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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-07-27 · 30 (27.7.1900) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
30 (27.7.1900)
Date
1900-07-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Bloch s Woche nschrifk. Seite 549 Kinde lassen und empfahl ihm, zum Fürstbischof zu gehen. Der Fürstbischof hingegen wies ihn an den Krakauer Magistrat. Nach Angaben eines zwanzigjährigen Mädchens, Namens Gelb aus Swirekow, dem es mit großer Mühe gelang, nach dreieinhalbmonatlichem Aufenthalte aus dem Kloster der Felicianerinnen in Krakau zu entkommen, werden daselbst zwei jüdische Mädchen aus Russisch-Polen, Namens Altmann und Ledermann, festgehalten die unausgesetzt jammern, daß sie hinaus wollen. , Die Erklärung eines Antisemiten. Die „Silesia" veröffentlicht folgende Erklärung: „Anläßlich der im Monate Juni 1900 in Fnlnek vorgenommenen Gemeindewahlen habe ich Gefertigter Karl Losert, Nähmaschinen- und Fahrradhändler und Hausbesitzer in Fulnek, in meinerblinden Wuth über die totale Niederlage der christlich-socialen Partei über Herrn Stefan Heisig, Privaten in Fulnek, das Gerücht verbreitet, „er habe, während der Bürgermeister in Hotzenplotz war, einen Knaben in einen Schweinestall gesperrt und vergessen, den Knaben wieder herauszulassen, so daß derselbe von den Ratten aufgefressen worden sei; in Folge dessen habe Herr Heisig sofort auf seine Stelle als Bürgermeister verzichten müssen". Ich gestehe ein, daß ich zu dieser Aeußerung nicht den geringsten Grund hatte, daß die ganze eben erwähnte Geschichte auf einer boshaften Niedertracht gen Erfindung von meiner Seite beruht, und leiste dem Herrn Stefan Heisig, der mir als ein in jeder Hinsicht hochachtbarer Mann bekannt ist, hiemit öffentlich Abbitte. Schließlich spreche ich dem Herrn Heisig dafür, daß er auf mein kniefälliges Bitten von der gerichtlichen Verfolgung abgestanden ist, meinen innigsten Dank aus und verpfände hiemit mein Ehrenwort dafür, daß ich es unterlassen werde, jemals gegen Herrn Heisig wieder etwas Ehrenrühriges vorzubringen. Fulnek, am 17. Juli 1900. Karl Losert." Jüdische Auswanderer aus Rumänien. Die „Israelitische Allianz" zu Wien hat im Verlaufe bi* jüngsten Zeit viele Hunderte armer rumänischer Juden direct von der rumänisch österreichischen Grenze aus, und e t w a 1400 Person envon Wien aus befördert. Die Auswanderungsbewegung ist aber noch immer nicht in der Abnahme begriffen. Höchst bedauerlich ist es, daß in der letzten Zeit, trotz der energischen Abmahnungen seitens der „Israelitischen Allianz" zu Wien und der zielverwandten Vereinigungen, zahlreiche Frauen, Kinder, sowie auch andere solche Personen in Wien eintreffen, deren Beförderung nicht allein aus Humanitären und praktischen Erwägungen, sondern auch in Folge der Beschlüsse der Pariser Conferenz vom Juni l. I., sowie der staatlichen Bestimmungen als völlig ausgeschlossen erscheint. Da hiezu sich noch überdies manche Schwierigkeiten an den verschiedenen Grenzen, so z. B. der Strike der Hafenarbeiter in Rotterdam und eine ähnliche Bewegung in Hamburg, gesellten, welche die rasche Beförderung hemmten, überschreitet der Standder momentan in Wien anwesenden rumänischen Juden dieZahlvon 1300. Da für eine solche Massenansammlung trotz aller Bemühungen — man wendete sich an die Rettungsgesrllschaft, das „Rothe Kreuz", die Verwaltung der Rotunde u. s. w. u. s. w., — absolut kein geeigneter Raum zu schaffen ist, mußten die in den letzten Tagen eingetcoffenen Personen auf den Schleppern der Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft untergebracht werden, wo deren rituelle Beköstigung erfolgt. Der Vorstand der „Israelitischen Allianz" zu Wien beschloß, in der Folge nur jene Emigranten zu befördern, respective hiebei zu unterstützen, deren Eintreffen schriftlich angezeigt und deren Ansuchen von der „Israelitischen Allianz" im bejahenden Sinne auf schriftlichem Wege erledigt wurde. Rumänische Justiz. Im „Adeverul" lesen wir folgenden Bericht: „Herr M. K in Bukarest, Calea Budesti Nc. 37 wohnhaft, sah, als er beim Polizeigebäude vorbeiging, wie ein Wachposten eine alte Frau prügelte. Er erkundigte sich nach dem Grunde dieses Vorgehens, worauf der Wachposten Herrn K. unsanft in den Keller des Polizeigebäudes drängte und ihn dort prügelte. Der Capitän Parliann, der hinzukam, fuhr Herrn K. grob au: „Was unterstehst Du Dich, Dich in unsere Angelegenheiten zu mengen. Ich werde