Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 35 (31.8.1900)
- Date
- 1900-08-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 35 Dr. Bloch's Wochenschrift» Seite 689 sterialbeamter Jules Ferdinand Cohen, Kaufmann Jules Halimboury, Generalrath der Gironde Edmond Halphen, Georges K o h n, Pianofabrikant K r i e g e l st e i n, Fabrikant E. I. D. Leven, Ingenieur L e v y, Verleger Emile L e v y, Fabrikant Rodrigues-Ely, Ingenieur Leon R u l f f, Director Frederic Simon, Sr. Louis Springer und Nathan W e i l l, Neffe des gleichnamigen Rabbiners. Endlich auf Vorschlag des Ministeriums für Landwirthschaft: der Fabrikant Emile Deutsch, Alfred Hirsch (Großindustrieller zu Paris), Ingenieur Levy-Salvador und Kaufmann Georges Daniel W e i l l. Zum Commandeur des Ordens der Ehrenlegion wurde das Mitglied des Oberrathes für Handelsmarine und Colonien, Vicepräsident des Seesyndicats von Frankreich, Herr Jules Jsaac R u l f f ernannt. Die Ernennung des Mr. R u l f f, der feit 1893 Officier des Ordens ist. erfolgte auf Vorschlag des Handelsministers. Von ausländischen Juden wurde zum Großofficier des Ordens der Ehrenlegion das Mitglied des großen Consistoriums der Juden von Belgien, Baron von Stein. Gesandter der Republik Liberia in Paris. Zum Officier der Ehrenlegion wurde ernannt: Graf M o i s e de C a m o n d o, Generalconsul von Serbien. Endlich wurde zum Ritter der Ehrenlegion der Generalcommiffär der Oranje-Republik, Herr Charles de Mosenthal, ernannt. London. (Die Juden in I a p a n.) In Kobe lebt eine größere Anzahl Juden, welche in einer im April abgehaltenen Versammlung beschlossen haben, eine eigene Synagoge zu bauen. Dieselbe würde aber 700 Pf. St. kosten, eine Summe, welche fürdie nur 600 Köpfe zählenden Juden in Kobe unerschwinglich ist. Daher wandten sie sich an die Juden in Nagaski und Yokohama in Japan, sowie an die von Shanghai und Hongkong in China um ihren Beistand. Alle anderen fremden Religionen haben in Kobe ihre Kirchen, die Juden aber besitzen keine Synagoge, und durchreisende Juden, welche auf dem Wege von Europa oder Amerika Kobe berühren und die Synagoge besuchen wollen, müssen zu ihrer unangenehmen Ueberraschung hören, daß es eine solche in Kobe nicht gibt. In Kobe selbst wurden bisher zum Synagogenbau 140 Pf. St. aufgebracht. London. (Das Schreiben Bernhard Lazar e's) an den Londoner Zionistencongreß war an den hebräischen Journalisten Nachum S l u st s ch gerichtet und hatte folgenden Wortlaut : Sehr geehrter Herr! Zu meinem größten Bedauern traten in den letzten Tagen Hindernisse ein, die es mir unmöglich machten, meinen Wunsch, aus dem Congreß zu erscheinen, verwirklichen zu können. Ich habe es auch Herrn N o r d a u geschrieben, der es den Delegirten mittheilen wird. Ich bitte Sie, wenn es Ihnen möglich ist, dem Congreß in meinem Namen nachstehende drei Anträge unterbreiten zu wollen: 1. Für eine nationale Erziehung der Jugend zu wirken. 2. Ueberall, wo jüdische Arbeiter in größerer Anzahl wohnen, Productivgenossenschaften und Consumvereine, sowie landwirthschaftliche Genossenschaften zu gründen. Solche Institutionen würden auch erzieherisch in politischem Sinne wirken. 3. Die zionistische Partei nebst dem Actionscomite muß aus den Wo lken herab st eigen. Sie dürfe nicht mehr ausschließlich in Zukunftsträumen sich bewegen, sondern müsse auch reale jüdische Volkspolitik treiben. Das Actionscomite muß auch die Initiative in Betreff der großen Sache der rumänischen Juden ergreifen. Thut es dieses nicht, so wird es ebenso tadelnswerth sein, wie jetzt die Alliance. Ich beabsichtige, mich demnächst in einem ausführlichen Artikel darüber näher auszulaffen. Grüßen Sie die rumänischen Delegirten von mir. Es thut mir sehr leid, sie nicht persönlich sprechen zu können. Ihr B. L a z a r e. Bukarest. Das Sündenregister des rumänischen Volkes hat sich um einige weitere Greuelthaten gegen die Juden vermehrt. In Lusa, Kreis Waslau, hat die Gemeinde beschlossen, die Juden aus der Stadt zu vertreiben. Der Beschluß wurde vom Kreisvorsteher bestätigt und am 12. Juli konnten die Bürger zur Ausführung ihres Beschlusses schreiten. Sie thaten es aber in einer so bestialischen Weise, daß man Zweifel hegen muß, ob die Rumänen in Lusa noch überhaupt zum menschlichen Geschlecht zu zählen sind. Sie schloffen nämlich die Juden in ihren Wohnungen ein, quälten und marterten sie die ganze Nacht hindurch und banden sie schließlich gegen Morgen an herbeigebrachte Wagen, die vorher mit ihren Habseligkeiten bepackt wurden, um sie in Gemeinschaft mit einigen Strolchen so nach Waslau zu transportiren. Eines anderen, nicht minder scheußlichen