Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 28 (13.7.1900)
- Date
- 1900-07-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 518 Nr. 28 Vr. Bloch's Wochenschrift. Mark, in die sich der Staat und der Nährstand in einem zu vereinbarenden Verhältnisse zu theilen hätten. Diese Voraussetzungen sind eher zu nieder als zu hoch gehalten, indem unter Chosroes I. mehr als 22 Millionen Hectare angebaut gew.esen sein sollen und man dürfte nicht sehr fehl gehen, wenn man diese 22 Millionen als Basis annimmt. hiervon etwa eine oder zwei Millionen abzttht, die schon jetzt von den dort lebenden Stämmen bebauet werden; dann weitere fünf bis sechs Millionen nicht in Anschlag bringt, die zum Theile brach bleiben, zum Theile wegen großer Schwierigkeiten die Kosten der Urbarmachung nicht lohnen würden, so bleiben noch 13—14 Millionen Hectare, die im Laufe der Jahre rationell bewirthschaftet werden könnten. Auf diesem ehemals segensreichen Boden gedieh Alles in Fülle und trefflicher Qualität: die Rebe, der Dattelbaum, der Kaffeebaum, die Baumwollstaude. Weizen, Gerste, Mais, Reis, Sesam, Tabak, Klee, Hülsenfrüchte, Hirse, Luzern, Leinsamen, Hanf, Opium, von denen man zwei Ernten im Jahre hält; die Eine im Frühjahr, die Andere im Herbst. Die babylonische Dattel besonders dürfte sich, wegen ihrer ausgezeichneten Qualität, zu einem bedeutenden Handelsartikel gestalten. Die Perser behaupten. das man von der Dattelpalme 360 Nutznießungen Nachweisen könne; thatsächlich gewährt sie Brod, Wein, Honig, Mehl, Flechtgeräthe und die Körner dienen in getrocknetem Zustande als Schmiedekohlen, im aufgeweichten Zustande als Viehfutter. Bananen, Traubenhonig, Feigen, Granatäpfel und Oel gäben ebenfalls lohnenden Export. Außerdem besitzt das Land unerschöpfliche Lager an Erdpech, Petroleumquellen und Eisen. Ist nun einmal der Schienenweg zwischen dem persischen Meerbusen und dem Mittelmeere fertiggestellt, so muß sich die Fracht für babylonische Producte billiger gestalten, als für das aus Indien, ja selbst aus Amerika kommende, nach England instradirte Getreide und würde bei der Parität mit diesem für babylonischen Weizen an Ort und Stelle der Preis von mindestens zehn Mark für den Metercentner bleiben. Wenn man nun den Weizen als Grundlage der Werthberechnung nimmt; wenn man sich sagt, es gibt minderwerthige Artikel, aber auch und zwar in der Mehrheit, Artikel von höherem Werth als Weizen und da sich jedes einzelne Product im Quantum und Preis nicht berechnen läßt, so nehmen wir der Einfachheit und Sicherheit wegen an, als ob das ganze Prot uctionsgebiet blos mit Weizen bestellt wäre, was einen gewiß einwandsfreien Werthdurchschnitt geben würde, so ergäbe sich, bei Urbarmachung und Canalisirung des ganzen productionsfähigen Areals, eine Brutto-Einnahme von zwei Milliarden Mark. Die klimatischen Verhältnisse Babyloniens sind verschieden, weniger heiß und günstiger als in Egypten. Die Lust ist balsamisch, dünn und trocken. Blos im Deltagebiet und in der Nähe der Sümpfe herrschen Fieber, die jedoch schwinden dürsten, sobald die stagnirenden Wässer mobil gemacht und in Canäle geleitet sein werden. Der eingeborene Menschenschlag ist cd l gebaut, groß, elegant, vornehm; im Verkehre von gewinnender Gradheit und lebhaftem Geiste. Die Einwohner persischer Abkunst sind groß, ernst und würdevoll, jene von Bagdad agiler, intelligenter, verschmitzt und etwas verweichlicht. Auch die Thiere gedeihen trefflich auf diesen duftigen, üppigen Weiden; die edelsten arabischen Pferde, die leichtfüßigsten Kameele, die kräftigsten Büffel und Rinder, Schafe von feinstem Vlies. Einzelne Punkte ragten durch Fruchtbarkeit und Schönheit oder durch die Qualität der Erzeugniffe besonders hervor. Nisibis in Mesopotamien war ein wahres Paradies, in welchem 600.000 Menschen ein glückliches, müheloses Dasein lebten — seit der trägen Herrschaft des Islams vegetiren dort etwa Hundert armselige Familien. In der Ortschaft Mosul gedieh eine vorzügliche Baumwolle, aus der man das berühmte Gewebe Mouffeline erzeugte. Der Gallusapfel reist hier zu besonderer Größe; die Granaten sind die schmackhaftesten dje existiren und die Feigen ebenso gut wie in Syrien. Und diese Gegend ist fast menschenleer! Große, volkreiche Städte; Paläste und Tempel, die für die Ewigkett gebaut schienen; Aquäducte aus zu Stein gebranntem Thon liegen als