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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-17 · 33 (17.8.1900) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
33 (17.8.1900)
Date
1900-08-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. SS Seite 597 um die Leichen der unreinen Ketzer schneller ins Meer schwemmen. O, allerglücklichste Mutter und Königin Katharina, die Du endlich nach langer weiser Regierung dem Sohne den Thron gesichert hast! O, glücklicher, steudenvoller Tag, an dem Dir, heiliger Vater, die frohe Nachricht gebracht wurde von dem, was am Vorabend des Festes des heiligen Ludwig geschehen ist. Und welche bessere Nachricht konnte bei Deinem Regierungsantritt gebracht, was Besseres Dir gewünscht werden, als die Vernichtung des Uebels der Ketzerei durch Deine ausgehende Sonne!" Hierzu istnur zu bemerken, daß am 24. August bei den Katholiken der heilige Bartholomäus, am 25. der heilige Ludwig (neunter König von Frankreich dieses Namens) gefeiert wird. König Ludwig war aber nicht blos ein sehr frommer, sondern auch ein ehrlicher, rechtliebender Mann, der einen solchen hinterlistigen Ueberfall, eine Metzelei, wie sie sein ausgearteter Nachkomme veranstaltete, gewiß nicht gebilligt hätte. Und er hätte vielleicht auch den Befehl, keinen Pardon zu geben und keine Gefangenen zu machen, nicht gebilligt. Selbst zur Zeit der Kceuzzüge wurden zwischen Christen und Mohammedanern Gefangene gemacht, ausgewechselt oder gegen Lösegeld freigelassen. Und wenn gar ein Journalist in dem für liberal geltenden .Berliner Tagblatt" unter anderen Ungeheuerlichkeiten verlangt, man solle das besiegte China zwingen, „durch 50 Jahre für unsere Colonien so viel Kulis (gezwungene Arbeiter) zu liefern als wir brauchen und zu unseren Bedingungen", so kann man dem guten Manne nur ratheu, mit der Vertheilung des Felles zu warten, bis der Bär wirklich todt sein wird. Uebrigens ist es ein Glück, daß die chinesischen Boxer keine deutschen Zeitungen lesen, denn gar Vieles, das da geschrieben und gesprochen wird, könnte nur dazu beitragen, ihren Fremdenhaß zu vermehren, sie zu stärkerem Widerstand zu reizen oder gar zu noch eifrigerer Befolgung des bösen Beispiels der Europäer zu veranlassen. Am Ende könnten sie noch alle Chinesen, welche sich taufen lassen, als Fremde erklären, und anstatt sie den Schutz ihrer Gesandtschaften genießen zu lassen, sie so mißhandeln, wie die zu Fremden erklärten, in Rumänien geborenen Juden, die freilich als Einheimische behandelt werden, wenn die Geld- und Blutstener zu entrichten ist. In allem Schlechten zeigt sich ja der Mongole als gelehriger Schüler des Europäers. Und die gegenwärtigen Greuel in China, die übrigens von Missionären und Convertiten wahrscheinlich mit großer Uebertreibung geschildert werden, haben vielleicht nicht blos eine Analogie mit der Pariser Bluthochzeit, sondern sind möglicherweise ihre directe Nachahmung. Vergessen wir nicht, daß schon im siebzehnten Jahrhundert französische Missionäre nach China gekommen sind. Die haben gewiß den zu Bekehrenden von allen schönen und edlen Thaten ihrer frommen Könige erzählt: wie König Philipp die Juden ihres Vermögens beraubte und sie aus dem Lande jagte, wie König Ludwig XIV. den Protestanten alle ihnen von früheren Königen ertheilten Rechte wegnahm und sie zu einem Zustand ärger als jener der Juden in Rumänien herabdrückte, und endlich wie König Karl IX. in einer Nacht Tausende von Protestanten abschlachten ließ. Das mögen sich die gelehrigen Chinesen gemerkt haben, obwohl sie damals für dieses drastische Mittel, mit Ketzern schnell ein Ende zu machen, noch keine Verwendung hatten. Wie im Menschen manchmal der Keim einer Krankheit lange schlummert,? bis er durch eine äußere Ursache zur Entwicklung gebracht wird, so mögen auch die Erzählungen von Juden- und Ketzerverfolgungen, von Bluthochzeiten und ähnlichen Aeußerungen arischer Civilisation lange im Gedächtniß der Chinesen geschlummert haben, bis sie das kecke Vorgehen der Missionäre, das anmaßende Benehmen der Gesandten und der Länderraub europäischer Staaten auf weckten und zur Nachahmung reizten. Und wie dem Menschenfeind in Raimund's Märchendrama zeigen fie europäischem Nationalismus, katholischer Intoleranz und Berfolgungssucht das Spiegelbild in vergrößerter Gestalt. Ob die Europäer sich dadurch belehren lassen werden, bleibt freilich noch zweifelhaft. Trotz alles Haffes zwischen den verschiedenen Nationalitäten halten sie doch ihre gemeinsame europäisch-christliche Cultur für die beste. Auch die verschiedenen orientalischen Völker halten jedes seine Cultur für die beste. Gewiß, mit viel weniger Recht als die Europäer, aber sie suchen sie nicht Andern aufzudrängen: nicht der Türke dem Hindu, nicht der Perser dem Chinesen, und am allerwenigsten den Europäern. Diese aber glauben, es sei ihre Pflicht, alle