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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-07-20 · 29 (20.7.1900) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
29 (20.7.1900)
Date
1900-07-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Bloches Wochenschrift. Seite 541 Jnngbunzlau. Anläßlich der bevorstehenden 70. Geburtstagsfeier Sr. Majestät des Kaisers Franz Joief I. wurde der Schluß des heurigen Schuljahres an der hiesigen israelitischen Volksschule besonders solenn begangen. In dem herrlich geschmückten Lehrzimmer der 4. Classe prangte an der Nordseite das Kaiserbild, umrahmt von exotischen Pflanzen. Am 13. d. M Nachmittags um 2 Uhr versammelte sich daselbst die gesammte Schuljugend, festlich gekleidet, unter Aufsicht ihrer Lehrer. Nebst den Spitzen der Eultusgemeinde, fanden sich auch zahlreich die Eltern der Kinder, mehrere höhere Officiere und viele distinguirte Damen zu diesem Schulfeste du.. Lieder, Declamationen und patriotische Gedichte wurden von den Kindern aller vier Schulclassen mit solchem Verständnisse und Innigkeit vorgetragen, daß das zahlreich versanimelte Publikum hievon sichtlich freudig gerührt wurde. Der Schulleiter, Herr I. Hoffmann, hielt an die Schuljugend eine inhaltsreiche Ansprache, die vom Herzen kommend auch zum Herzen der Kinder drang» schilderte dann die Bedeutung dieser seltenen Feier, hob in markigen Worten die hohen Herrschertugenden, das wohlthätige und segensreiche Wirken unseres erhabenen Monarchen hervor und schloß seine stimmungsvolle Rede mit dem Wunsche, daß der Allmächtige uttscru glorreichen Kaiser die höchsten Grenzen des menschlichen Alters zum Heil seiner Völker erreichen lasse. Mit der Volkshymne schloß diese schöne, von dem Schulvorsteher, Herrn Theodor Strenitz veranstaltete und so gelungene Schulfeier. Sambor. An dem von der hohen k. k. Statthalterei concessionirten zweiclassigen commerciellen Lehrinstitute des S. Weinberg in Sambor iand Sonntag den 24. Juni a. c. die Abgaugsprüfung der Zöglinge des zweiten Jahrganges dieses Institutes statt. Zahlreiche Gäste, den kaufmännischen Ständen angehörend, darunter auch die Herren: Obercommissär der Bezirkshauptmannschaft, Dr. Zygmuud Lenczewski, k k. Steuerinspector I. Smolucha und viele andere Herren Beamten waren anwesend und nahmen regen Antheil an den exacten Antworten sämmtlicher geprüfter Schüler. Die Anwesenden waren voll des größten Lobes über die Leistungen der Schüler im Wechsel- und Handelsrecht, Buchhaltung, Correspondenz. Eomptoirarbeiten, Geographie und Waarenkunde. Nicht minder gefielen die von den Schülern ausgestellten kalligraphischen Arbeiten. Man sah es den sicheren und treffenden Antworten der Schüler an, daß der Director und die Lehrer der Anstalt sich redlich Mühe gegeben haben, diese jungen Leute zu einem intelligenten und tüchtig ausgebildeten kaufmännischen Nachwuchs heranzubilden. Viele Zöglinge des Directors Herrn S. Weinberg, der früher durch 8 Jahre Leiter an der Gotthelf'schen Handelsschule war, bekleiden jetzt gut dotirte Posten als Buchhalter in den ersten Wiener Häusern und haben auch die diesjährigen Absolventen bereits gute Comptoiristenstellen zugesichert erhalten. Die Einschreibungen in dieses Institut fürs Jahr 1900/1901 beginnen am 14. August und dauern bis zum 30. August a. c; der Unterricht beginnt am 1. September a. c. und dauert bis zum 15. Juli a. t. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Der Schullehrer schien von dem in W. herrschenden Mangel nicht sehr erbaut. Er war hungrig und beoauerte es lebhaft, einen tüchtigen Schinken, das Geschenk eines Bauern — in Puntowitz gelassen zu haben, doch trösteten ihn einige der Umstehenden teilnahmsvoll und versicherten ihn, der Wirth „zum gelben Kanarienvogel" hätte sehr erfolgvoll, wenn auch nicht sehr appetitlich einen Schinken unter dem Mistberg seines Hauses, vor den spionirenden Russen zu verbergen und zu bergen gewußt und werde daher seinen Hunger stillen können. Die Unterhaltung am Marktplatze wurde bald eine allgemeine; man bestürmte den Puntowitzer Schullehrer mit Fragen (darunter auch sehr dumme); und sprach seine Meinung über das zu erwartende Resultat der Schlacht, — meistens in pessemistischem Sinne ans. Endlich gingen die Leute auseinander, um nach ihrem Hause, ihrer Familie zu sehen. Sara wandte ihre Schritt; nach der Judengasse in den Laden zu Reb Towije Szocher'), um sich Oel für den Jahrzeitstiegel zu verschaffen, und