Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 35 (31.8.1900)
- Date
- 1900-08-31
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 36 Dr. Bfych's Womenschcifl. Seite 641 Intelligenz, eine Fabrik auf dem Brünner Platz? gegründet, sich später der Zuckerindustrie zugewendet und auf diesem Gebiete sich im Kreise unserer Großindustriellen einen Namen erworben und diesen bis zu seinem Lebensende bewahrt. Sein Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer sehr würdigen Trauerfeier, bei welcher Dr. Max G r ü n f e l d in seinem Nachrufe die Verdienste des Verblichenen in ergreifender Weise würdigte. Er wies darauf hin, wie man von dem Verewigten, der das hohe Alter von 88 Jahren erreicht hatte, sagen konnte, das Greifenalter sei eine Krone, welche auf dem Wege rechtlichen und redlichen Thuns gefunden wird. Die Leiche, welche aus Wien hieher überführt worden war, wurde hierauf in die Erde gebettet, wo nun der Verewigte neben seiner ihm im Tode vorangegangenen Gattin Frau Antonie Redlich ruht. Falkenau a. d. Eger. Am 22. d. M. fand ein vom Comits jüdisch-nationaler Studenten veranstalteter Unterhaltungsabend statt. Die einzelnen Programmnummern fanden durchwegs lebhaften, berechtigten Beifall. Den Schluß bildete ein Tanzkränzchen, das in animirtester Stimmung Jung und Alt bis zum Morgengrauen beisammen hielt. Eibenschih, 27. August. Das 25jährige Jubiläum, des Obercantors Herrn Wilhelm Löwensohn gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung für den pflichttreuen Cultusbeamten. Wie bereits gemeldet, haben sowohl die Cultusgemeiude, als auch die politische Gemeinde in eigens hiezu einberuseuen Sitzungen beschlossen, den Jubilar in einer seinen Verdiensten entsprechenden Weise zu ehren. Samstag den 25. August, nach dem Mussaph-Gottesdienste, versammelten sich der Gesammtvorstand und Ausschuß der Cultusgemeinde, wie auch der Bürgermeister und Gemeinderäthe der politischen Gemeinde in der Gemeindekanzlei. Herr Löwensohn wurde hierauf durch eine Deputation in die Kanzlei geleitet, wo ihm der Vorsteher, Herr Lederfabrikant Isidor Sinaiberger, den von der Cultusgemeinde gewidmeten, prachtvollen Ehrenpocal überreichte. Hiebei hielt er eine warme, die Verdienste des Jubilars um die Hebung des Gottesdienstes würdigende Ansprache. Dann ergriff der erste Cnltusrath Herr Jsaias Steiner— ein eloquenter Stegreifredner — das Wort, skizzirte die unermüdliche Thätigkeit, die künstlerischen Intentionen auf dem Gebiete des Synagogengesanges, die der Jubilar in dem Viertel-Säculum seiner Wirksamkeit entfaltete, pries seinen Charakter als Mensch und Familienvater. Sein ganzes Trachten war stets das Wohl seiner Familie, und er kann heute mit Stolz auf das Resultat seiner Erziehung blicken. (Sein ältester Sohn ist momentan Auscultant beim k. k. Gericht in Znaim.) Mit einem herzlichen Wunsche für die Zukunft schloß Herr Steiner seine innige Ansprache. Tiefbewegt von diesen Beweisen der Sympathie, dankte Herr Lölvensohn mit kurzen, markanten Worten. Zum Schluffe sprach noch Herr Bürgermeister Samuel I e l l i n e k, den Jubilar namens der politischen Gemeinde beglückwünschend, worauf Herr Löwensohn, von dieser Ehrung angenehm überrascht, dem Herrn Bürgermeister seinen Dank aussprach Mit einem kräftigen „Hoch" auf den Jubilar schloß diese herzlich-innige Feier. K-nn. Dürrmaul. 26. August. Auch im hiesigen Tempel wurde am 18. August anläßlich des siebzigjährigen Geburtsfestes Seiner Majestät ein Festgottesdienst abgehalten, bei welchem Herr Rabbiner Hermann Weiner in Kuttenplan die Festpredigt hielt. Seine Excellenz Herr Graf Max von B e r ch e m hat in munificenter Weise der hiesigen Cultusgemeinde zur Renoviruug des Tempels den Betrag von K 100 gespendet. Mährisch - Ostrau. Am 18. d. M. fand anläßlich des siebzigsten Geburtssestes unseres Monarchen um 6 Uhr Nachmittags ein Festgottesdienst m der Synagoge statt, an dem unter Andern die Behörden sowie höheren Officiere theilnahmen. Nach Absingung von Psalmen bestieg der Rabbiner Dr. I. S p i r a die Kanzel und erklärte, anknüpfend an den Bibeln?rs : Eine Ruhmeskrone ist das Greisenalter, die Bedeutung des Tages. Auf das Kaisergebet folgte die Volkshymne, die bei offener Bundeslade gesungen wurde. Am Abend war die ganze Stadt prachtvoll illuminirt. S—l. Sadska, 22. August. Die israelitische Synagogengemeinde Sadska in Böhmen veranstaltete anläßlich des 70. Geburtstages Seiner Majestät einen Festgottesdienst und widmete K 100 für die rumänischen Juden und X 50 für die städtische Kinderbewahranstalt. Im Ganzen sind aus der Syuagogengemeinde