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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-17 · 33 (17.8.1900) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
33 (17.8.1900)
Date
1900-08-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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'Jtr: 33 Seite 603 Dr. Bloch's WochenfchrM. Eruirun'g des Aufenthaltes der Marie zu veranlassen. Die Marie wurde auch bei einem Bauer Namens Mussak in Horynice gefunden, bei dem sie in den Dienst getreten ist. In seiner Gesellschaft und in derselben Bauerntracht wurde sie dem Gerichte vorgeführt und da Marie wieder nicht zu ihrem Vater gehen wollte, nahm sie der Bauer M u s s a k zurück in den Dienst. Der Vater wollte, daß das Gericht ihm wenigstens 25 Kronen zuerkenne für angebliche Kosten und ausgestandene Kränkungen. Es wurde ihm aber bedeutet, er möge sich mit diesem Ausgange der Angelegenheit zufriedenstellen, wenn die Gegenpartei von der Verleumdungsklage absteht. Seine letzten Drohungen waren noch die Zeitungen und er fand auch wirklich ein geneigtes Ohr für seine Leiden. K. Breslau. Der Streit zwischen dem Breslauer Oberbürgermei st er Dr. Bender und den dortigen Jnnungsausschüssen wegen seiner Rede im Herrenhause (Nr. 27, der „Oesterr. Wochenschrift'') hat viel Staub aufgewirbelt. Von besonderem Interesse ist für uns dabei der Paffus in der Antwort des wahrhaft freisinnigen Mannes, der sich gegen den Antisemitismus wendet: „Man hat es ganz ungeheuerlich gefunden, daß ich die Konitzer Brutalitäten in Verbindung brachte mit der Mittelstandsbewegung. Wenn ich nach der Fluth von Gemeinheit urtheilen soll, die «mir in diesen Wochen in anmymen Schreiben ins Haus geschickt worden ist — vermuthlich, um mich von der Moralität der Absender zu überzeugen —, so muß gerade jenes Wort getroffen haben. Der Herr Referent erkannte denn auch eine ^gewisse Solidarität mit den Konitzer Landfriedensbrechern an. Er nimmt sie „in gewissem Maße" in Schutz und hat für die angegriffenen und mißhandelten Juden nur die Mahnung, sie sollten zuerst Frieden halten. Ich weiß sehr wohl, daß die geistigen Urheber der KonitzerGeistesverwirrung nickt im Mittelstände zu suchen sind; allein möglich wurden jene Gräuel doch nur dadurch, daß der Geist des „zielbewußten" Antisemitismus durch die Mittelstandsagitation in breite Schichten des Gewerbestandes getragen wurde. Den Vorwurf der Judenfreundschaft, von antisemitischer Seite erhoben, nehme ich hin. Ich theile ihn mit vielen guten Männern. Wer sich bemüht, gerecht zu sein, kann nicht auf den Beifall Derer rechnen, die aus Grundsatz ungerecht sind. Das Christenthum aber hätte der Referent aus dem Spiele lassen sollen; das hat mit der Mittelstandsagitation so wenig gemein wie mit dem Antisemitismus. Wer -den Juden haßt, blos weil er Jude ist, verstößt gegen das Hauptgebot Christi, und wer seinen Nachbar, den Waarenhausbesitzer, hoch besteuern will, um selbst demnächst einen Theil des Steuerertrages gut geschrieben zu erhalten, der begehrt seines Nächsten Gut. Er mag das vor seinem Gewissen bemänteln wie er will; er mag von ausgleichender Gerechtigkeit sprechen, den Nachbar reich, gewissenlos und Schwindler, sich selbst aber tugendhaft, gedrückt und arm nennen, aber auf das Christenthum sollte er sich nicht berufen. I" allen ehrlich denkenden Kreisen werden diese ernst gemeint n Worte des Breslauer Oberbürgermeisters eine nachhaltige Wirkung auszuüben nicht verfehlen. Berlin. (Antisemitische Enthüllungen.) Erinnerungen an den jetzt fast in Vergessenheit gerathenen „Judenflintenproceß" werden z. B. durch „Enthüllungen" wachgerufen, die der antisemitische Schriftsteller Plack-Podgorsky in der „Charlottenburger Kritik" veröffentlicht. — Die Verhandlungen gegen den Angeklagten Ahlwardt mußten eines Tages aus gesetzt werden, weil Ahlwardt plötzlich erkrankt war. Die Art der Erkrankung erregte in maßgebenden Kreisen Befremden, die Gerichtsärzte gelangten zu dem Schluffe, daß die Krankheit durch künstliche Mittel hervorgerufen worden sei, und bei einer Durchsuchung Ahlwardt's fand man Reste eines Medicaments, das geeignet war, die Krankheit herheizuführen. Ahlwardt hat damals angegeben, das Medicament sei ihm von „Freunden" zugesteckt worden. Oberstaatsanwalt Drescher hat damals ziemlich unverblümt ausgesprochen, daß hiebei die Vertheidigung ihre Hände im Spiele gehabt habe; es ließ sich aber nach dieser Richtung hin kein Beweis beibringen. Jetzt liegt Plack-Podgorsky sich mit dem damaligen Vertheidiger A h l w a r d t's, Rechtsanwalt Dr. H., in den Haaren und schreibt in seinem Blatte klipp und klar, daß Dr. H. es gewesen sei, der das überaus wirksame Medicament bereiten ließ und dem Ahlwardt einhändigte. Es sei dies in seiner — P l a ck's — Gegenwart geschehen. Ahlwardt habe die Wahrheit gesagt, als