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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-31 · 35 (31.8.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
35 (31.8.1900)
Date
1900-08-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 683 Nr. 35 Dr. Bloch's b e r g meisterhaft executirten En komancho wurde die erhebende Feier eingeleitet. Herr St in gl, ein hervorragendes Mitglied des Chores, sang dann ein stimmungsvolles Solo, worauf Herr Rabbiner Dr. Goldberger, anknüpfend an den Psalmvers „Atoh jodati, ki hauschioh Adonaj meschichan", die vorzügliche, mit großem Beifalle aufgenommene Festrede hielt. Nach dem Gebet für Kaiser und Vaterland wurde die Volkshymne mit Orgelbegleitung gesungen. Die Feier machte auf sämmtliche Anwesenden einen mächtigen Eindruck, wie überhaupt der Gottesdienst in der Marienbader Gemeinde als ein sehr würdiger bezeichnet werden muß. Raudrntz, 26. August. Am 17. d. M. fand anläßlich des 70. Geburtstages Sr. Majestät Hierselbst ein Festgottesdienst statt. Im festlich erleuchteten, mit Blumen prächtig geschmückten Tempel hatten sich nebst den Spitzen der kaiserlichen Behörden unter Führung des k. k. Bezirkshauptmannes Loula auch Abordnungen des hiesigen Stadtverordneten-Collegiums und Stadtrathes, mit dem Bürgermeister, Reichsraths- und Landtags-Abgeordneten S p i n d l e r an der Spitze, eingefunden. Der „spolelc pro rpev eftrLruov^" brachte nebst einer auf den Festtag bezüglichen Jübelhymne auch Psalm 42 von Mendelssohn in vollendeter Weise zum Bortrag. Die czechische Festpredigt hielt Rabbiner Dr. Julius Re ach, indem er, an Psalm 45, 8 anlehnend, einen Rückblick auf das segensreiche Walten des Monarchen warf, in wirkungsvoller Weise den Fortschritt schildernd, den Oesterreichs Völker und Israel während der gesegneten Regierungszeit des erhabenen Kaisers genommen haben. Mit dem Gebete sür das fernere Wohlergehen des geliebten Herrschers vor offener Bundeslade und der Volkshymne schloß die überaus erhebende Feier. Raudnitz. Vom 22. bis zum 25. d. M. weilten Ihre kaiserl. und königl. Hoheiten Erzherzog Rainer, Erzherzogin MariaKarolina und Erzherzogin Maria I mmaculata Raineria als Gäste Sr. Durchlaucht des Fürsten Moritz v. L o b k o w i tz in Raudnitz. Am 23. wurden, nebst der katholischen Geistlichkeit, dem Bürgermeister und den Spitzen der kaiserlichen und autonomen Behörden auch die Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde, der Vorsteher derselben, Herr Adolf B r n u n und der Rabbiner Herr Dr. Julius Reach von Sr. kaiserl. Hoheit in Privataudienz empfangen. Der Herr Erzherzog nahm die Loyalitätskundgebung der Deputation für Se. Majestät und das erhabene Kaiserhaus buldvollst entgegen, in gütigster Weise die Deputation mit der Versicherung beglückend, daß Höchstderselbe den Ausdruck der Gefühle, welche die Gemeinde für Se. Majestät den Kaiser beseelen, Allerhöchstdeffen Kenntniß übermitteln werde. Auch im ferneren Verlaufe der Audienz hatte die Abordnung Gelegenheit, die bekannte Güte des Herrn Erzherzogs zu bewundern, der mit markanter Kürze jenes Treiben charakterisirte, welches darauf ausgeht, friedliche Bürger in ihrer Existenz zu schädigen. Nachdem Se. Hoheit noch Fragen, die Gemeinde betreffend, zu stellen geruht hatte, entließ er die Abordnung aufs Huldvollste. Preßburg. Der Jahresbericht der orthodoxen israelitischen Knaben- und Mädcyenschule in Preßburg bietet ein klares und zugleich erfreuliches Bild von dem Wirken und dem Vorwärtsstreben dieser vorzüglich geleiteten und vollste Anerkennung verdienenden Lehranstalt. Die ersten Seiten des Berichtes sind den Einweihungsfeierlichkeiten des neuen schönen Schulgebäudes geweiht. Diesem folgt die Aufzählung der verschiedenen Veränderungen, welche infolge Pensionirungen im Status der Lehrkräfte vor sich gegangen, die unterschiedlichen Schulfeierlichkeiten, die im abgelaufenen Schuljahre ab gehalten wurden, Schulinspectionen des SchulinspectorsHerrn P lach y,,der sich zu wiederholtenmalen in schmeichelhaftester Weise über das Wirken der Lehrkräfte, sowie der umsichtigen Leitung ausgesprochen, die verschiedenen Maßnahmen und Neueinrichtungen, welche im Interesse des Aufblühens dieser Schule im abgelaufenen Schuljahre getroffen wurden rc. An der Anstalt wirken acht Lehrer und zwei Lehrerinnen. Es ist dies seit Jahren wieder der erste Jahresbericht dieser Schule, aus dem wir entnehmen, daß die Frequenz der Lehranstalt im steten Steigen begriffen ist und daß namentlich der intelligente Theil der orthodoxen, israelitischen Cultusgemeiude es als seine Pflicht erachtet, die Schule zu kräftigen, das alle Anerkennung verdienende Streben der Lehrkräfte zu fördern und die großen Opfer, welche diese Gemeinde im Jntereffe ihrer Schule bringt, nach Möglichkeit zu erleichtern. Dem