Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 30 (27.7.1900)
- Date
- 1900-07-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 80 Dr« VIvEs Wochenfchri;^ Sette 555 Mirza M a m a l e k als ziemlich unwesentlich hin. Sie währten nicht lange und hatten keinen bösartigen Charakter. Die Ursache war — wie ja anderswo auch — purer Brotneid von Seiten einiger Kaufleute. Die Juden begannen mit einer Anzahl von Artikeln zu handeln, welche bisher nur von Persischen Händlern geführt wurden. Die Kaufleute hetzten den Pöbel auf, die Geistlichkeit secundirte ihnen, bis schließlich die Regierung eingegriffen und das Feuer im Entstehen gelöscht hat. Auf die Frage, weshalb die Juden in Persien besondere Abzeichen tragen müffen, erwiderte der Minister, daß die Verordnung religiösen Gründen ihren Ursprung verdanke. Nahrungsmittel und Geschirr dürfen von keinem Nichtmohammedaner berührt werden. Um das öftere Trefewerden von Nahrungsmitteln rc. zu verhüten, muß daher der Muselmann in der Lage sein, jeden Nichtmohammedaner auf den ersten Blick zu erkennen. Der europäische Fremde ist durch Gesicht und Kleidung als solcher kenntlich, nicht so der persische Jude, der sich durch nichts vom strenggläubigen Schiiten unterscheidet. Als daher einige Juden auf dem Bazare von Teheran Eßgeschirr durch Berührung trefe gemacht hatten, entstand ein Aufruhr, der die Regierung zum Erlaß einer Vorschrift nöthigte, wonach die Juden an sichtbarer Stelle ihres Hasakin (eine Art Halbrock) einen hellleuchtenden Knopf mit den Jnitialien „93. I/ (Bene Israel) tragen müssen. Daß aber keine antisemitische Absicht gewaltet hat, beweist der Umstand, daß auch die autochthonen Parsen, welche als Feueranbeter ebenfalls das Geschirr des Mohammedaners durch Berührung verunreinigen würden, ein gelbes Abzeichen tragen. London. Viele der Unglücklichen, welche aus Rumänien durch systematische Unterdrückungen vertrieben wurden, gehen nach Canada. Zugleich wurde es bezweifelt, ob die canadische Regierung sich gern mit fremden Einwanderern, in Anbetracht der großen Zahl, welche schon ihren Weg nach der gastfreien Küste genommen. auch noch fernerhin belasten würde. Unter diesen Umständen ist eine Unterredung über diesen Gegenstand von besonderem Jntereffe, welche ein Redakteur des „Jewish Chronicle" mit Lord S tra thron a, dem canadiscken Obercommiffär. hatte. Lord St. wies sofort die Unterstellung zurück, als ob die Regierung irgend welche Abneigung hätte, die Flüchtlinge aufzunehmen. Gerade das Gegentheil sagte er. Ich brauche mich nicht zu beeilen, Ihnen zu sagen, daß Canada mit offenen Armen jeden ausländischen Einwanderer, der für die Beschaffenheit des Landes passend ist, aufnehmen wird. Jedoch leugne ich nicht, daß wir Leute aus unserem Vaterlande vorziehen würden. Aber das schließt nicht aus, daß wir Einwanderer aus anderen Ländern gern sehen, welche fleißig und fähig sind,-gute Bürger Canadas und des Reiches zu werden. Was wir in erster Reihe gebrauchen können, sind Leute, welche in landwirthschaftlichen Arbeiten bewandert sind. Aber, wohlgemerkt, nicht armes Volk. Jüdische Farmer sollten unter keiner Bedingung nach Canada gehen, wenn sie nicht wenigstens im Besitze von 50 bis 100 Pfund Sterling sind. Wenn sie jedoch diese Summe besitzen, so wird die Regierung ihnen freudig 160 Acres gänzlich steuerfreies Land bewilligen, was, wie Sie zugestehen werden, kein geringer Antrieb ist. Aber 50 Pf. St. sind eine ziemlich große Summe für einen Flüchtling, entgegnete der Vertreter des jüdischen Blattes. Eine geringere Summe möge genügen, antwortete der Lord, wenn drei oder vier Familien sich vereinigen Diese Vorkehrung soll wesentlich die Geldschwierigkeiten vermindern. Eine gro ße Anzahl der Flüchtlinge sind, versetzte der Vertreter des „Chronicle". Handwerker, und manche haben sogar einen gelehrten Beruf. Welche Aussichten würden sie in Canada haben? Ihre Aussichten würden zu meinem Bedauern nicht so gut sein. Es würde für Canada schwer sein, eine große Anzahl von Handwerkern zu gebrauchen, und was die gelehrten Berufe anbetrifft, so hat Canada ein so gutes Erziehungssystem, wie irgend ein Land Europas. Es hat keinen Mangel an Vertretern der gelehrten Berufe. Jedoch haben rumänische Juden, welche geschickt in ihren Berufen und im Besitze einer kleinen Summe sind, um sich eine Zeit lang aufrecht zu erhalten, dieselben Aussichten wie die Eingeborenen oder irgend ein anderer Einwohner. Aber ich muß wiederholen, daß wir am meisten Leute wünschen, die sich auf dem Lande niederlassen und daß wir diese herzlichst bewillkommnen würden. Es ist ungeheuer großer Uebcrfluß an Land da. Es ist Raum für Millionen und Millionen von Menschen, welche unter den besten Bedingungen leben können, und all dieses Land wartet darauf, in Besitz genommen und bearbeitet zu werden