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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-17 · 33 (17.8.1900) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
33 (17.8.1900)
Date
1900-08-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 604 Nr. 38 Dr» Blocht Müßiggang gezwungenen Bauer, der ihn bitter haßt, in seiner Nähe zu wissen und sieht ihn sehr gerne in die Stadt sortziehen. Da jedoch die Städte von den Juden occupirt sind, so suchen die Edelsten der rumänischen Nation die Juden aus dem Lande zu drängen, damit der Bauer in die freigewordene Stelle rücken kann. Von diesemStandpunkte aus betrachtet, gibt cs für die rumänischen Juden kein anderes Heil als die Auswanderung. Sie müßten denn im Stande sein, im Verein mit den Bauern eine Rkvolution zu machen und das Bojarenregime zu stürzen. Leider ist dafür nicht die geringste Aussicht vorhanden, und so bleibt ihnen nur die Wahl zwischen ewiger Verfolgung und Emigration. An dieser Alternative wird auch das Ministerium Carp wenig änderu. Selbst wenn dieses Ministerium es mit den Juden ehrlich meinen sollte — woran wir einstweilen entschieden zweifeln — wird es den Bojaren gegenüber nichts ausrichten können. Die kleine, aber allmächtige Partei wird vielleicht eine Zeitlang — bis der nothwendige Pump gelungen ist — das Ministerium schweigend gewähren lassen, dann aber wird der Sturm des Antisemitismus vom Neuen losgehen! Neue blutige Judenkrawalle werden, Tausende von jüdischen Existenzen und Hunderte von jüdischen Leben vernichtend, ausbrechen und unsere rumänischen Glaubensgenossen würden es bitter bereuen, daß sie sich abermals haben in Sicherheit wiegen lassen. Es ist daher erklärlich, daß die rumänischen Juden sich gegen das ihnen von Wien und London aus zugerufene „Halt!" sträuben und daß vom 25. Juni bis Anfangs August über 12.000 Juden Rumänien verlassen haben. Es ist wohl möglich, daß die Aermeren unter ihnen aus Mangel an Mitteln und weil ihnen ihre Glaubensgenossen im Westen, auf deren Hilfe sie stark gerechnet haben, sie im Stich lassen, nothgedrungen zu Hause bleiben werden, für die wohlhabenden Elemente unter ihnen gibt es keinen Halt. So haben sich in Poltuscheu 100 Familien mit einem Capitol von 500.000 Frcs. zusammengethan, um nach Anatolien auszuwandern. Herr Isidor Bendoad hat dieser Vereinigung 10.000 Frcs. gespendet. In Bukarest haben 108 Gastwirthe, Kaffeehausbesitzer und Ladeninhaber ihre Geschäfte geschlossen, um mit 800.000 Frcs. nach Canada auszuwandern. Bukarest. Der Vertreter der Jewish Colouisation Association hat in Bukarest 40.000 Frcs. unter den jüdischen Armen vertheilt. Davon wurden 5000 Frcs. direct vertheilt und 35.000 Frcs. der jüdischen Gemeinde zur Vertheilung überwiesen. Unabhängig von der Action des Herrn Leon L ö b e l. der die hiesigen jüdischen Wohlthätigkeitsvereine zu einer wirksameren Unterstützung der armen jüdischen Bevölkerung vereinigen will, haben sich dieser Tage auf Anregung des Herrn Salo Loewenthal mehrere jüdische Kaufleute, darunter die Herren Ulrich Taubes, Albianu, Henry Rotten u. A., zusammengerhan, um in Anbetracht des Spruches: „Schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe" schleunigst eine provisorische Volksküche zu errichten. In den ersten Tagen wurden bereits 1200 bis 1500 arme jüdische Kinder und Erwachsene täglich aus laufenden Spenden gespeist, was umso bewundernswerther ist, als das Comite über keinen Fond verfügt. Freilich konnten den Armen bis jetzt nur Thee, Brot, Käse und Oliven verabreicht werden. Erfreulicherweise ist Aussicht vorhanden, daß dieses Comite auf die Dauer wird segenspendend wirken können. Außer den laufenden Spenden haben bereits an 250 wohlthätige Personen monatliche Beiträge bis zu 20 Lei zugesagt. Es wäre aber wünschenswerlh, daß die Comilämitglieder, die mit Arbeit überlastet sind, nicht erst persönlich an die verschiedenen Personen zu appelliren brauchten und daß dem Comitä aus eigenem Antriebe Spenden zugesandt würden. Daß dieses bereits in mehreren Fällen geschehen ist, sei mit Genugthuung gesagt und ebenso, daß auch Persönlichkeiten uichtjüdischer Confessio» bedeutende Gaben gesandt haben. Die Fürsorge des Comites besteht, trotzdem es den Namen „Institution zur Speisung von Hungernden" führt, nicht uur allein darin, Arme zu speisen, es will auch den seine Hilfe anrufenden Personen Arbeit verschaffen. Zu diesem Zwecke bat auch das Comite an alle human gesinnten Menschen ohne Unterschied der Confession einen warmen Aufruf gerichtet, ihm freie Stellen für Arbeiter und Handwerker jeder Art bekannt zu geben, und es kann als sicher angenommen werden, daß der Ausruf seine Wirkung nicht verfehlen wird. Besonderes Lob verdient der Besitzer des Etablissements „Aurora" (Pomul Verde),; Herr Goldstein, der dem Comite zur Speisung der Armen^ seinen Saal und das erforderliche Geschirr aus eigenem Antriebes unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat. L. Sch.