Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 33 (17.8.1900)
- Date
- 1900-08-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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mmmrn Seit, 600 Dx. Blvch's Wochrnfchrifi. Rr. 93 Profeffor H. Stracks „Einleitung in den Talmud" ist soeben in 3. Auflage erschienen (Leipzig, I. C. Hinrichs). Er leitet diese Ausgabe mit folgendem Vorwort ein: Gerade wie in den Jahren 1892—1894 erheben gegenwärtig nicht nur Unkundige, sondern auch Böswillige lautes Geschrei wider „die jüdischen Geheimschriften". Im Anfang des Maimonats 1900 durchlief die Tagesblätter die Kunde, das Mitglied des Preußischen Herrenhauses von Hertzberg-Lottin wolle in einer an den Minister des Innern gerichteten Interpellation „eine authentische Uebersetzung aller jüdischen Geheimschriften" fordern. Und von der Unterstützung dieser Interpellation hat die „Conservative Fraktion" des Herrenhauses, wie wenigstens einer ihrer Führer mir am 4. Juni schrieb, „nicht aus grundsätzlicher Gegnerschaft gegen ihren Sinn, sondern nur vorläufig Abstand genommen"!*) Hierdurch wurde ich genöthigt, meine seit geraumer Zeit vergriffene „Einleitung in den Talmud" schleunig wieder dem öffenllichen Nutzen zugänglich zu machen. Ueberbürdet mit anderen Arbeiten (z. B. die Neubearbeitung der Schrift über den Blutaberglauben hatte viel Zeit in Anspruch genommen), .mußte ich mich jetzt darauf beschränken, einen anastatischen Neudruck der zweiten Auflage (1894) Herstellen zu lassen und die wichtigste neue Literatur nachzutragen. Wer ernsthaft wünscht, über den Talmud oder irgend einen Theil seines Inhalts Aufschluß zu erhalten, kann, wie die S. 106 bis 130 und jetzt auch S. V bis Vl von mir bezeichnete Literatur beweist, gegenwärtig auch ohne Kenntniß der Sprachen des Gruvdtextes eine, im Allgemeinen ausreichende Belehrung sich verschaffen. Gleichsam um den Thatbeweis zu liefern, daß auch für ein wissenschaftliches Urtheil der Christ nicht mehr von dem abhängig ist, was Juden ihm über den Talmud mitzutheilen für gut halten, habe ich die erste Auflage dieses Buches geschrieben, ohne auch nur eines Fadens oder Schuhriemens Werth au M ttheilungen von Juden oder Judenschriften erbeten oder angenommen zu haben. Der Talmud enthält schlechterdings keine Nachricht oder Aeußerung, welche, selbstverständlich wenn sie wirklich darin steht, der sprach-und fachkundige christliche Gelehrt«» zu finden nicht v ermö chte. (Was speciell die Censurlücken betrifft, so sind in Deutschland schwerlich zehn Rabbiner zu finden, welche alle vier S. 75 genannten, in meiner Bibliothek befindlichen Schriften besitzen.) Ueb er Haupt gibt es innerhalb des gesammten Judenthums weder ei ne Schrift noch eine mündliche Tradition, welche kundigen Christen unzugänglich wäre. Weder suchen die Juden vor den Christen etwas zu verbergen, noch können sie vor ihnen etwas verbergen. Für die Richtigkeit dieser Erklärung setze ich auch hier meine Ehre als Mann und Gelehrter ein. — Der Talmud, der Schulchan-Aruch und andere jüdische Schriftwerke sind Geheimbücher nur für Diejenigen — Juden nicht minder als Christen —, welche die zum Lesen erforderlichen Borkenntniffe sich nicht erworben haben. Und eine grobe Unwahrheit sprechen die aus, die dem christlichen deutschen Volke Vorreden, daß das Judenthum „den Talmud ängstlich mit