durch passende Leute. Jedoch ist es nöthig, zu sagen, daß jede Bewegung rumänischer Juden nach Canada sorgsam vorbereitet werden muß. Sie werden einen Plan oder Entwurf nach Berathung und in Verbindung mit der canadischen Regierung auszuarbeiten haben Es wäre durchaus ungünstig, wenn ein ungeleiteter Ansturm auf Canada stattfände. Ich füge hinzu, daß jede Auskunft in der Office des Obercommissärs gegeben wird und alle nöthigen Mittheilungen in gehöriger Weise der canadischen Regierung gemacht werden müssen. Nun, hier ist für die Jewish Golonisation Association eine sehr paffende Gelegenheit, mit ihren großen Mitteln Großes zu leisten. Wien. Der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Herr kaiserl. Rath Heinrich Kbinger hat einen mehrwöchentlichen Erholungsurlaub angetreten. Die Leitung der Amtsgeschäfte hat für die Zeit der Abwesenheit des Präsidenten Herr Vicepräsident Dr. Gustav K o h n übernommen. Wien. Fräulein Margarethe v. H a h n, Tochter des Generalconsuls Hofrathes Rtter v. H a h n, hat sich mit dem Med. Dr. Sigismund Altmann verlobt. Wien. Fräulein Fritzi S ch e f f, die Tochter des Wiener Zahnarztes Dr. S ch e f f, erfreut sich an der Conventgarden- Opera in London, wo sie in deutscher, italienischer und französischer Sprache singt, der größten Beliebtheit. Am 17. IM wurde der Künstlerin die Ehre zu Theil, in einem private Drawing Room bei der Königin Victoria in Windsor mitzuwirken. Fräulein S ch e f f erregte auch hier das Entzücken aller Hörer, namentlich der Königin selbst, welche Fräulein S che ff das Compliment machte, zu den wenigen ihr bekannten Sängerinnen zu gehören, die „Mozart wirklich zu fingen verstünden". Die Monarchin ließ Fräulein S ch e f f ein kostbares Armband mit ihren Initialen in Brillanten übermitteln. Wien. (Ferienheim.) In den letzten Tagen vollzog sich der Wechsel der in den Colonien untergebrachten, erholungsbedürftigen Schulkinder, und zwar kamen am 13. Juli fünfzig Mädchen aus Petrau und gingen am 17. Juli wieder ebensoviele dahin ab. In dem Heuer neueröffneten „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" in Borkloster-Tischnowitz bei Brünn waren 120 Mädchen untergebracht, welche am 17. Juli hier eintrafen, wogegen am 19. Juli wieder 100 Knaben nach demselben Bestimmungsorte abgingen. Eine Gruppe von neun Kindern wurde zum Curgebrauche ins Jodbad Darkau (Oesterr.-Schlefien) entsendet. Das Aussehen der zurückgekehrten Kinder ist ein vortreffliches. Wien. (Bon der Universität.) Der Kaiser hat dem außerordentlichen Profeffor der mittleren und neueren Geschichte an der Universität in Wien Dr. Alfred Francis P r i b r a m den Titel und Charakter eines ordentlichen Universitäts-Professors verliehen. Wien. Professor Dr. Adam Politzer wurde von der Londoner otologischen Gesellschaft einstimmig zu dem ersten Ehrenmitgliede ernannt. Wien. Herr Otto Simon, ein Sohn des allseits verehrten und hochgeschätzten Cultusvorstehers Herrn D. Simon, wurde vom Landesschulrathe zum Gymnasialprofeffor in Ung.- Hradisch ernannt. Der junge Mann, der eine eminente Lehrkraft ist, wurde von einem geistlichen Herrn für diese Stelle vorgeschlagen und auch einstimmig gewählt. Wien. (Spenden.) Für den zerstörten Friedhof in Rosnau sind uns zugekommen: Von Herrn Heinrich Nette! in Teplitz X 5.—, unter „B. T." K 10.-. Wien. (Spende n.) Für die armen rumänischen Auswanderer sind uns weiter zugekommen: Von Herrn Dr. Marcell H o f f m a n n X 50.— als eine für seinen Clienten erlangte Genugthmmg für verletzte Ehre — zu Gunsten der rumänischen Auswanderer, von Herrn Em. Schiller, Böhm.-Aicha, X 4.—; von Herrn R o s e n b e r g, Tracht. KS-; von Herrn Ignaz Silvermann, Nußdorf a d Traisen. X 5.—; von Herrn Jacob Spitzer. Krapina, X 10.—; unter „B. T." X 10.—; von Herrn Moriz Hirsch, Krakau, X 5.—; aus Bozen X 10.—; von Herrn L. Selmeczi, Wien, X 50.—; von Ellen, Robert und Hilde X 6.—; von L. B. X 1. —; unter Chiffre M. B. Prag X 10. -; von Herrn Jacob Schrötter Ob.-Mostenitz X 4.—. Hohenems. Zu dem vor Kurzem veröffentlichten Verzeichnisse der Spenden zu der von Herrn Rabbiner Dr. Tänzer für die rumänischen Juden veranstalteten Collecte ist noch nachzutragen : Herr Jvän Rosenthal 20 Kronen, zusammen 110 Kronen, die der „Oesterr.-Israel. Allianz" übermittelt wurden. Tabor. Herr Dr. Friedrich Guttmann, Präses der israelitischen Cultusgemeinde Tabor, wurde zum Mitglieds des k. k. Bezirksschulrathes in Tabor gewählt. Kostet. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde sandte an die „Oesterr.-Jsrael. Allianz" L 200.— für die rumänischen Auswanderer. Nimburg. Für die unglücklichen Glaubensbrüdrr in Rumänien wurde als Ergebniß der ersten Sammlung gesandt, und zwar von Nimburg 68 Kronen und vom Betverein in Krinec 17 Kronen. — Eine zweite Sammlung wird soeben veranstaltet.