K 300 für die rumänischen Juden an die Israelitische Allianz abgegangen. Ungarisch Ostra, 26. August. Gestern hielt vor dichtgefülltem Gotteshause unser Ehrwürden Rabbiner Herr Dr. D. Herzog, der im Lause dieser Woche unsere Stadt verläßt, um einer Berufung nach Prag-Smichow Folge zu leisten, seine Abschiedsrede. In meisterhafter Weise, durchwürzt von geistsprühenden Apercus, entrollte er ein vorzügliches Bild seiner hlerortigen Thätigkeit, die er insbesonders auf dem Gebiete der Schule, der Ausgestaltung des Gottesdienstes und Armenwesens entfaltet hat. Und es blieb kein Auge thränenleer, als er am Schluffe mit einem weihevollen Gebete und dem priesterlichen Segen von der Gemeinde sich verabschiedet hat, denn wir Alle waren uns in diesem Momente so recht bewußt, was uns durch den Weggang des Herrn Dr. Herzog verloren geht. Denn Herr Dr. Herzog war nicht blos unser Rabbiner, sondern auch unser Freund und Berather, und mit Recht durfte er gestern sagen, daß es während der ganzen Dauer seines hierortigen Aufenthaltes kein Familienereigniß gegeben, an welchem er nicht warmen Antheil genommen. Gleichzeitig mit unserem Herrn Rabbiner verläßt auch Herr David G r ü n f e l d, der seit zwei Jahren die Religionslehrerstelle hier inne hatte, seinen hierortigen Posten, unr einem Ruse nach Napagedl Folge zu leisten. Malaczka. Dieser Tage trugen wir einen Mann zn Grabe, der infolge seiner commerciellen Thätigkeit auf dem Gebiete der Armeelieferungen, seiner Mildthätigkeit und seiner hohen Intelligenz einer geachteten Stellung im Kreise unserer Comitatsbewohner sich erfreute. Herr Ignatz v. Lederer, ein Mann edlen Herzens, voll Begeisterung für das Judenthum, das er durch sein Ansehen gehoben, der Mann mit der stets hilfsbereiten offenen Hand für alle Mitmenschen ohne Unterschied der Confefsion, hatte am 20. d. M. das Z'itliche gesegnet. Bor einem Jahre erst hatte er seine edle Gattin verloren, einige Monate nachher bettete er seinen einzigen, in voller Manneskraft stehenden Sohn in die Erde und heute hat der Tod ihn selbst sich zum dritten Opfer auserkoren, aus dem Hause, welches seine Segnung über unseren ganzen Kreis verbreitete. Am 22. d. M. wollte er aus dem Curorte heimkehren, wo er Heilung seiner durch die Schicksalsschläge angegriffenen Gesundheit suchte, um an diesem Tage, als an dem ersten Jahrzei'ttage seiner Gattin, seiner Pietät durch die Enthüllung ihres Leichensteines Ausdruck zu geben. Er rüstete sich zur Abreise, da ereilte ihn plötzlich der Tod. Der 22. Tag dieses Monats fand ihn auch in der That an der Grabstätte seiner Gattin, aber nur, um an ihrer Seite zur ewigen Ruhe gebettet zu werden. Die ungeheure Betheiligung aller Volksschichten an dem Leichenbegängnisse z-uzte für die diesem Manne im Leben gezollte Verehrung. Die gesammte Feuerwehr des Bezirkes eröffaete den Zug, ihm folgte der Todtenwagen, diesem ein Mann mit den Ordenszeichen des Verstorbenen, der in GUa gekleidete Comitatsheiduk, die Vertretung des Comitates Preßbürg, die vielen Vereine, die Behörden, der Bürgermeister, die gesammte Stadtrepräsentanz, die Beamtenschaft der Fürst Pilffyschen Domäne und eine unabsehbare Menschenschaar, die aus weiter Ferne herbeieilte, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Auf dem Friedhofe entrollte der Prediger der Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. Lewin, in der ihm eigenen, zu Herzen dringenden meisterhaften Weise das Lebensbild des Verstorbenen, er schilderte den Verlust, den unsere Judenheit, ja das ganze Comitat erlitten, und diese Ausführung erschütterte alle Anwesenden, kein Auge blieb thränenleer. Möge das Beispiel dieser hingeganzcnen Zierde unseres Kreises Nacheiferung finden, dies wäre dann der Dank Aller, die des Verstorbenen segensreiches Wirken im Leben empfanden. Z. Raudnitz a. d. Elbe. H6 August. Gestern feierte unser Cantor Herr Ignaz Reich sein fünfnndzwanzigjähriges Jubiläum als Cantor unserer Cultusgemeinde. Der Verlaus der Feier zeugte Uir die allgemeine Hochachtung, welche der Jubilar wegen seiner verdienstvollen Leistungen, seines biedern Charakters, seiner Frömmigkeit, Bescheidenheit und Uneigennützigkeit genießt. Vor Beginn des Freitag-Abendgottesdienstes hielt unser Rabbiner Herr Dr Julius R e a ch eine Ansprache an Herrn Reich, worin er ihm die herzlichsten Glück- und Segenswünsche ausdrückte. Nach Beendigung des Mussaph-Gottesdienstes begaben sich die Vorstände der Cultusgemeinde und sänunrlicher Cultusvereine zu dem Jubilar und brachten unter Ausdruck der Anerkennung der hervorragenden Leistungen des Gefeierten deni-