Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 35 (31.8.1900)
- Date
- 1900-08-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 640 Dr° Bloch's Wochens^r'rM Nr. 35 M'6 Herren von Rumänien. Sie betrachten die armen Bauern ganz wie ehemals als ihre wahren Sclaven und behandeln sie auch als solche. In keinem Lande, selbst Ungarn und Galizien nicht ausgenommen, blickt der Edelmann mit solcher Verachtung auf den Bauer herab, wie in Rumänien. Und diese allmächtige, geldgierige, genußsüchtige, ihre Privilegien um jeden Preis vertheidigende Menschenclaffe bietet Alles auf, um jede Stimme im Lande zu unterdrücken und das Ausland irre zu führen!" Und mit diesen wahren Herren des Landes, fügen wir hinzu, wollen die rechtlosen, unterdrückten Juden fertig werden! Stumpfsinnig und von beschränkt-egoistischem Standpunkte geleitet, wenden die rumänischen Bojaren Alles an, um die Juden aus Rumänien zu verdrängen. Sie brauchen den von Letzteren eingenommenen Platz uothwendig für die durch ihren grenzenlosen Egoismus bis an den Bettelstab gebrachten Bauern. Denn der rumänische Bojar wird Hunderte von Hektaren seines Bodens lieber unbebaut lassen, bevor er sie gegen eine seiner Habsucht ungenügend scheinende Pacht den verhungernden Bauern zur Bearbeitung überläßt. Es kann ihm nun wenig daran liegen, den hungernden, durch ihn selbst und seinen Geiz zum unfreiwilligen Müßiggang gezwungenen Bauer, der ihn bitter haßt, in seiner Nähe zu wissen und sieht ihn sehr g^rn in die Stadt fortziehen. Da jedoch die Städte von den Juden occupirt sind, so suchen die Edelsten der rumänischen Nation die Juden aus dem Lande zu drängen, damit der Bauer in die freigewordene Stelle rücken kann. Bon diesem Standpunkte aus betrachtet, gibt es für die rumänischen Juden kein anderes Heil, als die Auswanderung. Sie müßten denn im Stande sein, im Verein mit den Bauern eine Revolution zu machen, um das Bojarenregime zu stürzen. Leider ist dafür nicht die geringste Aussicht vorhanden, und so bleibt ihnen nur die Wahl zwischen ewiger Verfolgung und Emigration. An dieser Alternative wird auch das Ministerium Carp wenig ändern. Selbst wenn diescs Ministerium es mit den Juden ehrlich meinen sollte — woran wir einstweilen entschieden zweifeln — wird es den Bojaren gegenüber nichts ausrichten können. Die kleine, aber allmächtige Partei wird vielleicht eine Zeit lang, bis der nothwendige Pump gelungen ist, das Ministerium schweigend gewähren lassen, dann aber wird der Sturm des Antisemitismus von Neuem losgehen. Neue blutige Judenkrawalls werden, Tausende von jüdischen Existenzen und Hunderte von jüdischen Leben vernichtend, ausbreche», und unsere rumänischen Glaubensgenossen würden es bitter bereuen, daß sie sich abermals haben in Sicherheit wiegen lasten. Es ist daher erklärlich, daß die rumänischen Juden sich gegen das ihnen von Wien und London zugerufene „Halt!" sträuben und daß vom 25. Juni bis Anfangs August über 12.000 Juden Rumänien verlosten haben. Es ist wohl möglich, daß die Aermeren unter ihnen aus Mangel an Mitteln, und weil ihre Glaubensgenosten in Westen, auf deren Hilfe sir stark gerechnet haben, sie im Stich lassen, nothgedrungen zu Hause bleiben werden, für die wohlhabend?» Elemente unter ihnen gibt es keinen Halt. So haben sich in Poltuschen 100 Familie» mit einem Capital von 500.000 Francs zusammengethan, um nach Anatolien auszuwandern. Herr Isidor Bendavid hat dieser Vereinigung 10.000 Francs gespendet. In Bukarest haben 108 Gastwirthe, Kaffeehausbesitzer und Ladeninhaber ihre Geschäfte geschloffen, um mit 800.000 Francs nach Canada auszuwandern. Wien. Anläßlich des 25jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Sultan Abdul Hamid Kan II. findet am Samstag den 1. September, Vormittags um halb 12 Uhr, im Tempel der türkisch-israelitischen Gemeinde, II., Circus gaffe 22, in Anwesenbeit Sr. Excellenz des türkischen Botschafters, sowie des gesammten Botschaftspersonals ein solenner Fe st gottesdien st statt. Wien. Dienstag den 21. d. M. wurde Herr Nathan Polatschek, Schwiegervater des Bezirksrathes Ludwig Wald st ein, zu Grabe getragen. Er war seinerzeit Fabriks- und Raffinerienbesitzer in Nordböhmen und hat durch sein humanes Wirken in Reichenberg und Nachod ein noch heute reges Andenken zurückgelaffen. Seit einer Reihe von Jahren hatte der alte Herr Polatschek die Wiener Börse besucht, wo er sich der größten Achtung erfreute. Die Familie wurde in tiefe Trauer versetzt. Wien.