Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-08-03 · 31 (3.8.1900) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
31 (3.8.1900)
Date
1900-08-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021331-3021363--10101-3034564
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 31 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 567 ficenz der seligen Frau Baronin von Hirsch, welche einen Theil der zu Schulbauten erforderlichen Mittel gespendet, zu Ende des abgelaufenen Schuljahres im Besitze von 25 für Schulzwecke vollständig eingerichteten Schulhäusern. Sechs weitere Häuser, deren Bau, respective Adaptirungen im Zuge sind, werden mit Beginn des Schuljahres 1900/1901 eröffnet werden. Somit wird die Stiftung im Schuljahre 1900/1901 einunddreißig eigene Schulhäuser zählen. Ab und zu beginnen auch Schüler christlicher Confession die Stiftungsschulen zu besuchen. Im abgelaufenen Schuljahre betrug die Zahl dieser Schüler 93. An jenen Stiftungsschulen, welche von einer entsprechenden Zahl christlicher Schüler besucht werden, wird auch ein Katechet für den Religionsunterricht aus Stiftungsmitteln beigestellt. Nachdem zu Beginn des Schuljahres 1899/1900 drei weitere Stiftungsschulen, und zwar die von Sassow, Gwozdizec und Stanislau das Oeffentlichkeitsrecht erhalten haben, besitzen dieses Recht nunmehr acht Stiftungsschulen. Die Stiftungsschulen wurden im Laufe des Schuljahres wiederholt von den k. k. Bezirks-Schulinspectoren, einzelne auch von den k. k. Landes-Schulinspectoren, sowie von den Jnspectionsorganen der Stiftung visitirt und lauten die bezüglichen Berichte durchwegs recht befriedigend. Das Curatorium beklagt den Verlust seines Schulreferenten, Herrn Nechemias Landes, welcher im Februar 1899 nach kurzem Leiden verschied. Herr Landes bekleidete das Amt eines Schulreferenten der Stiftung vom 1. Juni 1893 bis zu seinem Lebensende, also nahezu 6 Jahre. Die Verdienste dieses Pädogogen werden unvergessen bleiben. Nach Schluß des ersten Semesters wurde vom Verbände der Stiftungslehrer ein Lehrertag nach Kolomea einberufen, welcher dem Curatorium nachher genehmigte Anträge, betreffend Verbesserungen in dem Lehrpläne, stellte. Wie in den Vorjahren wurde auch im abgelaufenen Schuljahre eine bedeutende Anzahl von Absolventen der Siiftungsschulen bei Handwerkern untergebracht. Die Kosten für einen Theil derselben wurden, da die Stistungsmittel erschöpft waren, von der Frau Baronin v. Hirsch bestritten. Der Stand der Handwerkslehrlinge stellt sich folgendermaßcn: Nach Schluß des Schuljahres 1897/98 verbleiben in der Lehre 529. Im Laufe des Schuljahres wurden 80 freigesprochen. Nachdem ferner 56 Knaben, von denen 27 in Wien unter gebracht waren, die Lehre verlassen haben, verblieben bei den Meistern 397. Im Schuljahre 1898/99 wurden bei den Handwerkern 329 uutergebracht, somit betrug der Stand der Lehrlinge mit Ende des Schuljahres 1898/99 726, also um 197 mehr als im vergangenen Jahre. Ferner wurden an 20 Zöglinge des Brodyer Waisenhauses behufs Zuführung derselben zum Handwerke und an 84 Handwerkslehrlinge in der Bukowina Stipendien gewährt. In der Schlosserwerkstätte von Rzeszow waren im abgelaufenen Schuljahre 21 Knaben placirt, so daß inclusive der freigesprochenen Knaben die Gesammtzahl der im Laufe des Schuljahres 1898/99 subventionirten Handwerkslehrlinge 931 betrug. Weiters wurde eine Anzahl fleißiger Gewerbe- und Fachschüler mit Stipendien bedacht. In der Gärtnereischule zu Ahlem wurden sieben galizische Absolventen der Stiftungsschulcn auf Kosten der lovisft Colonisation Association untergebracht. Mit hoher Befriedigung bringt das' Curatorium zur Kenntniß, daß die Baronin Clara von Hirsch-Gereuth anläßlich der Feier des fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläums Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät des Kaisers Franz Josef I., im Anschlüsse an die Schulstiftung des sel. Baron Moriz v. Hirsch, eine Stiftung zur Unterstützung von Knaben und Mädchen creirt und derselben laut Widmungsurkunde do. Paris, 22. November 1898 einen Betrag von fl. 1,500.000 ö. W. einheitliche Rente zugewendet hat. Diese Stiftung führt den Namen: „Baronin Clara von Hirsch Kaiser-Jubiläums-Stiftung zur Unterstützung von Knaben und Mädchen in Oesterreich" und steht unter der. Verwaltung des Curatoriums der Baron Hirsch-Stiftung. Durch diese neue Stiftung wurden zunächst die Auslagen für Bekleidung und