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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-24 · 34 (24.8.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
34 (24.8.1900)
Date
1900-08-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Blvch's Wochenschri^r. «reue 617 den östliche» und westlichen Delegirten. — Für eine Anzahl rumänischer Juden, welche in sehr bedauernswerthem Zustande nach London gelangt sind, wurde eine Sammlung veranstaltet, die über 80 Pfund Sterling ergab. Einige dieser rumänischen Flüchtlinge hatten sich vor der „Queens Halle" eingefunden, und sie boten eine lebende Illustration zu den entrüstungsvollen Reden über rumänische Judenverfolgungen, welche im Saale selbst gehalten waren. Der Vollständigkeit wegen sei erwähnt, daß der Zionismus in London auf starken Widerspruch stößt. So brachte die „Times" vom Mittwoch direct unter ihrem Bericht über den Congreß, folgende Zuschrift eines Londoner Juden: „Ich halte es für wichtig, daß im Namen der vielen Engländern die der jüdischen Race angehören, gegen die gewiß wohlgemeinten Anstrengungen der Leiter der zionistischen Bewegung protestirt werde. Diese Herren, die meist Ausländer sind, stehen offenbar unter dem Eindruck, daß die Juden hier sich als Fremde betrachten, die sich nur zu kurzem Aufenthalt in einem fremden Land niederlassen und erwartungsvoll auf den Moment warten, in dem sie sich einer unabhängigen oder doch abgeschlossenen Nationalität in Palästina erfreuen werden. Ich weiß nicht, wie die Juden auf dem Continent hierüber denken; aber ich weiß, daß nichts dem durchschnittlichen Engländer jüdischer Abstammung ferner liegt, als eine solche Idee. Er kennt keine andere Heimat als England und begehrt keine andere, nicht einmal als frommen Wunsch. Ich zweifle ferner, ob selbst der frömmste Jude nach Palästina nur mit halb so viel Ehrfurcht hinblickt, wie sein christlicher Landsmann, und ganz gewiß kommt ihm nie die Idee, selbst dort zu wohnen. Die durchschnittliche Stellung des englischen Juden, dessen Familie vielleicht seit hundert Jahreil in England ansässig ist, ist ungefähr die der Nachkommen der.Hugenotten, die im 17. Jahrhundert aus Frankreich geflohen, oder der vielen Schweizer, die während des 18. Jahrhunderts in dieses Land ausgewandert sind, oder der vielen anderen Racen, d e zusammen den Körper bilden, den wir als die englische Nation kennen. Der Proceß der Assimilation ist durch Heirat untereinander einigermaßen verzögert worden, aber Engländer, die sich zufälliger Weise zur jüdischen Religion bekennen, sind deshalb keine Ausländer, und ihre Gedanken wenden sich ebensowenig nach Palästina als etwa die Laboucheres nach Frankreich, oder die Lord Eromers nach Bremen. (Labouchöre ist französischer, Lord Cromer deutscher Abkunft.) Zu einer Zeit, wo der A n t i s e mit I smus im Auslande so sehr vorherrscht und an ch in England nicht ganz unbe kan nt ist, ist es von Wichtigkeit, daß die englischen Juden Schritte thun, um ganz nachdrücklich einer Bewegung entgegenzutreten, die zu bestätigen scheint, daß der Ruf, den man auf dem Continent fortwährend hört, nämlich, daß der Jude niemals sich als Bürger irgend eines Landes f ü h l t, r e ch t h a t." Solche Zuschriften erhielt die „Times" seitdem beinahe täglich, ohne freilich für die große allgemeine Judennoth ein Heilmittel anzugeben. Correspondenzen. Er Die Kaiserseier in den jüdischen Gotteshäusern. i Der schöne Festtag, welcher am 18. August die Völker der Monarchie zu Ovationen der herzlichsten Art für den Kaiser veranlaßte und die namentlich diesesmal mit außerordentlicher Feierlichkeit begangen wurde, fand naturgemäß seitens der stets patriotisch und dynastisch fühlenden Judenschaft in den Synagogen ihren Ausdruck, die, dem Anlasse entsprechend decorirt und geschmückt, von zahlreichen Andächtigen gefüllt waren, welche gekommen sind, um ihren Empfindungen vor dem Allmächtigen Ausdruck zu geben. Mit großer Feierlichkeit wurde das Fest im israelitischen Tempel der Leopoldstadt begangen, wo Rabbiner Dr. Schmied! eine schöne Festpredigt hielt. Ueber die Feier in der Synagoge der Seitenstettengasse wird uns gemeldet: Nachdem bereits am Freitag Abend das Fest durch vollständige Beleuchtung des Bethauses äußerlich kenntlich gemacht war und am Schlüsse die herrliche Composition weiland Professor Sülze r, der große „Ad o n Aulom", vom Chorpersonale vorzüglich wiedergegeben, während die Solostellen der I. Cantor Herr Schiller recitirte, die Stimmung der Besucher festlich beeinflußte, war es der Jubeltag selbst, der ebenfalls das Gotteshaus in einem Meer von Licht erstrahlen ließ, und nachdem die rituellen Gebete beendet waren, ließ Obercantor Singer den vom Altmeister des Synagogengesanges so trefflich vertonten Festpsalm 21 erklingen, nach welchem Oberrabbiner Dr. M. Güdem a n n eine ungemein herzliche Festrede hielt, die, anknüpfend an die in dem zur Verlesung gelangten Wochenabschnitt enthaltenen Worte. 