Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 29 (20.7.1900)
- Date
- 1900-07-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 29 Dr. Bloch e Wochenschrift. Seite 539 zur Ruhe gemahnt und es verhindert habe, daß die Verirrung der Volksmassen größere Dimension e n a n n e h m e. Es freut mich sehr, daß die Herren erschienen sind, und ich erwidere die schöne Ansprache des geehrten Redners mit patriotischen und religiösen Empfindungeil. Ziehen sie doch auch Ihre Begeisterung aus einer Religion, die die Grundlage unseres Glaubens ist. Aus einer Quelle schöpfen wir und einem Ziele streben wir zu: Das ist unser Aller Sehnsucht zu Gott. Die Verherrlichung Gottes bleibt unser gemeinsames Streben, diese äußert sich aber zu allererst und hauptsächlich in der reinen gegenseitigen Liebe und Werths ch ä tz u n g. Und wenn in dieser Beziehung gewisse V o ru r t h e i l e noch wahrnehmbar sind, so bestreben Sie sich doch nur weiter bei treuem Fe st halten an der eigenen Religion, die Sache des ungarischen Nationalstaates mit allen Kräften zn fördern. Erziehen Sie Ihre Söhne in diesem Geiste, und das friedliche Einvernehmen wird sich auch dadurch besser ge st alten, was ich vom Herzen wünsche und hoffe. Ich danke Ihnen nochmals, geehrte Mitbürger, für Ihr freundliches Erscheinen.'' Semlin. Ihr geschätztes Blatt vom 29. Juni l. I. brachte eine Notiz über die hochherzige Spende des hiesigen Bürgers und Bäckermeisters, des Herrn Johann D a s ch n e r, zu Gunsten der unglücklichen isr. Emigranten aus Rumänien. Wir sind nun in der Lage, Ihnen zu berichten, daß Herr Johann D a s ch n e r wieder einen Beweis seines unendlich edlen Herzens geliefert hat. Am 29. v. M. bestellte die israelitische Cultusgemeinde zu Semlin bei Herrn D a s ch n e r Brod zur Bertheilung an die armen israelitischen Auswanderer um den Betrag von 15 K 40 h und auch diesmal wollte Herr D a s ch n e r die Bezahlung für das gelieferte Brod nicht annehmen, trotzdem die Borstehung ihn versicherte, daß die genannte Summe bereits von der Gemeindecassa als Ausgabe auf das Armen-Conto gebucht wurde Indem wir nun einer löblichen Redaction den obgenannten Betrag per Postanweisung überschickeu, ersuchen wir Sie höflichst, die 15 K 40 d der Israelitischen Allianz zu Wien, als Spende des Herrn Johann Daschner aus Semlin, für die israelitischen Emigranten aus Rumänien übergeben zu wollen. Semlin, 15. Juli 1900. H. Friedman, Vicepräses, Bern. Kohn, Notar. Essegg Eine erhebende Feier?fand am verflossenen Samstag im Effegg-Oberstädter israelitischen Tempel statt. Die israelitischen Mittelschüler hatten sich unter Führung des Professors H e u m e r und der Religionslehrer versammelt, wo auch der Gesammtvorstand und ein großes Publicum erschienen war, um dem feierlichen Schulschluß-Gottesdienste anzuwohnen. Der im Oberrabbinate stellvertretende Rabbiner Herr Dr. Markus Ehrenpreis aus Djakovar, beziehungsweise Landesrabbiner von Bulgarien, hielt bei diesem Anlasse eine ebenso ideenreiche wie actuelle Gelegenheitsrede, welche mächtigen Eindruck machte. Hernach verrichtete er in kroatischer Sprache das Gebet für den Landesvater« Zum Schluß begaben sich die Versammelten in den prächtig decorirten Berathungssaal der Cultusgemeinde, wo Vorsteher Dr. Hugo Spitzer an die Schuljugend eine schwungvolle patriotische Ansprache richtete und sie an ihre Pflichten als Juden wirkungsvoll erinnerte. Schließlich wurden vierzig werthvolle Prämien an die besten Studenten vertheilt und die schöne Feier nahm mit dem Absingen der vom Cantor K i s ch i tz k y trefflich einstudirten und dirigirten Gesänge ein harmonisches Ende. Effegg. Es darf als erfreuliche Thatsache gelten, daß die Judenschaft Croatiens und Slavoniens endlich nach langer Frist zum intensiveren Bewußtsein ihrer noch zu erfüllenden Aufgaben und ihrer wahren Jntereffen gelangt ist. In Bezug auf die Pflege des Judenthumes und der Vermittlung jüdischer Kenntnisse geschah hier seit Menschengedenken so gut wie Nichts. Daher mag es auch kommen, daß dem Boden dieser Länder keine einzige jüdische Autorität — auf religiösem Gebiete nämlich — entsprossen ist. Die Juden dieser Länder kamen auch mit Recht in den Ruf religiöser Gleichgiltigkeit und craffer Unwissenheit. Nun aber macht sich auch hierzulande eine dem Judenthume günstigere Strömung fühlbar. Nicht nur in Agram sondern auch in Eisegg bestreben sich die leitenden Factoren im Gemeindeleben, die Heranwachsende Jugend mit jenem Maße religiösen Wissens auszurüsten, ohne welches ein modern gebildeter Jude nicht bleiben soll und bleiben darf. Der thatkrästigen Initiative des Cultusvorstehers Herrn Dr. Hugo Spitzer ist es hauptsächlich zu verdanken, daß hier bereits der Bau einer jüdischen Schule in Angriff genommett wurde, deren Aufgabe es sein wird, die israelitischen