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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-07-13 · 28 (13.7.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
28 (13.7.1900)
Date
1900-07-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 622 Dr. Bloch's WochenfttzrM «r. 28 der Israelitischen Allianz haben, sich auf dem Landungsplätze eingefunden und übernehmen mit großer Opferwilligkeit die Sorge für die Auswanderer, während ihres hiesigen kurzen Aufenthaltes. Es sind neun Omnibusse bereitgestellt, welche die Frauen und Kinder in ein Nachtquartier im X. Bezirke befördern; die Männer werden in einem Hause in der Donaustadt untergebracht, das ein Menschenfreund zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt hat. Dort werden sie mit Speise und Trank bewirthet, nnd es wird vorgesorgt, daß sie bis zu ihrer Weiterreise, die Sonntag Abends erfolgte, keine Noth haben sollen. Rührend sind die Wünsche, die man mitunter von den Auswanderern hört. Ein bejahrter Mann mit sorgenvoller, bekümmerter Miene tritt aus der Reihe, schüchtern und zaghaft stellt er eine Frage; er möchte gerne erfahren, wie es seinen beiden Kindern geht, die vor ihm mit einer anderen Auswanderergruppe mitgeführt worden sind. Man fühlt es, daß noch mehr als die Sorge um seine Listen; die quälende Ungewißheit über das Schicksal seiner Kinder den Mann niederdrückt. Ein anderer fragte, ob keine Nachricht von seinen Angehörigen eingetroffen ist, die er. vorläufig schutzlos in der Heimat zurücklassen mußte. Die lange Reihe der Stellwagen fährt nun über das Pflaster, die Frauen winken noch ihren Männern Abschiedsgrüße zu; darauf marschirt soldatisch in geschlossener Reihe der Zug der Männer ihrem Quartier in der Donaustadt zu, wo sie endlich im erquickenden Schlafe ihr Leid und Elend für einige Stunden vergessen können. Prag. (Die Maturitätsprüfungen.) Gegenwärtig werden allenthalben in Oesterreich die Maturitätsprüfungen an den Staatsmittelschulen abgehalten. Nach § 14 der Verordnung des Ministers für Cultus und Unterricht vom 7. April 1899, Z. 9452 ist auch der isr. Religionsleqrer Mitglied der Prüfungscommission für die mündliche Maturitätsprüfung und soll derselbe der Prüfung der Abiturienten mosaischer Confeffion beiwohnen. Da nun auch bei den mündlichen Prüfungen bei der Prüfung mancher Gegenstände, wie Mathematik, darstellende Geometrie u. s. w. das Schreiben nicht vermieden werden kann, so folgt daraus, daß bei einer am Sabbath vorgenommenen Prüfung isr. Abiturienten der isr. Religionslehrer nicht anwesend sein kann, weil er ja durch seine Gegenwart die Uebertretung des isr. Religionsgesetzes gleichsam sanctioniren würde. Es ist selbstverständlich, daß kein isr. Religionslehrer, der wenigstens officiell das jüdische Religionsgesetz, die Würde des Judenthums und seine eigene Autorität wahren will, sich dazu unter keinen Umständen herbeilassen, sondern den Muth finden wird, dem Director oder dem Vorsitzenden der Prüfungscounniffion zu erklären, daß er am Sabbath nicht erscheinen werde. Wird dieser Vorgang ausnahmslos von allen isr. Religionslehrern beobachtet werden, so unterliegt es keinem Zweifel, daß von maßgebender Stelle die Weisung ergehen wird, daß auch da, wo in alphabetischer Ordnung geprüft wird, zur Prüfung am Sabbath nur christliche Schüler berufen werden sollen. St. Znairu. (Ein Polizei-Commissär als antisemitischer Hetzer.) Am 10. November war in Rouchowan ein großer Exceß, bei welchem von der Bewohnerschaft von Rouchowan gegen die beiden jüdischen Kausteute Samuel Hauser und Jakob Meininger Gewaltthätigkeiten verübt und diesen die Fenster eingeschlagen wurden, so daß ein verstärktes Gendarmerie-Aufgebot einschritt. Ueber diese Gewaltthätigkeiten fand am 8. Februar l. I. beim hiesigen Kreisgerichte die Verhandlung statt, bei welcher sämmtliche Angeklagte zu schweren Kerkerstrafen v rurtheilt wurden. Hiebei kam jedoch auch heraus, daß der die Function eines Polizeicommissärs bekleidende 32 Jahre alte Kaufmann Josef B e l i k nicht nur nichts zur Herstellung der Ruhe und Ordnung veranlaßte, sondern sogar nach Ankunst der Gendarmerie deren Dienst durch Einmengung erschwerte und dem Bezirkscommandanten, Gendarmeriewachtmeister Jelinek, der mit gezogenem Säbel seine Abtheilung befehligte, befahl, seinen Säbel zu versorgen und von der Mannschaft wegzugehen. Noch während die Untersuchung im Zuge war, reichte Belik beim Lanwehrgerichte in Wien eine Anzeige gegen den Wachtmeister Jelinek ein, daß ihn dieser ungerechtfertigterweise beim Bezirksgericht in Hrottowitz als einen der Anstifter und Haupträdelsführer der Rouchowaner Exceffe angezeigt habe und daß sich die Gendarmen ungerechterweise in seine Dieustverrichtungen gemengt haben, weshalb gegen ihn die Untersuchung wegen Verbrechen der öffentlichen Gewaltthätigkeit eingeleitet wurde. Die auf Grund dieser Anzeige vom