Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 28 (13.7.1900)
- Date
- 1900-07-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 520 Dr» Vloch's Wochrnfchri^ Nr. 28 Bestehens nur 16.000 Mark Reingewinn jährlich erzielt, so ist das keine große erlösende That. Zwei Berliner Millionäre könnten leicht, wenn man sie zu intereffiren verstände, mehr für die Colonisatio« thun, als der ganze „Esra", und in der Kaiser Wilhelm- Gedächtnißkirche in Berlin steckt viel mehr Judengeld, als in allen colonisatorischen Actionen des „Esra". Das weiß ich alles, und ich finge nicht das Lob dieses Vereines, ab.'r es ist doch immerhin etwas geschehen. Mit jedem neuen Colonisten, der in Palästina ansäsiig gemacht wird, kommen wir einen kleinen Schritt weiter. Dann — und das ist nicht gering anzuschlagen — bringt die Thätigkeit des Vereines den deutschen Juden immermehr Berständniß für den Ackerbau und für die einzige Hilfe der Juden des Ostens bei. Dagegen ist jeder neue Schritt der Parteizionisten in Deutschland eine neue Phrase. Sprechen wir doch das Geheimniß endlich aus: Es gibt keine zionistische Bewegung in Deutschland. Es gibt hier nur einen mit Schildern und Schaufenstern geschmückten Laden ohne Waare, es gibt hier nur Generäle ohne Soldaten. Generäle? Nein, nur ausgestopfte Uniformen. Nur eine Straße hat der „@3ra" in einer palästinensischen Colonie errichtet? Ist das nicht immerhin etwas? Ist ein solches klemes Hilfswerk nicht mehr werth, als eine Bank, die die ganze Welt in Bewegung setzte, coloffale Gelder ausgab und bis heute noch nicht den Beweis lieferte, daß sie jemals eine Hütte in Palästina errichten wird? Kleine Thaten waren noch immer mehr werth, als große Worte. Gebet uns große Thaten, wir wollen auf die kleinen verzichten. Zeigt uns, daß ihr au^ dem richtigen Wege seid, etwas zu erlangen, wir wollen uns gedulden und warten. Zeiget uns den Pfad zu gesunden Reformen auf socialem und culturellem Gebiete, wir wollen euere Errungenschaften mit heißem Danke anerkennen. Solange ihr es nicht gethan, habt ihr kein Recht, das kleine mühsame Werk zu verhöhnen oder gar zu zerstören. Der Zionismus klagt über seine Gegner. Von dem Momente ab, wo er gezeigt haben wird, daß er den starken Willen und auch die Kraft hat, das große Ziel zu erreichen, wird es in den Reihen der ehrlich denkenden Juden wenigstens keinen Gegner dieser Bewegung geben. Zwinget — wie jede große Bewegung — die Welt zur Anerkennung euerer Bestrebungen, aberdurch Thaten und nicht durch Worte. Bei dieser Gelegenheit theilen wir noch mit, daß im Verlaufe der vorigen Woche seitens der „Israelitischen Allianz" circa 1300 Auswanderer von Wien nach den Hafenorten befördert wurden, und daß der weitaus größte Theil der Leute, darunter Gruppen von 200 — 300 Personen, während ihres Aufenthaltes hier von der „Israelitischen Allianz" beherbergt, verköstigt und mit Reisemitteln versehen wurden. lieber 300 Emigranten wurden von der „Israelitischen Allianz" direct aus ihrer Heimat in Rumänien nach den überseeischen Ländergebieten befördert. Wir erachten es nach all dem für das einzig Zweckentsprechende, daß die Hilfsaction zu Gunsten der Auswanderer, anstatt sie in einzelne kleine Theilchen zu zersplittern, in der bewährten Hand der „Israelitischen Allianz" und ihrer wohlverdienten Führer concentrirt bleibe. Wien. (Vorsteher Jacob Brandeis.) Die Wiener israelitische Cultusgemeinde betrauert den Heimgang eines seiner ehrwürdigsten Mitglieder, des vieljährigen Präsidenten und Ehrenmitgliedes der Chewra Kadischa und des Bethausvorstandes Jacob Brandeis. Seit seiner frühesten Jugend stand dieser Mann im Dienste des Judenthums, er war Vorstandsmitglied und Vicepräsident der Cultusgemeinde, Vorstandsmitglied der Israelitischen Allianz und des Handwerkervereines und hing an allen jüdischen Instituten mit einer geradezu zärtlichen Treue. Ein Sohn der alten Zeit, streng confervativ, verstand er es doch, die berechtigten Forderungen der Neuzeit zu würdigen und ihnen Rechnung zu tragen. Mit den alten ehrwürdigen Einrichtungen unserer Gemeinde, die er hat schaffen helfen, innig verwachsen, hat er sich neben der Pflege wahrer Humanität die Erhaltung der religiösen Institute zur Aufgabe gemacht, der er seine Kraft widmete. Ein ausgezeichneter Präsident, ein Vorbild von Hingebung und Pflichttreue, ein liebenswürdiger College, von anspruchsloser Bescheidenheit, hatte er ein