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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-09-07 · 36 (7.9.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
36 (7.9.1900)
Date
1900-09-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Bloch's Wochenschrifl. Seite 659 Ritualgesetz, das die Blutscheu tief in die Herzen einprägte, ja fast zum Jnstincte werden ließ. An diese umfangreiche Arbeit schließt sich ein Aufsatz über jüdische Amulette, die wie Scheidemünzen unter Juden und Nichtjuden ausgetauscht wurden. Das sechste Heft enthält aus der Feder Dr. Eschelbacher's eine Fortsetzung der im vierten Heft veröffentlichten Arbeit Kaufmann's über jüdische Heiratsausstattungen, ferner eine Abhandlung Dr. Grunwald's über die Ameise in der hebräischen Literatur. Aus der interessanten Darstellung dieses noch wenig bearbeiteten Themas erwähnen wir nur ein Gedicht aus dem Fabelbuche Misle sualim des Burgunders Berekja ha-nagdan, betitelt „Ameise und Wespe", das fast wortgetreu der La Fvntaine'schen Fabel la cigale et la fourmi entspricht. Wie in allen anderen Heften, finden wir auch in diesem Sprichwörter, Redensarten rc. Eine Skizze über den Juden auf dem Theater, speciell den Juden im türkischen Schattenspiel ist voll Anregung auch für den Laien. Dem Hefte liegt ein Verzeichniß der Sammlungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde bei, das einen Ueberblick übcr den derzeitigen Stand des Museums gewährt und aus dem man erkennen kann, daß die Gesellschaft bereits werthvolle Erwerbungen gemacht hat, ja sogar noch wenig bekannte Unica besitzt. Unendlich mehr noch, als das hier Aufgezählte, findet sich in den Heften; es ist eine Fülle von Material in ihnen enthalte», das dem künftigen Forscher jüdischer Culturgeschichte unschätzbar sein wird. Für den Laien aber bedeuten diese „Mittheilungen" ein reizendes Märchen, das zugleich den Beweis liefert, welch unendlich feine und unzerreißbare Bande die große Völkerfamilie verknüpfen. Nur selten läßt sich genau Nachweisen, was jüdischen, was fremden Ursprungs ist. Meist sind die besonderen Eigenthümlichkeiten verwischt, und was uns vorliegt, gleicht oftmals dem Kinde, bei dem wir bald Aehnlichkeiten mit dem Vater, bald mit der Mutter entdecken und das im Grunde doch von den Eltern verschiedene, persönliche Züge trägt. Es ist ein fortwährender Austausch, ein ewiges Geben und Nehmen zwischen Volk und Volk. Und während im politischen und socialen Leben noch Haß und Kampf herrschen, gilt in den Tieien der Volksseele Goethe's herrliches Wort: Gottes ist der Orient, Gottes ist der Occident, Nord und südliches Gelände Ruht im Frieden seiner Hände. Literatur. Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Culturgeschichte der Menschheit. Unter diesem Titel erscheint demnächst aus der Feder des bekannten Schriftstellers und Publicisten Dr. Adolf K o h u t im Verlage der Verlagsbuchhandlung von A. H. P a y n e in Leipzig ein illustrirtes, glänzend ausgestattetes Prachtwerk in Lieferungen, welches nicht verfehlen wird, in den weitesten Kreisen Aufsehen zu erregen. Gegenüber den fortgesetzten antisemitischen Agitationen, wie sie jetzt seitens einer gewissen Presse und Fraktion an der Tagesordnung sind, ist es erfreulich, constatiren zu können, daß die besseren Elemente des deutschen Publicums gegen diese Treibereien Stellung zu nehmen beginnen. Dieser Strömung Rechnung tragend, hat eine renommirte Verlagshandlung von unzweifelhaft arischer Abstammung und unverfälscht christlicher Gesinnung sich mit dem Verfasser verbunden, um den Juden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und dem Publicum zu zeigen, wie einschneidend viele Hunderte namhafter und hervorragender Juden und Jüdinnen in Vergangenheit und Gegenwart in die Geschichte und Culturgeschichte der Völker eingegriffen und welch' glänzende Kulturarbeit sie geleistet haben. Hätte die moderne Gesetzgebung den Juden nicht schon längst die Gleichberechtigung nach schweren Kämpfen ertheilt, so hätten sie sie sich durch ihre Werke und Schöpfungen ehrlich verdient. Man kann dem durchaus originellen und zusammenfassenden Prachtwerk nur mit Spannung entgegensehen. Dr. M. Brann. Jüdischer Volks- und Hanskalender für das Jahr >901. Mit einem Jahrbuche zur Belehrung und Unterhaltung. Breslau. Verlag von Th. Schatzky. Preis Rmk. 1.25. Dieser reichhaltige und beliebte Kalender, dessen 48. Jahrgang uns vorliegt, bringt außer dem trefflich redigirten kalendarischen Theile die Rede des Rabbiners Dr. Rosenthal bei der Denkmalenthüllung Professor Dr. David Kaufmann's s. A., ferner einen werthvollen Aufsatz Dr. M. Brann's: „Das deutsche Judenthum an der Wende des