Jugend im modernen aber gleichzeitig auch im jüdischen Sinne entsprechend vorzubilden. Welch großen Beifall das Projekt gefunden, erhellt schon aus dem Umstande, daß der Gemeinderath der königlichen Freistadt Effegg kostenlos einen prachtvollen Baugrund zu diesem Zwecke schenkte. ferner daß sowohl die hiesigen Mitglieder der Gemeinde, als auch die in der Ferne weilenden einstigen Frequentanten der alten israelitischen Schule mit rührender Opferwilligkeit ihre Spenden dem Cultusvorstande übermittelten. Doch sind die Baukosten sehr groß und das voraussichtliche Erforderniß für die Neueinrichtung dieser Schule ein ziemlich bedeutendes. — Möge diese Nachricht zu den Ohren aller einstigen Effegger dringen und dem ebenso schönen wie wichtigen und nothwendigen Werke zahlreiche Freunde und Förderer erwerben. N. Sch. Berlin. (Zur Ko ni tz er Aff a ir e.) Gegen die clericale „Germania", welche sich an der antisemitischen Hetze aus Anlaß des Konitzer Mordes eifrig betheiligle und namentlich immer wieder behauptet hatte, die Justizbehörden thäten den Juden zuliebe nicht ihre Pflicht, ist wegen zweier Artikel über den Konitzer Mord seitens des Ober-Staatsanwalts Wulfs in Marienwerder ein Strafantrag gestellt worden. Der Berliner „Montags- Zeitung" wird aus Könitz gemeldet: Gegen die antisemitische Berliner „Staatsbürger-Zeitung" und ihre Mitarbeiter ist ein Strafverfahren wegen Aufreizung zum Classenhaffe eingeleitet worden, nachdem zahlreiche Juden sich mit einer Beschwerde an den Minister des Innern gewendet haben. Die kürzlich in der Redaction der „Staatsbürger-Zeitung" von der politischen Polizei vorgenommene Hausdurchsuchung steht damit im Zusammenhänge. In Anklazezustand sollen versetzt werden der Verleger Wilhelm Brüh n und der Bürgermeister a. D. Zimmer, von denen die für aufreizend erachteten Artikel geschrieben worden sind. Vermischtes. Wien. (B e r l o b u n g.) Fräulein Irene I e i t e l e s, Tochter des Herrn Jacob Jeiteles, hat sich mit Herrn Isidor Elias, in Firma S. Elias, verlobt. Wien. (Kaiser!. Rath W i l h e l m A n n i n g e r.) Bekanntlich wurde in der letzten Generalversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" Herr kais. Rath Wilhelm A n n i n g e r für seine großen Verdienste, die er sich um den Verein, ganz besonders aber um den bedrängten und bedrückten Theil der österreichischen Judenschaft durch seine stete Hilfsbereitschaft erworben, einhellig zum Ehrenmitgliede ernannt. Dieser Tage wurde nun Herrn kais. Rath Wilhem A nn i n g e r das in reicher künstlerischer Weise von dem akademischen Maler David Marcus ausgesührte Ehrendiplom überreicht, welches diese Verdienste besonders hervorhebt. Kais. Rath Wilhelm Ann in ge r dankte in bewegten Worten für die sichtbare Anerkennung einer Thätigkeit, der er sich gewidmet habe, weil er damit einem Zuge seines Hrrzens gefolgt ist. „Diese Beglaubigung" — so sagte er — „daß er sich ganz und voll unserer bedrängten Glaubensgenossen angenommen habe, soll für alle Zeiten in seinem Pcivatbureau für Alle sichtbaren Platz finden und Jedermann gegenüber documentiren, daß er sich dieser Anerkennung rückhaltslos freue". Mögen unsere jüdischen Banquiers, Großindustrielle und Gcoßkaufleute in dieser Erklärung eines braven Mannes von lauterem Charakter ein nachahmenswrrthes Beispiel finden, daß es in diesen ernsten Zeiten Pflicht ist, für seinen Glauben hrrvorzutreten — daß man nicht verschämt sich zu verbergen hat und, wie Viele besorgen, sich zu „exponiren", wenn sie für ihren Glauben, wenn sie für bedrängte Glaubensgenoffen laut und verständlich eintre^en sollen. Symptomatisch hat die Anbringung dieses Ehrendiplomes im Privatbureau eines hervorragenden Kaufmannes auch für die einstigen Nachfolger desselben eine gewisse Bedeutung. Vielleicht erinnern sie sich, wie der Begründer des Hauses gedacht, gefühlt und gehandelt hat, vielleicht wird der Geist des guten Herzens in der Glaubenstreue eine Ueberlieferung finden, der man auch in späteren Geschlechtern treu bleibt: In Ehrung Desjenigen, der die festen Fundamente dem Hause gelegt, der in seiner geschäftlichen und erfolgreichen Thätigkeit niemals seiner ethischen Aufgabe und seiner menschlichen Pflicht vergeffen hat. Wien. (M ä d ch e n - U n te r st ütz un g s v er e in.) An den Privatschulen dieses humanitären Vereines hat das Schuljahr am 14. d. geschlossen. Die Arbeitsschule war in ihren Abtheilungen für Weiß- und Maschinnähen, Kleidermachen und Weiß- und Kunststicken von 137, die Fortbildungsschule von 59, der Handels-Lehrcurs von 49 Schülerinnen besucht Ter Unterricht wird in allen Abtheilungen unentgeltlich ertheilt. Die llnterrichtsergebnisse waren durchwegs sehr günstige zu nennen, und die im Vorjahre absolvirten Zöglinge des Handelscurses und der Arbeitsschulen haben, zum überwiegend größten