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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-10 · 32 (10.8.1900) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
32 (10.8.1900)
Date
1900-08-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Bloch's Wochrnfchrifl. Seite 587 zum Ersätze der nothwendigen Auslagen und erlegte freiwillig den Betrag von 16 fl. 66 kr., aus welchem das ganze Leichenbegängniß, nämlich die Kosten für die Ueberführung der Leiche aus dem Krankenhause in die Leichenkammer des Friedhofes, die Beschaffung der Sterbekleider, die rituelle Waschung, der Sarg, die Grabstätte und der Todtengräber, bestritten wurden. Was dabei für die Chewra-Kadischa übrig blieb, kann sich Jeder wohl leicht ausrechnen! Es stellt sich somit die Behauptung, daß der Chef des Verstorbenen Herr Julius Popper überhaupt für die Bestattung des I. Kraus herangezogen worden wäre, am wenigsten aber, daß derselbe 40 Kronen blos für den Begräbnißplatz hätte dictirt bekommen und sie gezahlt hätte, als eine crasse Unwahrheit dar. Die an diese Fälle geknüpften Schlußfolgerungen über den herrschenden fiscalischen Geist im derzeitigen Borstande der Chewra-Kadischa sind, als auf falschen und entstellten Prämissen aufgebaut, auch falsch und unwahr. Wenn auch in der Verwaltung des Vereines wirklich etwas Ungeziemendes oder Ungehöriges Vorkommen würde, so ist wohl die alljährlich stattfindende Generalversammlung derjenige Ort, wo der Vorstand zur Rechenschaft gezogen werden kann und soll, und es zeigt der Weg, den der Schreiber der citirten Mittheilung gewählt hat, am wenigsten von „vornehmen Sinn" und „feinstem Tact". Tabor, den 5. August 1900. David Fuhrmann, d. z. Präses der Chewra-Kadischa". Nimburg. (Zum Benateker Ritualmorde.) Sonntag gegen 4 Uhr Nachmittags hatte ich. Gelegenheit, das von dem Benateker Insassen Herrn M. Pick angeblich zu Ritualzwecken ermordete Kind frisch und gesund in Begleitung eines Gendarmen dem Stadtamte zuschreiten zu sehen. Nach etwa einer halben Stunde wurde der Knabe wieder von einem Gendarmen abgeholt und auf Veranlassung unserer Gemeinde, welche auch die Kosten dafür deckte, mit dem Gendarmen nach Benatek geschickt, wo er um 2 Uhr Nachts wohlbehalten übergeben wurde. Vielleicht gestatten die Herren Antisemiten, daß der todtgesagte Knabe noch weiter existire, und lassen es an den Opfern genug sein, die dieses Märtyrers wegen gebracht worden sind. Unser Vorsteher Herr I. Pollak hat in dankenswerther Weise zur Aufklärung dieser für die Benateker Juden so gefährlichen Angelegenheit das Seine redlich beigetragen. Czernowitz. Wir erhalten die Trauerbotschaft, daß Herr Bernhard B a l t i n e st e r, k. u. k. Hauptmann i. P., Ehrenbürger der Landeshauptstadt Czernowitz, Besitzer der Militärverdienstmedaille Signum laudis und der Kciegsmedaille, Gemeinde- und Stadtrath, Vorsteher und Präsesstellvertreter der israelitischen Cultusgemeinde rc. rc., nach langem, schwerem Leiden im Alter von 67 Jahren am 1. August 1900 verschieden ist. Hauptmann Bernhard B a l t i n e st e r zählte zu den hervorragendsten Persönlichkeiten in der Landeshauptstadt Bukowinas. In Nr. 26 haben wir über ihn berichtet: Hauptmann Bernhard B a l t i n e st e r ist ein echtes und rechtes Bukowinaer Kind, das seiner Heimat alle Ehre macht. Als Nachkomme einer noch vor Einverleibung der Bukowina in den österreichischen Staatenverband in diesem Lande ansässigen Fam lie, zu Czernowitz geboren, trat er von patriotisch-dynastischen Gefühlen durchglüht und begeistert, in dem welthistorischen Jahre 18-18 freiwillig als Expropriiscadet in die Reihen des heimatlichen Infanterie- Regimentes, damals Baron S i s k o w i ch Nr. 41, avancirte im noch jugendlichen Alter von 20 Jahren, 1851, zum Unterlieutenant, 1853 zum Oberlieutenant und 1869 zum Hauptmann. Im Jahre 1859 machte er den Feldzug in Italien im Urban'schen fliegenden Corps gegen die Garibaldischen Freischaaren mit und wurde für sein tapferes Verhalten im Gefechte bei Castenedolo von seinem Regiments- und Compagniecommandanten, sowie vom Generalstabschef mit Tapferkeitszeugnissen ausgezeichnet. Im Jahre 1860 mit dem 3. Bataillon des 41. Regimentes zum neuerrichteten 63. Jnfanterie-Regimente König der Niederlande transferirt und mit der Führung eines 400 Mann starken, kriegsmäßig ausgerüsteten Ergänzungstransportes von Siebenbürgen nach Tirol betraut, gelang es ihm, durch sein muthiges und zielbewußtes Verhalten eine infolge der damaligen erregten politischen Zustände in Ungarn hervorgerufenen Meuterei unter der Mannschaft dieses Ergänzungstransportes mit Hintansetzung des eigenen Lebens zu bewältigen, wofür er vom Erzherzog Albrecht und dem Armeecommandanten Ritter v. B e u e d e k besonders belobt wurde. Im italienischen Feldzuge des Jahres 1866 machte B a l t i n e st e r die rühm- und siegreiche Schlacht bei Custozza mit und zeichnete sich bei der Erstürmung einer feindlichen, am Montecroee postirt gewesenen