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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-07-20 · 29 (20.7.1900) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
29 (20.7.1900)
Date
1900-07-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 536 Vr» Blvrtx's Wochenfchrifl, >^tr. 39 sichtigt gewesen sein mag. „Gehen Sie nach Galizien", ist leichter gesagt als gethan. Hat der betreffende Richter auch bedacht, woher der das tiefste Mitleid wachrufende Krüppel die großen Baarmittel für die Reise in die Heimat aufbringen soll. Abgesehen davon, daß es für diesen Krüppel in Menschengestalt, oder für diesen Menschen in Krüppelgestalt das schrecklichste Los wäre, in seine Heimat abgeschoben zu werden, die er zweifelsohne nie verlassen haben würde, wenn es möglich gewesen märe, des Lebens Nothdurft daheim zu fristen. Wie sehr die herrschende Partei geneigt ist, aus einer wahrscheinlich als harmlos gemeinten ex abrupto geschehenen Bemerkung eines Richters Capital zu schlagen und ihren verwerflichen Zwecken nutzbar zu machen, zeigt der dumme August der antisemitischen Journalistik, die „Deutsche Zeitung", die den Bericht über die erwähnte Gerichtsverhandlung unter der Spitzmarke „Sehr richtig" bringt. Lapienti sat. E. B. Correspondenzen. Aus der Plenar-Sitzung des Cuttusvorstandes vom 12. Juli 1900, unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn kais. Rath Klinger. Vor Ucbergang zur Tagesordnung widmet der Präsident dem jüngst verstorbenen einstigen Borstandsmitgliede und ehemaligen Vicepräsidenten der Cultusgemeinde Herren Jacob Brandeis einen warmen Nachruf. Der Präsident gedenkt der mustergiltigen Thätigkeit des Verewigten im Vorstande, dem er durch mehr als drei Jahrzehnte angehörte, wie auch im Bethausvorstande, in welchem er länger als ein halbes Jahrhundert schaffensfreudig wirkte, hebt die seltene Pflichttreue des Verblichenen in diesen Stellungen, sowie in seiner Eigenschaft als Leiter mehrerer Humanitätsvereine, insbesondere der Chevra Kadischa hervor, betont seine ausgezeichneten Herzenseigenschasten, sein conciliantes Wesen und schließt mit den Worten, daß sich Jacob Brandeis durch sein öffentliches Wirken ein dauerndes Andenken in der Gemeinde gesichert habe. Die Versammlung, welche den Nachruf stehend anhörte, stimmt zu,I daß diese Trauerkuudgebung dem Protokolle einverleibt werde. Kaiser!. Rath Hirsch referirt namens der IV. Section über die Verwendung des der Cultusgemeinde zur freien Verfügung vermachten Legates der verewigten Baronin Hirsch, welches nach Abzug der sowohl für Oesterreich, als auch für Frankreich zu bezahlenden nahmhaften Erbschaftssteuer nunmehr an der Caffa erlegt wurde. Angesichts des Umstandes, daß die für den Bau des Siechenhauses eingeleiteten Sammlungen bisher die erforderliche Bausumme lange nicht erreichen, beantragt die Finanzsection, dieses Legat diesem dringlichen Zwecke znzuweuden, wobei jedoch allerdings darauf hingewiesen werden muß, daß auch damit die Bausumme nicht gedeckt erscheine und die Erwartung ausgesprochen wird, daß jene Gemeindemitglieder, welche sich bisher an den Sammlungen nicht betheiligt haben, zur Errichtung und Erhaltung dieser unabweislich nothwendig gewordenen Institution freiwillige Beiträge leisten werden. Sohin wird die von der Finanzsection beantragte Verwendung des Legates genehmigt. Vertreter Baurath Stiaßny berichtet über die nothwendige Vornahme von Adaptirungen im Spitale der israelitischen Cultusgemeinde. Hierzu gehören in erster Linie die Herstellung einer Centralheizung für sämmtliche Krankenzinlmer, Corridore, Stiegenhäuser, Closcts und Badezimmer und im Zusammenhänge damit Ergänzungen an den Lüftungsvorrichtungen. Ferner die Umgestaltung der Warmwafferanlage, der Nutzwasserleitung, endlich Ersatz der bisherigen Dampsküche durch eine neuanzulegende Gasküche. An diese Arbeiten schließen sich andere bauliche Herstellungen an, welche vorgenommen werden müffen, um die Einrichtungen des alten Spitales mit jenen des neuen Spitalspavillons, welcher einer hochherzigen Widmung der Barone Rothschild sein Entstehen verdankt, glcichwerthig zu machen. Hierzu zählen: die Herstellung von Personen- und Lastenaufzügen und der Ersatz der Gasbeleuchtung durch eine solche mit elektrischem Lichte in allen Räumen. Im Anschlüsse hieran stehen Bauausführungen, welche über bereits