Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 36 (7.9.1900)
- Date
- 1900-09-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 666 Dr. Bloch's Woche nfchrrfk. 'irr. 3 6 die israelitische Jugend zu fördern. In den Vorstand des neuen Vereines wurden gewählt: PH. Förster, S. M e i s e l, D. Kasler, Fr. Weis sen., L. K ö n i g st e i n, I. Sonnenschein, I. Adler, S. Placzek und I. Weis. Der Ausschuß wählte nachbenannte Functionäre: Obmann : PH. Förster, Stellvertreter: D. K a s l e r, Schriftführer : Fr. W e i s sen., Cafsier: Sigmund M e i s e l. Prag. Der israelitische Lehrerverein in Böhmen hielt jüngst die 27. ordentliche Generalversammlung ab. Zu Beginn der Sitzung gedachte der Vorsitzende Obmann S. S p r i n g e r mit patriotischen Worten des 70. Geburtsfestes des Kaisers und machte die Mittheilung, daß er bereits die Gefühle der Loyalität und Vaterlandsliebe der israelitischen Lehrerschaft Böhmens hohen Orts zum Ausdrucke gebracht habe. (Beifall.) Der Bericht des Schriftführers Rabbiner Freund (Bodenbach) über das abgelaufene Vereinsjahr, sowie der des Cassiers Dr. L ö w y, wurden einstimmig angenommen und den Herren für ihre Mühewaltung der Dank ausgesprochen. Rychnovsky beantragte bei den Thora-Spenden des Pensionsfonds zu gedenken, welcher derzett eine niedrige Quote auszahlt. Der Beschluß wurde dem Berwaltungsausschrtste des Pensionsvereins zur Durchführung zugewiesen. Der Vorstand wurde mit Acclamation wiedergewählt und constituirte sich, wie folgt: Obmann H. S. S p r i n g e r, Obmann-Stellvertreter F. S. A b e l e s, Schriftführer H. M. Freund, Casiier D. L ö w y, Rechnungsführer Direktor I. Schwager, Hr- S. H o ch, A. S t e i n. Der Vorsitzende schloß mtt einem Hoch auf den Kaiser die Versammlung. M. M. Brody. Am 30. August fand im Bethause der israelitischen Schule eine herzerhebende Feier statt, die wahrlich den Fortschrittlern und sogenannten Freidenkern nur zur Nachahmung dienen möchte. Herr Stanislaus Burst in, Präsident der hiesigen Handelskammer und seit jüngster Zeit Cultusvorsteher und Schulinspector, ließ am Donnerstag beim Morgengottesdienste seine zwei Söhne,. ein holdes reizendes Zwillingspaar, confirmiren. Zu diesem feierlichen Acte erschienen zahlreiche vornehme Gäste, die dem Gottesdienste beiwohten. Beim Vorlesen des Wochenabschnittes wurden die niedlichen Confirmanden zur Thora aufgerufen, wie auch der Großvater und Vater derselben, welch Letzterer eine ansehnliche Summe aus diesem Anlasse für den Lehrerpensionsfond spendete. Hierauf hielt Herr Dr. L. Herzel als Religionslehrer der Confirmanden an dieselben eine formvollendete und höchst lehrreiche Ansprache, erklärte die Bedeutung der Barmizwa, spornte das liebe Brüderpaar zum ferneren Festhalten au den Satzungen des reinen jüdischen Glaubens, zur tteuen Ausübung der Pflichten der mosaischen Religion an, was auch von den Confirmirten durch eine Erwiderung feierlich gelobt wurde. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) »Sie staunen wohl darüber, daß ein Jude General wird? Der Kaiser kennt keine Vorurtheile, in unserer Armee herrschen keine Standes- und Religions-Unterschiede, hier entscheidet nur Talent und guter Wille. Jeder Soldat der französischen Armee trägt den Marschallsstab in seinem Tournister; das erweckt den Eifer, den Ehrgeiz, die Liebe zu unserem obersten Kriegsherrn, dem Kaiser. Der französische Soldat, der in den Kampf geht, setzt Alles daran, das Höchste zu erringen, und unser Kaiser, diesen scharfer Adlerblick rasch militärisches Genie entdeckt, kann seine Feldherren aus einem weit größeren Kreise wählen als die andern Mächte, welche die hohen Officiersstellen nur Hochadeligen anvertrauen wollen. Es fällt mir nicht ein, das Genie meines Kaisers, das ich bewundere, zu verkleinern, auch ist das nicht der geringste Beweis seiner Genialität; — allein auch dieser Umstand hat wesentlich zu seinen großen Erfolgen beigetragen/ In Auerbruck's Brust wogte ein harter Kampf, er war ein guter österreichischer Pattiot und daher ein Feind Napoleons und Frankreichs, aber die Gleichheit der Rechte gefiel ihm, schon aus dem Grunde, weil die Ungleichheit der Stände für ihn oft eine Quelle der Kränkung und Herabsetzung geworden war. Er konnte den französischen General Michael Klein nicht lieben, aber