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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-03 · 31 (3.8.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
31 (3.8.1900)
Date
1900-08-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Bloch's Wort, der zugleich im Namen seines Collegen seinen heißen Dank dem Seminar gegenüber aussprach und dann mit einer herrlichen Beredtsamkeit eine Betrachtung über die Pflichten und Aufgaben der Rabbiner in jetziger Zeit entwarf. Das Judenthum im westlichen Europa gebe trotz der verhältnißmäßig günstigen äußeren Lage zu schwerer Sorge Anlaß. Die culturelle und saeiale Lage sei zwar im Steigen, die moralische und religiöse jedoch unleugbar im Niedergang begriffen. Dies sei umso schmerzlicher als sonst aller Orten und auf allen Gebieten menschlicher Thätigkeit neue Kräfte sich regen, neue Ideen miteinander ringen; nur innerhalb des Judenthums sei ein Stillstand, ja geradezu ein Rückschritt eingetreten. Trotzdem dürfe man nicht verzagen, sondern solle alle Kräfte aufbieten, um diesen Niedergang zu verhüten. Nur durch die Rückkehr zum Thorastudium, zur Erforschung jüdischer Wissenschaft könne neues Leben erblühen. Dies sei das Hauptziel, dem die Rabbiner der Jetztzeit ihre Arbeit und Aufmerksamkeit widnien müßten, an das sich die humanen und socialen Pflichten und Aufgaben anschließen sollten. Als ein Vorbild solcher Thätigkeit wies der Redner in glänzender Ausführung auf den unvergeßlichen. Begründer der Anstalt, Herrn Dr. Israel Hildesheimers. A. hin. Welche sittlichen und geiigen Eigenschaften der Führer besitzen muß, leitete der Redner in sinniger Weise aus den Worten Moses Num. 27, 15—17 her. Mit wiederholtem Dank an die Docenten schloß derselbe. Diese beiden, mit dem Rabbinatszeugnisse entlassenen Herren haben bereits durch ihre bisherige erfolgreiche Lehrthätigkeit gezeigt, wie sehr es ihnen daran gelegen ist, die jüdische Jugend zu ihren Idealen heranzuz»ehen. Herr Dr. I. Holzer ist schon seit mehreren Jahren stellvertretender Dirigent einer hiesigen Religionsschule, während Herr Dr. Wolf an der jüdischen Realschule in Frankfurt a. M. thätig ist und nun als Rabbiner nach Cöln berufen ist. Constanlinopel. (lieber _ bie rumänischen Juden in der Colonie B e y l ik - Ah o u r.) In Kleinasien bringt das Blatt E„l Tiempn" einen überaus tragischen Bericht. Darnach sind die 600 Juden dieser Colonie dem Hungertode nahe. Die Colonisten haben weder Häuser noch Hütten, noch sonst irgend ein Obdach und sind jedem Witterungswechsel preisgegeben. Ein junger Colonist ist vor Kurzem vor Noth gestorben und hatte eine Witwe mit sechs kleinen Kindern hinterlassen. Mehrere Kinder starben vor Hunger oder gingen aus Mangel an Pflege zugrunde. Mehr als hundert Personen wurden von einer Epidemie (es wird wohl Fieber gewesen sein, da in der Nähe von Beylik-Ahour sich ein großer, fieberschwangerer Sumpf befindet. Anm. d. Red.) ergriffen, ohne daß Arzt und Medicin zur Stelle waren. Die „Allianz Jsraelite" schickte ihnen etwas Nahrungsmittel nebst einigen Säcken Mehl. „El Tiempo" hat zu Gunsten der unglücklichen Colonisten eine Sammlung eröffnet. London. (Ueber die rumänischen Flüchtlinge in London) hat Mr. Leonhard Cohen dem Verwaltungsrath der J. G. A. zu seiner Sitzung am 22. Juli im Namen des Board of guardians ein Memorandum überreicht, in welchem diese Körperschaft ihr Verhalten gegenüber den rumänischen Flüchtlingen zu rechtfertigen suchte. Nebst den 211 Personen, welche vom 18. Juni bis zum 8. Juli die Hilfe des Boards in Anspruch nahmen und von ihm in der seinerzeit von uns gemeldeten eigenthümlichen Weise behandelt wurden, haben sich vom 8. Juli bis kurz vor Abfassung des Berichtes nur 45 Personen mit E i n z e l e inein g a b e n an den Board gewandt. Davon wurden 5 nach Amerika befördert und 21 nach Rumänien zurückgeschickt. Ueb.r 19 Fälle steht die Entscheidung noch aus. Daneben haben weitere 232 Personen unter Lestung ihrer Führer in 4 Gruppen die Hilfe des Boards in Anspruch genommen. Es wurde ihnen aber bedeutet, sie mögen 232 Einzeleingaben machen, worauf jeder Fall für sich allein vom Board berathen werden würde. Mit vereinzelten Ausnahmen weigerten sich aber die Rumänen, auf dieses Ansinnen einzugehen. Außer diesen 443 Personen wurden weitere 650 vom Verein für obdachlose Juden verpflegt, von denen 433 nach Canada befördert wurden. Der Board ist jedoch der Ansicht, daß unverheiratete Personen zur Colonisation ungeeignet seien und darum nach Canada nicht befördert werden dürfen; ebensowenig dürften Familienväter, welche ihre Angehörigen hilflos zurückgelassen haben, unterstützt oder gar nach Canada befördert werden. Das würde nur die Leute noch mehr ermuntern, ihre Familien im Stich zu lassen. Die ganze Verantwortlichkeit für seine vielfach getadelte Zurückbeförderungs-Politik wälzt der Board auf die Comites