Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 34 (24.8.1900)
- Date
- 1900-08-24
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021331-3021366--10161-3034627- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 624 Dr. Bloch's WochLtlschrrft. Nr. 34 Die Adresse wird vom Vorsitzenden, dem Stellvertreter dem Schatzmeister und den Repräsentanten der jüdischen Gemeinde und vom Präsidenten, den Vicepräsidenten und den Vorstandsmitgliedern der Anglo Jewish Association unterzeichnet werden. Vermischtes. Wien. Anläßlich der Vollendung des 70. Lebensjahres Sr. Majestät des Kaisers hat Frau Baronin Königswar t e r dem Verbände zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen den Betrag von tausend Kronen zugewendet. Wien. (Trauung.) Am 26. d. M. findet im Tempel der Seitenstettengasse die Trauung von Fräulein Louise Reich, Tochter des Herrn Rabbiner Dr. Reich von hier, mit dem Südbahnbeamten Herrn S. Jokl statt. Wien. (Verlob u n g.) Fräulein Rosalie Hammer, Tochter des Stampiglienfabrikanten Herrn M. H a m m e r, hat sich mit Herrn David Schauer aus M.-Sziget verlobt. Wie». (Kaiserfeier im Ferien hei m.) In besonders feierlicher Weise wurde das Kaiserfest in den Colonien des „Ferienheim" begangen. Das prachtvolle Haus, welches das „Kaiser Franz Jofef-Frrienheim" in Vorkloster-Tifchnowitz bei Brünn beherbergt, war reizend decorirt und wurde drei Abende hindurch, den 17., 18. und 19. August, beleuchtet. Am 18. rückten die militärisch abgerichteten 100 Colonisten in vollkommen neuer Paradeadjustirung aus. Es war ein reizender Anblick, als die kleine Truppe in fünf Zügen, die neuen Kappen mit Eichenblättern geschmückt, die Holzgewehre geschultert unter Vorantragung der schwarzgelben Fahne, in strammer Haltung dem im Parke gelegenen Festplatze zumarschirte. Daselbst war das lebensgroße Brustbild des Kaisers, entsprechend decorirt, ausgestellt. Nachdem die kleine Schaar hier Paradeaufstellung genommen, wurde ciu Festgottesdienst abgeha'tcn m(d unter Stellung der Colonisten „zum Gebet" das Gebet für den Kaiser verrichtä. Hierauf hielt der Präfect eine schwungvolle Festrede, nach deren Beendigung unter großer Begeisterung die Volkshymne intonirt wurde. Entsprechend der militärischen Organisation dieser Colonie schloß die schöne Feier mit einer Parade und rückten sodann die Colonisten defilirend ab. Der Eindruck dieser Feier war ein so erhebender, daß viele der Gäste aus Brünn und Tischnowitz, welche derselben anwohnten, ihre Thränen nicht unterdrücken konnten. Die Vereinsleitung entsandte sodann eine Huldigungsdepesche an das Allerhöchste Hoflager nach Ischl, von wo bereits am darauffolgenden Tage, Sonntag den 19., folgende Antwort einlangte: „Seine Majestät geruhten die dargebrachten Glückwünsche mit huldvollstem Danke entgegenzunehmen. Paar." Auch in der Colonie Petrau wurde eine ähnlich? Kaiserfeier in Anwesenheit zahlreicher Gäste aus der Umgebung veranstaltet. Wre«. (Spende.) Für die armen rumänischen Auswanderer sind uns von Herrn M. Steiner, Maschinenhändler in Horazdowitz, weitere K 100.—, unter „Jahrzeit" K l.—, von Herrn Heinrich Fantl in Smichow X 20.— zugekommen. Wie». (S p e n d e.) Für den zerstörten Friedhof in Roznau sind uns von der Israelitischen Beerdigungsbrüderschaft in Prag K 20.— zugekommen. Wien. (Ferienheim.) Der letzte Abtheilungswechsel der in den Colonien untergebrachten schulpflichtigen Kinder hat sich in der abgelaufenen Woche vollzogen. Aus der Coloniestation Petrau kamen am 10. August 56 Mädchen zurück und am 15. August rückten daselbst wieder 56 Knaben unter der Obhut eines Pädagogen und eines Medicincrs ein. Aus dem Kaiser Franz Josefs - Ferienheim Vorkloster - Tischnowitz kehrten am 14. August 100 Knaben unter Aufsicht von zwei Präfecten und einem Mediciuer nach Wien zurück und am 17. August begab sich eine ebensolche Abthcilung wieder nach dieser Colonie. Das Kaiserfest wurde in allen Colonien des Vereines in erhebender Weise gefeiert. »Wie«. (Jüdischer Bolksverei n.) Unter den zu Ehren des Geburtstages Sr. Majestät unseres vielgeliebten Kaisers festlich beflaggten Häusern im ü. Bezirk, Leopoldsgasse, zeichnete sich insbesondere das neue Local des „jüdischen Volks - Vereines", Leopoldsgasse 49, durch seine sehr reichhaltige, besonders geschmackvoll arrangirte Decoration der ganzen Front- Fatzade aus. Auch die Beleuchtung