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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-10 · 32 (10.8.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
32 (10.8.1900)
Date
1900-08-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 586 Dr^ B'vch's Wochenschrrst. Sir. 32 behaftet sind; Personen, welche eines schweren Verbrechens oder Vergehens, aus moralischer Schlechtigkeit begangen, überwiesen worden waren, schließlich Personen, deren Ueberfahrt mit dem Gelde anderer Personen gezahlt wurde, oder welche von Anderen bei ihrem Kommen unterstützt werden, bis es nicht auf Grund einer besonderen Nachftage bestimmt und in befriedigender Weise dargethan wird, daß solche Personen in keine der vorgenannten Elasten gehören, welche von der Einwanderung ausgeschlosten sind. Marienbadec Plauderei. Von Jda Varber. Aus der Großstadt kommen Berichte von tropischer Hitze, von allerhand Unfällen, die die Schwüle der Luft und die actuellen Zeitströmungen im Gefolge haben. Hier im Schatten der Marienbader Wälder, im Schatten kühler Denkungsart, umweht von balsamischen Tannendüften, wissen wir Gottlob nichts von brennenden Hitz- und Tagesfragen, aber wirft man einen Blick in die Zeitungen, die uns beispielsweise melden, daß man in Wien 800 rumänische Auswanderer, die rathlos in der glühenden Hitze umherirrten, zwangsweise einwaggonirte und gegen ihren Willen, ungeachtet ihres Flehens, in Wien bleiben zu dürfen, die Rückreise antreten ließ, so krampst sich einem das Herz in der Brust zusammen. „Der Menschheit ganzer Jammer packt uns an"; man gönnt es sich nicht, hier in freier Gottesnatur ein idyllisch schönes Leben zu führen. Wer ein fühlendes Herz in der Brust hat, möchte so gerne helfen, aber Einzelhilfe reicht nicht aus. Sammlungen für die rumänischen Auswanderer wurden auch hier veranstaltet, aber wie gering ist der Ertrag im Vergleich zu dem, was gegeben werden sollte! Am meisten betheiligen sich noch die sogenannten kleinen Leute. Die upper ten thonsand zeigen sich verschnupft, gefühllos, entschuldigen sich damit, schon gegeben zu haben, — oder lasten sich nicht sprechen, wenn an ihre Thüre geklopft wird. Da zeigte man mir heute auf der Kreuzbrunn-Promenade eine Dame, die vielleicht für 5000 fl. Schmuck an sich trug; die weiße, über lila Seide drapirte Spitzentoilette war vom feinsten Parisianismus durchgeistigt, der coquett aufgeschlagene Hut mit schönen Paradiesvögeln garnirt, die Füße steckten in weißen Atlasstiefletten, Alles letzte Mode, Alles theuer, chic, aufsehenerregend. „Eine reizende Erscheinung", hörte ich meine Nachbarin sagen. „Eine herzlose Creatur", sagte Diejenige, die mich auf die reich toilettirte Dame aufmerksam gemacht. „Nicht einen Kreuzer hat sie, obschon sie dreimal aufgefordert wurde, sich an der für die rumänischen Juden eingeleiteten Sammlung zu betheiligen, beigesteuert; das erste Mal hieß es: „Die Gnädige sei im Bade". — Das zweite Mal: „Der Schneider probire eine neue Toilette an, man dürfe nicht störe -!" — Das dritte Mal erwiderte die Zofe schnippisch: „Die Gnädiqe wolle nicht behelligt sein!" Und solcher herzloser, nur mit ihrem lieben Ich beschäftigten, eitlen Frauen haben wir hier Hunderte. Putz und Putz und abermals Putz ist die Losung, ist ihr Lebenselement. Da werden zwischen 6 und 7 Uhr die schönsten Seiden- und Spitzenschleppen auf der Promenade spazieren geführt, die feschesten Federnhüte, duftige Spitzenschirme mit brillantbesetzteu Stöcken, aber die, welche am meisten Putz machen, bethätigen sich am wenigsten an Sammlungen, die dem Gemeinwohl dienen. Heute kam mir gerade der vorjährige Bericht des jüdischen Spitales, das edle Menschen oben an Bergesholde errichtet haben, zur Hand. Ich blättere, blättere, suche einzelne Namen und — staune; hier eine Millionärin mit einem Beitrag von fl. 1.— (ich weiß aber aus sicherer Quelle, daß sie im vorigen Jahre um fl. 3000 Spitzen für Negliges einkaufte) — da eine reiche Witwe, die von ihren Häusern fl. 40.000 Rente bezieht, fl. 2.—, eine Lehrerin fl. 5.—, ein Handlungsreisender fl. 3.—, Banquier Z. (der, wie ich mich wohl entsinne, täglich Equipage und Reitpferd zu seiner Verfügung hatte) fl. 2.—. Solche Zahlen führen eine ber.dte Sprache. S ar fl tl wird h uer im pol lisch?a V:?:t>l für die ui ä -) i fl i - > gesammelt. W-r Ma - ubio f, ,-i li.it g-,l> ß! il > ustd .