Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 36 (7.9.1900)
- Date
- 1900-09-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 654 Dr. Bloch's Wochenschrrfk. Nr. 36 und Constantinopel. Einige 20 Familien sind bereits abgereist und eine große Anzahl anderer löst ihre Geschäfte auf und verkauft ihre Häuser, um diesem Beispiel zu folgen. Auch in anderen persischen Städten ist die Situation nicht bester. Aus Barforuch Schiras und Buschir kommen jedenfalls schlechte Nachrichten, und es hat bisher noch nichts geholfen, daß auf die Intervention des Directors Cazes hin Moschir-Daulat dem Gouverneur von Barforuch bessere Behandlung der Juden vorgeschrieben hat. Nur persönliches Eingreifen des Schah kann uns helfen, und zu solchem Eingreifen sollten denselben die europäischen Juden zu bewegen suchen. New-Aork. Unser dortiger Correspondent schreibt: Aus Rumänien treffen fast täglich Hunderte von Auswanderern hier ein, die zumeist der öffentlichen Wohlthätigkeit zur Last fallen. Trotzdem das Menschenmöglichste für die Unglücklichen geschieht, ist es doch bei der herrschenden Ueberfülle der Hospitäler und Wohlthätigkeitsanstalten undenkbar, allen Anforderungen gerecht zu werden. Es liegt daher im eigenen Interesse der rumänischen Juden, die Auswanderung möchlichst zu beschränken, wo aber rin Verbleiben im Lande unmöglich geworden, erst den erwerbsfähigen Theil der Familie vorauszusenden. Haben diese festen Fuß gefaßt, möge der Rest ihnen folgen. Sonst würde man nut ein Uebel mit einem anderen vertauschen. Jntereffiren dürfte es Ihre Leser, daß die „New-Aorker Staatszeitung" ihre antisemitische Tendenz aufgegeben, seitdem dieselbe in der „Oesterr. Wochenschrift" gegeißelt wurde, und die Ausrufungs- und Fragezeichen bei jüdisch klingenden Namen unterläßt. T. Vermischtes. Wie». (Israelitische Cultusgemeinde.) Montag den 10. September 1900, halb 7 Uhr Abends, findet im Stadttempel (I, Seitenstettengasse 4), für weiland Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth eine Trauerandacht statt. Wien. (V o n d e r U n i v e r s i t ä t.) Se. Majestät der Kaiser hat den Privatdocenten Dr. Leo Str-isower zum außerordentlichen Professor des internationalen Privatrechtes und Dr. Friedrich T e tz n e r zum außerordentlichen Professor für Rechts- und Staatswissenschaften an der Wiener Universität, die Privatdocenten Dr. Leop. K ö n i g st e i n, Dr. Salomon E h rm a n n und Dr. Emil R e d l i ch zu außerordentlichen Professoren an der medicinischen Facultät der gleichen Universität ernannt. Wien. (Trauung) Sonntag den 16. September d. I. um halb 3 Uhr Nachmittags findet im Tempel, IX, Müllnergasse die Trauung des Fräulein Fanny Simon, Tochter des Vorstandes des Bethausvereines des neunten Bezirkes Herrn Jg Simon, mit Herrn Ernst Ehrenfeld statt. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 9. d. M., um 12 Uhr Mittags, findet im Cursaale zu Reichenau die Vermälung des Herrn Julius Neumann, Gesellschafter der Firma M. Neumann, mit Frl. Martha Ratzersdorfer statt. Wien. Dem k u. k. Hof- und erzherzoglichen Kammerlieferanten Herrn Hermann Beck, Chef der Firma Wilhelm Beck & Söhne in Wien, wurde in Würdigung seiner Verdienste bei Uniformirungslieferungen von Seiner Majestät dem Schah der Commandeur des kaiserlich-persischen Sonnen- und Löwenordens verliehen Wien. <Sp enden.) Für die rumänischen Auswanderer sind uns weiter zugekommen von Herrn Simon Epstein K 2.