Dich zur .Strafe vier Tage einsperren oder Du kriegst vier Ohrfeigen!" K. wählte Letzteres, ließ sich vier tüchtige Ohrfeigen appliciren und wurde dann freigelasseu. Als er das Polizeigebäude verließ, erhielt er vom Wachposten mit dem Gewehrkolben noch einige Rippenstöße." Bemerkenswerth ist, daß Herr M. K. in der rumänischen Armee gedient hat. Arischer Kannebalismus. Im Juni-Heft der „Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik" spricht Dr. Alfred Purtscher kurz davon, wie auch der Kannibalismus in Europa vormals nicht fehlte. Bon den westlichen Slaven erzählt Zeiler: „Es ist ein ehrlicher Brauch im Wagerland, gleichwie in anderen Wendlanden gewesen, daß die Kinder ihre altbetagten Eltern, Blutsfreunde und andere Verwandte, auch die, die nicht mehr zur Arbeit dienstlich, tödteten, danach gekocht und gegessen . . . Dieser Brauch ist lange Zeit bei etlichen Wenden geblieben, in Sonderheit im Lüneburger Land." Auch aus einem griechischen Clephtenlied will Purtscher herauslesen, daß das Auffressen getödteter Feinde Kraft und Stärke gebe. Ein bulgarischer Folklorist, K. A. Sapkarev, erzählt von dem Abschlachten alter Leute, das in alter Zeit im Schwung gewesen sein soll. Dazu bemerkt Dr. Fr. Krauß: „Man kann ruhig behaupten, daß bei den Südslaven sowohl wie bei den Neugriechen das Menschenfleischfressen aus religiösen Motiven fast noch in unseren Tagen vorgekommen sein muß. Der Kopf getödteter Feinde diente zuweilen zur Zmberverspeisung, durch die man die Erwerbung der Eigenschaften des Verstorbenen für sich und durch weirere Vererbung für seine Nachkommen erhoffte." Auch in einem Guslarenliede ist von eigenthümlichem Kannibalismus berichtet. Ja in einem bosnischen Guslarenliede kündigt sich der Heiland als menschenfleischlüstern an: „Zu Todor am Meere fi"l ein Himmelsbrief hernieder, darin geschrieben stand, Christus lade sich zu Gast ein und wünsche Johannes, den Sohn Todor's, gebraten zum Mahle zu verzehren. Angjelija, die Mutter, lockt durch eine Finte ihren Sohn aus dem Gebirge von den Schafen nach Hause und zeigt ihm den Brief, worin zu lesen: „Christus verlange, daß Todor den einzigen Sohn schachte gleich wie ein blödes Lamm, ihn brate gleich wie ein blödes Lamm, denn Christus wolle den Sonn zur Nacht verspeisen." Der Sohn fügte sich bereitwilligst ben* höchsten Wunsch, der Vater bindet ihm Hände und Füße, verbindet ihm die Augen, schachtet ihn, brät ihn am Spieß und setzt ihn dem inzwischen eingetroff nen Gast vor. Christus fand daran großes Vergnügen, schlug ein schallendes Gelächter an, nahm Rothwein, wusch den Braten; Johannes sprang frisch und fröhlich auf die Beine." Wir sehen in der letzten Geschichte mehr den Niederschlag der biblischen Erzählung von Isaaks Opfer, der mythologischen von Atreus und den Söhnen des Thyest von Iphigeniens Opfer als einen Hinweis aui Kannibalismus. Uebrig-ns haben wir in dem Märchen vom Machandeldoom (Grimm) eine ganz ähnliche Geschichte, und den Germanen konnte man Kannibalismus niemals vorwerfen. Man trank höchstens von dem Blute derj»nigen, die man sich zu Freund n machte, der ..Blutsbruderschaft". Nur die Slaven scheinen nach Purtscher Kanuibalismus getrieben zu haben. „Zur Iudenfrnae in Galizien" Von Bertha Pappenheim. Frankfurt a. M., Gebrüder Knauer» >900 (Als Antwort an einen durch philanthropisches Wirken ausgezeichneten Freund.) Werther Herr Consul! Ich soll Ihnen mein Urthcil über dieses Schriftchen abgeben? Sehr gern. Und damit Sie nur gleich erfahren, daß dieses llrtheil mit dem Ihrigen im Großen und Ganzen übereinstimmt, beginne ich damit, Ihnen m-inen verbindlichsten Dank dafür auszusprecheu, daß Sie meine Aufmerksamkeit auf diese Publication gelenkt haben, die ich sonst bei der großen Flut von einschlägigen Z-ituNgsa.tlkeln und Broschüren, die man seit etwa zwei Jahren über sich ergehen lassen muß, gewiß übersehen hätte. — Es spricht aber für die Güte eines Gerichtes, wenn es selbst dem übersättigten Gaumen noch zu munden vermag. In der That, das Schriftchen des Fräuleins Pappenheim ragt sichtbar hervor aus dem bergehoch aufgethürmten, das Judenelend in Galizien behandelnden neuesten Schriftthum. Warum aber über ein Elend, das Jahrzehnte alt ist, gerade erst jetzt, erst seit ungefähr zwei Jahren ein unbändiges Geschrei erhoben wird, warum da gethan wird, als ob man es erst entdeckt hätte, das wollte mir lange nicht einleuchten. Erst die letzten

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