* L'b-N lind Treibe,, i> i »I V:.al, t brv'.i.ves, Di •« o i M-’JJi.iu-i - och i > >!o»ii la ig-a K i't ins. dir Fai -! i Z.g'i.'el i; si i'l'-.-.i e ae fli sich und halre.i innig zuji.m neu. Seit mehreren Tagen, wenn ich in der Früh zum Brunnen ging, fiel mir einer dieser Männer mit den langen Peies auf; er trug eine blaue Blechkanne in der Hand, ließ sie sich am Brunnen füllen und trat dann den Heimweg an. „Reb Schmul", redete ihn eines Tages ein junger Mann an, „warum geht Ihr mit der Kanne zum Brunnen?" Soeben pasftrte der Duc d'Orleans, der die ziemlich laut gesprochenen Worte gehört haben mochte und, der Antwort harrend, stehen blieb. „Den Brunnen", erwiderte unbeirrt der Monn in Kaftan, „hol' ich für mein Reffkaleben! Sie is n ebbich schwach auf de Fieß und kann so frieh nich aufsteh'n! Hat se e Freid, wenn se aufwacht und der Brunnen ist da!„ „La modele d’un mari! sagte der Duc d'Orleans, lachte und setzte seinen Spaziergang fort. Der sonst als Judenfeind bekannte Herzog nimmt hier sehr leutselige Allüren an. Man sieht ihn oft auf stillen Waldwegen allein. Wie Wenige verstehen es, den Zauber dieser Marienbader Wälder auf sich einwirken zu lassen! Da ist echter Gottesfrieden, traute Ruhe, da fühlt selbst der Atheist das Walten der Gottheit. Im T'mpel der Natur gesundet das' kranke Herz; hier vergißt man an die vom Racen- und Classenhaß zerklüftete Welt da draußen, an all die Irrwege, die die Menschheit durchwandern muß, ehe sie sich zur wahren Gottähnlichkeit emporringt. Tabor. (Bedauerliche Zustände in einer Beerdigungsbruderschaft.) Geehrter Herr Redacteur! In Nr. 27 Ihrer geehrten Wochenschrift vom 6. Juli d. I. war unter dem Titel: „Bedauerliche Zustände in einer Beerdigungsbrüderschaft" ein Bericht aus Tabor enthalten, welcher, wenn er wahre Thatsachen enthielte, wirklich Zeugniß von einer recht unwürdigen Führung und Verwaltung unserer Chewra- Kadischa abgelegt hätte. Da dieser Bericht zur Gänze unwahr, tendenz'ös ist, sehe ich mich veranlaßt, denselben nachstehend zu berichtigen. Der am 6. Juni d. I. verstorbene Josef Bruck in Ratiboric war nie Mitglied der hiesigen Chewra-Kadischa gewesen, ist in sehr günstigen materiellen Verhältnissen gestorben und seine Angehörigen — derselbe war ledig — wünschten die Besorgung eines seinen Verhältnissen entsprechenden Leichenbegängnisses. Der Vorstand der Chewra-Kadischa verlangte für die Besorgung der ganzen Leichenbestattung, wozu die Abholung der Leiche in dem 27, Stunden weit entfernten Sterbeorte mittels des d.'m hiesigen Vereine gehörenden Leichenwagens, die rituelle Waschung der Leiche durch hiesige Functionäre, die Beistellunq von städtischen Pferden, die geziemende Bestattung auf dem hiesigen Friedhofe und die Erhaltung des Grabes für immerwährende Zeiten (da der Verstorbene keine Nachkommen hinterließ) gehört, den den Verhältnissen des Verstorbenen gemäß als minimal zu nennenden Betrag von 150 fl. Es ist mithin eine Verdrehung der Thatsachen, als ob die Chewra-Kadischa für den Leichenwagen allein 150 fl. als Taxe bemessen hätte. Die Hinterbliebenen lehnten den verlangten Beitrag einfach ab und besorgten den Transport der Leiche von Ratiboric nach Tabor, nach eigenem Ermessen; die Leiche wurde hier kostenlos begraben. Es ist auch unwahr, daß sie der Chewra-Kadischa 60 fl. angeboten hätten. Thatsache ist, daß von der Witwe nach dem Herrn Samuel M e n d l für ein zu reservirendes Grab 50 fl. vom Borstande des Vereines verlangt und thatsächlich auch ohne Widerspruch erlegt wurden. Der an diesen Fall geknüpfte weitere Bericht über eine erregte Sitzung des Vorstandes, daß angeblich alle Vorstandsmitglieder die Sitzung verließen und mit Resignation drohten, daß nur der Vorsitzende auf dem oben citirten Anträge beharrt hätte, ist — total erfunden. Was den dritten „womöglich noch ccasseren" Fall betrifft, so ist der Sachverhalt nachstehender: Dr Comptoirist I. Kraus starb im öffeiillich-n Bezirkskraiikenhauie. Da derselbe nvio.ifch arm war. wo lle die C i avra-K idischa die ritu-'lle Beerdigung b >. »? sie es \ < ei iem je>eu ivi.uti.icii Folk? Pflichtu - i» a ß st e i s g <• l h a ii hat u » d i Ir u f, auf e! g e II I- \T u i"i t* ii oeso g-1 n.,r Lnr auch a le I ölhigen Anstalten hirzu. Vor a.-r B statiu.ig erbot sich jedoch der Schwager des V e r st o r b e n e n, N a m c n s K ö h n,

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