Jahrhunderts". Das Bildungs- und Unterrichtswesen im Deutschen Reiche an der Jahrhundertwende wird in einem statistischen Beitrag von E. Blenck und Dr. A. Petersilie besprochen Dr Josef Landsberger berichtet über Juden im Dienste der kaiserlichen Post in Breslau, Professor Dr. Moritz Steinschneider erzählt in fesselnder Weise von Jacob ibn Killis, dem Wezir. Den Schluß bildet eine hübsche Novelle R. T r e i t e l 's: „Alles für den Glauben". Jllustrirter israelitischer Dolkskalender von Josef S ch l e sing er, Wien. Dieser enthält Ausführliches über den Synagogen-Ritus für das Kalenderjahr, sowie einen ausführlichen kalendarischen Theil; im „Salon für Unterhaltendes und Belehrendes" eine gutgeichriebene Biographie von Rabbi Dr Israel Hildesheimer aus der Feder des Bezirksrabbiners Dr. M R o s e n m a n n . in Floridsdorf, einen Essay „Die Marranen" von demselben Verfasser, eine Novelle: „Esther, das jüdische Blumenmädchen" von Daniel Sk utetzky in Wien und einen Jahresrückblick von Samuel Brunner. Literarischer Palästina-Almanach für das Jahr 5661—1900/19<>1* Herausgegeben von A. M. Luncz, VI. Jahrgang. Jerusalem 1900. Im Selbstverlag des Herausgebers. Derselbe enthält außer dem kalendarischen Theil alles für den Juden im Orient Wissenswerthe, in der literarischen Abtheilung: Ernte und Weinlese; Bild aus dem Leben der jüdischen Colonisten in Palästina. Mit Abbildung. Autobiographie des Oberrabbiners (Chacham Baschi) in Jerusalem. Die jüdische Mutter (Gedicht). Bibliographisches Verzeichniß der in Palästina gedruckten Bücher und vorhandenen Handschriften. Entstehung und Entwicklung der Colonie Katra Aus dem Leben der Beduinen. Biographie des Rabbi Joseph Schwarz (Verfasser von „Das heilige Land") nebst Bild, Nachrichten und Notizen und die Ereignisse des Jahres. „Jüdischer Dolkskalender." (Sechster Jahrgang). Unter der Redaction von Gustav Bader. Enthält neben dem Kalendarium für 5661 und einem reichen informativen Theile folgende literarische Beiträge: I. „Cypern" von G. B. 2. „Unsere Zukunft", Gedicht von Dr. M Wirth. — 3. „Opfer", Erzählung von Mendele Mocher- S'forim. - 4. „Verschiedener Zionismus", von G. B--5. „Die messianische Zeit". Skizze von L. Peretz. — 6. „Was sollen die Zionisten jetzt machen?" von Dr. Abraham Salz. — 7. „Historische Thränen", Erinnerungen von E. Goldin. — 8. „Ein christlicher Zionist" von R. Brainin. — 9. „Zwei Perlenschnüre", literarische Silhouetten über Mendele und Peretz (Photographien), von Dr. M. Wirth. — 10. „Machnajim", der heutige Stand dieser Colonie mit einem Bilde von Dr. Salz. — 11. „Rückblick auf das Jahr 5660" von G. B. Der Kalender ist ca. 200 Seiten (Gr.-8") stark und kostet mit portofreier Zusendung 35 kr. --- 70 Heller. — Adresse: Verlag des „Jüdischen Volkskalenders" in Lemberg. Briefkasten. Hermann Rosenthal, Rew-Aork: Die Notiz in Nr. 31 ist uns aus Rußland zugekommen. Eine weitere Bürgschaft zu übernehmen sind wir nicht in der Lage. Besten Gruß. W. A. Die 200.000 Pfund Schlangenfleisch, welche das „Deutsche Volksblatt" die Pariser täglich verzehren läßt, werden Herrn V e r g a n i lange im — Magen liegen bleiben. R. N. Der Fürstprimas von Ungarn wurde im ..Deutschen Volksblatt" neulich in einer Weise abgekanzelt, als wäre er zumindest ein — jüdischer Schächter. Historicus. D'J s r a e l i sagte in seiner berühmten Parlamentsrede (1855), in welcher er auf die Abänderung des Eides drang, der den Juden den Zutritt in das englische Parlament verwehrt, unter Anderem: „Das Christenthum ist der legitime Sprößling des Judenthums und demselben zu ewigem Danke verpflichtet; die jüdische Räce sei noch immer die auserwählte, und kein Land, das sie verfolgte, sei dem Verfalle entgangen." Lector. Man muß nur lesen, wie sich die arischen Anbeter N i e tz s ch e's krümmen und winden, um darüber hinwegzukommen, daß dieser geniale Mann gerade zur Zeit seiner vollsten Geistesgröße die begeistertsten Hymnen auf Judenthum und Juden schrieb. I. B—nn. (Landstraße.) Die haßerfüllten Ausführungen gegen Nietzsche in dem ..Deutschen Volksblatt" finden ihre einfache Erklärung darin, daß Nietzsche sich philosemitische Aeußerungen zu Schulden kommen ließ. Da hilft ihm sein Arierthum keinen Pfifferling. Dafür kann es jedem Cretin passiren, im Verganiblatte als großer Denker gepriesen zu werden, wenn er nur gegen die Juden losgezogen. Wichtig für israelitische Ettern! Für Eltern, die ihre Kinder in Wien erziehen lassen wollen, bietet sich Gelegenheit, dieselben bei distinguirter Familie, Familienanschluß und beste Aufsicht, unterzubringen. Nähere Auskunft unter „I" an die Administration dieses Blattes.

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