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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-24 · 34 (24.8.1900) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
34 (24.8.1900)
Date
1900-08-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 626 Dr. Bloches Wochenschrift. 4tr. 3t verlieh, de» die Gemeinde und insbesondere die Chewra-Kadischa durch dessen Hinscheiden erlitten hat. Eben einen solchen warmen Nachruf hielt ihm Se. Ehrwürden Herr Sal. Straßer, Rabbiner der hiesigen orthodoxen Cultusgemeinde. Agram. (Hymen.) Am 19. d. M. vermählte sich hier Fräulein Mizzi Engelsrath, Tochter des verstorbenen, angesehenen Juweliers Jo sin Engelsrath, seinerzeit Begründer der orthodoxen Nebengemeinde in Agram, mit Herrn Stern, Juwelier in Belgrad. L. S. Belovar. (Jubelhymne zum siebzig st e n Geburtstag Sr. Majestät.) Herr M. F a u st, Obercantor der israelitischen Cultusgemeinde Belovar, hat zur Feier des Allerhöchsten siebzigsten Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs eine Hymne für Chor und Orgel componirt, welche in der Allerhöchsten Cabinetskanzlei überreicht und huldvollst angenommen wurde. Diese schöne Gelegenheitscomposition ist in drei Sprachen, deutsch, ungarisch und croatisch, erschienen und zum Preise von 2 K beim Verfasser oder in den Buchhandlungen Auer und K r ü g e l u. D e u t s ch zu beziehen. Leipzig. (V e r m ä h l u n g.) Am 2. September findet in der Synagoge hier die Trauung des Frl. Dora Brecher mit Herrn Louis W o l p e r t statt. Die Braut ist eine Tochter des Herrn Med. Dr. Alois Brecher und eine Enkelin des weiland jüdischen Gelehrten Dr. Gideon Brecher gesegneten Andenkens. Das Familienfest dürfte den Sympathien in den weiten Kreisen der Bekannten und Freunde der beiden Familien begegnen. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) „Daß Lorenz Golzinger lebt", sprach Michael, „habe ich vor einigen Tagen erfahren, ich bekam die Liste jener österreichischen Officiere zur Hand, die mit General Mack in Ulm vor meinem Kaiser capitulirten und ihr Ehrenwort gaben, ein Jahr lang nicht gegen uns zu kämpfen. Unter diesen fand ich auch den Namen des Verhaßten." Sara zuckte heftig zusammen, eine jähe Nöthe stieg in ihren Wangen auf. Der beseligende Gedanke: sie habe Michael wieder gefunden, dieser sei ihr treu geblieben, hatte ihre Seele so vollständig erfüllt, daß ihr alles Andere nebensächlich erschien . . . . jetzt, als sie sich zu sammeln begann, fiel ihr auch Michaeals Uniform ins Auge sie kannte diese, sie hatte ja ähnliche oft gesehen; erschreckt trat sie unwillkürlich zurück und sprach: „Du dienst im Heere unserer Feinde, kämpfst gegen unser« Kaiser» Dein Vaterland, ziehst als Feind in Deine Heimat . . . ." „Mein Vaterland, meine Heimat!?" rief Michael erregt, „Du irrst, ich bin in Frankreich geboren; — aber ich betrachtete es erst dann als Vaterland, nachdem es mich als seinen Sohn anerkannt.... W. meine Heimat?! Mähren mein Vaterland?! Was sprichst Du da? ... . Als meine Mutter hier starb und ich, das verlassenste, hilfloseste Wesen auf Gottes weiter Welt, allein da stand, wollte mich Bürgermeister Golzinger, weil ich ein Jude vor, bnirelei’, obwohl er wußte, ich müßte verhungern, erfrieren, im Elende verkommen! W. meine Heimat!! Es gab kein Gesetz, das mich vor der tollen Laune dcs ersten besten Schurken schützte! Als Dich ein nich'tswürdiger Wüstling rauben wollte, ärger als ein Negerfürst schwarze Sclaven, und ich Dich vertheidigte, ward ich auf Leben und Tod angeklagt und der treffliche Archonte dieser Stadt, wollte mich ertränken lassen, um seinen Sohn, der auch Deines Vaters Tod verbrochen, vor jeder Verantwortung zu schützen.... Ich habe nicht gegen mein Vaterland gekämpft, bei dem lebendigen Gotte! Bevor ich dies thäte, ließ ich mir lieber beide Arme vom Rumpfe schlagen. Ich bin in Frankreich geboren; aber als ich im Elsaß das Licht der Welt erblickte, besaß ich auch dort kein Vaterland, — aber es haben sich dort die Verhältnisse in wunderbar schöner Weise geändert. Mein Vaterland nahm mich als seinen Sohn auf, es machte mir meinen Glauben an den einig