—, von Herrn Simon O r n st e i n L 1.—, von Herrn Josef T el l e r K 2.—, von Herrn Lehrer Rudolf Beck in Horepnik L 2.—, von Herrn Josef Münzer in Jaromer L 73.—, das Ergebniß einer von ihm veranstalteten Sammlung, und zwar von den Herren: Dr. Lederer K 10.—, E. Meißl K 6.—, L. Beckmann L 6.—. A. L i p a K 6.—, I. Münzer 6. , D. Pick K 5.-, A. Feigl K 4.-, S. Seiner K 4.—, L. Felix K4.—, R. Schick L 4.—, R. Troller K 2.—, I. Müller K 2—, I. Frankenstein K 2.—, I. Hostovsky K 2. -, Winternitz in Josefstadt L 4.—, Schick in Josefstadt L 2.—, Abeles in Jaromer L 4.—, von Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Nathan Frankl in Piesling für die dortige Cultusgemeinde L 58.6i>. Wien. (Musikschule Professor Adler.) In der rühmlichst bekannten Musisschule des Professors A d l e r in der Noßauergaffe Nr. 4, die trotz ihres kurzen Bestehens eine große Frequenz aufweist, beginnen die Einschreibungen in den ersten Septembertagcn Vormittags von 10 bis 12 Uhr, Nachmittags von 3 bis 5 Uhr. Der Unterricht wird am 15. September ausgenommen. Wien. (Jüdischer Turnverein). Die k. k. niederösterreichische Statthalterei hat die Umänderung des Turnvereines jüdischer Hochschüler in Wien in einen allgemeinen jüdischen Turnverein gestattet. In einer Gemeinde von 180.000 Seelen war es einem jüdischen Turnverein bis jetzt nicht möglich, ein seinen Bedürfnissen entsprechendes Local zu erlangen — eine Thatsache, gleich charakteristisch für die^politischen Verhältnisse, wie auch für die Indolenz der Juden. Die Benützung eines öffentlichen Locals wird uns verweigert und der Jude findet nicht die Kraft, sich selbst zu helfen. Daher ergeht an alle jüdischen Mitbürger die dringende Aufforderung, unterstützet unseren Verein, jeder nach seinen Kräften, in moralischer und materieller Beziehung, damit wir nicht in die Lage konrmen, vor der Oeffentlichkeit das beschämende Geständniß zu machen, daß die Judenschaft nicht im Stande sei, das geringfügigste Unternehmen aus eigener Kraft zu vollziehen. Für den Ausschuß: JUC. Karl Löw, dz. Präses, llur. Bela Felsenburg, dz. Vicepräses. Der Turnverein beginnt seine Thätigkeit im Laufe des Monats September. Turnplatz und Zeit des Beginnes werden bekanntgegeben. Beitrittsanmeldungen sind an Herrn llur. Bela Felsenburg, Wien, Universität, zu richten. Wien. Am 1. September feierte ein wackerer Glaubensgenosse sein silbernes Dienstjubiläum. An diesem Tage wurden es. nämlich 25 Jahre, seit Herr Jacob Suschitzky bei der Firma Ignaz Eisler u. Cie in Jnzersdorf bei Wien eingetreten ist, wo er jetzt den Vertrauensposten als Buchhalter und Eassier bekleidet und mit unermüdlichem Pflichteifer versteht. 