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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-17 · 33 (17.8.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
33 (17.8.1900)
Date
1900-08-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 83 Dr. Lüntz's Wochenschrift Seite 601 etwas zu glauben! Je länger desto mehr erkennen auch „starke Antisemiten" an, daß das Judenthum als solches, daß in Sonderheit die jüdische Religion als solche an „Blutmorden" unbetheiligt sei, daß „jüdische Ritualmorde" im eigentlichen Sinne dieses Ausdruckes nicht verübt werden. Aber — sozusagen wird jetzt üblich — es könne doch jüdische „Serien" geben, die dergleichen glaubten und thäten. Die Behauptung „es könne geben" ist kein Beweis. Dasür, daß es keine derartige „Secte" gibt, will ich hier nur einen Grund anführen, der für Alle, die das 18. Capitel gelesen haben, zwingend ist: Die Juden haben seit bald sieben Jahrhunderten in Folge der „Blutbeschuldigung" so entsetzlich gelitten, daß sie schon um ihrer Selbsterhaltung willen jede „Secte", die auch nur Aehnliches billigen oder gar lehren würde, mit allen Mitteln, von der Anzeige bei der Regierung bis zum Meuchelmorde, auszurotten bestrebt sein müßten. Und vollends ohne Sachkenntniß reden die, welche, wie Herr v. Hertzberg-Lottin, Mitglied des Preußischen Herrenhauses, das Vorhandensein von „jüdischen Geheimschriften" behaupten und deren „authentische Uebersetzung" fordern. Man vergleiche, was ich hierüber in meiner Schrift: „Sind die Juden Verbrecher von Religionswegen?" Leipzig 1900 (Seite 38) dargelegt habe und meine „Einleitung in den Talmud", von der soeben die dritte Auflage (anastatischer Neudruck mit Nachträgen) zur Ausgabe gelangt (Leipzig). Ich bin nicht „Philosemkt" in dem jetzt meistgebräuchten Sinne dieses Wortes. Man hat mich sogar als „Antisemiten" geschmäht. Als christlicher Theologe will ich einfach der Wahrheit dienen, um meines Herrn willen, der da ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben". Correspond euren. Erholungsheim für Arbeiterinnen. Die Feier des 70. Geburtsfestes unseres gütigen Kaisers hat im Ausschüsse des Wohlthätigkeits-Vereines „Frauenhort", an dessen Spitze Frau Rosa Zifferer steht, einen schon lange gehegten Plan zur Reife gebracht. Den Intentionen unseres erhabenen Monarchen entsprechend, wonach dieser Tag von den Völkern Oesterreichs nicht durch geräuschvolle Feste sondern durch Werke der Barmherzigkeit gefeiert werden möge, hat dieser im besten Ansehen stehende Verein, der auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit durch Einführung der Bekleidung armer Schulkinder mit Ausschluß der Oeffentlichkeit bereits bahnbrechend gewirkt hat, in aller Stille eine Action eingeleitet, welche dazu bestimmt ist, eine Lücke in unseren vaterländischen Wohlthätigkeits-Anstalten auszufüllen. Der „Frauenhort" hat nämlich den langgehegten Entschluß, ein Erholungsheim für arme Arbeiterinnen zu gründen, in der Weise zur Ausführung gebracht, daß er seine Schützlinge einstweilen bei anständigen Familien auf dem Lande, und zwar in Gloggnitz an der Südbahn, in Hainfeld an der Westbahn und in Zöbern an der Aspangbahn untergebracht hat und sie auch bis zu dem Momente unterbringen wird, wo es die Mittel des Vereines erlauben werden, ein e i g e n e s H e i m zu errichten. Die im Frühjahre 1896 stattgehabte „Enquete über die Frauenarbeit" hat die haarsträubendsten Verhältnisse, unter welchen Arbeiterinnen leben und wirken, bloßgelegt und der Verein „Frauenhort" kann durch seine persönlichen Recherchen die traurige Wahrheit dieses entsetzlichen Elends bestätigen. Die armen Mädchen sitzen zusammengepfercht in überfüllten Sälen, in welchen Stickluft herrscht. Sie nähen 1 Dutzend Hemden um 60 bis 70 kr., 1 Dutzend Schürzen um 13 kr., 1 Dutzend M i e d e r u m 60 kr. u. s. w. Sie leben meistens nur von Kaffee und essen nur einmal in der Woche Fleisch. Sie treten die Nähmaschine vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hinein, bis sie todtmüde hinsinken. Als natürliche Folge dieser übermenschlichen Anstrengung stellt sich bei den jungen, noch im Wachsen begriffenen Mädchen eine mörderische Krankheit, die Anämie, ein. Anscheinend gesund, siechen diese Armen dennoch dahin; sie finden in keinem Hospitale Aufnahme, während die heimtückische Krankheit ihren Organismus zerstört. Aber eine kleine Erholung aus dem Lande zur rechten Zeit hat schon so manches junge Leben gerettet, und von dieser Erfahrung ausgehend hat der „Frauenhort" jetzt die Gründung eines Erholungsheims beschlossen. Daß der Verein damitetwas wahrhaft Gutes geschaffen, beweisen die rührenden Dankbriefe, die seitens der Schützlinge aus den Eolonien einlaufen. Es sind dies durchwegs Arbeiterinnen, die jetzt in der