orientalischen Völker zu europäischer Cultur und Religion und zum Kaufen europäischer Fabrikate zu bekehren. Und geht es nicht mit Güte, so wendet man Gewalt an. Will sich der Orientale dies nicht gefallen lassen und erwidert er Gewalt mit Gewalt, so schreit man über orientalische Barbarei und predigt einen Rachekrieg, „damit der Chinese auch nach tausend Jahren es nicht wagen soll, einen Deutschen scheel anzusehen". Wie barbarisch aber die Europäer gegen andere Völker vorgegangen find, soll bei anderer Gelegenheit dargelegt werden. M. Inronsequen;. (Eine Schulfrage.) Der künftige glaubensgenöffische Erzähler der so namenlos traurigen Reaction unserer Tage wird gleichwohl nicht lange bei den herzlosen Trägern derselben verweilen. Denn das Judenthum hat gewaltigere Stürme überdauert, als den jetzigen, und an die Erhabenheit seiner Ideale reicht die Wuth aller verschworenen Mächte nicht entfernt hinan. Aber mit Wehmuth wird jener Erzähler die Wunden enthüllen, die wir uns selbst zugefügt: Unsere Jnconsequenz gegenüber den erhabenen Ueberlieferungen unserer angestammten Religion. Denn schmerzlicher als alles Wehe, welches äußerer Haß uns bereitet, ist das Wehe der Unkenntniß unserer unvergleichlichen Vergangenheit. Und der Keim solcher Jnconsequenz ist dort zu finden, wo er am wenigsten gesucht wird: In der Schule, und da insbesondere im Religionsunterricht. Folgende wichtige Fragen, denen das Leben uns gegenüberstellt, sind es vornehmlich, welche unser Religionsunterricht bei seinem Bildungswerke unverrückt vor Augen halten sollte. Das Heranwachsende Geschlecht soll durch den Religionsunterricht vor Allem zu strenger Eonsequenz hinsichtlich seines Glaubens gebildet werden. Der edle, d. h. nach seinem ursprünglichen Sinne ideale Gehalt unseres Schriftthums soll die Begeisterung für unseren Glauben im Herzen des Jünglings entfachen. Woher die I n c o n s e q u e n z des Religionswechsels in unseren höheren Ständen? Wir möchten um keinen Preis Jemandem nahetreten« Allein aqf Grund gesammelter Erfahrung wird Jedermann es behaupten dürfen: Einen wesentlichen Theil dieser Jnconsequenz hat der oft leichtfertige, lässige schemen- und schablonenhafte Religionsunterricht in der Mittelschule zu verantworten. Welche Erfolge ließen sich z. B. mit der entsprechenden begeisternden Schilderung der heldenhaften Zeugenschaft für unseren Glauben während der jüdisch - spanischen Periode bei der lebhaften Phantasie unserer Octavaner erzielen! Wie müßte da der Verdacht von jüdischer Feigheit vor ihren Augen schwinden, wenn in klarer Beleuchtung die Geister der Märtyrer unseres Bekenntnisses vor ihnen erschienen: eines Gaspar Lopez, Mendes, Perayra, da Sylva, Don Lope de Vera, welch letzterer mit dem todesmuthigen Ausrufe: „In Deine Hand, o Gott, empfehle ich meinen Geist", den Holzstoß bestieg. Gewiß ist der Jude feige, wo es gilt, den Lockungen des Verrathes ängstlich zu widerstehen und die Tradition muthvoll zu bewahren. Und wenn man mit aller Gewalt — wir meinen dies im buchstäblichen Sinne — Blut bei uns sehen will, — o, es floß in Strömen zur Besiegelung jenes Grundsatzes der Rabbinen: „Gegen drei Verbrechen soll der Jude selbst mit feinem H erzblute protestiren und, so man dieselben von ihm verlangt, lieber sein Leben hingeben und sie nicht, ausüben: Aboda sara, gilnj arajos, u'schfichas damim, „Götzendienst", „Unkeuschheit" und „Mord" .... Wahrlich, um die welken Blätter, die vom Baume des Judenthums fielen und die heute noch fallen, war und ist es nicht Schade. Aber die jungen Aeste an demselben, unsere Jugeud, müssen wir zu erhalten trachten. Das Mittel hiezu bleibt der noch immer moderne, uralte pädagogische Grundsatz: Begeistert, wirkt begeisternd. Aber auch die beharrlichste Confequenz des Schülers bei der Wahl seines späteren Lebensberufes sei das Ziel des jüdischen Religionsunterrichtes. Selten weist ein Volksstamm einen solchen Ueberfluß an „Allerweltgenies", an „Mädchen für Alles" auf, wie der unsere. Man sagt wohl, diese vielseitige Verwendbarkeit sei ein Vortheil. Allein den Segen dieses Vortheils spürt unsere arme Nation nur zu oft am eigenen Leibe; woher diese Jnconsequenz? Die Ungunst der Zeiten hat auch hier Vieles verschuldet. Sie degradirte einen großen Theil unserer Intelligenz zum Proletariat. Nur unser Religionsunterricht kann hier Wandel schaffen? Er möge der Eltern Eitelkeit nach dem Doctortitel möglichst für alle ihre Söhne, von welchen aber mindestens die Hälfte verlorene Existenzen werden, einen wirksamen Damm entgegensetzen« Dagegen möge man dem Grundsatz: Handwerk hat einen' goldenen Boden, im Religionsunterrichte Israels Eingang verschaffen. Dann werden unsere Jünglinge mit jenem alten Worte stets sich trösten: „Omnia xuea mecum porto“. In allen Drangsalen des Ar. Bloch's Wochenschrift zu

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