Batterie derart aus, daß er für seine tapferen und hervorragenden Leistungen vom Kaiser mit der allerhöchsten belobenden Anerkennung und auch mit dem Militärverdienstkreuze ausgezeichnet wurde. In der erwähnten Schlacht von fünf Gewehrkugeln getroffen und durch eine derselben durch die rechte Brust geschossen, war er infolge der erlittenen schweren Verwundung und der lang andauernden Krankheit genöthigt. in den definitiven Ruhestand zu treten und sich in seiner Vaterstadt bleibend niederzulassen. Vom Vertrauen seiner Mitbürger, ohne Unterschied der Nationalität, getragen und von seinen Glaubensgenossen besonders geehrt, wurde er seit dem Jahre 1870 ununterbrochen mit Ehrenämtern im öffentlichen Leben der Stadt Czernowitz betraut und wirkte mehr als ein Vierteljahrhundert besonders als Gemeinde- und Stadtrath, Vorsteher und Präsesstellvertreter der hiesigen Cultusgemeinde und dergleichen derart hervorragend, daß er nicht nur an allen Fortschritten und Errungenschaften seiner Glaubensgemeinde bedeutenden Antheil nahm, sondern auch durch seine eigene Initiative bei Errichtung der gemeinnützigsten Errungenschaften auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens allgemein rühmlichst genannt und auch wegen seiner culturfreundlichen und patriotischen Bestrebungen lobend gedacht wird. An dem Leichenbegängniß betheiligten sich die Generale und das Off-cierscorps der Czernowitzer Garnison, der Landespräsident Baron B o u r g g n o n mir den Chefs der Staatsbehörden, Bischof v. N e p t a und die Vertreter r>er autonomen Bertretungskörper. Am Grabe sprachen Oberrabbiner Dr. Rosen selb, Vice-Bürgermeister Regierungsrath Dr. Reiß und Bankdirector Ferdinand Mayer namens der Cultusgemeinde. München, 30. Juli. (Abschied jüdischer Soldaten.) Eine erhebende Feier fand am Freitag Abend in der hiesigen Synagoge statt. Zum Abendgottesdienst waren zwei jüdische Soldaten, die dem hiesigen Bataillon der ostasiatischen Division zugetheilt sind, erschienen. HerrRabbinerDr.Finkelscherer hielt eine Ansprache, an die Kämpfe der Juden zur Zeit der Propheten anknüpfend, indem er den Kampf gegen Uncultur schilderte, zu dem der Kaiser und die Bundesfürsten das Volk aufgerufen haben. Mit einem Gebet schloß die Ansprache. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurden den Freiwilligen Gebetbücher als Geschenk der Gemeinde überreicht. Ueber wenige gekrönte Häupter cursiren so zahlreiche Anekdoten, wie über König Humbert von Italien, deffen Ermordung das Entsetzen und den Abscheu der ganzen gesitteten Welt erregt. Eine davon, die den Anspruch erheben darf, wahr zu sein, möge hier ihre Stelle finden: In früheren Jahren pflegte das italienische Königspaar alljährlich einmal, und zwar im August Venedig zu besuchen. Während der Anwesenheit in der Lagunenstadt ließ es sich die Königin Margher i t a nicht nehmen, eine Gondelfahrt nach dem Ghetto zu machen, um die Wohlfahrtseinrichtungen der dort seßhaften Juden zu besichtigen. Nach einem solchen Besuche wurde stets der Rabbiner von der Königin, die sich bekanntlich sehr lebhaft für das Hebräische interesfirt, zur Audienz befohlen. Als gelegentlich einer solchen Audienz der König einmal die Gemächer seiner Gemalin betrat, sagte er lächelnd zu dem Geistlichen: „Meine Frau interesfirt sich so lebhaft für das Alte Testament, daß ich Lust hätte, sie auszuquartieren und ihr im Ghetto ein Palais zn bauen." Thatsache ist, daß das Königspaar den venetianischen Ghettobewohnern, wie allen ihren jüdischen Unterthanen, allezeit ein warmes Jntereffe bekundet hat. Was in keinem auch der allerconstitutionellsten Staaten — vielleicht mit alleiniger Ausnahme des früheren England — der Fall war: wiederholt wurden Juden zu den verantwortungsreichsten Staatsämtern, zur M i n i st e r würde, so L u i g i L u z z a t t i, zu Sectionschefs, so Malvano, Romanin I a c u r u. A., emporgehoben, und der Jude Bictorio R a v ä ist Leiter des römischen Schulwesens. Daß in untergeordneten Beamtenstellungen, nnd zwar in ausnahmslos allen, unsere Glaubensgenoffen vertreten sind, ist ebenso bekannt, wie die noch kennzeichnendere Thatsache, daß König Humbert zehn Inden in die erlauchteste Körperschaft, in den Senat, berufen hat. Rom, 26. Juli. (Jüdischer Unterstaatssecret ä r. — Rücksichtnahme.) Das bisherige Mitglied der Deputirtenkammer, Signor Romanin I a c u r, ist zum Unterstaatssecretär im Ministerium des Innern ernannt worden. Bei der großen Arbeitslast und dem vorgerückten Alter des Ministers des Innern, Saracco, der gleichzeitig Premierminister ist, wird ein großer Theil der Geschäfte des Ministeriums von Romanin I a c u r verwaltet werden müffen. Der neue Unterstaatssecretär ist nicht nur Jude von Geburt, sondern ein überzeugter und eifriger Jude. — Der Unterrichtsminister hat die ursprünglich auf den 3. October festgesetzte Gymnafial-Reifeprüfung wegen des Bersöhnungstages verschoben.

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