erfrischenden stärkenden Landluft von der aufreibenden Thätigkeit während der „Saison" ausruhen und frische Kräfte für die bevorstehende Campagne sammeln. Wir hoffen und wünschen, daß der „Frauenhort" auch hierin bahnbrechend wirken möge und daß solche Erholungsheime für Arbeiterinnen nicht nur in der Metropole des Reiches sondern auch in den arbeitsreichen Provinzstädten unseres Landes erstehen mögen. In der Gesundheit der breiteren Volksschichten wurzelt die Kraft der Nation, und es ist Menschenpflicht, die Gesundheit des weiblichen Arbeiters zu schützen. Wir empfehlen diese wahrhaft humane und patriotische Gründung dem Wohlwollen aller Menschenfreunde. Der Ueberfatt in Kierling. Unter den Orten der Umgebung Wiens genießt Kierling schon seit einiger Zeit den traurigen Ruf, ein Antisemitennest zu sein, das die rohesten, brutalsten Gesellen birgt. Wiederholt wurden dort Ueberfälle auf völlig unschuldige Personen verübt, für die kein anderes Motiv vorlag, als die anerzogene Ungezogenheit des Racenantisemitismus. Es nimmt uns daher gar nicht Wunder, daß auch jüngst wieder ein Angriff gegen Spaziergänger unternommen wurde, über den die Tagesblätter ausführlich berichteten. Die Knüttelhelden von Kierling lassen gewöhnlich in feiger Weise ihren Muth an Schwächeren aus, und es ist geradezu komisch, daß sie sich immer als die Provocirten ausgeben. Wir thun ihnen die Ehre nicht an, uns mit ihnen zu beschäftigen, früher oder später fallen derartige Buben doch immer dem Staatsanwalte oder der Polizei anheim und dorthin gehören sie auch. Was könnte Kierling sein, wenn es nicht durch die Rohheit einiger seiner Insassen so berüchtigt wäre. Es ist seit Jahrzehnten bekannt, daß es sich zu einem klimattschen Curort vorzüglich eignet und alle Bedingungen eines solchen erfüllen könnte, wenn es eine Bevölkerung hätte, die es verstünde, einen Curort zu schaffen. Reine Lust, gutes Wasser, Waldesnähe, Ruhe — Alles ist vorhanden, nur die richtigen Menschen fehlen. Seit vielen Jahren gibt sich Dr. Reiß ehrlich Mühe, in Kierling eine Anstalt für Lungenkranke zu erhalten und aufs beste einzurichten. Um dieser vorzüglichen Anstalt willen, wo auch die beste Pflege den Patienten winkt, kommen viele Bewohner Wiens in diesen Ort und geben sich der Hoffnung hin, daß vor der Majestät des kranken Menschen, mit dem jeder ohne Unterschied, der kein Barbar ist, Mitleid empfinden und den er daher schonen muß, selbst die Kierlinger Antisemiten ihre gemeinen Gefühle im Zaume halten werden. Die Kranken und die Reconvalescenten tragen ohnedies schwer genug an ihrem Leiden, daß von ihnen am allerwenigsten ein provocirendes Benehmen vorausgesetzt werden kann. Thatsächlich ist auch niemals eine begründete Klage gegen diese Bewohner Kierlings erhoben worden. Umso peinlicher berührt es daher, wenn man hören muß, daß wieder einmal ein Antisemitenexceß vorgefallen ist. Wir sehen gänzlich davon ab, wie verletzend gerade in der Gegenwart ein Fremdenhaß erscheint, da alle civilisirten Mächte sich einigen, um einen Staat zu züchtigen, der die Achtung vor dem Fremdenrecht gröblich verletzt hat. sondern geben nur dem Unwillen über die Unmenschlichkeit Ausdruck, daß in einem Orte, der Kranken zum Aufenthalte empfohlen wird, solche Scenen möglich sind und daß nicht die Behörden mit aller Energie gegen den Unfug einschreiten. Unsere Auffassung, daß keine Provokation stattgefunden haben kann, wird uns durch eine Zuschrift des praktischen Arztcs Dr. F. Reiß bestätigt, der seit 56 Jahren in Kierling lebt und constattrt, daß niemals von Seite der jüdischen Gäste eine Provocation erfolgt ist. Die Kierlinger, deren Wohnungen lange Zeit leer standen — es haben sich also auch keine Arier gefunden, die in diesen Ort einziehen wollten — waren froh, daß sie jüdische Miether fanden, und sie wären die Meistgeschädigten, wenn auch die Juden diesen Ort meiden würden. Wenn sie einen ehrlichen Berather hätten, so müßte ihnen dieser zusprechen, zu ihrem eigenen Bortheil den Antisemitenbuben in ihrer Mitte das Handwerk zu legen und die Hebung des Ortes als Curort sich angelegen sein zu lassen. Dr. F. Reiß hat, wie wir hinzufügen wollen, im Jahre 1851 die Molkencur-Anstalt eingerichtet, anfangs Kuhmolke, dann Schafmolke eingeführt und das RoLenauer System mit dem besten Erfolge zur Anwendung gebracht. Baron Chlumetzky Gräfin Andrassy, Gräfin Kielniansegg haben sich sehr befriedigt erklärt, als sie die Anstalt besuchten, und der Ruf der Anstalt ist dank ihren Erfolgen weit hinausgedrungen und hat ihr viele Pattenten zugeführt, die hier Heilung oder Besserung fanden. Christen und Juden haben au den Bortheilen parttcipirt, den» dort hat Menschlichkeit ihre Stätte aufgeschlagen. Es wäre wohl

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