Abtheilungseommandanten an Ort und Stelle eingeleiteten Erhebungen ergaben, daß die Beschuldigungen gegen den Wachtmeister grundlos waren und dessen Vorgehen in der erwähnten Affaire ganz correct gewesen ist. Es kam hervor, daß Belik chatsächlich der Anstifter der Exceffe war und als einer der ersten Antisemiten im Orte gilt. Belik hatte sich in Folge dessen kürzlich beim hiesigen Kreisgericht, und zwar wegen Verbrechen der Verleumdung und Einmengung in eine Amtshandlung zu verantworten. Josef Belik wurde sämmtlicher ihm zur Last gelegten strafbaren Handlungen schuldig erkannt und zu drei Monaten schweren, mit einem Fasttage jede Woche verschärften Kerkers verurtheilt. E. B. Roznau. Auf den vor einigen Jahren hier errichteten jüdischen Friedhof ist ein bübisches Attentat ausgeübt worden. Das Mauerwerk wurde abgeriffen, die Marmor-Metapherplatte zerbrochen, sämmtliche Fensterscheiben der Leichenhalle eingeschlagen und eine Gedenktafel zerschlagen. Der Friedhof bietet ein trauriges Bild vandalistischer Zerstörungswuth. Der hier zur Cur anwesende Herr Markus N e u m a n n aus Proßnitz, welcher sich um die Errichtung des hiesigen jüdischen Gottesackers große Verdienste erworben, hat sofort die behördliche Anzeige erstattet und eine Prämie von 100 Kronen für die Eruirung des Thäters ausgesetzt, was hier in ortsüblicher Weise mit Trommelschlag, weiters auch durch Affichirung von Placaten bekannt gegeben wurde und in der einheimischen Bevölkerung sowohl als auch unter den Curgästen das größte Aufsehen wachgerufen hat. Die gründliche Renovirung des in bestialischer Weise zerstörten jüdischen Friedhofes erweist sich aber dringend nothwendig, da die Roznau im fortgeschrittenen Grad von Lungenkrankheit Besuchenden, in der allergrößten Mehrzahl armen Curgäste, demselben leider ein namhaftes Contingent liefern und bei eintretendem Todesfall hier bestattet werden müssen. Da aber hier eine Cultusgemeinde nicht besteht, so wirft sich die Frage auf, in welcher Weise die auf mindestens 300 Gulden veranschlagten Kosten der Renovirung aufgebracht werden sollen. Es ergeht daher an alle warmfühlenden Glaubensgenossen der eindringliche Appell, nach Möglichkeit ein Scherflein zur Renovirung des von ruchloser Seite devastirten jüdischen Friedhofes in Roznau beizutragen. Anmerkung der Redaction: Zur Renovirung des von ruchloser Hand devastirten jüdischen Friedhofes in Roznau sind uns von Herrn Eduard Beer in Wien'2 Kronen zugegangen. Weitere Spenden übernimmt die Administration dieses Blattes. E.B.Brody.(Jahresbericht der israelitischen Knaben- und M äd ch en s ch u le.) Ein tief beklagenswerthes Leiden des verdienstvollen Directors der genannten Lehranstalt Herrn Dr. Leopold H e r z e l. verschuldet es, daß der Bericht über das Schuhahr 1899/1900 nicht mit der gewohnten Ausführlichkeit ausgestattet erscheint. Dessenungeachtet enthält dieser Bericht eine Fülle hochintereffanter Daten, die uns Einblick gewähren in die Administration einer musterhaft geleiteten Lehranstalt und ein lares Bild veranschaulichen von den didaktischen und pädagogischen Leistungen einer auf der Höhe der Situation stehenden jüdischen Schule. Der Schulbesuch war das ganze Jahr hindurch nicht gleich. Im ersten Semester ein regelrechter, hat er rat zweiten Halbjahre eine betrübende Störung erfahren durch die epidemisch aufgetretene Influenza, infolge dessen über 200 Frequentanten genölhigt sein werden, die Claffe zu wiederholen. Mit Befriedigung entnehmen wir weiter dem Berichte, daß die Mitalieder- Schulinspection, die Damen des Schulkinderbekleidungs-Comita, die Herren, welche die Bespeisung der Schulkinder besorgen und überwachen, ihre Pflicht mit Umsicht, Liebe und Hingebung gethan haben. Der Bericht unterläßt nicht all' den erwähnten Functionären den Dank in geziemender Weise auszudrücken, dabei der Hoffnung Raum gebend, daß dieselben auch künftighin in gleicher Weise ihre Liebe der Anstalt widmen werden. Neben den verdienstvollen Leistungen des Lehrkörpers geschieht in dem Berichte auch des an der Schule schon zwer Jahre prakticirenden Lehramtscandidaten Herrn Salo D o d e l e s in ehrender Weise Erwähnung. Der Bericht schließt mit .dem Hinweise auf das „Lebensalter- Jubiläumsjahr" des Kaisers und einer entsprechenden solennen Huldigung für den Monarchen. Die Schulinspection besorgten Herr Lazar B l o ch, Cultusvorsteher und Handelskammerrath, Advocat Dr. Bernh. Groß und Sala Oktav, Landtagsabgeordneter und Bezirksmarschall. Der Lehrkörper besteht aus 21 Personen, die Knabenschule besuchten 450, die Mädchenschule 530 Schüler. F Brody. Der Schluß des heurigen Schuljahres wurde an der hiesigen israelitischen Volksschule aus Anlaß der Vollendung des 70. Lebensjahres unseres glorreichen, allergnädigsten Kaisers Franz Josef L durch eine solenne Schulfeier verherrlicht. Am

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