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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-10 · 32 (10.8.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
32 (10.8.1900)
Date
1900-08-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 32 Äette 591 Kr. Bloch's Michael <&unblin!(» 'w„ S. Koh n, Verfasser von (H a d r t e l. (Fortsetzung.) 5BitNv e ntstand eine Pause, das Audräugen stürmischer fühlswogen war ein zu wuchtiges, zu machtvolles! Sara's Gedanken schienen zu einem wirren Knäuel verwickelt, und es war ihr unmöglich, das Ende eines Fadens zu erfassen, um jenen aufzurollen. Auch Michael Klein war der höchste Grad der Ueberraschung zu Theil geworden. Als ihn eine wunderbare Fügung Gottes in jene Stadt zurückführte, dieser einst, vor einem Bierteljahrhundert, als kleiner Knabe in entsetzlichster Verzweiflung betreten, die er vor 7 Jahren verzweifelnd mit gebrochenem Herzen verlassen, da riß es ihn mit unbezwingbarer Macht zu dem Friedhofe hin, auf dem die irdischen Reste jener Menschen ruhten, die ihm endlos theuer waren, zum Grabe seiner Mutter, seines Pflegevaters, seiner Pflegemutter, seiner todtgeglaubten, unvergeßlichen Pflegeschwester, seiner Verlobten; — und er fand diese lebend, in voller Herrlichkeit, seiner in treuer Liebe gedenkend! Ein solches Wiedersehen mochte es wohl noch nie gegeben haben, von dem Momente an, wo es Menschen gegeben bis heute! Auch seine ganze Seelenthätigkeit concentrirte sich darauf, sich in den mit wunderbarer Plötzlichkeit eingetretenen Wechsel seiner Verhältnisse einzuleben. Sara fand doch früher das Wort zu einer Frage. „Sag' mir nur das Eine, Michael, warum schriebst Du nicht? Warum ließest Du mich, wie alle Anderen glauben, Du wärst bei Deinem Fluchtversuche im brechenden Eise versunken? ... und, war ich Dir denn plötzlich so fremd, warst Du gegen mich so kalt, so theilnahmslos geworden, daß Dich mein Schicksal nicht gekümmert? Nein, das ist völlig undenkbar! Auch wenn Du mich nicht geliebt hättest, hättest Du Dich des armen, ganz verlassenen Mädchens erbarmt. O, Channe hat mir's erzählt, wie Du in der schwersten Stunde Deines Lebens, als man Dich, den auf den Tod Angeklagten, in den Kerker schleppte, nur meiner gedachtest und Pfarrer Willibald aufsordertest, mich zu schützen . . . mein vergessen, das ist unmöglich, undenkbar! . . . Erkläre mir das Unbegreifliche, wenn ich nicht glauben soll, noch immer die Beute einer Täuschung zu sein." „Ich hielt Dich ja für todt, mein süßes Herz!" rief Klein, und Thränen entstürzten seinen Augen. „Weshalb? Warum?" frug Sara mit fieberhafter Ungeduld. „Kerkermeister Mostrich, der, von dem edlen Rüben Weiß durch eine große Summe bestochen, mir zur Flucht verhalf, versicherte mir. Du seiest, kurz nachdem ich Dich verließ, der Krankheit, die Dich plötzlich erfaßte, erlegen: — o! glaubbar war's, — nach all dem Furchtbaren, das ich erlebt hatte, mußte ich auch das als wahr annehmen!" Sara sammelte ihre Erinnerungen, nicht leicht ein zweites Weib hätte dies in einem Momente solcher Aufregung vermocht. „Wie sagtest Du? — Mostrich theilte Dir mit, Rüben Weiß hätte ihn bestochen. Dich zu befreien? — Das konnte nicht wahr sein! Rüben Weiß war an dem Morgen jenes Tages mit seiner Tochter nach Boskowitz gereist, er erfuhr Deinen Fluchtversuch, Deinen vermeintlichen Tod, erst mehrere Tage später .... Mostrich hatte Dich belogen!" „Sonderbar! Welchen Zweck konnte Mostrich haben, mich in so furchtbarer Weise zu belügen?" „Das weiß ich nicht, — aber lassen wir die finstere Vergangenheit und freuen uns der Gegenwart, der Zukunft . . ." Sara unterbrach sich; plötzlich überkam sie eine Empfindung, die sie früher nie gekannt hatte, Michael hatte sie für todt beweint; sie kannte seine jetzige Stellung nicht, wußte nicht, wo und wie er die sieben Jahre ihrer Trennung verlebt... Ein Mann wie Michael mußte jedem Weibe gefallen; — wenn er sich gebunden, wenn er der Gatte einer Andern wäre! Sie war einen Moment todtenbleich geworden, der Gedanke schnürte ihr das Herz zusammen, daß sie nur so schwer zu athmen vermochte; aber schon im nächsten Momente siegte ihre reine, selbstlose Liebe über ihre Leidenschaft — was lag ihr an ihr selbst? An allem Andern? Wenn nur Michael am Leben und glücklich war! „Warum brichst Du plötzlich ab, Sara?" frug Michael. Wvchcnschrrjll. Sara blickte schüchtern zu dem hochgewachsen n Manne empor. „Ich habe Dich sieben Jahre nicht g-ieh ni.h v.