des Kontinents ab, welche die Flüchtlinge, von Ort zu Ort weiterschiebend, schließlich nach London, als dem zunächstgelegenen Hasenplatz, beförderten. Dann aber fährt das Memorandum fort: „Es kann Denjenigen, welche die Gebote des Gemeinsinns und der Menschlichkeit negiren, nicht oft genug wiederholt werden, daß die Sympathien der englischen Juden für die Leiden der Tvochrnfchrifk. Seite 569 rumänischen Juden nicht minder activ sind, als die unserer Glaubensgenossen auf dem Coutment. Allein der Board ok guardians will als Wächter über die Interessen der in London bereits ansäßigen fremden Juden Alles aufbieten, um Stauungen im jüdischen Viertel von London zu verhindern, wo kein Raum mehr vorhanden und Arbeitsgelegenheit so rar sei!" Der Board beschwerte sich dann über die erfolgten Beförderungen nach Canada, wodurch in Rumänien neue unerfüllbare Hoffnungen geweckt werden mußten. Der Board befürchtet auch, daß es den Emigranten in Canada sehr schlecht ergehen werde, da die Leute von der Landwirthschaft wenig verstehen. Ferner befürchtet der Board, daß durch die Beförderung rumällischer Juden nach Canada auch in Rußland das Auswanderungsfieber von Neuem entfacht werden würde. Zum Beweis führte Mr. Leonhard Cohen die Thatsache an, daß eine Anzahl in London längst ansässiger russischer Juden beim Board um ihre Beförderung nach Canada gebeten habe und daß „wie man sagt", 100 russische Familien bereits unterwegs nach London seien. ( . . . Bange machen gilt nicht! Die russischen Juden denken nicht daran, nach London zu gehen und dem famosen Board of guardians Einzeleingaben zu überreichen. D. Red.) Zum Schluß forderte der Board of guardians die Colonisations-Gesillschaft im Namen der englischen Inden aus: 1. Die Maffenemigration aus Rumänien zu unterdrücken. 2. Nur solche Emigranten über London zu schocken, die mit Schiffskarten bis zu ihrem Bestimmungsorte versehen sind. 3. Daß unter den Auswanderungslustigen schon am Emschiffungsplatze eine sorgfältige Auslese vorgenommen werde. 4. Daß am Bestimmungsorte zum Empfang der Einwanderer genügende Vorkehrungen getroffen werden. China. Die Vorgänge in China lenken die Aufmerksamkeit natürlich auch auf die dortigen Juden, über welche in den letzten Jahren zwar oft, aber immer sehr versch edenartige und nicht immer sehr glaubwürdige Mittheilungen zu uns gekommen sind. Außer den aus Europa eingewanderten befinden sich dort noch Juden, die schon seit mehr als 2000 Jahren daselbst leben sollen. Unmittelbar vor Ausbruch der Unruhen beabsichtigte man von London eine Mission zu ihnen zu schicken und sich mit ihnen in nähere Verbindung zu setzen. Die jüdische Gemeinde in Shanghai bot ihre Hilfe dazu an und der Chief-Rabbi von England steht an der Sp tze des Unternehmens, das hoffentlich nur aufgeschoben, nicht aber aufgehoben ist. Die älteste Colonie der Juden in China befindet sich in Kai-fäng-fu; außerdem befinden sich Gemeinden in Hongkong und Shanghai und fünf Gemeinden in Cochin an der Küste von Malabor. Es ist übrigens interessant, zu erfahren, daß unter den von England nach China abgeschickten indischen Truppen sich ebenfalls drei Juden in hervorragender Stellung bi finden, nämlich der Lieutenant A. R. Jacobson, der Capitän R. Bleyarnin und der Major B. Samuel, alle drei von der Beni Israel in Bombay. Vermischtes. W ien. (Vermählung.) Dienstag den 7. August d. I. findet hier die Vermählung von Fräulein Regine Offenberg mit Herrn Jacob F r i e d m crn n, Sohn des Herrn Lector M. F r i r d m a n n, statt. Wien. Der „Verein der israelitischen Fleischhauer Wiens" hielt am Dienstag den 17. v. M. eine Vorstandssitzung ab, in welcher über die letzten Conferenzen mit der Eultusgemeinde bezü-flich der Koscherfleisch-Frage Bericht erstattet und» ein Comitö, bestehend aus den Herren Gottlieb Herrmann, Siegmund Kornmehl. Jacob Mittler, Leopold W e i n w u r m, Emanuel Winkler und Jacob Morgenstern, bestellt wurde zur Ausarbeitung einer Vorlage zur Regelung der Koscherfleisch-Frage. Nach anderen Unterstützungs- Referaten wurde von dem Vorstande beschlossen, der „Israelitischen Allianz" 200 Kronen zum Zwecke der Ausspeisung der vertriebenen rumänischen Juden zu übergeben. Wien. (Spenden.) Für die rumänischen Auswanderer sind uns weiter vom Minjan-Vereine in Bukovsko Kr. 14.— als Resultat einer(,Sammlung, eingeleitet von Herrn A. S p ä t h; von H^rrn Rud. und Sabine P i s i n g e r in Linz Kr. 8.—; von Herrn S. K o w a n i tz in Wien Kr. 4.—; von den Herren Emanuel Singer und Sigmund Kornmehl Kr. 74.60 als Resultat einer Sammlung von den Sommerparteien in Kierling, von Herrn Franz P o l l a k in Wien Kr. 10. -; unter A. M. in K. Kr. 10.— zugekommen. Wien. (Spende.) Für den zerstörten Friedhof in Roznau sind uns weiter von Herrn Em. Schiller in Böhm.-Aicha Kr. 5.— zügekommen.

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