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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-17 · 33 (17.8.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
33 (17.8.1900)
Date
1900-08-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 602 Dr-> Blortz's Wochrnfr^rM Nr. 93 hoch an der Zeit, daß man die Kierlinger belehre, was Menschenpflicht ist. G ht es im Guten, um so besser — wenn nicht, muß man sie durch staatliche Mittel zur Raison bringen. Wien. (Preßpro ceß.) Die „Ostdeutsche Rundschau" brachte unter dem 22. Juni 1900, Nummer 170, einen famosen Artikel, in welchem sowohl galizische als auch Bukowinaer Zustände arg gegeißelt werden. Wiewohl auch die polnische Aristokratie darin stark hergenommen wurde, liest sich der betreffende Artikel dennoch wie eine förmliche Judenhetze. Hiebei ist aber diese deutsch nationale Zeitung, wie gewöhnlich, unglücklicher Weise auf angebliche Jllustrationsfacta gestoßen, die erlogen ftnb, und glaubt ihrem journalistischen Berufe Genüge geleistet zu haben, wenn sie schamlose Lügen in die Welt streut, um Personen in ihrer Ehre zu kränken, die zwar Juden, dennoch aber nicht vogelfrei sind und unter dem Schutze der Gesetze stehen. So hat diese Zeitung unter Anderem auch in ihrem eben erwähnten Artikel die für die Juden Uscher Siederer und Majer Kronenfeld ehrenrührige Behauptung in die Welt gestreut, daß dieselben den Bauern Toma Andruck durch Machereien und Ränke um sein ganzes Hab und Gut gebracht haben und deffen Vermögen der Versteigerung zuführten. Zur Aufklärung der Sachlage haben Uscher Siederer und Majer Kronenfeld der gedachten Zeitung „Ostdeutsche Rundschau", eine Berichtigung gemäß § 19 P.-G. eingesch ckt, worin Uscher Siederer sich sogar rechtsgiltig erbötig machte, die erstandenen Liegenschaften, welche er nach der unwahren Schilderung des zu berichtigenden Artikels um einen Spottpreis erstanden haben sollte, dem verpflichteten Andruck um den Erstehungspreis abzutreten, also den Ariern Gelegenheit bot, ihre gleißnerische Philanthropie zu beweisen; — da doch nichts leichter ist, als auf Kosten der „Juden" Menschlichkeit zu heucheln. Die „Ostdeutsche Rundschau" hat jedoch die Aufnahme dieser Berichtigung verweigert und haben Uscher Siederer und Maj-r Kronenfeld sich gezwungen gefühlt, gegen die verantwortliche Redaction der „Ostdeutschen Rundschau" den Schutz des Gerichtes in Anspruch zu nehmen und wider dieselbe den Preßproceß beim Wiener k. k. Landesgericht angestrengt. Wir sind auf den Ausgang dieses ad Pr. XXXV — 241/3/00 anhängigen Processes gespannt und geben uns der Hoffnung hin, daß man in einem Rechtsstaate, wie Oesterreich, deswegen allein, weil man rin Jude ist, nicht beschimpft werden kann. Die Antisemiten werden aber um eine Lehre reicher — und jedenfalls, wenn nicht weniger verlogen, so doch weniger frech sein. Wir würden wünschen, daß das Vorgehen der Herren Siederer und Kronenfeld allenthalben Nachahmung finde, damit die tendenziösen Beschimpfungen der Juden durch die antisemitische Preffe endlich aufhören. L. I. Budapest, 10. August. Der neue Bischof von W a i tz e n, Graf Karl Czaky, erwiderte heute auf die Ansprache des Führers einer Deputation der Waitzener israelitischen Gemeinde, die ihn zu seinem Amtsantritt beglückwünschte: „Die christliche Religion ist die Religion der Liebe, sie flößt die gleichen Empfindungen gegen alle Mitmenschen jeder Confession ein. Wann immer Sie sich au mich wenden sollten, so oft von Ihnen die Rede sein sollte, werde ich stets mein Herz um Rath fragen. Wenn Jemand, so bin ich cs, der die glaubenseifrigen Juden liebt und schätzt." Lemberg.(Antisemitisches Kaffeehaus.)Das hiesige antisemitische Blatt „Dzie n n ie P o l s k i" vom 8. d. M. bringt in der Chronik folgende Nachricht: „Das Cafd du Theätre wurde gestern nach gründlicher Nenovirung neueröffnet. Die jetzigen Eigenthümer haben dieses Etablissement mit einem Kostenaufwande von 22 Tausend Gulden im seccessionistischen Style neu eingerichtet. — Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieses Kaffeehaus den Lend62-vou8-P atz der hiesigen Intelligenz bilden wird. Die Eigenthümer beschlossen auch um jeden Preis (!) von diesem Locale das jüdische Element, welches bisher dort hervorragte, zu entfernen, sowie ihren ganzen Bedarf nur bei und vermittelst Christen zu besorgen." Diese Mittheilung wurde bis zur Stunde seitens der Eigenthümer nicht richtiggestellt, respective ist keine Erklärung erschienen. daß diese nicht von ihnen herrührt. Die Herren Eigenthümer dieses Etablissements sind leider — Juden und heißen Graf und Schächter. (Graf allein ist Eigenthümer eines jüdisch-koscheren Restaurants im „Hotel