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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-10 · 32 (10.8.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
32 (10.8.1900)
Date
1900-08-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 Seite 585 Dr. Bloch's Wochrnfchrifl. Correspondenzen. Aus Rumänien treffen trostlose Nachrichten ein. Aus Jassy wird gemeldet, daß die rumänischen Behörden kaum im Stande sind, die zurückgekehrten Juden gegen die Wuth der christlichen Bevölkerung zu schützen. In vielen Orten Rumäniens wurden Volksversammlungen abgehalten, in welchen allüberall die Resolution gefaßt wurde, daß über all' diejenigen Juden, welche aus Rumänien ausgewandert, jedoch wieder zurückgekehrt sind, der Boycott verhängt werde. Man dürfe ihnen weder Speise noch Getränke mehr verkaufen. Der rumänische Minister des Innern forderte die Behörden auf, die Boycottbewegung zu unterdrücken. „Magyar Szo" bringt einen langen Bericht über ausgedehnte und ungemein heftige Judenverfolgungen in Rumänien. In Podul Jlvati wurden, dem genannten Blatte zufolge, die Juden von einer bewaffneten Bauernbande überfallen, ihre Häuser und deren Einrichtung wurden zerstört; angeblich wurden zehn Juden getödtet und viele verletzt. Aus Jassy wurde Militär requirirt, kam jedoch zu spät Die Bewegung soll immer mehr an Ausdehnung gewinnen. An der Spitze der Bewegung steht der gewesene Senator und Redacteur des Blattes „Appararea Nationale", Urechia (ein einflußreiches Mitglied des Freimaurerbundes), und der aus Ungarn ausgewiesene Redacteur der „Romania Irma", Aurel P o p o v i c i. Diese Beiden veröffentlichen in ihren Blättern ebenso wie die Zeitungen „A d e v e r u l" und „Patriotul" geradezu entsetzliche Berichte, welche zu Mord und Raub auffordern. Die fortwährenden Wühlereien der Antisemitenligua und ihrer Organe hohen zur Folge, daß in einzelnen Ortschaften, namentlich in der Umgebung von Jassy, sowie in Botoschani, wo zahlreiche Juden wohnen, regelrechte Judenverfolgungen stattfanden. Mit Messern und Sensen bewaffnet, überfielen die zur Judenhetze förmlich o r g a n i s i r t e n Banernbanden in Hellen Schaaren die Juden, und als dieselben sich zur Wehre zu setzen wagten, wurden sie von den Bauern niedergeschlagen. Man zählt bisher im elfteren Orte allein zehn bis fünfzehn Todteund zahlreiche Verwundete. Der größte Theil der Juden Häuser wurde demolirt. geraubt, was wegzutragen war, und der Rest ihrer Habe in großen Haufen aufgeschlichtet, mit Petroleum begossen und verbrannt. B.'U I a s s y herbeigerufenes Militär kam zu spät, um das Blutbad zu verhindern, und that nur so viel, daß es diejenigen Juden, denen es nicht gelungen war, sich zu flüchten — verhaftete. So arbeitet die A n t i s e m i t e n l i g u a in der M o l d a u und Walachei. Sie ist natürlich ängstlich bemüht, daß nichts von diesen Schandthaten in die Oeffentlichkeit dringt. Aus zahlreichen Judengemeinden sind Bittschriften an den König C a r o l abgesendet worden. Das Gesuch der Gemeinde Roma n, welches dem König gestern überreicht wurde, hat folgenden Wortlaut: „Sire! Jetzt, wo Verfügungen getroffen wurden, daß die Juden nicht mehr aus wandern können, wagen wir es in Demuth, uns den Stufen des Thrones zu nahen. Die Antisemiteuligua bedroht uns .mit Mord und Todschlag. Ueberall, wo diese Ligua organisirt" ist — und sie ist es fast in allen Städten und Marktflecken — findet sie uns Arme und Elende. Bei uns in der Stadt Roman haben sie sich speciell dazu organisirt. um zu beweisen, daß die Grausanikeit der Christen jede Grenze überschreitet. An der Spitze der Ligua steht der Bürgermeister und Senator C. Balaisti. d?r Oberst des hier garnisonirenden Regiments C. G a r c e a n u. Post- und Telegraphendirector N i c z i e st i, ferner zahlreiche Beamte, darunter auch Richter am hiesigen Gerichtshöfe. Diesen Männern ist es leicht, zu Hunderten Leute zu dingen, darunter zahlreiche Vagabunden, die im gegebenen Momente wie die wilden Thiere sich auf uns stürzen und die entsetzlichsten Grausamkeiten verüben, uns Folterqualen zufügen. Desbalb bitten wir E u r e M a j e st ä t, sich unser zu erbarmen und uns zu retten, daß. wenn wir schon an den Bettelstab gebracht sind, wir wenigstens dasnackteLeben erhalten. Retten Sie uns, Majestät, aus den Händen dieser Bluthunde. Was h aben wir gethan? Nichts, als daß wir in diesem Lande geboren wurden. Wir thun Niemandem etwas zu Leide, wir wolle:, nur arbeiten, um im Rahmen des Gesetzes leben zu können. Im Namen der Juden des Bezirkes