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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-09-07 · 36 (7.9.1900) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
36 (7.9.1900)
Date
1900-09-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 652 M» Wochenschrift. 8tr. 36 rath K e n d a, der Bezirksvorsteher Niebauer. kaiserlicher Rath Dr. Lieben rc. Obercantor Bauer trug ein vom Chordirigenten L ö w i t componirtes Festlied vor, worauf der Chacham Michael Pappo die Festrede hielt. Mit einem Gebete für den Sultan, recitirt vom Obercantor Bauer, schloß die Feier. Nach dem Gottesdienste sprach der Botschafter den Functionären seinen besonderen Dank und Anerkennung aus. In Jerusalem ist an diesem Tage in der Nähe des Jaffathores ein Brunnen eröffnet worden, zu dessen Kosten unsere armen Glaubensgenossen daselbst ganz erhebliche Summen beigesteuert haben. In Constantinopel waren alle jüdischen Häuser beflaggt und am Abend glänzend illuminirt. Alle jüdischen Geschäft, waren während der drei Festtage geschlossen. In allen Syn agogen des weiten türkischen Reiches wurde cm Scmstog feierlicher Festgottesdienst veranstaltet. Kostbare Geschenke wurden im Namen seiner jüdischen Unterthanen dem Sultan überreicht und selbst die karaitische Gemeinde von Haskoi hat den kaiserlichen Jubilar ein kunstvoll in Gold und Perlen gefaßtes Gebet für den Sultan überreicht. 5 > Die Sympathien der Juden für den hohen Jubilar kommen ihnen aus vollem Herzen. Wir Juden sind ein dankbares Volk und kein gekröntes Haupt hat sich so viel Anrecht aus unsere Dankbarkeit erworben als Abdul Hamid II. Unzählig sind die Wohlthaten, die er als Mensch sowohl, wie als Beherrscher eines großen Reiches den Juden erwiesen hat. Vor jedem Pessachfeste sendet er dem Chacham-Baschi 8000 Francs zur Verkeilung unter den jüdischen Armen. Als im Jahre 1883 ein Großfeuer in Constantittopel 1000 jüdische Häuser vernichtet und über 6000 Juden obdachlos gemacht hat, errichtete Abdul Hamid ein Unterstützuugscomitä, dessen Vorsitz er persönlich übernahm, und eröffnete die Sammlung mit einer Spende von 25.000 Francs. Die Judenverfolgungen in Rußland haben ihn aufrichtig betrübt und den verfolgten rumänischen Juden hat er in Klein-Asien Land angewiesen und die Colouisten mit großen Summen aus seiner eigenen Chatouille unterstützt. Mer auch als Staatsoberhaupt hat Sultan Abt ul Hamid seine Sympathien „für das gesammte Haus Israel" bekundet. Unter seiner Regierung haben 5 Juden den Pascharaug erreicht, (die Militärärzte Dr. Elias Cohen, Fano, JsaacHadj s, Jc ques Nissim und Jsaac Molho). Im Civildieust besitzen die Herren Davud Effendi, Molho und Aaron Effendi Leon den Rang eines Vali. Daneben gibt es roch 2 Juden, welche den Rang eines Obersten bis herab zum Capitän bekleiden. In diplomatischem Dienste sind 15 Juden angestellt. Ein Jude Exccllcnz Bohor Effendi Eskenasi ist Mitglied des Staatsrathes. Seit zehn Jahren geht der Sultan mit dem Gedanken umher, die Juden zum Militärdienst heranzuziehen. So gern aber die.Juden ihrem Vaterlande auch die Blutsteuer zahlen möchten, so steht dem doch in dem Verbote des Korans, Nichtmoslims zum Militärdienste zuzulassen, ein schwer zu beseitigendes Hinderniß entgegen. Als 1885 Griechen und Armenier, welche die von ihren Glaubensgenossen in Europa geernteten Lorbeeren offenbar nicht schlafen ließen, in den Vorstädten Cor-stantinopeks eiucn Judenkrawall inscenirten, bewies ihnen Abdul Hamid, daß seine Hauptstadt kein Wien, Prag oder Odtssa ist und daß im Herznr des türkischen Reiches keineswegs das erlaubt ist, was man im civilisirten Europa ohne großes Risiko thun darf. Eine scharfe Untersuchung wurde eingeleilet und eine strenge aber gerechte Bestrafung der Rädelsführer bewies, daß die Türken doch bessere Menschen sind, als die unter dem Banner der Religion der Liebe stehenden Europäer. Endlich befahl Abdul Hamid, dem Oberrabbiner der Türkei von Staatswegen einen Jahresgehalt auszuzahlen, wodurch dieser zum türkischen Würdenträger resp'ctive zum off:cikllen Staatsbeamten erhoben wurde. Dafür fanden die Juden während des letzten griechischtürkischen Krieges reichlich Gelegenheit, ihren Tank au das edle und vornehme türkische Volk und dessen großmüthigen Herrscher abzustatten. Ungeheure Summen wurden damals von den Juden gespendet und Hunderte von jüdischen Freiwilligen ließen sich in die Listen eintragen. Auch mehrere ausländische Juden traten damals als freiwillige Krankenpfleger und Aerzte in das türkische Heer ein. Der Sultan war über diesen rührenden Beweis der Dankbarkeit hocherfreut