er behauptete, Freunde hätten ihm das. Medicament zugesteckt, denn Dr. H. sei damals ebenso wie er selbst, d. h. Plack, mit Ahlwardt eng befreundet gewesen. Dr. H. habe unter dem Vorgeben, seinem Clienten Acten vorlegen zu müffen, Zutritt in Ahlwardt's Zelle erlangt und habe ihn, Plack-Podgorsky, unter der falschen Angabe mit die Zelle geschmuggelt, daß tx sein Bureauvorsteher sei. Im Beisein Plack's habe Dr. H. das Medicament mit den nöthigen Verhaltungsmaßregeln an Ahlwardt übergeben. Es bleibt abzuwarten, ob Dr. H. diese Borwürfe auf sich fitzen laffen wird. Berlin. Der „Bossischen Zeitung" wird geschrieben : Die „Deutsche Tageszeitung" interessirt sich für die Frage, wie viele jüdische Freiwillige sich wohl für die Chi n a- Expedition gemeldet haben und wie viele tauglich befunden worden sind. Wie hoch der wirthschaftliche Werth des Menschenmaterials, das sich freiwillig für die chinesische Expedition gemeldet hat, zu veranschlagen ist und wie viele aus Begeisterung die Expedition mitmachen, bleibt bis auf Weiteres besser unerörtert. Vielleicht erweisen wir aber der „Deutschen Tageszeitung" einen Dienst, wenn wir ihr mittheilen, daß unter den nach China ausrückenden Mannschaften der einstweilen noch bis zum 5. August in ihrem hiesigen Formationsort verbleibenden 3. Escadron des 3. Ostasiatischen Reiter-Regiments sich auch ein Freiwilliger mosaischer Confession Namens Cohn befindet. Dieser diente im dritten Jahre bei den 5. Husaren-Regiment in Stolp i. P.. ist mit Schießschnur und Fechtabzeichen ausgezeichnet. Der Kronprinz nahm bei der Abfahrt des Regiments Veranlassung, sich mit dem Manne zu unterhalten und dem Regimentscommandeur seine Freude über ihn auszusprechen. Bukarest. Der officiöse „Timpul" schreibt: „Einige Zeitungen und besonders ein antisemitisches Blatt haben Nachrichten des Inhaltes veröffentlicht, daß fich in Podul-Jloaei eine Revolte ereignet habe und daß infolge der Ausschreitungen Todte und Verwundete wären. Bon dem, was jene Blätter veröffentlicht haben, ist nichts wahr und dementirt das Ministerium des Innern dies formell." Die Auswanderung, aus Rumänien dauert aber trotz den großen Schwierigkeiten, welche sich der Emigration neuerdings entgegenthürmen, ungeschwächt fort. Die Wendung, welche die Dinge mit dem Antritt des Ministeriums Carp in Rnmänien neuerdings genommen haben, verschlägt bei den rumänischen Juden nicht. Sie kennen offenbar ihre Pappenheimer beffer und sie wiffen, daß die liberalen Verordnungen, welche Herr Carp neuerdings erlassen hat, eitel Schwindel sind, in die Welt gesetzt, um eine Anleihe zu ergattern. Die armen, unwiffenden rumänischen Juden kennen auch das rumänische Volk und seine Berfaffung weit beffer als ihre superklugen Beschützer in Deutschland, England und Frankreich. Sie wiffen, daß der Antisemitismus einer der Grundpfeiler der rumänischen „Verfassung" ist, der mit dieser steht und fällt, daß nicht irgend ein antisemitisches Ministerium, sondern das durch unv durch antisemitisch durchseuchte rumänische Bojarenthum erst gestürzt werden müßte, wenn die Lage der Juden in Rumänien wirklich eine Besserung erfahren soll. Welche Macht die Bojaren in Rumänien noch besitzen, beweist ein Artikel, den ein genauer Kenner Rumäniens, der rumänische Schriftsteller Peter Mirescu, im russischen «Nordischen Courier" kürzlich veröffentlicht hat. „Nach 50jährigem Kampfe stehen wir auf demselben Flecke!" ruft Herr Mirescu aus. „Da das bestehende Wahlrecht ihnen die ganze Macht im Lande überläßt, sind die Bojaren nicht nur de facto, sondern auch de jure Herren von Rumänien. Sie betrachten die armen Bauern ganz wie ehemals als ihre wahren Sclaven und behandeln sie auch als solche. In keinem Lande, selbst Ungarn und Galizien nicht ausgenommen, blickt der Edelmann mit solcher Verachtung auf den Bauer herab, wie in Rumänien. Und diese allmächtige, geldgierige, genußsüchtige, ihre Privilegien um jeden Preis vertheidigende Menschenrasse bietet Alles aus, um jede Stimme im Lande zu unterdrücken und das Ausland irrezuführen!" Und mit diesen wahren Herren des Landes — fügen wir hinzu — wollen die rechtlosen, unterdrückten Juden fertig werden? Stumpfsinnig und vom beschränkt egoistischen Standpunkte geleitet, wenden die rumänischen Bojaren Alles an, um die Juden aus Rumänien zu verdrängen. Sie brauchen den von letzteren eingenommenen Platz nothwendig für die durch ihren grenzenlosen Egoismus bis an den Bettelstab gebrachten Bauern. Denn der rumänische Bojar wird Hunderte von Hektaren seines Bodens lieber unbebaut laffen, bevor er sie gegen einen seiner Habsucht ungenügend scheinenden.Pacht dem verhungernden Bauer zur Bearbeitung überläßt. Es kann ihm nun wenig daran liegen, den hungernden, durch ihn selbst und seinen Geiz zum unfreiwilligen

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