dieser war von Golzinger gehaßt worden, und hatte ihn nun moralisch vernichtet; — und überdies hatte er sich nicht rächen wollen, das war eine edle That, deren er — Auerbruck — sich selbst nicht für fähig hielt; er sympathisirte mit ihm und mußte ihn achten. „Herr General," sprach er. „Ich bin kein solcher elender Heuchler wie Bürgermeister Golzinger, ich bin ein offener, ehrlicher Mann, ich kann nicht sagen, daß ich mich freue, Ihre tapfere Brigade bei uns einziehen zu sehen, ich kann es nicht als eine freudige Hoffnung aussprechen, daß Sie lange in unserer Mitte bleiben werden, — aber das darf ich Ihnen sagen: Sie sind ein Ehrenmann, der meine Bewunderung erregt; und auch das will ich Ihnen sagen, es schmerzt mich tief, daß es bei uns in Oesterreich nicht so wie bei Ihnen in Frankreich ist, daß sich bei uns nicht olle Kräfte gleichmäßig entwickeln können; aber vielleicht wirv dieser unglückliche Krieg für Oesterreich und die andern Staaten wenigstens das Gute im Gefolge führen, daß man erkennen wird, daß ein Staat nur dann mächtig und sieghaft sein könne, wenn allen seinen Angehörigen mit gleichen Pflichten auch gleiche Rechte zu Theil werden, daß gleiche Rechte gleiche Liebe zum Vaterlande erwecken .... vielleicht erlebe ich noch die schöne Zeit in Oesterreich!" Die französischen Reiter, die in einiger Distanz hinter dem General standen .und auch des Deutschen nicht mächtig waren, verstanden das Gesprochene nicht, und zeigten für die lebhafte Unterredung kein Interesse. Dagegen chatte sich das heimische Publicum näher gedrängt und hatte, wie dürres Erdreich die Regentropfen, jedes Wort, das gewechselt wurde, gierig aufgesozen. Es war dies eine Scene voll unsagbaren Reizes und hvchdramatischer Wirksamkeit, wie sie keiner der Anwesenden je erlebt hatte. Sieben Jahre sind in einer Beziehung denn doch keine gar so lange Zeit und die überwiegend große Mehrzahl der anwesenden W . er hatte Michael Klein früher gekannt. Sein unerwartetes Erscheinen unter solchen Verhältnissen mußte das höchste Interesse erregen; die Milde in feinem Wesen, die Alle entzückte, beruhigte sie auch. Da sich begreiflicherweise olle Aufmerksamkeit auf die Hauptperson, auf den französischen General, concentrirt hatte, war Bürgermeister Golzinger einige Zeit gar nicht beachtet geblieben. Mit diesem war eine furchtbare Veränderung vorgegangen. Schon Michael Klein's Anblick, den sein von Gewissensbissen geschärftes Auge schon in einiger Entfernung erkannt hatte, übte eine entsetzliche Wirkung auf ihn aus; aber er hatte sich zu überreden gesucht, daß ihn seine Sinne täuschten, allein die volle Erkenntniß, daß er, ein Mann, an dem er das Härteste, das ein Mensch einem andern zufügen kann, verübte, zurückgekehrt sei und die Macht besitze, sich zu rächen, hatte geradezu nerverizerrüttend auf ihn gewirkt, und Klein's Worte, die wie wuchtige Hammerschläge auf sein Haupt fielen, hatten den Aufruhr in feiner Seele zur vollsten Höhe gesteigert. Alles Blut schien ^aus seinem Gesichte in sein-heftig pochendes Herz zurückgefloffen zu sein, jenes war blaugrau geworden, die Augen starrten, als sähen sie Gespenster, unheimlich aus dem Gesichte, er wollte sprechen, das war an dem Zucken feiner blaugewordenen Lippen erkennbar, aber er keuchte nur minutenlang mit pfeifendem Athem, endlich stieß er mit schrillem Tone „Michael Klein!" hervor, ein starker Blutstrom entquoll seinem Munde, und er stürzte zu. Boden. Jetzt war man wieder plötzlich auf ihn aufmerksam geworden. Noch bevor der General mit einer Bewegung seines Degens den Militärarzt, der neben dem ersten Zuge ritt, herbeiwinkte, war dieser vom Pferde gesprungen, hatte sich zu dem am Boden Liegenden geneigt, ihm die Kleider an der Brust geöffnet. Schon nach einer kurzen, unter lautloser Stille aller Anwesenden vorqenommenen Untersuchung trat er an den General heran und rapportirte: L’homme est mort .... Apopolexa nervosa, fügte er, die Todesursache angebend, hinzu. „Gott h a t gerichtet!" sprach der General mit Beziehung auf die letzten Worte, die er zu Golzinger gesprochen. Ein Todter war für Soldaten, die Tags zuvor eine blutige Schlacht geschlagen, weder ein ungewöhnlicher noch ein aufregender Anblick, aber das dem Bürger- und Bauernstände angehörige Publicum drängte sich zur Leiche.