einzigen Gott nicht zum Verbrechen, ich ward ihm ein treuer Sohn, und ich will's ihm bleiben! O! Der Jude liebt sein Vaterland, — oft auch wenn es ihn nicht als Sohn anerkennt .... Ich habe mich gestern erst von Neuem davon überzeugt .... ich fand einen blutjungen, österreichischen Soldaten auf dem Schlachtfelde, dem beide Füße weggeschossen waren. Ich wollte ihm helfen, sprach ihm Trost und Muth zu. Sein Blick war nicht mehr klar, er sah mich nicht mehr recht und kämpfte schon den letzten, den Todeskampf. Er mochte mich, da ich ihn deutsch und freundlich ansprach, für einen österreichischen Osficier halten, den er sprach mit ersterbender Stimme: „Herr! sagen Sie Allen, auch der Jude, den Ihr nicht zum Osficier machen wollt, stirbt trotzdem freudig für Vaterland und Kaiser, möge auch mein vergossenes Blut dazu beitragen, daß" -- er hatte abgebrochen, Schm'a Jisroel gelispelt und seine Seele ausgehaucht. Ich befand mich auf dem Schlachtfelde inmitten von Todten, Sterbenden, Verwundeten, und doch Mtte mich der unvollendete Satz des jungen, todten Juden tief erschüttert! . . . ." Michael versank in Sinnen, plötzlich zuckte er aus diesem empor und rief: „Sara, Du bist mir angelobt von Deiner sterbenden Mutter, von Deinem Vater, es war der heißeste Wunsch Deiner Ettern, daß wir Gatten würden, und Sara — ich sage Dir's jetzt zum erstenmale — ich habe Dich geliebt von dem Momente an, wo Du das Licht der Welt erblicktest ... bis ... immer, ewig! Ich hatte Dich für todt beweint und war Dir treu geblieben; — als ich Dich jetzt hier an heiliger Stätte, an den Gräbern unserer Liebsten auf der Welt, erblickte und erfuhr, auch Du wärst mir treu geblieben, war ich so endlos glücklich daß es Menschenwort nicht auszusprechen vermag, daß diese eine Secunde all das unschilderbare Leid meines vergangenen Lebens reichlich aufwog, daß ich Gott für diese endlos große Huld aus voller Seele dankte. Sara, hier an Deiner Eltern Grabe werb' ich neuerlich um Dich und srage Dich, willst Du mein Weib werden? Aber ich bin Franzose und habe meinem Kaiser den Eid der Treue geschworen, ich liebe mein Vaterland und muß nach Frankreich zurückkehren; — und nun frag ich Dich, theueres Herz, willst Du als meine Gattin mit mir ziehen?" Michael blickte mit athemloser Spannung in Sara's herrliche Züge, ein schönes Lächeln überflog Sara's Antlitz, eine heiße aufsteigende Blutwelle färbte ihre Wangen purpurn, und sie sprach: „Ich antworte Dir mit Ruth's Worten: Dein Volk ist mein Volk, Dein Gott ist mein Gott, wo Du sterben willst, will ich sterben, wo Dein Grab liegt, soll mein Grab liegen, so sei Gott stets in meiner Hilfe, selbst der Tod soll mich nicht von Dir trennen!" Sara stürzte in Michaels Armen, und dieser rief: „Ich habe sie nicht vergessen, die schöne Benediction, welche mich unser Vater gelehrt: Boruch hatow wehametiw!" *) „So hat sich Dein Segensspruch,' theuerer Vater, doch bewährt!" rief Sara, „als das unglücklichste Geschöpf betrat ich diesen Raum, als das glücklichste Weib werd' ich ihn verlassen!" „Nun lass' uns an den Gräbern unserer Lieben beten," sprach Michael, und sie ließen den Worten die That folgen. Sie konnten sich nur schwer von den Gräbern trennen, aber endlich mußte doch geschieden werden. In dem Momente schallten Trompetenklänge von der Heerstraße herüber und Michael fuhr wie aus einem tiefen Traume empor. „Ich werde dort an der Straße erwartet, meine geliebte Braut," sprach er, „mich ruft die Pflicht .,. Wie soll es nun werden bis zu der Zeit, wo wir, so's Gott beliebt, Mann und Frau werden?" frug er halblaut sich selbst, „ah! ein glücklicher Gedanke. Ein Lieferant, ein Landsmann und Glaubensgenosse von mir, ein Metzger, Baruch Goudchaud, der uns auf unseren Zügen folgt und seiner Kränklichkeit wegen von seiner würdigen Frau begleitet wird, wird Dich die hoffentlich kurze Zeit bis zu unserer Trauung in seine Familie aufnehmen . . . Reiche mir *) „Gelobt seist Du Mgütiger, Gnadenspendender!" — Eine Formel, die bei dem Eintreten eines glücklichen Ereignisses gesprochen werden soll.

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