allen nur erdenkbaren Mitteln geheim halte", Bekanntwerden seines Inhalts fürchte, ja dessen Bekam,tmachen seitens eines Juden für ein todeswürdiges Verbrechen erkläre. Demgegenüber genügt es, einige Namen neuerer jüdischer Talmudübersetzer zu nennen: E. M. Pinn er, I. I. M. Rabbinowicz, M. R a w i c z, I. S a m m t e r, M. S ch w a b, D. O. Stras ch u n. Sie Alle sind unangefochten - geblieben. Und wie Bedeutendes hat Wilhelm Bacher in seinem sechsbändigen deutschen Werk über die Geschichte der Hagada dazu beigetragen, einen Haupttheil des Inhalts des Talmuds Jedem, der darüber sich belehre« will, bekannt zu machen! Möge mein Buch auch bei seinem dritten Ausgange in die Oeffentlichkeit dazu helfen, daß Erkenntniß der Wahrheit gefördert werde und dadurch auch Gerechtigkeit im Urtheilen! Groß-Lichterf elde bei Berlin, 2. Juli 1900. Hermann L. Stra ck. *) Vgl« meine Schriften „Die Juden, dürfen sie .Verbrecher von Religionswegengenannt werden?" Leipzig 1893, I. C. Hinrichs (32 S.), und „Sind die Juden Verbrecher von Religionswegen?" (Fleischbesudelungs-Ritus, jüdische Geheimschriften und Secten, die Sittenlehre des Judenthums der Gegenwart), ebd. 1900 (38 S.) Profeffor Dr. Strack gegen die Blutlüge. Berlin, 5. August. Mit herzerfrischender Deutlichkeit fertigt der im Kampfe gegen Lüge und Verleumdung nimmer rastende Herr Professor Dr. Hermann L. S t r a ck in dem Vorwort der soeben erschienenen achten Auflage seines vortrefflichen Buches „Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit" die „Staatsbürger-Zeitung" und ihre Hintermäner ab: „Selten ist ein Buch so zur rechten Zeit erschienen, wie die Neubearbeitung meines Buches. Am I I. März, also fast an demselben Tage, ist in Könitz (Westpreußen) der 18jährige Gymnasiast Ernst Winter ermordet worden. Der Zustand der Leiche war geeignet, die Gemüther zu erregen: der Rumpf lag, in einen Sack genäht, im Mönchsee; der rechte Arm wurde drei Tage später auf dem evangelischen Gottesacker gefunden, wohin er ersichtlich erst kurz vorher gebracht worden war; den Kopf fand man am 15. April in einem Graben nahe dem Stadtparke. Flugs war die Berliner „Staatsbürger-Zeitung" bemüht, den leider nicht nur in den minder gebildeten Volksschichten immer noch vorhandenen Wahn, es liege ein „jüdischer Blutmord" vor (das heißt ein des Blutes wegen begangener Mord, der zum Judenthum in einer besonderen Beziehung stehe), zu Heller Flamme zu entfachen, und dies Bemühen ist leider, zumal in Könitz selbst, nicht ohne auch in Thaten hervortretenden Erfolg geblieben. Sieben und ein halbes Jahr hatten meine Verleumder zu dem Peitschenhiebe, den sie am 18. October 1892 im Vorworte zur 4. Auflage empfangen hatten, stillgeschwiegen, obwohl mein Buch in mehr als 8000 Exemplaren verbreitet wurde. Sie hatten triftige Gründe zu schweigen, jede etwa gegen mich gerichtete Klage mußte mit meiner Freisprechung enden, da die Bezeichnung „schamloser Verleumder" als solcher eine Handlung der Nothwehr meinerseits war, geschehen in Wahrung sehr berechtigter Interessen; außerdem wurde Einem nach dem Anderen durch ihnen unerfreuliche Ereignisse der Mund gestopft. Nur O. B a ch l e r fuhr fort, bewußt von der Wahrheit abzuweichen und „jüdische Blutmorde" zu behaupten, freilich (wenigstens ist mir Gegentheiliges nicht bekannt geworden), ohne an mich sich heranzuwagen