(Hohe Auszeichnung jüdischer Product e.) Die Palästina -„Karmel"- Weine und Cognac wurden auf der heurigen Pariser Weltausstellung mit der goldenen Medaille prämiirt. Bedenkt man, daß Frankreich ein Weinland par exeelleuee ist, und berücksichtigt man ferner die heutige Zeitströmung, so muß aus dieser besondern Anerkennung mit Naturnothweudigkeit die vorzügliche Qualität der Karmel-Weine und Cognac gefolgert werden. Bekanntlich werden diese edlen Getränke auf den jüdischen Colonien in Palästina vroducirt und gilt somit diese Auszeichnung gleichsam der jüdischen Schaffenskraft. Wien. (Todesfall.) Samstag ist hier nach langem, schweren Leiden der bekannte Bibliograph CH. D. Lippe eines sanften Todes verschieden. Der Heimgegangene, ein Bruder des bekannten Dr. K. L i p p e in Jassy, war ein Mann von vielem Wissen und hat sich um die jüdische Literatur bedeutende Verdienste erworben. Sein bibliographisches Lexikon ist ein werthvolles, allgemein geschätztes Werk. Das Leichenbegängniß fand Dienstag, den 28. d. M., Vormittags 10 Uhr, statt. Auf dem Centalfriedhof hat sich eine kleine Gemeinde der allergetreuesten Freunde eingefunden. Die gesanglichen Functionen hat Herr Obercantor Kläger versehen, Herr Rabbiner Dr. B a ch hielt dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. Am Grabe nahm der bekannte Hebraist M. Weißmann Chajes in rührenden Worten von seinem Freunde Abschied. Wien. Mittwoch den 22. August ist hier Herr Leopold Picker, der wegen seiner Humanität und der Treue, mit ivelcher er dem Judenthum anhing, große Achtung und Beliebtheit sich erworben, nach kurzem, schwerem L iden im 62. Lebensjahre sanft aus dem Leben geschieden. Seine Bahre umstanden eine liebende Gattin und drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Wien. (Spenden.) Aus Falkenau a. d. E. erhalten wir 50 K für die rumänischen Juden von dem Obmanne des Comitös jüdisch-nationaler Studenten, vom Beerdigungsverein in Zbraslavic 10 X. Wien. Die jüdisch-national organisirten Arbeiter Wiens veranstalten Samstag den 1. September l. I. einen Unterhaltungsabend, wobei sieben Schauspieler des Jantsch-Theaters in uneigennütziger Weise ihre Mitwirkung zugesagt haben. Die Festrede, die Herr Dr. H. K a d i s ch haltet, wird die Judennoth zum Thema haben. Das Festcomits, an deren Spitze der Obmann des „Vereines zionistisch-jugendlicher Arbeiter". Herr Max Strauß, II., Rrmbrandtstraße 30. und der zweite Obmann Herr M. K o h n, H., Mießbachgaffe 14, stehen, hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch ein gutes Programm für den animirten Verlauf zu sorgen. Das Reinerträgniß ist für die rumänischen Auswanderer bestimmt. Spenden werden dankend angenommen und nach vorheriger Anmeldung abgeholt. Karten im Vorverkauf bei Max Strauß, H., Rembrandtstraße 30, Mox Kohn. II.. Mießbachgaffe 14, B. Grün Hut, VH., Neubaugasse 11. Klattau, 22. August. Der hiesige israelitische Chor- und Geselligkeitsverein veranstaltete anläßlich des kaiserlichen Geburtsfestes im kaiserlich-königlichen*) Hotel „zur Rose", einen Unterhaltungsabend, der ein zahlreiches, distinguirtes Publicum versammelte und glänzend ausfiel. Unter den Gasten befanden sich auch viele active Officiere des hier garnisonirenden Dragoner-Regimentes. Nachdem Herr Dr. W o lf die Versammelten begrüßt hatte, brachte das Programm herrliche Gesangs- und Bvrtragspiöcen. Einen Beifallssturm ernteten insbesondere die gesanglichen Vorträge des Herrn Obercantors Leo Kornitzer und der Frau Bertha Kornitzer, die mit Blumenspenden überhäuft ward. Ein Tanzkränzchen, das bis zum Morgengrauen währte, beschloß die Feier. A. B a u m. Brünn. (Leichenbegängniß.) Am 23. d. M. wurde hier unter sehr großer Betheiligung Herr Moritz Redlich, welcher vor Jahren an der Spitze der hiesigen Gemeinde verdienstvoll gewirkt, zu Grabe getragen. Vor 60 Jahren hatte der Verblichene, ein Mann von seltener kaufmännischer Thatkraft und *) Privileg des Kaiser Josef II.