^U Wochenschrift. Odessa. (Die Unruhen in O d e s s.a.) Aus Petersburg wird uns telegraphirt: Der bekannte russische Schriftsteller L. Obolensky tritt in einer in den „Nowosti" veröffentlichten Artikelserie dafür ein, daß die Unruhen in Odessa keineswegs einen antisemitischen Charakter getragen haben. Es seien dies vielmehr Erscheinungen einer a n t i - e a p i talist i s ch e n Bewegung gewesen, was am sichersten aus dem Umstande hervorgehe, daß auch zahlreiche christliche Verkaufsläden von den Demonstranten vollständig zerstört wurden. Paris. (Eine Verherrlichung der russischen Juden auf der Pariser Weltausstellung) hat der bekannte Banquier Herr Blioch aus Warschau geliefert. Unter der Ueberschrift: „Ltuäes sur les Israelites“ hat er eine Serie von statistischen Tabellen und graphischen Darstellungen ausgestellt, durch welche der durch die Juden im Lande gestiftete große Segen auf's Evidenteste nachgewiesen wird. Durch die erste Tafel wird nachgewiesen, daß im Ansiedlungsrayon der Preis von Grund und Boden um 19% höher ist als in den Gouvernements, wo den Juden der ständige Aufenthalt verboten ist; Syphilis und Prostitution grassiren unter der Bevölkerung des Ansiedlungsrayons weit weniger als im übrigen Rußland und selbst die Zahl der Verbrechen ist da geringer. Eine weitere Reihe von Tafeln beweist, daß im Rayon die rückständige Steuer geringer, der Viehreichthum aber größer ist als in den „judenreinen" Gouvernements, und daß ferner in den 25 Gouvernements des Ansiedlungsrayons jährlich für 8 Millionen Rubel weniger Schnaps verbraucht wird, ein Ersparniß, welches die Bauern zur Verbesserung ihres lebenden und todten landwirthschaftlichen Inventars, sowie zur Zahlung von Steuern verwenden. Was die Juden selber anbelangt, so wird durch statistische Ziffern d -r unwiderlegliche zahlenmäßige Beweis geführt, daß ein jüdischer Verbrecher auf 2710 Menschen kommt, während bei der übrigen Bevölkerung Rußlands ein Verbrecher schon auf 715 Menschen kommt. Eine weitere Reihe von Tabellen schildert, den Juden als Kaufmann, wobei Herr Blioch zu überraschendem Resultate kommt: Die Juden sind nur im Kleinhandel groß, während sie mit großen Handelsunternehmungen sich Ungern abgeben. Im Ansiedlungsrayon stellen die Juden die größere Hälfte der gesammten Handeltreibenden dar, der von ihnen erzielte Umsatz beträgt' aber nur 456 Millionen Rubel, während der Umsatz der kleineren Hälfte der christlichen Handeltreibenden sich auf 489 Millionen Rubel beläuft. Der größte Theil der jüdischen Händler sind kleine Detaillisten, deren tägliche Losung 1—3 Rubel beträgt, woran 20—60 Kopeken (0.40—1.20 M.) verdient wird. Und um einen solchen kläglichen Gewinn zu erzielen, muß der jüdische Detaillist 12—16 Stunden täglich arbeiten und „handeln"! Wahrlich kein beneidenswerthes. Los. Die Zahl der jüdischen Handwerker im Ansiedlungsrayon beziffert Herr Blioch auf 301.560 78% aller Handwerker. Diese Ziffern reden eine unzweideutige Sprache! Die Juden im Ansiedlungsrayon bilden kaum 20% der Gesammtbevölkerung, dafür aber 78% aller Handwerker. Und da reden unsere „guten Freunde" von Mangel an Handwerkern unter den Juden! Die Lage dieser Handwerker ist äußerst traurig. Ihr Jahresverdienst beträgt durchschnittlich 171 Rubel. London. (Bon dem IV. Zionisteneongreß.) Die Delegirten zu dem diesjährigen Congreffe der Zionisten sind bereits Ende voriger Woche in großer Zahl eingetroffen. Vielen sah man an, daß sie die Reise angestrengt hat, sie schienen sehr ermüdet, wie sie bei strömendem Regen ohne Kenntniß der Landessprache in der Weltstadt sich ein Quartier suchten. Der Empfang der auswärtigen Delegirten durch die englischen Gesinnungsgenossen fand in der ungeheueren Assembly-Hall in feierlicher Weise statt. Die Halle war gedrängt voll, man schätzte die Anwesenden auf 5000 Personen. Nach dem Gottesdienst wurden von einem vereinten männlichen und weiblichen Chor die Ehrengäste des Congresses Dr. Herzl. Dr. Nord au, Prof. Man delst am m, Herr und Frau Prof. G o tth eil, Herr Wolfsohn mit einem Boruch habo begrüßt. Vorsitzender der Versammlung war Dr. Ga st er, neben ihm sah man Israel Zangwill, Sir Francis Montefiore. Mc. Greenb e r g, I de Haas, C o.w e n u. A. Zangwill ergriff das Wort, um die Begrüßungsresolution zu unterstützen. Es sprachen .ferner: Dr. Ga st er, Max Nord au, Frau Prof. Gott- Meil, Letztere im Namen der amerikanischen Frauen, ferner nClarence de Solta aus Canada, „wo es überhaupt nur Ziognisten gibt, weil sie alle aufrichtige Juden sind." Dr. Herzl

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