Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 30 (27.7.1900)
- Date
- 1900-07-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 558 Ein Falke über Raben! Ob er nur das Gelichter Unreifer Prügelknaben Und reifer Bösewichter Bewältiget, wer weiß? Wird ihre Wildheit zähmen Die unerprobte Kraft? Wird all die Ränke lahmen Der scheelen Nachbarschaft Der Fürst — um welchen Preis? Die deutsche Faust, die Tugend Vom altbewährten Stamme, Die reckenhafte Jugend Erstickt die wilde Flamme Und bricht das starre Eis. Er bringt noch dort zu Ehren Das Recht, der Freiheit Gut. Er wird sich schon bewähren Mit kühnem Heldenmuth Als Fürst von wahrem Preis. So hofften, riefen Me: Glück auf zu harten Mühen! Die Bosheit bring' zu Falle, Gerechtigkeit zum Blühen, Das selt'ne Edelweiß; Gib Frieden jenem Lande, Bezwing' die Barbarei, Lös' der Bedrängten Bande, Erring', trotz Ach und Ei, O Fürst, den wahren Preis! Es richten ihre Blicke Auf ihn, die viel umstritten. Von jedem Mißgeschicke Den Schlag und Rückschlag litten, So flehentlich und heiß: „Nicht weniger als Alles Steht für uns auf dem Spiel, Dem Ingrimm rohen Schwalles Setz' muthig bald ein Ziel, O Fürst, zu Lob und Preis!" „Hier, im verfehmten Babel, Wo Volkes Launen wandeln. Lass' nicht zugleich als Abel Und Kajin uns behandeln, Ohn' allen Schuldbeweis: Wie Abel stets geschlagen. Verfolgt wie Kajin doch, Gequält von schweren Plagen, Bestraft als Frevler noch. O Fürst, gib uns nicht preis!" „Sie nennen uns die Würmer, Um treten uns zu dürfen. Sie lechzen, da kein Schirmer, Schon unser Blut zu schlürfen. Dem wehre Dein Geheiß! Wir wollen nimmer meiden, Und geht 's mit uns zu Rand, Ob wir das Schlimmste leiden, Das theure Vaterland, O Fürst, um keinen Preis!" Doch ihnen kreischt entgegen Der Hölle Hohngelächter: „Euch bringt er keinen Segen, Des Reiches Hort und Wächter, Wie viel er auch verheiß'? Dr. Blocht Wochenschrift, Der Hang zum Vaterlande Wird Euch schon auscurirt, Wenn seiner Frevelbande Unthaten sanctionirt Der Fürst um jeden Preis." „Um schnöden Preis! denn stillen Muß er des wilde» Drachen Begier, mit Beute füllen Des Pöbels off'nen Rachen, Daß er nicht Ihn zerreiß'. Ihr müßt nicht übelnehnien. Wenn man Euch schmäht und schmält, Ihr müßt Euch schon bequemen. Wenn Euch ein wenig quält Der Fürst um solchen Preis." Ein Wrack im Völkermeere! »Zur Qual seid Ihr geboren, Zum Priester heil'ger Lehre Und Opfer auch erkoren, Getaucht in Blut und Schweiß. Was soll im Reich der Würger Ein treuer Unterthan, Wo nur Verbrecher Bürger, Ein schwächlicher Kumpan Der Fürst, Euch nicht zum Preis? Bunt schmückten sie vor Zeiten Das Opfer mit Gewinden Von Blumen-Herrlichkeiten Und zierten es mit Binden, Hellblinkend, roth und weiß. Doch jetzt mit blut'gen Streifen Schmückt man das Opferthier. . Verleumdung läßt er häufen Aufs Haupt, o Juda, Dir, Der Fürst, sich nicht zum Preis. Genug nicht, daß die Rohheit Ward in die Form gegossen Von Recht, Gesetzeshoheit, Sie äffend unverdroffen, Entsetzlicher -noch sei's! Es werden Mord und Schändung Und Raub legalisirt. Zu Juda's Qualvollendung Mit Freiheitshauch geschürt, Dem Fürsten Dank und Preis! Schon fasset die Nationen Des edlen Zornes Lohe, Es klagt vor hehren Thronen Humanitas, die hohe, Und ruft im Erdenkreis: Rumäniens Krone drückte Ein Brandmal Dir auf's Haupt; Was Dich mit Ehren schmückte, Gib Acht, daß es nicht raubt O Fürst, den Ehrenpreis. Des deutschen Volks gedenke, Des Stamms, dem Du entsprossen, Die scheuen Blicke lenke Auf ihn, den Glanz umflossen, Denk an den Heldengreis! Muß nicht sein Ruhm erbleichen, Erblinden seine Zier Vor Deinen Herrscherzeichen, So lang man spricht von Dir, Dem Fürsten ohne Preis? Nr. 30 Wehr' tapfer dem Dämone Der rohen Pöbeltriebe Und Achtung schaff' dem Throne, Das Recht, die Nächstenliebe Durch kühne That beweis' Und hemm' mit strammem Zügel Der Wildheit Panthersprung Und gib dem Geistesflügel Des Volkes freien Schwung, Erring' den höchsten Preis! Kann denken gar ein Zoller: „Der bösen Geister Reigen Mag brausen immer toller, Und immer höher steigen Der Gischt des Höllenbreis, Ob auch auf morschem Throne, Mit Strolchen im Verein, Mit schmachbedeckter Krone, Ich will noch fürder sein Ein Fürst unk solchen Preis!?" Ein König um jeden Preis. „Der Fürst setze seine Bestimmungen in die Ausübung der Humanitär oder des allgemeinen Wohlwollens für IHe Menschen» der Aufrichtigleit und der Treue." Ooukuelus. Juli 1900. Auf Juda ward inzwischen Noch Schmach und Qual gehäuft. Der Wind, den man gesäet, Er ist zum Sturm gereist. Der Fürst, er ward zum König Durch Siegesruhm und Ehr', Die für ihn miterkämpst hat Der Jude in Waffen und Wehr. Was nützt ihm Leisten und Lieben? Er wird aus der Heimat vertrieben. Die Königin flicht, um die Krone Vergoldetes Lorbeerreis. Das ist ja auch nicht ohne Für Dichter um jeden Preis. Mit schwärmerischen Blicken Schaut sie -nur hinauf in die Höh'; Sie sieht nicht drunten den Jammer Unschuldiger tiefstes Weh'. Rumänien's Loreley, Sie singt sich ein Liedchen dabei .... Es muß sich schnüren das Bündel Die schwielige Arbeiterhand, Und selber ein Bündel voll Elend, Verlassen das Vaterland. Der Männer klagloses Härmen Und hungernder Kinder Gestöhn, Der Greise ersticktes Schluchzen. Der Mütter Wimmern verhöhn'. Weis' lachend nur darauf hin. Du feiler Gaukler von Wien! Pl.