Bellevue", sein Vater ebenso Besitzer der koscheren Restauration zu den „2 Glocken"). Wir machen alle verehrten Leser dieses Blattes auf die echt jüdisch-koscheren Restaurants und das nichtjüdische Cafe du Theätre aufmerksam. Tarnopol. (Beschwerde gegendenTarnopoler Staatsanwalt.) Der Cultusrath der Tarnopoler israelitischen Cultusgemeinde hat in seiner am 16. Juli abgehalteneu außerordentlichen Plenarsitzung einstimmig den nachstehenden Beschluß gefaßt: Am 12. Juli fand vor dem Tarnopoler Kreisals Geschwornengericht die Hauptverhandlung gegen einen gewissen K w a s mann, Mehlhändler in Podwoloczyska, wegen betrügerischer Erida statt.. Im Schlußvortrage nahm der die Anklage vertretende k. k. Staatsanwalt-Stellvertreter Herr Bereznicki die Gelegenheit zur Haltung einer die Juden in ihrem heiligsten Empfinden auf das Tiefste kränkenden antisemitischen Rede wahr. Mit Rücksicht auf diesen Thatbestand, durch welchen sich die jüdische Bevölkerung aufs Tiefste gekränkt und herabgesetzt fühlt, beschließt der Cultusrath, dem Cultusvorstande aufzutragen, gegen den k. k. Staatsanwalt-Stellvertreter Herrn Bereznicki in Tarnopol bei Sr. Excellenz dem Herrn Iu stizmini ster Beschwerde zu führen, mit der Bitte, geeignete Maßregeln zu treffen, damit in Zukunft von solcher Stelle aus ähnliche Verdächtigungen gegen das Judenthum und die jüdische Religion nicht erhoben werden. — Der Cultusvorstand hat diesem Beschlüsse entsprechend am 20. v. M. dem Justizmiuister eine ausführliche Beschwerdeschrift übermittelt. Niemirow. 8. August. Sehr geehrter Herr Redacteur! Ersuche um gütige Aufnahme nachstehender Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte: „Nicht uninteressant ist es, wie. bei uns in Galizien Ritualmorde fabricirt und verbreitet werden, um unsere friedliche Gegend zu beunruhigen. Das in Krakau erscheinende antisemitische Blatt „Glos Narodu" brachte in. seiner Nummer 173-vom 2. August eine sensationelle Nachricht in seinem Leitartikel unter der Aufschrift „Mißlungener Ritualmord". Die Correspondenz, die aus dem benachbarten Dorfe Smolin stammt, enthält eine durch und durch erlogene, und aus der Luft gegriffene Geschichte, die sich bei uns ereignet haben soll. Das zehnjährige Kind eines Landwirthes, Olexa Z d e r k o aus Smolin, wurde von einer Jüdin Namens M e u s chi . geraubt, dann einer Frau Schall übergeben, die damit nach Jaröslau gefahren und selbes dort fünf Wochen gehalten, bis das Gericht in Niemirow die Sache in die Hand nahm. Das Kind kam dann bei Juden zum Vorschein, welches ganz umgekleidet zur Unkenntlichkeit war und zu erzählen wußte, daß man es dort mit Leckerbissen und Süßigkeiten fütterte, ohne welche Arbeit verrichtet zu haben. In der Wirklichkeit verhält sich die Sache folgendermaßen: Ein berüchtigtes und vielmals bestraftes Individuum Olexa Z d e r k o brachte seine vierzehnjährige Tochter Marie nach Niemirow zu einer bekannten Frau Ettil M e u s ch mit dem E«. suchen, sie in den Dienst als Kindermädel zu geben und zwar zum hiesigen Disttictsarzte oder zum Notar. Die Beiden wollten das Mädel nicht haben, weshalb es die Frau ein Stück Weges begleitete, da der Vater nachhause vorangegangen war. Marie, welche Höllenqualen in ihrem Elternhause auszustehen hatte, zeigte keine Lust, den Heimweg anzutreten und erklärte sich bereit, in den Dienst zu einer drei Meilen von Niemirow entfernt wohnenden Frau Rosa Meier zu gehen, die ihr von deren Schwester, Frau Sch all, empfohlen wurde. Der Vater, der später herkam, wurde vom Aufenthalte seiner Tochter verständigt und er forderte sein Kind zurück. Frau Schall schrieb daher ihrem in der Nähe des Aufenthaltsortes des Mädchens weilenden Gatten Moses Schall, er möge die Marie von dort abholen. Sie langten nun Beide in Horynice an, einer Endstation von. Niemirow und vom Heimatsdorfe der Marie, wo Letztere im Wirthshause zurückblieb, bis Moses Schall Pferde für den Heimweg ausgesucht haben wird. Als Schall zurückkehrte, fand er das Mädchen nicht mehr und reiste nach Niemirow in der festen Ueberzeugung, daß Marie mittlerweile nach Hause gegangen sein dürfte. Der Vater Z d e r k o kam aber um das Mädchen und Schall, erstaunt darüber, erzählte ihm, wie und tpo er sie zurückgelassen und fügte hinzu, daß sie sich wahrscheinlich im Dorfe Horynice aufhalten muß, da sie nicht nach Hause zurückkommen möchte. Das war für den Zderko eine gute Beute und er dachte daraus Münze zu schlagen, in dem er das Haus unter gefährlichen Drohungen verließ. Er klagte alle Betheiligten vor Gericht, die wahrheitsgetreu Alles erzählten und sich erbötig gemacht haben, auch ihrerseits das Nöthige zur

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