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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-07-13 · 28 (13.7.1900) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
28 (13.7.1900)
Date
1900-07-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 835 Nr. 38 A. R e d l i ch Kr. 4. — I. R e d l i ch und Sohn Kr. 10. — Anonym Kr. 10. — B. Rosenberger Kr. l.-H.Rosenz w e r g Kr. 1. — S. Rosenzweig Kr. 2. — Schwarz Kr. 1. — Schwarz Kr. 1. — Singer Kr. 2. — H. S P i e l m a n n Kr. 5. — D. Spitz Kr. 4. — E. Spitz Kr. 1. — S. Spitz Kr. 4. — Stark Kr. 2. — W. Steiner Kr. 2. — A. W a ch s m a n n Kr. 1. — E. W e i g l Kr. 2. — M. W e i g l Kr. 1. — Th. W e i g l Kr. 1. — I. W e i tz m a n n Kr. 2. — W e s s e l i Kr. 10. — H. W l c s e k Kr. 2. — Summe: 143 40 Kronen. Lemberg. (Ablehnung einer Spende.) Dem Krakauer „Naprzod" zufolge hat der Lemberger Cultus-Präfident Reichsraths-Abgeordneter Dr. Byk das Anerbieten des Lemberger Advocaten Dr. Schaff, für die Vergrößerung des Waisenhauses in Lemberg 100.000 Kronen zu spenden, mit der Begründung abgelehnt, daß es die finanziellen Verhältnisse der Cultusgemeinde nicht gestatten, sich der an d.e Vergrößerung der Anstalt sich knüpfenden Erhöhung der Verwaltungskosten zu unterziehen. Brzesko in Galizien. Zu Gunsten der armen Auswanderer aus Rumänien haben unser Herr Bürgermeister und Se. Ehrwürden der Herr Rabbiner Lipschitz eine Sammlung veranstaltet. Das Ergebniß mit dem Beirage von K 175.— wurde der „Israelitischen Allianz" in Wien direct zugemittelt. Dag-Ujhely. Am 34. Juli (27. Thamus) feiert Herr Benjamin Stern rm engsten Familienkreise seinen d0. Geburtstag. Er ist eines der geschätzten Mitglieder unserer Cultusgemeinde und hat im Vorstande der Chewra Kadischa an der Sette des seligen Jakob Spitzer, des Vaters des Wiener Cultusvorstandes, Herrn Doctvr Markus Spitzer, viele Jahre hindurch und auch in der Spitalsverwaltung segensreich gewirkt. Für die vielen Armen und Hilfsbedürftigen des Ortes war er Zeit seines Lebens im wahrsten Sinne des Wortes eine Zuflucht. In seinem Hause war ein beständiges Kommen und Gehen von Hilfesuchenden, und nie versagte er. Im Jahre 1866 wüthete die Cyolera in unserem Orte. Alles war von Furcht gepackt, die Krankenwärter versagten. Nur Benjamin Stern blieb nicht ferne, der Mann mit dem weichen und doch so tapferen großen Herzen. Er stand am Bette des Sterbenden, tröstend, pflegend, betend und helfend. Ihm gleich an Frömmigkeit und Tugend war seine' vor 10 Jahren verstorbene Gattin, Netty Stern, beide die schönsten Seiten des Judenthumes verkörpernd. Seine Söhne sind: Dr. M. L. S t e r n, Rabbiner in Triesch; Dr. Simon Stern, Rabbiner in Saaz; Herr Adolf Stern, Tuchhändler in Wien. Herr Benjamin Stern feierte seinen 80. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische im nahen Verbo bei seiner Tochter, Frau Rosa Eisler, die ihm in seinem gesegneten Greisenalter die zärtlichste Pflege angedeihen läßt. Kopreinitz (Croatien). Der Gemeindevorstand hat über Antrag fernes Präsidenten, des Herrn Jacques H r r s ch l e r beschlossen, zum Andenken des 70. Gelurtstages Sr. Majestät einen Fond aus Gemeindemitteln von K 1000.— unter dem Namen „Franz Josef-Stipendien-Stiftung" zu creiren, dessen Zinsen alljährlich einem armen verwaisten Kinde der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde als Studienbeitrag verliehen werden. Ferner soll am 18. Augusts der usuelle Festgottesdienst in besonders solenner Weise gefeiert werden. 8. Parasit», Serbien. (Spenden.) Die für jüdischrumänische Auswanderer von mir eingeletteten Sammlung von Spenden unter den Beamten der Paraöiner Tuchfabrik ergab eine Summe von 50 Dinars, welchen Betrag ich der geehrten Redaction übergebe, um denselben der Hilfsaction zuzuwenden. H e i n r i ch M e tz l, Fabriksbeamter. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Trotzdem Sara außerordentlich abgeschieden lebte, mit Niemandem verkehrte, hatte ihre Abgeschiedenheit ihr doch nicht jene Bitternisse erspart, welche ein junges, reines, alleinstehendes, schutzloses Mädchen am schmerzlichsten demüthigen. All das Leid, das Sara erfahren, nicht die Oede und Freudelosigkeit ihres Daseins, nicht die quälenden gemeinen Sorgen des Mltagsleben, hatten den Liebreiz ihrer äußeren Erscheinung zu vermindern vermocht, die wunderbar reizende Knospe war zu einer Blume von unvergleichlicher Schönheit aufgeblüht, und ihr stilles, bescheidenes Wesen, ihre Schutzlosigkeit, die jeden rühren hätte sollen, hatte doch manchen Wüstling nicht abgeschreckt, sich ihr in frecher, unverschämter Art zu nähern, und waren ihr auch in dieser Weise viele schmerzliche Momente bereitet worden. Die nun schon sieben Jahre lang währende traurige Lage des Mädchens hatte sich in der letzten Zeit noch verschlimmert. Wie wir schon erwähnt, hatten sich die allgemeinen Verhältnisse in Folge der Kriegsereignisse in furchtbarster Weise verschlechtert. Die Erwerbsquellen versiegten, die Preise der Lebensmittel, des Brennmaterials und anderer zum Leben unentbehrlicher Bedürfnisse erreichten eine unerschwingliche Höhe. Bon allen diesen Calamitäten war der jüdische Theil der Bevölkerung am härtesten getroffen worden. Bon dem Beamten-, dem Lehr- und Handwerkerstande, theils durch Willkür ausgeschlossen, waren die Juden lediglich auf den Handelsbetrieb angewiesen. Dieser aber war vollständig vernichtet. Die Ausstände der Kauf- und Handelsleute waren uneinbringlich, und daher vollkommen, die Waaren, weil vorläufig unverkäuflich, nahezu werthlos geworden, und die jüdische Bevölkerung in Mähren verarmte mit furchtbarer Raschheit. Sara war mit ihrem Erwerbe zumeist denn doch auf die Erzeugung von Luxusgegenständen angewiesen. Aber in so erschrecklich harter Zeit fiel es wohl Niemandem ein, ein Synagogenparament zu widmen, sich kostbare Stickereien anfertigen zu lassen und seit den letzten Wochen, wo W. abwechselnd von Russen, Oesterreichern und Franzosen besetzt gewesen, war das Städtchen von der ganzen andern Welt abgeschlossen. Am 2. December 1805. der auf einen Montag fiel, hatte sich Sara's Zustand bis zu voller Unertragbarkeit verschlimmert. Tags zuvor waren wieder die Russen, dem Feind entgegen, durchmarschirt. In der festen Ueberzeugung, die Franzosen, deren Zahl sie unterschätzten, und deren meisterhaft angelegten Plan sie verkannten, zu besiegen und zu vernichten, waren sie von einem schrankenlosen Uebermuthe und von grenzenloser Ausgelassenheit, und kein jüngeres' weibliches West« konnte sich ungefährdet auf der Straße blicken lassen. Sara hatte die Fenster ihres Häuschens verhängt, die .Hausthür verschlossen, um demselben das Aussehen des Unbewohntseins zu verleihen. Sie hatte es nicht gewagt, ihr Kämmerchen zu verlassen und hatte so den ganzen Tag in vollster Einsamkeit und totalster Unthätigkeit (was hätte sie auch thun sollen?) in fortwährendem Schrecken (vorübergehende Soldaten hatten aus Muthwillen an Fenster und Thür geklopft) und im finstersten Hinbrüten verlebt. Als die Nacht anbrach, wagte sie nicht, Licht zu machen, ein Schimmer der hinausdtang, konnte die Anwesenheit eines menschlichen Wesens verrathen. Als die Thurmuhr acht schlug, war es Sara im Dunkeln doch gar zu bang und unheimlich geworden, sie verrichtete ihr Nachtgebet und warf sich angekleidet auf ihr Lager, aber der Schlaf floh ihre Lider. Als sie sich am Morgen, nach einer sorgenschwer und kummervoll verbrachten Nacht von ihrem Lager erhob, bemerkte sie zn ihrem Schrecken, was ihr gestern in der Aufregung entgangen war, daß sie das letzte Genießbare, das sie besessen, ein Stück Brod, verzehrt hatte — und sie besaß auch nicht einen Kreuzer, sich anderes zu kaufen. Armuth ist erträglich, ein gottvertrauendes, gläubiges Gemüth vermag ihren harten Druck zu vermindern — aber bittere Noth, der Mangel an dem Unentbehrlichsten ist entsetzlich! Es war todtenstille auf der Straße, es schien, als wenn die fremden Soldaten schon abgezogen wären. Sara wagte es trotzdem nicht an das Fenster zu treten, sie schlich langsam im Hausflur hinaus und spähte durch das Schlüsselloch des Thores — Alles war öde, menschenleer. — Sie n ußte doch den Versuch wagen, aus dem Hause zu gehen, sie mußte sich denn doch Mehreres verschaffen, Brod, oder sonst etwas Genießbares, und was ihr noch nothwendiger und wichtiger erschien. Oel. — Morgen war, nach jüdischer Zeitrechnung, der Jahrestag der furchtbarsten Ereignisse, die sie betroffen, an dem Tage war vor sieben Jahren ihr Vater ihr durch plötzlichen Tod entrissen worden, wenige Stunden darauf, in der grauenvollen Nacht, die diesem entsetzlichen Tage folgte, war ihr Pflegebruder, ihr unvergeßlicher Verlobter, bei seinem Fluchtversuche aus dem Kerker in brechendem Eise eingesunken und ertrunken. Bei den Juden wird der Vorabend zu dem nachfolgenden Tage gerechnet; und es ist ein aller, religiöser Gebrauch, daß

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