5. Buch Moses, 7,12, ein Lebensbild des erhabenen Monarchen entrollte und mit den aus tiefster Seele zum Himmel emporgesendeten Segenswünschen für das Wohlergehen des theuren Monarchen endete. Mit dem Absingen der Bolkshymne, in welche die Anwesenden einstimmten, endete die schöne Feier, bei welcher uns nur der Umstand traurig stimmte, daß bei derlei Anläffen niemals ein Regierungsvertreter anwesend ist, der hierüber an Allerhöchster Stelle zu berichten hätte; um jedoch diesen Fall für die stattgehabte Festlichkeit zu paralysiren, hat Schreiber dieser Zeilen dieses Versäumniß wettgemacht und kann er die Versicherung ertheilen, daß dortselbst bereits von dem würdigen Verlaufe des Gottesdienstes Kenntniß ist. Unter den Erschienenen waren zu bemerken: Die Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde Baurath Th. Ritter von Goldschmidt, Docent Dr. Josef G r ü n f e l d und I. Secretär kaiserlicher Rath Dr. Theodor Lieben mit dem Amtsvorstand Wiener und vielen Beamten, Bethausvorsteher Julius Wolf, Gemeinderath Donat Z i f f e r e r, Bezirksrath Waldstein, Religionsschulinspector D. M. K a n i tz, Rabbiner Dr. G r u n w a l d aus Hamburg, kaiserlicher Rath Dr. K o h n. Director Fischer von der Kinderbewahranstalt, Commercienrath S t i a ß n y u. v. A. m. Wien. Freitag den 17. d. M., Abends 7 Uhr. veranstaltete der Tempelverein in der Josefstadt, Florianigasse, anläßlich des Geburtsfestes Sr. Majestät einen solennen Festgottesdienst. In dem festlich decorirten Tempel hatte sich eine zahlreiche andächtige Gemeinde, an der Spitze der Präses des Vereines Herr Hermann Beck mit dem gesammten Vorstande, eingefunden. Der Rabbiner Herr Dr. Hahn hielt die Festpredigt, welcher der feierliche Gottesdienst durch deki Cantor und dem Gesammtchor folgte. Mit der Absingung der Volkshymne vor der offenen Bundeslade schloß diese patriotische Feier, um die sich der Vorstand, die Herren Hermann Beck, Jacob Modern, Josef Mittler und Hermann P o l l a ck, besondere Verdienste erwarb. Wien-Mariahilf. Der am 18. d. M. im Tempel, VI.. Schmalzhofgasse 3, veranstaltete Festgottesdienft gestaltete sich zu einer erhebenden patriotischen Kundgebung. In dem mit exotischen Pflanzen, Reisig-Guirlanden und den Reichswappen festlich geschmückten, im Laufe des Sommers vollständig renovirten Tempel hatten sich der Vorstand des Tempelvereines, mit dem Vereins- Präsidenten H errn Architekten Max Fleischer an der Spitze, fast vollzählig, sowie eine stattliche Anzahl von Damen und Herren im Festkleide eingefunden. Eingeleitet wurde die Feier durch das Hallelujah von Händel, vom Tempelchore mit Orgelbegleitung in gewohnter exacter Weise vorgetragen; hierauf fand das Ausheben und Verlesen aus der Thora statt, bei welcher Gelegenheit der Vereinspräsident als Erster zur Thora vorgerufen wurde, worauf als Mittelpunkt der ganzen Feier der große Mischeberach für Se. Majestät dem Kaiser — versaßt vom Vereinsprediger Herrn Dr. Tag licht und in Musik gesetzt vom Herrn Obercantor Dünmann — von Letzterem in ergreifender, künstlerisch vollendeter Weise zu Gehör gebracht wurde. Die Festrede, ein nach Form und Inhalt gleich treffliche Würdigung unseres erhabenen Monarchen, hielt in bekannter, zu Herzen gehender Weise Herr Rabbiner Dr. Ta glicht, der auch ein dem festlichen Anlaß entsprechendes Kaisergebet verfaßt hatte, worauf vom Chore die Volkshymne executirt wurde, in welche alle Festtheilnehmer begeistert einstimmten. Mit dem Muffafgebete schloß diese schöne, allen Festtheilnehmern gewiß unvergeßliche Feier. Wien. Im Bethausverein „Torath Emeth", II!., Untere Viaductgasse hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Freund eine patriotische Rede und sprach zum Schluffe ein eigens für diese Feier verfaßtes poetisches Gebet in hebräischer Sprache für das Leben des Kaisers und die Allerhöchste Dynastie. In clafsischem Hebräisch werden in diesem Gebete alle die Wohlthaten gezeichnet, welche das österreichische Judenthum der Herzensgüte des Kaisers verdankt. Das Gebet hatte die Zuhörer tief ergriffen. Wien. Im Bethause „Marpe Lanefesch", fl., Glockengüsse 4, fand am 18. d. M. ein feierlicher Gottesdienst, verbunden mit einer Festpredigt, statt. Herr Leopold S e l m e c z y spendete zum ewigen Andenken an den siebzigsten Geburtstag Sr. Majestät unseres erhabenen Monarchen einen namhaften

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