14 Jahre hat der Jubilar beim Militär gedient und in den Feldzügen 1859 und 1866 tapfer mitgefochten. Seit 28 Jahren lebt er in glücklicher Ehe mit seiner Frau Josefine, der Tochter des verstorbenen Rabbiners Wolf Mühlrad in Lundenburg, und verkörpert mit seinen drei Kindern so recht das Bild eines trauten, wahrhaft israelitischen Familienlebens, wie es uns als Ideal vorschwebt. Wahres Gottvertrauen und Frömmigkeit beseelen den Jubilar, und ist es der Wunsch Aller, die neben den erwähnten Eigenschaften seine Herzensgüte und Milde kennen zu lernen Gelegenheit hatten, Herr S u s ch i tz k y möge noch lange zur Freude seiner zahlreichen Freunde und Gönner in voller Rüstigkeit einen schönen Lebensabend genießen, wie es der wackere Mann verdient. Seit Jahren ist der Jubilar auch Ausschubmitglied der Mödlinger israelitischen Cultusgemeinde. Seinen Ehrentag verschönerten die Gratulationen seiner zahlreichen Bekannten und die Ehrengeschenke von Seiten seiner Herren Chefs, der Collegen und der vielen Arbeiter. E. B. Wien. (Todesfall.) Vom tiefen Schmerz sind einige der angesehensten Familien der Wiener Gemeinde betroffen worden. Am 31. v. M. verschied nach langem Leiden in Bad Nauheim Frau Nanette Stein, Witwe nach dem erst vor nicht ganz 2 Jahren verstorbenen Kleidersabrikanten weiland Salomon Stein, tiefbetrauert von ihren fünf Kindern, einer Schwiegertochter, zwei Enkeln und Allen, die je Gelegenheit hatten, mit derselben in Berührung zu kommen. Die Dahingeschiedene war eine aufopferungsvolle Gattin, eine zärtliche, um das Gedeihen und um das Wohl ihrer Kinder und Kindeskinder besorgte zärtliche Mutter, kurz das Muster einer jüdischen frommgläubigen gottergebenen Frau. Biele Thränen hat sie gestillt, viel Noth gemildert, und die zahlreichen Armen und Kranken, denen sie Retterin in der Noth war, werden ihren allzufrühen Hingang bejammern und beweinen. Die Dahingeschiedene wird von Bad Nauheim nach Wien überführt und am Centralfriedhofe an der Seite des ihr im Tode vorangegangenen Gatten, mit welchem sie Zeit Lebens mit jeder Faser ihres Herzens verwachsen war, bestattet werden. Wien. (Das Jubiläum des Teppich-Schein.) Wohl zu den populärsten und zugleich auch angesehensten Namen der Wiener Geschäftswelt gehört der des trotz seiner großen geschäftlichen Erfahrungen schlicht und einfach gebliebenen Mannes, welcher Sonntag den 26. v M. im Kreise seiner Familie, zu der sich auch die reiche Zahl der Angestellten gesellte, den Gedenktag fünfundzwanzigjähriger selbstständiger Thätigkeit feierte. Es ist dies Herr S. S ch e i n, der Gründer der allgemein bekannten Teppichfirma S. Schein am Bauernmarkt. Es wird ziemlich schwer fallen, alle Verdienste dieses rastlos arbeitenden und stets von neuen, schöpferischen Ideen erfüllten Mannes aufzuzählen. . Herr S. Schein, ein anerkannter Specialist in der Teppichbranche, bei allen Geschäftsleuten gleich geachtet und beliebt und seine alljährlichen Reisen nach dem Orient und dem Auslande haben die Bereicherung der Muster mit den seltensten Neuheiten zur Folge. Ein seltenes Organisationstalent kam dem schaffensfreudigen Manne hiebei zu Hilfe, und so sehen wir die Ausdehnung seines Geschäftes stetig wachsen bis er im Jahre 1896 nach eigenen Ideen den herrlichen Bau auf dem Bauernmärkte ausführen ließ, der eine Zierde der Residenz, eine anerkannte Sehenswürdigkeit der Kaiserstadt geworden ist. Es ist das erste in Wien erbaute Waarenhaus, das ausschließlich Geschästszwecken dient und in welchem sich nunmehr der Riesenverkehr des Hauses concentrirt. Von der Leistungsfähigkeit des Teppichhauses S. Schein zeigen nicht nur die zahlreichen, bei Ausstellungen erworbenen höchsten