Schutthaufen. Nicht die Zeit, nicht Feuer, Wasser, oder Erdbeben haben die Schöpfungen und Behausungen der Menschen vernichtet, sondern die heillose Paschawirthschaft der Jslamiten, welche die Städte verwüsteten, die Einwohner niedermetzelten oder auf die Sclavenmärkte trieben und das schöne blühende Land zur Einöde verkommen ließen. Aber in dieser traurigen Oede liegen, unter einer dünnen Schichte Erde, Schätze, die zu heben sind. Um die Gaben, die die Natur in verschwenderischem Maße liefern würde, in der Ebene zwischen dem Tigris und Mesopotamien, also im ehemaligen assyrischen Reiche, zu fördern, bedarf es einer Ansiedlung von zwölf bis fünfzehn Millionen Menschen. Diese hätten keine Urwälder auszuroden wie in Amerika oder in Australien; sie hätten keine Terrainschwierigketten zu besiegen und Ureinwohner zu bekriegen nöthig, sondern blos den Boden ein wenig aufzukratzen, den Samen zu versenken und in Gottvertrauen auf den Segen einer zweimaligen Ernte zu warten. Die kleinen Araberstämme würden gerne, willig und billig in den Dienst der Colonisten treten. Von Syrien empfiehlt sich in erster Linie das Gebiet hinter dem Libanon und nördlich von Damaskus zur Ansiedlung; dies ist menschenarm, während der Libanon selbst, dann Aleppo und Ham dicht bevölkert sind. Weniger günstig, viel weniger gesund, sind Palästina und die Meeresküste. Auch haben hier die besten Terrains bereits ihre Besitzer, wodurch überdies der nicht zu unterschätzende Nachtheil erwächst, daß sich die neuen Ansiedler nicht in compacten Massen, in dichter Nachbarschaft niederlassen könnten, wie es die persönliche Sicherheit erfordert; denn einzelne, zerstreut liegende Colonien sind den Erpressungen der Türken und der Raublust der Araber ausgesetzt, denen nur die Zahl und die Wehrhaftigkeit der Fremden imponiren würden. Eine zweite früher sehr fruchtbare Ebene, östlich vom Libanon, ehemals die Kornkammer Syriens, wird jetzt von 30.000 Eingeborenen bewohnt, kann aber mindestens anderthalb Millionen Menschen ernähren. In der Hauptstadt Hams lebten ehemals 150.000 Seelen, gegenwärtig kaum 300 Familien. Und so bietet das alte, der Verjüngung fähige Land am Euphrat und Tigris wette, für den Getreidebau, für Obstcultur, für Viehzucht uud Stuttereien geeignete Bodenftrecken, die, bewirthschaftet und bewässert wie in ehemaligen Zeiten, glänzende Erträgnisse liefern und viele Millionen Menschen reichlich ernähren könnten. Doch dürfen hier nicht einzelne,V.erspche Mmacht und sporadische Niederlassungen gegründet werden. Die Colonisation von Babylonien, Mesopotamien, Syrien und Assyrien muß im allergrößten Stil, mit den reichsten Mitteln in Angriff genommen werden. Sie würde sich glänzend verlohnen, denn ein dankbareres Object für Bodencultur, landwirthschaftliche Producte und Fabrikate gibt es auf dem weiten Erdenrund nicht. Und in der Mitte von Millionen Ackerbauern, Gärtnern und Viehzüchtern, fänden viele Tausende Kaufleute, Handwerker, Techniker, Elektriker, Lehrer, Aerzte, Ingenieure, Baumeister ihre gute Existenz. Auch die türkische Regierung, wenn sie selbst das jetzt sterile Terrain zu Ansiedlungszwecken verschenkt, macht durch die Gewinnung eines später ertragreichen Steuerobjectes ein brillantes Geschäft; je mehr sie schenkt, desto größer wird ihre Einnahme aus den wieder erweckten Provinzen sein. Nicht zu verkennen ist, daß ein solches Unternehmen gleich beim Beginn eincolossales Capital, ein erprobtes Organisationstalent, eine feste Leitung und ein klares, pragmatisches Programm erfordert. Kleine Kräfte würden in Brüche gehen; einzelne Ansiedlungen wären vor den Eingeborenen nicht sicher und der Regierung gegenüber nicht genügend vertreten. * * Im T ansvaal wird nach Diamanten, in Klondyk nach Gold gegraben — unerschöpflichere Schätze aber sind auf den Feldern Babyloniens zu heben, zu denen weiters nichts erforderlich, als Drainageröhren, Pflug und Spaten — aber Geld — viel Geld! Lleincolonisation Von Fabius Schach in Karlsruhe in B. Unsere Zeit bildet eine Uebergangsperiode zweier Ideenwelten, und sie ist daher reich an Wandlungen und Krisen. Wir fühlen das Neue herannahen, es schwebt in der Luft, aber wir können uns nicht vom Alten emancipiren. Wir bleiben in der Mitte stehen, und alle unsere Werke tragen den Stempel der Falschheit, der Zerfahrenheit. Es fehlt ihnen die Beharrlichkeit, die Harmonie.