Roman Der Oberrabbiner der Cultusgemeinde." Eine ähnliche Bittschrift wurde auch dem Ministerpräsidenten Carp überreicht. Weder von diesem noch von König Carol ist bis zur Stunde eine Antwort ein gelangt . . . . Wien. Herr Dr. Arnold Ascher sendet uns folgende Zuschrift: In Nr. 13 der in Brünn erscheinenden „Jüdischen Volksstimme" wird als „Eingesendet" eine Zuschrift publicirt, welche neben Beschwerden gegen die „Israelitische Allianz" in Wien sich auch mit meiner Person beschäftigt. Ohne Angabe bestimmter, von mir gemachter Aeußerungen oder angeblicher Handlungen werden durch die Art der Abfassung und eingestreuter Bemerkungen zwischen den Zeilen wider mich in ganz unbegründeter Weise die erbärmlichsten Angriffe erhoben, so daß es begreiflich erscheint, daß der oder die Verfasser nur mit dem Buchstaben „G" zeichnen und diese Zuschrift an einer Stelle abgedruckt wird, bei welcher die Redaction erklärt, für Form und Inhalt keine Berantwortunq zu übernehmen. Ist es sehr fraglich, ob eine solche Erklärung die strafrechtliche Verantwortung der Redaction aufhebt, bezüglich der moralischen ist dies gewiß nicht der Fall, und deshalb erwarte ich, daß Sie auch ohne Anrufung des 8 19 des Preßgesetzes meine Zuschrift vollinhaltlich veröffentlichen werden, wenn sie auch nicht im Rahmen einer thatsächlichen Berichtigung ist. Die erwähnten Angriffe gegen die „Israelitische Allianz" und die namentlich angeführten Personen zurückzuweisen, erscheint wohl nicht meine Aufgabe; für die Kenntniß der Verhältnisse seitens des anonymen Verleumders zeigt der Umstand, daß der Name eines Functionärs in zwei Schreibarten angegeben ist und beide falsch sind und daß der Bicepräsident der „Israelitischen Allianz" als Beamter bezeichnet wird, ebenso wie es den thatsächlichen Verhältnissen vollkommen widerspricht, von mir als „Macher" oder „Angestellten" der Allianz zu sprechen. Ich war und bin nicht im Vorstände der Allianz, noch weniger ihr Angestellter; ich stehe, wenn ich in Wien bin, den in der rumänischen Angelegenheit thätigen Herren des Vorstandes, welche in wirklich hingebungsvoller und aufopfernder Weise bemüht sind, freiwillig und uneigennützig zur Verfügung, und glaube, damit der Sache beffer zu dienen, als wenn ich, dem Beispiele eines hervorragenden Zionistenführers, den ich auf der Terraffe des See-Hotels in Alt-Auffee gesehen habe, folgend, dort geblieben wäre, oder dem Beispiele eines anderen hervorragenden Zionisten gefolgt wäre, dessen Aufgabe sich darin erschöpft hat, die Auswanderer in malerische Gruppen zu stellen und photographisch aufzunehmen. Ich erachte es als Gebot der Bescheidenheit, meine Thätigkeit hier nicht eingehend zu besprechen; was ich ebenso bei sengender Hitze wie bei strömenden Regen in gleicher Weise um 5 Uhr Früh bei den Schleppern, wie um 11 Uhr Nachts bei der Einquartierung der unglücklichen Auswanderer, ohne Rücksicht auf meine Familie, die sich ja auch im Salzkammergute befindet, gethan, mögen die beurtheilen, die meine Thätigkeit wirklich kennen. Zwischen den Zeilen zu behaupten, daß die Functionäre der Allianz jüdische Antisemiten seien, die bestialisch Vorgehen, denen Brutalitäten zur Last fallen und die als Hausknechte ihr Müthchen an den armen Auswanderern kühlen, wiewohl sie auf Kosten des jüdischen Volkes gefüttert werden und daß ich zu diesen zähle, kann nicht anders als eine niedrigfeige, erbärmlichere Lumperei eines niederträchtigen Ehrabschneiders bezeichnet werden, der nicht den Muth hat, sich zu nennen, wohl aber aus dem geschützten Hinterhalte der Anonymität auf Kosten des verantwortlichen Redacteurs Leute unverdient mit Koth bewirft. Dr. Arnold Ascher. Eine Warnung für die rumänischen Auswanderer. Mit Rücksicht darauf, daß viele von den rumänischen Auswanderern ihren Weg nach den Bereinigten Staaten nehmen wollen, bringt die Gesandtschaft der Bereinigten Staaten von Amerika die wichtigsten Punkte der die Einwanderung nach Nordamerika normirenden Bestimmungen in Erinnecung. Darnach darf die Einwanderung nicht gestattet werden: Fremden und Ausländern, welche vor ihrer Abreise aus dem fremden Lande einen Contract oder ein Uebereinkommen behufs irgeno einer Arbeitsleistung in den Vereinigten Staaten geschlossen haben, Idioten und Irrsinnigen, Personen, die von privater ober öffentlicher Mildthätigkeit leben oder die aller Wahrscheinlichkeit nach der öffentlichen Mildthätigkeit zur Last fallen werden; Personen, welche mit ansteckenden Krankheiten

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