ertheilten oder demnächst zu ertheilenden Auftrag der Behörde nothwendig werden, ferner Arbeiten, deren Herstellung aus Rücksichten der Salubrität und Hygiene dringend geboten erscheint. Der als Experte anwesende Primarius des Spitales Regierungsrath Professor Dr. O s e r setzt in überzeugender Weise die Nothwendigkeit der im Vorstehenden angeregten Adaptirungen auseinander. Nach einer diesbetreffend durchgeführten eingehenden Debatte, an welcher sich der Vorsitzende, sowie der Vice-Präsident Dr. Kohn und die Herren Vorstandsmitglieder Regierungsrath Dr. S t e g e r, Baurath von Goldschmied, Dr. Adolf Stein, Dr. Spitzer und Dr. G r ü n f e l d betheiligen, wird das vorgelegte Bauprogramm einhellig genehmigt und beschlossen, daß die Detailprojecte einzelweise unter Vorlage der Pläne und der Detail-Kostenvorauschläge der Hl. Section und dem Plenum, in dringenden Fällen dem Vertreter-Ce llegium vorzulegen sind und die Durchführung der Arbeiten im Wege von Offertverhandlungen zu erfolgen habe. Die nachfolgend verzeichneten Stiftungen gelangen im Sinne der Sectionsanträge zur Verleihung. Die Marie D a s s i n g e r'sche Armenstiftung im Zinsenbetrage von zusammen X 168 — an 4 Arme. Die Sigmund Edle von W e r t h e i m st e i n'sche Verwandten-Stistung im Zinsenbetrage von X 520 — an 6 Personen. Die Elise Her z'sche Ausstattungs - Stiftung im Betrage von X 840 — an eine arme Braut. Die Rosa Adler-Alschech -Stiftung per X 30.— an eine arme Witwe. Die Jacob, Josef und Fanny Schnabel'sche Wohlthätigkeits - Stiftung im Betrage von X 420'— an 25 Personen. Die Nathan und Jda F i g d o r'sche Widmung per X 16'— an eine Wöchnerin. Die Dr. Emanuel B u n z l'sche Stiftung im Betrage von je X 30'- an 5 blinde Personen. Die Benedict K a r p l u s'sche Stiftung per X 100'— an zwei würdige Gewerbeschüler. Die Albert G a n s l'sche Wohlthätigkeits - Stiftung im Betrage von zusammen X 256'— an 15 Petenten. Die Clara K a h a n e'sche Äusstattungs-Stiftung an drei arme Bräute und zwar an zwei im Betrage von je X 420'— und an eine im Betrage von X 410'— Die Hermann Todesc o'sche Stiftung an drei Waisen mit dem Betrage von je X 500'— und an fünf Waisen mit dem Betrage von je X 400'— Die L. G. G o l d st e i n'sche Ausstattungs - Stiftung im Betrage von X 280'— an eine arme Braut. Nach Erledigung mehrerer Personalien wird die Sitzung um 8 Uhr Abends geschlossen. Wien. (Jacob Brandeis.) Mittwoch den 11. d. M. fand unter zahlreicher Betheiligung der besten Kreise der Residenz die Beerdigungsfeierlichkeit des verstorbenen Jacob Brandeis statt. Der Heimgegangene, geboren am 18. April 1812 zu Fürth in Baiern, weilte in unserer Stadt seit 1830. Im Jahre 1834 verheiratete er sich mit Regina Weikersheim, gründete nacheinander den „Oest. Lloyd", die Escomptebank, Riunione Adriatica di Sicurtä in Triest. Im Jahre 1877, nach dem Ableben seines Bruders, zog er sich von den Geschäften zurück und war eine Zeit lang, wie wir bereits berichtet haben, Vice-Präses der Cultusgemeinde, Präsident der Chewra-Kadrscha, Ehrenpräsident des Bethausvereines, Ehrenpräsident des israelitischen Handwerkervereines, Ehrenpräsident des Theresien-Kreuzervereines. Eine überaus zahlreiche Trauerversammluug füllte den Ceremoniensaal des Centralfriedhofes. Bon der Familie des Verblichenen waren anwesend die beiden Söhne, Albert und Ludwig B r a n d e i s, die beiden Töchter Frau Julie Goldschmidt und Frau Clara von Bosch an und andere Verwandte, ferner bemerkten wir den Präsidenten der Cultusgemeinde, Herrn kais. Rath Heinrich Klinger, mit sämmtlichen Vorstandsmitgliedern, die Beamten der Cultusgemeinde unter Führung des ersten Secretärs, kais. Rath Dr. Lieben, die Vorsteher und Vectreter der verschiedenen Vereine und Institute, denen der Verblichene angehört hat, rc. Unter lautloser Stille stimmte Obercantor Singer, affistirt von den beiden ersten Cantoren Schiller und Blatt und dem vereinigten Tempelchore, die mächtig wirkenden und tief ergreifenden Trauerpsalmen an, und hierauf trat Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n an die Bahre und entwarf mit bewegten Worten ein treffendes Bild von dem Leben und Wirken des Verblichenen, der in Hochhaltung und Ausübung der von seinen Vorfahren übernommenen Traditionen viel Edles und Gutes gewirkt und geschaffen hat.

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