In diesem Frühjahre 1900 aber wurde sein gemeinschädliches T re iben sehr gehindert durch die Neubearbeitung dieses meines Püche^ und durch einen Aufsatz „Jüdische Geheimschriften und der Komtzer" Mord", den ich in den „Berliner Neuesten Nachrichten" (Nr. 212, 216 vom '8. und 10. Mai) veröffentlicht hatte uud der von zahlreichen Zeitungen theils wörtlich, theils im Auszuge abgedruckt worden wan.Da hielten O. Bachter und sein Brodherr Bruhn .es doch für nöthig, den Versuch zu wagen, durch neue Beschimpfungen meiner- Person ihre schlechte Sache zu fördern Dieser Versuch erfolgte am 18. Mai. 5Die' „Staatsbürger-Zeitung" Nr. 230 druckt zuerst einen Theil dessen ab, was ich im Vorworte zur 4. Auflage (S. IV.) über meine Verleumder geschrieben habe und bemerkt dann: „Demgegenüber stellen wir fest, daß O B a ch l e r niemals auch nur eine Silbe gegen Hermann L. Strack geschrieben hat. Hermann L. Strack lügt also, wenn er behauptet, O. B achter habe ihn „schamlos verleumdet". Sehr auffällig ist znnächst, daß die „Staatsbürger-Zeitung" von meinem Buche als von „einer in diesen Tagen erschienenen Druckschrift" redet und so ihren Lesern verhehlt, daß diese Abrechnung mit meinen Verleumdern schon im October 1692 stattgefunden hat. Die im Lanfe der Jahre hinzugekommenen Leser wissen natürlich nichts von den früheren Angriffen auf mich und die „Staatsbürger-Zeitung" wird gehofft haben, ich könne den Wahrheitsbeweis nicht mehr führen. Nur so wenigstens erklärt sich das dreiste und thörichte: „Dem gegenüber stellen wir fest". Jeder logisch Denkende weiß, daß die Richtigkeit einer Ableugnung nicht durch eine einfache Behauptung „festgestellt" werden kann. Allerdings habe ich Besseres zu thun, als die bei verschiedenen Gelegenheiten gegen mich gerichteten Schmähungen (soweit ich von ihnen überhaupt Kenntniß erhalten habe) aufzubewahren; doch habe ich unter alten Papieren noch genügend Material gefunden, um zu zeigen, daß die „Staatsbürger-Zeitung", das heißt ihr Chefredakteur O. Bachler, mich verleumderisch angegriffen, also auch am 18. Mai 1900 die Unwahrheit gesagt hat. . . Darauf druckt'die „Staatsbürger-Zeitung" ab, was ich Seite 156 über „wenigstens vier bewußte Unwahrheiten", die O. B a ch l e r am 19. September 1899 auf den Raum von nur 6 Zeilen verbreitet hat, ausgesagt habe. Ihre eherne Stirn erlaubt ihr hinzuzufügen: „Wirerklären unter ausdrücklicher Zustimmung unseres Chefredakteurs Dr. Bachler hiermit, daß wir Alle von Herrn Strack als wissentliche Unwahrheiten bezeichneten Puntte auftecht erhalten und daß wir ihn wieder einen Lügner nennen müssen, wenn er auf seinem Standpunkte beharrt". Auch in diesen Sätzen bekundet die „Staatsbürger-Zeitung" völligen Mangel an Logik. Außerdem» und das ist schlimmer, weil eine schwere Täuschung ihrer Leser, verschweigt sie, daß ich auf Seite 153 bis 155 die Richtigkeit jedes Theiles meiner Aussage überzeugend klargelegt habe! Angesichts des nur noch pathologisch zu begreifen den, Mangels an Wahrheitsliebe, den die „Staatsbürger-Zeitung" bekundet hat, ist auch folgende Thatsache nicht mehr erstaunlich: sie hat ihre Nr. 250 meinen Collegen an der Universität und vermuthlich auch anderen Personen zugeschickt, sich also eingebildet, irgend Jemand, der mich kennt oder die „Staatsbürger- Zeitung" kennt oder gar mich und sie kennt, wäre im Stande, ihr