gewährte durch die vielfarbigen Lampions und Transparentbilder einen sehr angenehmen interessanten Anblick. E. B. Wien. Sigmund Spitz, der Veteran aus publicistischem Gebiete, beging dieser. Tage die Feier seines siebzigsten Geburtstages, welche dem großen Kreise der Freunde und Verehrer desselben zu lebhaften Ovationen Veranlassung gab, die in einem Festmahle, welches Letztere zu dessen Ehren veranstalteten, in besonders lebhafter und feierlicher Weise zunr Ausdrucke gelangten. Der Jubilar hat sich als Gründer und langjähriger Herausgeber der Brauerzeitung „Gambrinus in fachmännischen Kreisen, namentlich in der Fachpresse, große Sympathien und den Ruf eines wissenschaftlichen und gewissenhaften Fachschriftstellers erworben und gilt dessen Organ als mustergiltig und tonangebend. Wien. In Stampfen (Ungarn) veranstalteten am 11. August, 8 Uhr Abends, Kinder hiesiger und der zum Sommeraufenthalte hier wohnenden Wiener Eltern eine Wohlthätigkeitsvorstellung zu Gunsten der rumänischen Juden. Zur Aufführung gelangte: „Die Vorlesung bei der Hausmeisterin". Mitgewirkt haben die Kinder: Max Q u a st l e r und Oscar Quastler aus Stampfen; Leo Blau, Moriz Weiß, Richard B u t s ch o w i tz und Selma B u t f ch o w i tz, Anna B r a t t a, Bertha und Therese Braunthal und Bertha Weiß aus Wien. Der Reinertrag der Vorstellung von 20 K wurde der löblichen „Allianz" zu Wien eingesendet und sagt das Kinder-Comite allen Theilnehmern und Spendern auf diesem Wege Dank. Wien. (Das goldene jüdische Herz.) Eine vielbeachtete Scene spielte sich letzter Tage auf dem Hohen Markt ab. Gegen halb 9 Uhr erschien vor dem offenen Stande des Fleischhauers W., eines Ariers, eine Pfändungscommission, um ihres Amtes zu walten. Der Fleischhauer, ein armer Mann und Vater von vier Kindern, sollte wegen einer Schuld von 19 K gepfändet werden. Sein ganzes Vermögen, etwa 16 Kilo Fleisch, die er in dem ambulanten Stande hatte, sollte nun zur Sicherstellung der Forderung eingezogen und transferirt werden. Die zahlreich angesammelte Menschenmenge zeigte jedoch Lust, gegen dieses Vorgehen Stellung zu nehmen, und es wäre wahrscheinlich zu Ausschreitungen gekommen, wenn nicht in letzter Minute von der Execution, dank dem Einschreiten zweier Kaufleute vom Hohen Markt, Abstand genommen worden wäre. Der dortetablirte Tuchhändler Herr Carl Lemberger hatte im Verein mit seinem Nachbar, dem Möbelhändler Herrn Simon F r ö hl i ch, rasch eine Hilfsaction für den Fleischhauer eingeleit't; die beiden Herren stellten sich an die Spitze der Subscription, und alsbald war der nöthige Betrag beisammen, um die Pfändungscommission zu befriedigen und zum Abzug zu veranlassen. Von den arischen College» des bedrängten Fleischhackers rührte aber keiner einen Finger. Wien. (Baron Hirsch in Schrift und Bild.) Ein eigenartiges, wohlgetroffenes Bild in künstlerischer Ausführung ' des verstorbenen Philanthropen Baron Moriz von H i r sch hat der setzt hier domicilirende Herr M. Diamant ans New-Iork ausgeführt. Das Bild 46—36 in mikroskopischer Ausführung enthält in dessen Grundzügen die Lebensgeschichte des Verstorbenen rn 9oOO Worten in englischer Sprache und ist mittelst Mikroskop deutlich leserlich. Das Original dieses Bildes hat den Verfertiger drei volle Monate in Anspruch genommen. Herr Diamant ist auch im Besitze zweier eigenhändiger Belobungsschreiben der Expräsidenten der Vereinigten Staaten, Benjamin H a r r i s o n und Grover C l e v e l a n d. Herr Diamant hat obiges Bild vervielfältigen lassen und sind Kopien desselben bei ihm (Burggasse bl) erhältlich Wien-Siutmering. Der. 70. Geburtstag unseres geliebten Kaisers wurde in unferm Tempel besonders feierlich begangen. Für 10 Uhr Vormittags war ein Festgottesdienst angekündigt, und es fanden sich zu demselben der Gesammtvorstand des Tempelvereines, der Obmann der „Chewra-Kadischa", sowie der durch seinen Edelsinn und seine Wohlthätigkeitsacte allverehrte Cultusvorsteher Herr kaiferl. Rath Friedrich Vogel im Gotteshause ein. Selbst vom Centralfriedhof und Schwechat kamen unsere Brüder und Schwestern, um ihren patriotischen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Mit Gwckner's Jubelhymne, vorgetragen vom gemischten Chor, wurde der Festgottesdienst eingeleitet, und sowohl Chor als auch die Solistin Frl. Serafine Steiner, welche über einen sehr sympathischen Mezzosopran