Wirken des eifrigen, verdienstvollen Schulpräses, Stadtrepräsen- Wochensthrifk. tanken Friedrich D ü s ch i n s k y, sowie den Vorstandsmitgliedern L. Gstettner und I. Herzfeld wird in dem Jahresberichte verdientes Lob zu Theil. Die Gesammtzahl der Schüler dieser Lehranstalt im abgelaufenen Schuljahre betrug 417. Breslau. Die hiesige jüdische Studenten-Verbindun g „Biadrina^ ist bis auf Weiteres vom Rector s u s P e n d i r t worden. Veranlassung hiezu gab, daß ein inactives Mitglied derselben einen christlichen Commilitonen, der in der Klinik Sprache und Geberden eines schwerkranken galizischen Juden nachmachte, ohrfeigte. Die Sache sollte durch eine Mensur mit schweren Waffen ausgetragen werden. Als aber die Verbindung des Geohrfeigten (Turnerschaft Suevia) hörte, daß der Jude ein vorzüglicher Fechter sei, wurde die Forderung zurückgezogen, und die Vertretung aller studentischen Corporationen, mit Ausnahme von fünf Verbindungen mit nur jüdischen Mitgliedern, beschloß, den Juden und seine Verbindung beim Rector zu denunciren. Folge war die Suspeudirung. Circa neunzig jüdische Studenten haben in einem Schreiben an Rector und Senat gegen diese unstudentische, feige Dennnciation protestirt. Mau ist gespannt auf den endgiltigen Ausgang. Berlin, 22. August. Die Antisemitische Partei will sich einen neuen Namen beilegen. Das ist kein gutes Zeichen. Man legt doch nur den alten Namen ab, wenn dieser nicht mehr mit Würde getragen werden kann. Schon auf dem nächsten Parteitage soll ein Antrag auf Aenderung des Parteinamens eingebracht werden, der für den bisherigen den Titel: „Deutschnationale Volkspartei" nach österreichischem Vorbild führen soll, iil der Hoffnung, dadurch die Erfolge zu erzielen, die die Gesinnungsgenossen in Oesterreich erreicht haben. Zu diesem Vorgehen äußert sich nun die „Kölnische Volkszeitung", das angesehene Centrumsorgan, folgendermaßen: „Die Antisemiten werden nächstens wohl ein Preisausschreiben für einen branchbaren Parteinamen erlassen müssen. „Antisemiten" ist ihnen nicht gut genug, und so suchen sie schon seit Langem nach etwas Besserem und Zugkräftigerem herum. Alle paar Jahre haben sie sich umgetauft, aber kein Name hat ihnen gefallen, noch der Partei in die Höhe geholfen. Heute nennen sie sich „Deutsch-sociale Reformpartei". Selbstverständlich steht dieser unverständliche Name lediglich auf dem Papier, kein Mensch nennt sie so. Auf dem bevorstehenden Parteitage wird nun wieder über die Umtaufnng berathen werden. Der brauchbare Name fehlt aber noch In der „Staatsbürgerzeitung" wird jetzt vorgeschlagen, sich „Deutschnationale Volkspartei" zu nennen. Dieses papiernc Ungethiim wird aber der Partei ebensowenig aufhelfen wie der jetzige Name. Für den täglichen Gebrauch ist er schon gar nicht zu verwenden. Im klebrigen kann auch der packendste, knappste und volksthümlichste Name einer Partei nichts nützen, wenn diese nicht einem politischen Bedürfnis; entspricht und den Beweis zu liefern versteht, daß sie das von ihr Erwartete zu leisten vermag. Die Antisemiten, die nicht so genannt sein wollen, haben bis jetzt nur bewiesen, daß sie selbst nicht wissen, was sie wollen." Paris. (Jüdische Künstler aus der Pariser W e l t a u s st e l l u n g.) Josef Israels, Hollands größten Maler, wurde von der Abtheilung für schöne Künste auf der Pariser Weltausstellung der große Preis züerkannt. Die goldene Medaille erhielt der französische Künstler Mr. Henry Lev y. Eine der interessantesten Abheilungen im Palaste sür schöne Künste ist die für Bildhauerei, wo der berühmte Bildhauer Antukolsky eine große Anzahl Arbeiten, darunter auch seine berühmte Marmorstatue Alexander HL, ausgestellt hat. Paris. (O r d e n s r e g e n.) Gelegentlich der Pariser Weltausstellung veröffentlicht der „l'Officiell" eine weitere Reihe von Ernennungen und Beförderungen innerhalb des Ordens der Ehrenlegion, wobei auch diesmal von dem großen Ordensregen einige Tropfen auf die Juden fielen. Es wurden zuOfsicieren des Ordens der Ehrenlegion auf Vorschlag des Ministeriums für Unterricht und schöne Künste ernannt: Eduard C o l o n n e, Capellmeister des gleichnamigen Orchesters, wegen eminenten Verdienst um die Musik und auf Vorschlag des Handelsministeriums die Herren: Josef Hirsch, Professor am Conservatorium für Kunstfertigkeit und Handwerk, Chefingenieur Louis Lion, Chefingenieur Salomon, sowie das Handelskammermitglied Sciana. Zu Ritter wurden auf Vorschlag des Unterrichtsministers ernannt: Brisac-Dreyfuß, der Lothringer Bildhauer Emanuel H a n n a u x, sowie der Conservator des Luxemburg-Museums Leonce Benedite. Ferner auf Vorschlag des Handelsministers: der Redacteur vom „Figaro" Emilie Verr, Ingenieur Gustave Blum, Fabrikant Jules Cahen, Mini-

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