goldenes Herz und liebte es im Stillen mit Vermeidung jeden Aufsehens Gutes zu stiften und trotz seiner vielen Aemter und Würden hat er nie gefehlt, wenn sein Amt ihn gerufen. Aus Anlaß seines 80. Geburtstages im Frühjahr 1892 haben alle jüdischen Corporationen Wiens, an der Spitze Rabdinat und Vorstand, es sich angelegen sein lassen, dem Nestor der Gemeinde in den mannigfachsten Formen die Huldigung, darzubringen. Seitdem lebte.. Jacob. Brandeis infolge der Altersschwäche mehr zurückgezogen.' Er verschied am 8. Juli zu Marienbad. Correspondenzen. Zur HUfsaetion der „Israelitischen Allianz". Aus einer uns zugekommenen Mittheilung der „Israelitischen Allianz" zu Wien bezüglich des in der vorigen Nummer unseres Blattes von Herrn Rabbiner W. Reich berichteten Vorfalles, entnehmen wir den folgenden Sachverhalt: Es war thatsächlich bei der Ankunft des in Rede stehenden Transportes, welcher der „Israelitischen Allianz" indirect und verspätet avisirt worden war, ein Belegirter der „Israelitischen Allianz" anwesend. In deffen Gegenwart wurde auch mit dem Eapitän die Vereinbarung getroffen, daß die Leute, die, mit Rücksicht auf die Kürze der Zeit, nicht mehr anderwärts entsprechend untergebracht werden konnten, für diese Nacht auf dem Schlepper selbst Quartier erhielten. Es wird uns hiebei bemertt, daß die Emigranten diese Unterkunst jener in Maffenquartieren vorziehen, wofür auch der Umstand spricht, daß eine andere Gruppe, für deren Bequartierung bereits Sorge getragen war, gleichfalls auf den: Schlepper übernachtete. Bereits am anderen Tage hatte die „Israel. Allianz" Vorsorge getroffen, daß die Angekommenen am Abend noch nach Frankfurt abreisen konnten. Dies wurde dem Führer der Gruppe mitgetheilt und er zugleich angewiesen, zur Entgegennahme der diesbezüglichen Instructionen im Bureau der „Israel. Allianz" zu erscheinen. Derselbe weigerte sich anfänglich aus nichttgen Gründen sofort weiter zu reisen, versprach aber schließlich über die ihm gemachte Eröffnung, daß diese Expedition unverzögert erfolgen müffe, am Nachmittag im Bnreau sich einzufinden. Er kam jedoch nicht und ließ auch bis spät Abends, wo er erwartet wurde, nichts von sich hören, sondern kam erst am nächsten Tage, an welchem die Expedition auch thatsächlich vor sich ging. * * * Wien. (Neumann-Jubiläum.) Der blumengeschmückte Hörsaal der Universitätsklinik für Dermatologie und Syphilidologie des Hofrathes Professors Dr. Isidor N e u m a n n im Allgemeinen Krankenhause war vorige Woche der Schauplatz erhebender Kundgebungen anläßlich des fünfundzwanzigjährigen Profefforenjubiläums des genannten Gelehrten, deffen lorbeerbekränzte Büste an der Vorderwand des Hörsaales in einem Palmenhaine aufgestellt war. Der Saal war von College», Schülern, Studenten uud anderen Festgästen bereits vor Beginn der Feier — viertel 10 Uhr — vollständig gefüllt. Als der illustre Dermatologe in Begleitung seiner Assistenten, Doctor Matzenaue r und Dr. L ö w e n b a ch, sowie. der übrigen Aerzte seiner Klinik im Hörsaale erschien, wurde er durch anhaltenden Applaus begrüßt. Der derzeitige erste Assistent der Klinik, Dr. Rudolf Matzenauer, hielt sodann die Festrede. Er hob hervor, daß die Pflege wissenschaftlichen Specialistenthums stets zum Stolze und Ruhme der Wiener medicinischen Facultät gehört habe; standen doch neben Rokitansky, Skoda und Oppolzer Hebra und Sigmund als gleichberechtigte Koryphäen. Neumann, der Schüler Hebra's und Nachfolger S i g m u n d's, habe die Traditionen dieser beiden Herren übernommen und in würdigstem Sinne fortgesponnen. Nach Anführung der wissenschaftlichen Arbeiten des allverehrten Meistersund eingehender Würdigung desselben als Forscher, Arzt, Lehrer und Mensch, überreichte Dr. Matzenauer demselben eine künstlerisch ausgestattete Festschrift, welche wissenschaftliche Beiträge der hervorragendsten Dermatologen fast aller Länder der civilisirten Welt enthält. Nachdem Dr. Matzenauer unter großem Beifalle geendet hatte, hielten noch Professor Dr. Rille von der Innsbrucker Universität namens der ehemaligen Schüler, Hofrath Professor Dr. C h r o b a k namens der k. k. Gesellschaft der Aerzte, Primarius Dr. Heim namens des Wiener medicinischen Doctorencollegiums, Obersanitätsrath Director des allgemeinen Krankenhauses Dr. M u ch a namens der Primarärzte der Anstalt und Hofrath Profeffor v. Kaposi namens der Dermatologischen Gesellschaft Ansprachen an den