-n Dugehört, nichts über Dich erfahren . . . dfft Da ...?u nicht vielleicht..." Sara muß sich abwende.:, um die Rothe hai.c. die in ihren Wangen, die Thrüae. die in ihrem Ange anist eg. zu verbergen. Der Ton ihrer Stimme, ihre anmuthsvolle Verlegenheit verrieth die Frage, die sie nicht in Worte kleiden, die ihre zitternden Lippen nicht auszusprechen vermochten, und Michael rief, während Rührung mit einem Lächeln auf seinen Lippen kämpfte: „Ich habe stets, von Deiner frühesten Kindheit an, in Deiner Seele, wie in einem offenen Buche zu lesen vermocht — ich habe es während unserer Trennung nicht verlernt ... Du willst wissen, ob sich zwischen mir und der Erinnerung an Dich nicht ein zweites Weib gestellt? ... Liebte ich Dich nicht endlos, ich könnte Dir um dieses bösen Gedankens willen zürnen. Mein Wort als Mann und Jude, ich habe Deiner nicht eine Stunde meines Lebens vergessen, ich bin Deiner nicht durch eine Handlung, nicht durch ein Wort, nicht durch einen Gedanken unwürdig geworden ... aber versuchen wir es so rasch als es eben denkbar, uns Klarheit zu verschaffen ... ich möchte vorerst erfahren, weshalb mich Mostrich so belogen. Er hatte mir durch seine falsche Nachricht endlos großen Schmerz bereitet, und Dir und mir die schönsten Jahre unseres Lebens gestohlen. Befindet sich Mostrich noch in W.?" Sara schüttelte verneinend den Kopf. „Und," fuhr Michael fort, dessen Erinnerungen sich zu verdeutlichen begannen und ihm den Zusammenhang der einzelnen Ereigniffe klarer erscheinen ließen, „hat man den Schandgesellen den mein Stockhieb zu Boden streckte, todt aufgefunden?* „Nein, Du hattest den Menschen nicht getödtet. Dein Schlag hatte ihn nur betäubt. Als ich nach langer Krankheit genaß. erkundigte ich mich durch Pfarrer Willibald, ob man einen Todten auf dn Straß; vor der Stadt gefunden. Der geistliche Herr wandte sich an den Rath Weckelsbach, welcher ihm mittheilte, der Bürgermeister hatte sofort nach der Anzeige seines Sohnes zwei verläßliche Leute hinausgesendet, aber sie hätten keine Leiche gefunden. Einige Tage darauf aber war bei einer Landesstreifung eiu verdächtiger Vagabund, Loderer hieß er, ein ehemaliger Dragoner, mit einer kaum vernarbten Stirnwunde aufgegriffen worden. Da Bürgermeister Golzinger den Mann selbst verhörte und sofort über die Stadtgrenze schaffen ließ, war der Pfarrer überzeugt, er wäre der Bube, den Du zu Boden geschlagen, wäre nur betäubt gewesen, und hätte es, als er wieder zur Besinnung gelangte, für das Beste gehalten, wenigstens die ersten zwei, drei Tage von dem Schauplatze seiner verbrecherischen Thätigkeit zu verschwinden." „Jetzt wird mir Alles klar!" rief Michael, „nicht Rüben Weiß, der zu jener Zeit von der Gefahr, in der ich schwebte, keine Ahnung haben konnte, sondern der nichtswürdige Bürgermeister ließ mich durch Mostrich zur Flucht verleiten. Lorenz Hornek, der mich in jeder Richtung zu fürchten hatte und mich unschädlich machen wollte, hatte ihn veranlaßt, mich unter der Anklage des Mordes in den Kerker werfen zu laffen; allein, als das corpus delicti verschwunden war, konnte er mich nicht verderben, wohl aber ich seinen Sohn und ich sollte spurlos verschwinden. Darum ließ er mich durch Mostrich zur Flucht auffordern, und als ich mich auf Dein Zeugniß berief, behauptete: Du würdest es bezeugen, ich hätte nur einen Act der Nothwehr geübt — versicherte mir Mostrich, ich könne auf Dein Zeugniß nicht rechnen — Du seiest gestorben, seiest todt! . . . Jetzt erkenne ich Mostrich's Absicht, er wollte mich um jeden Preis zur Flucht veranlaffen; — und jetzt erkenne ich auch die ganze Furchtbarkeit seines entsetzlichen Charakters. Der Schurke, der mir die Ketten an Händen und Füßen löste und mir Werkzeuge gab, das Eisengitter auszubrechen, rieth mir, bei der Flucht die Eisdecke des Fluffes zu nehmen. Sein Rath erschien mir gut und zweckmäßig. Noch vierundzwanzig Stunden früher als wir, Du und ich, zusammen nach Neuhof gingen, war harter Frost. Ich hatte im Kerker keine Ahnung davon, daß plötzlich starkes Thauwetter eingetreten.; — hätte ich Mostrich's Rath befolgt, ich wäre im Eise eingebrochen und ertrunken .... Ich hatte mich schaudernd selbst davon überzeugt." ((Fortsetzung folgt.)

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