Verbrechens hat sich die Polizei in Verlad schuldig gemacht. Dort prügelte ein Schutzmann ein 6jähriges jüdisches Kind, weil es eben ein jüdisches Kind war. Bon dessen Mutter deshalb zur Rede gestellt, erklärte sie die Bestie in einer Schutzmannsuniform für verhaftet und schleppte sie unter Puffen und Stößen zur Wache. Hier wurde die Unglückliche von dem Wütherich und seinen Amtscollegen zunächst geschändet und dann furchtbar verhauen. Auch die auf den Hilferuf der mißhandelten Frau herbeigeeilten Juden aus der Nachbarschaft wurden schwer geprügelt. Dann aber wurde ihnen Bart- und Haupthaar der einen Kopfhälfte abrafirt. Die Frau ist ihren Schmerzen erlegen und die geprügelten Männer liegen jetzt, 20 an der Zahl, im Kcankenhause. So steht zu lesen in der »Hazephira", der wir für diesen Bericht die Verantwortlichkeit überlaffen, obgleich wir selbst den edlen Rumänen schon viel zutrauen. Bukarest, 11. August. Hiesige Blätter berichten aus Galatz: Gestern Abend kam der Dampfer »Josef Carl" der österreichischen Donau-Dampfschiffsahrts-Gesellschaft mit einer Verspätung von 12 Stunden an. Die Ursache dieser Verspätung war, daß der Dampfer in Pest 300 jüdische Auswanderer aufnehmen mußte, denen die dortigen Behörden nicht gestatteten, die ungarische Grenze zu überschreiten, um nach Kanada weiter zu reisen. Bon Pest bis Orsova wurden diese Auswanderer von zehn Constablern und einem Jnspector begleitet, die sie bei der Ankunft den Localbehörden übergaben. Wegen der Verspätung konnte nun der Dampfer das Eiserne Thor nicht mehr passiren und mußte bei »Moara Vladitza" ankern, von wo er am Morgen seinen Weg auf rumänischer Seite fortsetzte. Der Anblick der Unglücklichen bei ihrer Landung war ein herzzerreißender. Auf ihrem Gesichte find die moralischen Leiden eingeprägt, die sie während ihrer Reise zu erleiden hatten, trotz aller materiellen Unterstützung, die ihnen seitens ihrer Religionsgenossen auf allen Stationen, die sie berührten, zu Theil wurde. Als Augenzeuge und ganz unparteiisch muß ich bestätigen, daß diese unglücklichen Wanderer, die auf infame Weise von einigen skrupellosen Agitatoren verleitet und betrogen wurden, während ihrer ganzen Reise von Seiten der Kommandanten Buchberger (von Pest nach Orsowa) und Gelmes (von Orsova nach Galatz). sowie der ganzen Mannschaft sich einer humanen und väterlichen Behandlung zu erfreuen hatten. Die Herren Commandanten haben Auftrag gegeben, daß die Kinder und Frauen in der zweiten Claffe bleiben sollen, während der Schiffskoch Stefan Tölgyessy, gerührt von dem unverschuldeten Leiden, an die Kinder Obst und Backwaaren vertheilte. Wir beklagen als Menschen und ohne Haß und Parteilichkeit das Umherirren dieser Opfer der Schlauheit einiger infamen Speculanten und müssen die österreichische Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft und das Personal des Dampfers »Josef Carl" für ihre humanen Gefühle gegenüber den Unglücklichen beglückwünschen, die kein anderes Verschulden trifft, als daß sie einigen Charlatanen zu viel Glauben geschenkt, die ihnen Himmel und Erde versprochen haben in einem eingebildeten Paradies in einem exotischen Lande. Gestern ist der Abgesandte der »Agence Jsraelite" von Paris, Molasco, hier eingetroffen und im Hotel Splendid abgestiegen. Derselbe soll die Judenfrage hierzulande studiren. Die Wendung, welche die Dinge mit dem Antritt des Ministeriums Carp in Rumänien neuerdings genommen haben, erregt bei den rumänischen Juden nicht die geringste Hoffnung. Sie kennen ihre Pappenheimer besser und sie wissen, daß die liberalen Verordnungen, welche Herr Carp neuerdings erlassen hat, eitel Schwindel find, in die Welt gesetzt, um eine Anleihe zu ergattern. Die armen, unwiffenden rumänischen Juden kennen auch das rumänische Volk und seine Verfassung weit besser, als ihre superklugen Beschützer in Deutschland, England und Frankreich. Sie wissen, daß der Anttsemitismus einer der Grundpfeiler der rumänischen Verfassung ist, der mit diesem steht und fällt, daß nicht irgend ein antisemttisches Ministerium, sondern das durch und durch antisemitisch durchseuchte rumänische Bojarenthum erst gestürzt werden müßte, wenn die Lage der Juden in Rumänien wirklich eine Besserung erfahren soll. Welche Macht die Bojaren in Rumänien noch besitzen, beweist ein Artikel, den ein genauer Kenner Rumäniens, der rumänische Schriftsteller Peter Mircescu, im russischen »Nord. Cur." kürzlich veröffentlicht hat: »Nach fünfzigjährigem Kampfe stehen wir auf demselben Flecke!" ruft Herr Mirescu aus. »Da das bestehende Wahlrecht ihnen die ganze Macht im Lande überläßt, sind die Bojaren nicht nur de facto, sondern auch de