonst, dem Obergespan das Recht zustehen würde, den matrikelführenden Seelsorger zu ernennen — kein Obergespan von diesem Rechte

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