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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-31 · 35 (31.8.1900) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
35 (31.8.1900)
Date
1900-08-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 35 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 633 daß sie zu Toulouse eine alte kranke Frau in ihrem Bette auf den Scheiterhaufen schleppten u. s. w. (Percin, „Nonurnent. eonvenl. 'I'olos.", S. 49). Im folgenden Jahre, am 29. Juni 1867, sprach dann Pius IX., gestützt auf seine Unfehlbarkeit, den Inquisitor Peter Arbues de Epila „heilig". Und die Geschichte berichtet von ihm, daß er, obwohl er sein Amt nur wenige Monate inne hatte, „durch die Hinrichtung weniger viele mit Schrecken erfüllte". („Acta Sanctorum“, Septemb. V, 753.) Vor wenigen Tagen hielt bei der „neunhundertjährigen Jubelfeier des K a t h o li c i s m u s i n Ungar n" Graf Johann Zi ch y die Festrede. Begeistert und begeisternd rief er aus: „Der Katholicismus ist die unerschöpfliche Quelle der Bildung, er ist die Grundlage der echten Moral. Der Antikatholicismus führt zu dem Dolche von Gens und zu der Kugel von Monza!" Armer, unwissender Schwärmer! Die Moral des Papstthums hat in den inquisitorischen Ritrnlmorden ganze Hekatomben von Menschen geschlachtet, die Moral des Papstthums hat nicht etwa blos zu einem Dolche und zu einer Kugel geführt, sondern sie führte zu Tausenden von lodernden Scheiterhaufen und würgenden Henkersknechten. („Die Züt.") Die „Kölnische Zeitung" über die jüdischen Speisegelehe. Die „Kölnische Zeitung" vom Sonntag den 19. August bringt über die jüdischen Speisegesetze einen Artikel, der umso bemerkenswerther ist, als er aus der Feder eines nichtjüdischen Fachmannes herrührt und ein hohes Verständniß für die einschlägigen Fragen zeigt. Der Artikel hat folgenden Wortlaut: In civilisirten Ländern ist nach der vegetarischen die jüdische Küche hinsichtlich der Auswahl die beschränkteste. Da, wo in allen andern Küchen die Delicatessen erst aufangen, hat der Küchenzettel der jüdischen Hausfrau schon aufgehört. Versagt ist ihr alles vom Jäger erlegte Wild, verboten sind ihr nicht nur Austern, Caviar und die meisten Seefische, sondern auch Aale und Krebse. Das Schwein, das in dem Haushalte der Bolksmassen eine so große Rolle spielt, ist bekanntlich aus der jüdischen Küche aufs Strengste ausgeschlossen. Nicht genug damit, ist der Genuß des Hinterviertels sonst gestatteten Schlachtviehs verpönt. Das Fleisch allzu junger Kälber, sowie aller von einer tödtlichen Krankheit befallener oder tödtlich verletzter oder verwundeter Thiere darf nicht genossen werden. Aber auch damit hören die Beschränkungen nicht auf. Die jüdische Hausfrau kann nicht in dem erstbesten Laden ein ihr zusagendes Stück Rind¬ oder Hammelfleisch, eine ihr Preiswerth erscheinende Gans, Ente. Taube kaufen und in ihrer Küche verwenden. Geflügel wie Schlachtvieh müfien nach der Vorschrift geschachtet sein. Das geschachtete Thier wird einer strengen Beschau unterworfen. Das einwandfrei befundene Fleisch muß auch noch rituell behandelt, es muß ihm namentlich das Blut entzogen werden. Denn jeder Blntgenuß, gleichviel in welcher Form, ist „ein Greuel". Um so seltsamer ist es, daß gerade Juden, denen selbst der Genuß von Thierblut seit Jahrtausenden verboten ist, beschuldigt werden, sogar Menschenblut zu gebrauchen. Alles, was über Ritualmorde als religiös zuläffig oder gar geboten gesagt wird, ist barer Unsinn. Ist das Fleisch so weit für die jüdische Küche reif, dann fangen erst die eigentlichen Küchenschwierigkeiten an. Zum Kochen oder Braten von Fleisch und aller zum Fleisch zu genießenden Gemüse, Bor- und Zuspeisen, dürfen weder Butter noch Milch oder Sahne verwendet werden. Alle Fleischgerichte müssen in besonderen, nur für diese bestimmten Küchengeräthen aufbewahrt, gekocht und gebraten und von besonderem Tafelgeschirr gespeist werden. Selbst Löffel, Meffer und Gabel, die man für Fleisch und mit Schmalz (Gänseschmalz) oder Rindertalg zubereitete Speisen braucht, dürfn nicht für Speisen verwendet werden, die mit Milch und Butter hergestellt werden. Für das Osterfest sind noch wieder andere Einschränkungen vorhanden. Die Osterküche ist das wahre Kreuz der jüdischen Hausfrau, die für die acht Tage eine ganz andere Wirtschaft braucht und in der Hauptsache mit Osterbrot (Mazzes), Eiern, Fleisch und einer für das Osterfest hergestellten eigenartigen Suppe aus rothen Rüben operiren muß. Daß eine so beschränkte Auswahl der jüdischen Hausfrau die Herstellung eines abwechslungsreichen Küchenzettels ungemein erschwert, wird Je er leicht beg: eifen. Weitere Beschränkungen stellen fie noch vor