Reb Oscher begleitete sie. „Um wie viel Uhr wird heute Mariw beginnen?" frug ihn Sara. „Abends beginnt der Todesjahrestag meines Vaters, sichrono liwrocho, da er keinen Sohn hinterließ, der ihm Kadisch nachsagt, komm wenigstens ich in die Weiberschul." Reb Oscher schob die Achsel in die Höhe. ') Händler, im engeren Sinne, Gewürzkrämer. „Heute, meine liebe Mamsell Sara, wird es schwer sein, Mii.jam zu bekommen, die me»sten Leute aus der Khille -) sind plete* 3) gelaufen. Ich werd' heut die Schul gar nit aufsperren." Sara betrat errö.hend und erblass nd den kleinen Laden von Reb Towije Szocher, einem alten Manne, der zu den Wenigen zählte, welche nicht die Flucht ergriffen hatten, »veil, wie er nnt Recht behauptete, Gott boruch hu. den Mensche» überall in seinen allinächtigen Schutze nehmen könne. Sie »volle Oel für den Jahrzeitstiegel ihres Vaters kaufen, lispelte sie fast unhörbar, aber sie habe in dem Augenblicke kein Geld, hoffe aber . . . Reb Towije ließ sie nicht zu Ende sprechen, und sagte mit einem milden Lächeln: „Nix fofdje4), darüber brauchen Sie sich keine grauen Haare »vachsen zu lassen, es wäre schade um ihr schön s, schwarzes Haar unbeschrien! Uebrigens sollten nicht nur Sie, sondern jeder iu der Khille, Reb Aron Brack's Jahrzeit halten, er war nicht nur Ihr Vater, er war auch der Vater der ganzen Khille. * * * Das Menscheriherz ist in seinen Wünschen und bezüglich der Befriedigung derselben vollständig unergründlich. Zuweilen unersättlich — zuweilen bis zur Unbegreiflichkeit begnüglich! — Sara fühlte sich einen Moment so befriedigt, daß sie sich — allerdings nur einen kleinen Zeittheil — glücklich fühlte. Der Mensch, auch der geisteskrästigste, mußte doch zuweilen die Oberhoheit des Körpers anerkennen. Sara, die gefürchtet hatte, längere Zeit, vielleicht lange Zeit ohne Speise bleiben zu müssen, hatte die Hoffnung, sich, wenn auch nur mit einem Stück Ochsenfuß sättigen zu können — und — das war das wichtigere — sie konnte das Jahreslicht um ihren todten Vater und Verlobten anzünden! Das erfrischte ihre Seele! * * * Die Einwohnerschaft W.'s verlebte Montag den ganzen Tag in furchtbarer Aufregung. Nachmittags waren Flüchtlinge aus den Dörfern Telnitz, Sokolnitz, Pratzen angelangt. Sie erzählten von den erbitterten mörderischen Kämpfen, die zwischen den beiden Armeen mit außerordentlicher Heftigkeit und Zähigkeit geführt »vürden, daß das Blut in Strömen floß und das Schlachtfeld mit Todten, Sterbenden und Verwundeten, Franzosen, Russen, Oesterreichern besäet wäre. Die unerfahrenen, ungebildeten, auch vom Schrecken betäubten Menschen waren selbstredend vollständig außer Lage, sich irgend ein Urtheil über den Ausgang der Schlacht zu bilden, und die Angaben der Einzelnen »varen je nach dem Orten, von dem sie anlangten, und je nach der Zeit, zu welcher sie das Schlachtfeld verlassen, verschieden, nur so viel schien aus den verwirrten und verwirrenden Berichten hervorzugehen, daß der Kampf bis eine Stunde vor Mittag unentschieden hin- und hergewogt, Freund und Feind Vortheile erlangt, Punkte genommen und wieder verloren hatten. Ohne Zlveifel war es, daß die österreichische Reiterei namhafte Erfolge errungen hatte — aber am Abende langte ein österreichischer Militärarzt mit der Nachricht an, die Schlacht hätte, trotz der Tapferkeit, mit welcher Russen und Oesterreicher gekämpft, trotz vieler Bortheile, welche die Verbündeten an vielen Punkten gewonnen, trotzdem der russische General Milodrowitsch mit dem höchsten Heldeumuthe. mit einer die Bewunderung des Feindes erregenden Tollkühnheit am Schlachtfelde herumgeritten, um die Schwankenden zu erhalten, die Flüchtigen zu ihren Fahnen zurückzuführen, trotzdem der österreichische Feldmarschall-Lieutenant Fürst Johann Lichtenstein mit seinen Reitern das Außerordentlichste geleistet, doch zu Ungunsten der verbündeten Armee geendet, welche mit großem Verluste aufs Haupt geschlagen, sich in vollem Rückzuge befände; und daß bei der Flucht über die Eisdecke des F'uffes viele Russen eingebrochen und den Tod in den Wellen gefunven. Sara Brack hatte bei Einbruch der Nacht das Jahreszeitslämpchen angezündet, und mit dem Momente trat die Erinnerung an die Ereignisse, die sich vor sieben Jahren zugetragen, in so übermächtiger Weise in den Vordergrund ihrer Seele, daß alles Andere dadurch zurückgedrängt wurde. -) Gemeinde. 3) Fort. ') Daran liegt nichts.

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