Beköstigung armer Schulkinder, welche früher die Frau Baronin von Hirsch aus eigenen Mitteln bestritten, zum Theile fundirt, zu welchem Zwecke 50 Percent der nach Abzug der Verwaltungsspesen verbleibenden Einkünfte zu verwenden seien. Ferner seien 35 Percent der Einkäufe dieser Stiftung zur Errichtung von Arbeitsschulen und Gewährung von Stipendien behufs Erwerbsfähigmachung von Mädchen, insbesondere in Galizien und in der Bukowina verwendet werden. Endlich find je 7 5 Percent dieser Einkünfte zur Gewährung von Reisestipendien für Handwerksgesellen behufs weiterer Ausbildung im Auslande und von Stipendien für Kinder, welche zur Erlernung eines Handwerkes körperlich untauglich sind, behufs Ergreifung eines anderen Berufszweiges zu verwenden. Die Eröffnung dieser vier Mädchenschulen erfolgte zu Beginn des Schuljahres 1899/1900. Aus demselben Fonde wurden zwanzig galizischen Mädchen, welche in dem vom Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsvereine in Wien erhaltenen Lehrmädchenhort untergebracht sind, Sttpendien zu je fl. 120 per Jahr gewährt; außerdem wurde' eine Anzahl weiterer Stipendien für Mädchen, Handwerksgesellen und Knaben im Sinne der Bestimmungen des Stiftsbriefes bewilligt. In ihrer großen Fürsorge für die Kräftigung der beiden Stiftungen und den Ausbau derselben hat die selige Frau Baronin von Hirsch, welche bei Lebzeiten sämmtliche Deficite der Stiftung gedeckt hat, den beiden Stiftungen letztwillige Legate vermacht, und zwar: der Baron Hirschstiftung zur Beförderung des Bolksfchulunterrichtes im Königreiche Galizien und Lodomerien mit dem Großherzogthume Bukowina 3 Millionen Francs und der Baronin Clara von Hirsch Kaiser- Jubiläums-Stiftung für Knaben und Mädchen in Oesterreich 2 Millionen Francs. Ungeachtet dieser großen Dotation der seligen Frau Baronin von Hirsch ist aber die finanzielle Lage dieser Stiftungen durch den Umstand, daß die Legate erst ein Jahr nach dem Hinscheiden der Frau Baronin von Hirsch zur Auszahlung gelangen und überdies durch französische und österreichische Gebühren stark reducirt werden, eine derartige geworden, daß das Zinsenerträgniß bei der großen Ausdehnung, welche die Schulstiftung genommen, zur Bestreitung sämmtlicher Auslagen nicht ausreicht. Es steht somit zu besorgen, daß hie und da empfindliche Reductionen werden vorgenommen werden müssen, wenn nicht aus dem Lande selbst, welches nunmehr das Segensreiche der Stiftung einzusehen beginnt, opfervoller entgegengekommen werden sollte. Correspondenzen. Die rumänischen Auswanderer. Aus B u d a p e st wird uns berichtet: Die Sammlung für die hier weilenden rumänischen Auswanderer hat Dank der regen Theilnahme aller Schichten der Bevölkerung bisher etwa 60.000 Kronen ergeben und morgen dürften die erforderlichen 70.000 Kronen beisammen sein. Da sich das Hilfscomitö telegraphisch an die Regierung von C a n a d a mit der Anfrage gewendet hat, ob der Landung der Auswanderer kein Hinderniß entgegenstehe, hat das Ministerium des Innern gestattet, daß dieselben bis Sonntag in Budapest verweilen dürfen. Gegenwärtig wird auch mit den Bahnverwaltungen verhandelt, damit die Auswanderer über Oderberg-Berlin mittelst Extrazuges nach Rotterdam befördert werden. — In der vergangenen Woche hat die ungarische Regierung in dieser Angelegenheit eine umfangreiche Zuschrift an den Minister des Aeußern gerichtet und diesen e> sucht, Rumänien auf das Entschiedenste aufzufordern, jenen bedauernswerthen Zuständen, welche an der rumänischen Grenze entstanden sind, sobald als möglich ein Ende zu bereiten, da es mit der Humanität und Civilisation nicht vereinbart werden könne, daß jenen Auswanderern, die in Ermanglung von Püffen und Reisekosten nicht über die Grenze gelassen werden, die Rückkehr in ihr Vaterland verweigert werde. In diesem Sinne hat auch der ungarische Ministerpräfident gestern von R a t o t aus eine neue dringliche Zuschrift an den Minister des Aeußern gerichtet. Aus Budapest wird gemeldet: Das Hilfscomits für die aus Rumänien vertriebenen Juden hat unlängst eine Sitzung abgehalten. Es ist Aussicht vorhanden, für die noch hier befindlichen 350 jüdischen Flüchtlinge die Kosten der Fahrt nach Amerika, welche sich auf etwa 32.000 fl. belaufen, aufzubringen. Außer vielen anderen christlichen Persönlichkeiten erschien auch der Piaristen-Prior Gabriel M a g y e r bei den Emigranten und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.