andere schwierige Aufgaben. Aber in der Beschränkung zeigt sich die Meisterin, und sie muß eben mit Wenigen auskommen. Die Noth macht erfinderisch. Die erste Aufgabe der jüdischen Hausfrau ist, das Fleisch nach Möglichkeit auszünutzen, nicht nur weil sie keine große Auswahl hat, sondern auch weil sie, zumal in kleineren Städten, sich es überhaupt nicht immer beschaffen kann, sowie auch, weil das für sie verwendbare Fleisch verhältnißmäßig theuerer ist. Was besonders in reicheren Landestheilen, etwa in Rheinland und Westphalen, weggeworfen wird, das wird in der jüdischen Küche noch vielfach zu Delicateffen verarbeitet. Was die Jüdin beispielsweise aus Milz und Därmen, beiläufig nach besonderer ritueller Behandlung, die in der Entfernung von Häuten und Adern besteht, aus dem Gänschals herstellt, verdient die höchste Anerkennung. Den gefüllten Därmen ist noch kein genügendes Loblied gesungen worden, und der nach den mannigfachsten Receplen gefüllte Gänsehals wird bei richtiger Zubereitung selbst von sehr verwöhnten Feinschmeckern geschätzt. Das Gänseschmalz muß im jüdischen Haushalte drei Viertel der Aufgaben der Butter erfüllen. Darum spielt die Gans auch, namentlich die Stopfgans, in der jüdischen Küch, dieselbe Rolle wie das Schwein in der christlichen. Was Israel ohne die Gans gethan hätte, vermag keine Phantasie auszudenken. Die Gaus ist nicht nur Retterin des Capitols, sondern auch Retterin der jüdischen Küche. Da Fleisch knapp und theuer ist. muß großer Werth auf Zn- und Vorspeisen gelegt werden. Früchte, Gemüse, Vegetabilien sind von den jüdischen Speifegefetzgebern schrankenlos freigegeben. Da aber auch diese noch verhältnißmäßig theuer find, so werden Reis, Hirse, Graupe. Sago, Gries und namentlich Mehlspeisen verschiedenster Art viel gekocht. Die Zerstreuung über alle Länder der Erde und die Wanderungen von Land zu Land haben das Aushäufen von Küchenrecepten ungemein begünstigt. Zwiebel und Knoblauch sind spanische, orientalische und wohl noch egyptische Reminiscenzen. Wenigstens drücken nach dem biblischen B°richte die Juden in der Wüste ihre Sehnsucht wie nach den Fleischtöpfen so auch nach den Zwiebeln und dem Knoblauch Egyptens aus. Der Jüdin ist es geradezu zur Pflicht gemacht, den Sabbath und die Festtage durch einen guten Tisch zu ehren. Am Sabbath sollen Fleisch, Fisch und Wein genoffen werden. Da rituell gestatteter Wein, zumal von den ärmeren Juden, nicht leicht beschafft werden kann, haben sie sich durch Herstellung von Rosinenwein zu helfen gewußt. Aber da sind wieder neue Beschränkungen, die neue Mittel zu ersinnen zwangen. Am Sabbath darf nichts gekocht werden. Das Effm für den Freitagabend und für den ganzen Samstag mußte schon Fceitag hergestellt werden. Füc den Freitagabend konnte man sich noch leicht helfen. Das fertige Essen wurde in der Nähe des nicht ausgelöschten Herdfeuers warm gehalten oder in gewissen natürlichen Thermophoren aufbewahrt. Für den Sabbath wurde das durch Heine claffisch gewordene Schalent erfunden und ebenso wie das Fleisch, die Kugel, eine fetttriefende süße Speise, ja der Kaffee zum Bäcker geschickt, der Alles im heißen Backofen aufbewahrte, bis man es zu den verschiedenen Sabbathmahlzeiten abholte. Der Versöhnungstag ist gleichzeitig ein sehr strenger Fast- und Fasttag. Volle 24 Stunden dürfen die Juden nichts effen und nicht einmal einen Schluck Wasser genießen und ebenso wenig am Herde hantiren. Nach 24stündigem Fasten aller, auch der weiblichen, Mitglieder im Alter von mehr als 12 bis 13 Jahren, das Abendbrot, das obendrein ein feierliches sein soll, herzustellen, geht nicht gut an. Man kocht daher bereits den Tag vorher Alles für den folgenden Abend und bereitet einige Gerichte soweit vor, daß sie in kürzester Zeit frisch gekocht werden können, so Nudeln oder Eiergraupe, die den Tag vorher gebacken werden und am folgenden Abend nur auf wenige Minuten in kochendes Wasser geschüttet zu werden brauchen. Daß eine so eng begrenzte und streng geregelte Küche einen ganz außerordentlichen Einfluß auf Gesundheit, Sitte. Wirtschaftlichkeit, Gesellschaftsleben ausüben mußte, wird auch Derjenige sich leicht vorstellen können, der die dem täglichen Augenschein widersprechende materialistische Lehre, daß der Mensch ist, was er ißt, rur soweit gelten läßt, daß kaum noch etwas davon übrig bleibt. Der orthodoxe Jude liebt es nicht zu hören, daß Moses den Genuß des Schweinefleisches und anderer kriech nder und schwimmender Thiere aus Gesundheitsrücksichten, den anderer Geschöpfe aus ästhetischen Gründen verboten habe. Er läßt lieber seinen Gott nach dem Grundsätze: car tel est non piaisir den Juden d-n

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