und drrckte seine Genugthuung in einem gnädigen Handschreiben an Moses L e v y, Chacham Baschi von Constantinopel, aus. Zu einer Zeit, wo selbst im Brennpunkt der Cultur, in Frankreich und Deutschland, der Judenhaß seine scheußlichen Orgien feiert, ist cs doppelt anerkennenswerth, daß in der „uncivilisirten" Türkei die Juden als vollwerthige Menschen anerkannt werden. Bielih. (Zur bevorstehenden Tenrpelweihe in K a t t o w i tz.) Die durch ihren Wohlthätigkeitssinn und Opferwilligkeit weithin bekannte Gemeinde zu Kattowitz in Oberschlesien hat mit einem Kostenaufwand von nahezu 3/< Millionen Mark einen Tempel erbaut, welcher an Eleganz und Pracht seines Gleichen sucht. Die Einweihungsfeier dieses-Gotteshauses soll am 12. September d. I. stattfinden. Dem Obercantor -der hiesigen Gemeinde Herrn Jg. G o l d m a n n wurde die Ehre zu Theil, von der Synagogengemeinde zu Kattowitz eingeladen zu werden, den gesanglichen Theil der Einweihungsfeierlrchkeiten mit seinem Chorpersonale zu übernehmen. Herr G o l d m a n n sagte bereitwilligst zu und wurde zu diesem Behufe nach Kattowitz berufen, um au den Berathungen der Festcommission theilzunehmen. Allein die Synagogengemeinde machte die Rechnung ohne den Wirth. Der allgewaltige Regierungspräsident, der ex offo verständigt wurde, gestattet selbst diese vorübergehende kirchliche Function eines Ausländers nicht — Herr Go l d m a nn ist nämlich geborener Ungar und Bürger der Stadt Bielitz, mithin Oesterreichisch- Schlesier. Mit Bedauern verständigte der Vorstand den Herrn Obercantor G o l d m a n n von dem unerwarteten Verbote. Es wurde hierauf Herr Obercantor Cerin i aus Breslau mit der Einweihungsfunction betraut. Budapest. Anläßlich des Säcularjubiläums des Katholicismus spielte sich in G r a n eine peinliche Ehrenaffaire ab, über welche wir dem in Gran erscheinenden „Szabadsag" folgende Darstellung entnehmen: Von dem Bestreben geleitet, die Jubibiläumsfeier ihres confessionellen Charakters zu entkleiden und zu einer nationalen Feier zu gestalten, sprach Fürstprimas Claudius Vas z ary dem Gra.rer Stadthauptmann Josef Niedermann gegenüber den Wunsch aus, daß sich' auch die israelitischen Bürger Grans am Arrangement der Festlichkeiten betheiligen. Infolge dessen wurde der Grauer israelitische Advocat Dr. Victor Aldo ri vomStadthauptmann ersucht, Mitglied des Arrangirungscomitäs zu sein und seine Ordnerpflicht am Festtage im Innern der Basilika zu erfüllen. Aldori erschien am Festtage im Frack mit dem Ordnerabzeichen in der Basilika und waltete seines Amtes. Plötzlich trat Vicestadthauptmann U u g e r auf Aldori zu und wies ihn im Aufträge des Stadthauptmanns aus der Kirche. Aldori verließ die Kirche und ersuchte den Oberlieutenant Eduard C z e r m ak und den Lieutenant Carl Ku l c s a r, vom Stadthauptmanne Niedermann für die erlittene Beleidigung in seinem Namen Aufklärung zu verlangen. Statt jeder Aufklärung jedoch leugnete der Stadthauptmaun, dem Vicestadthauptmann U n g e r den in Rede stehenden verletzenden Auftrag ertheilt zu haben. Nun begaben sich die Zeugen zum Vicestadthauptmann Unger, dieser jedoch bekräftigte mit seinem Ehrenworte, daß er die betreffende Ordre von seinem Borgesctzten erhalten habe und daher dem Befehle entsprechen mußte. Unger begehrte einen kurzen Aufschub und versprach, nach Ablauf desselben die Sache documentarisch richtigzustellen. Zur sistgesetzten Zeit producirte Vicestadthauptmann Unger den beiden Zeugen thatfächlich eine eigenhändig geschriebene Erklärung des Stadthauptmannes Niedermann, der eiugesteht, daß er dem Vicestadthauptmann den in Rede stehenden Auftrag ertheilt und somit die bei ihm erschienenen Osficiere einfach angelogen habe. Die zwischen Dr. Victor Aldori und dem Vicestadthauptmann Hugo Unger obschwebende Ehrenaffaire wurde infolge dessen von den beiderseitigen Sccundanten für beigelegt erklärt. B züglich der Affaire mit dem Stadthauptmanne Josef Niedermann richteten Oberlieutenant Eduard Czermak und Lieutenant Carl K u l c s a r au den Advocaten Dr. Victor Aldori am 22. v. M. folgenden Brief: „Wir beehren uns, Ihnen zur Kenntniß zu bringen, daß wir, wie dies aus den beigelegten Documenten ersichtlich ist, in Ihrer Affaire mit dem Vicestadthauptmann Hugo Unger unterhandelt haben und daß wir diese Angelegenheit nach unserer innersten Ueberzeugung für beigelcgt erachten, weil aus der beigelegten Erklärung des Stadthauptmannes Niedermann klarhervorgeht, daß Unger nur als. untergeordnetes Organ vorging, als er Ihnen gegenüber den Befehl

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