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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-07-13 · 28 (13.7.1900) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
28 (13.7.1900)
Date
1900-07-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 28 Dx» Bloch's Wochrnsü^rM Seite 515 Wohlfahrt beitragen. — Unter anderem wird erzählt, daß man den Juden für die Paffe, für die sonst eine Gebühr von 30 Bani zu zahlen ist, eine Gebühr von 8—10—12 Francs abnimmt. * * * Eine andere Publication aus Rumänien stellt den Abschied von 40 Fußwanderern dar, die das Land verlassend, in bitteren Worten Klage führen, daß ihnen Arbeit und Brot versagt wird und sie gezwungen worden, mit Weibern und Kindern dem Lande Lebewohl zu sagen, in dem ihre Arbeitskraft entwerthet wurde, das sie dem Hunger Preis gibt. Sie gehen der Freiheit, dem Brode entgegen und hoffen auf ihre Wiedervereinigung mit den zurückgelassenen Brüdern in einem besseren Lande! Möge ihre Hoffnung in Erfüllung gehen! * 4- * Von einem unserer Correspondenten in Rumänien geht uns die Mittheilung zu, daß in gleicher Weise wie der vorerwähnte Mosco Laib auch die Schirmfabrikanten Brüder Keßler in einem Pölizeibureau mißhandelt wurden. Unser Correspondent weist darauf hin, daß die Zeitung des Kammerpräsidenten R. Filippescu, desselben, der den Redacteur Lahovary im Duell erschossen hat, die „Epoca" und das Organ des Ministers Jstrati, „Apararea nationala", das zugleich Organ der Antisemitenliga ist, unaufhörlich gegen die Juden Hetzen. Es geschieht also von Regierungswegen, daß das Volk und die Organe aufgestachelt werden — ganz so wie in China! Die Aehnlichkeit ist frappant! * * * Aus verschiedenen Mittheilungen, die uns aus Rumänien zukommen, entnehmen wir, daß man in dortigen Regierungkreisen die Wirkung der Judenverfolgungen in Rumänien auf die öffentliche Meinung in Europa zu verspüren beginnt. So bornirt auch die rumänischen Politiker sein mögen, wenn es sich um Gerechtigkeit handelt, wenn ihr Geldbeutel zu leiden beginnt, werden sie sehr empfindlich. Es wird uns berichtet, daß am 30. Juni ein M i n i st e r r a t h stattgefunden habe, in welchem der Finanzminister Take I o n e s c u ausgeführt haben . soll, daß zahlreiche Banquiers. sowohl jüdische als auch rumänische (aus dem Unterschiede, den Take Joneseu macht, erkennt man sofort, daß auch bei ihm der Antisemit seine graue Haut unter der Löwendecke nicht verbergen kann. Die Redaction) sich darüber beklagen, daß seit einiger Zeit, hauptsächlich seit der „Campagne gegen Rumänien in der ausländischen Presse", die rumänischen Fonds bei den ausländischen Börsen im Fallen begriffen sind, und daß in dieser Zeit, in welcher der Staatscredit energisch aufrechterhalten werden muß, daß Fallen der rumänischen Effecten eine Gefahr darstelle. Der Finanzminister meinte, die „von der ausländischen Presse angefangene Campagne" sei einzig und allein der Thatsache zu verdanken, daß die Regierungsmaßregeln bezüglich der Auswanderungen nicht Hand in Hand gingen mit solchen, welche sich gegen diejenigen hätten richten müssen, die in einer für das Land so schweren Lage noch Oel ins Feuer gießen. Es sind dies die Antisemiten, und diese Herren — soll höchst erregt der Herr Finanzminister ausgerufen haben — glauben noch, daß sie uns mit ihren Kämpfen große Dienste erweisen! Herr Take Jonescu machte auch mehrere Vorschläge. Wenn dieser Bericht wahr ist, so beweist er nur, daß Europa ohne eine Hand zu rühren, die Macht hätte, die Gewaltthaten Rumäniens abzuwehren, indem es einfach, wie wir es schon wiederholt als seine Pflicht bezeichnet haben, jeden Verkehr mit diesem Vertragsbrüchigen Staate, in welchem die Rechtlosigkeit schamlos offen geübt wird, ablehnt und den Geldbeutel zuhält, wenn Rumänien betteln geht. An die Ehrlichkeit der Absichten Rumäniens — oder seiner Minister — werden wir erst dann glauben, bis sie ihre 1878 übernommene Pflicht ehrlich erfüllt haben — nach europäischer, nicht nach rumänischer Auslegung. Bis dahin aber sind sie Wortbrüchige und als solche verdienen sie nicht Glauben, noch weniger Geld, um das es ihnen ja doch immer zu tbun ist. * * * In einem Privatbriefe aus Bukarest wird uns ein neuer Streich der rumänischen Regierung signalisirt. Sie soll die Absicht haben, nicht nur die israelitische Cultus gemeinde zu veranlassen, gegen die Anklagen in Angelegenheit der Austreibung der rumänischen Juden Stellung zu nehmen, sondern auch Unterschriften seitens der „reichen" Juden zu sammeln, um von diesen einen Protest gegen die armen Auswanderer zu erwirken. Da ihr die Mittel „sanfter Ueberredung" nicht fehlen, so ist es nicht unmöglich, daß sie solche „Protestkundgebungen" zustande bringt, allein wenn sie glaubt, daß irgend Jemand in Europa, der nicht die gleiche Verlogenheit besitzt wie die Rumänen, diese Proteste ernst nehmen wird, so gibt sie sich einer großen Selbsttäuschung hin. "Nicht einmal den Zweck Mißtrauen unter den Juden zu säen, die Cultusgemeinden zu discreditiren, die Juden untereinander zu verhetzen, wird sie erreichen. Man merkt die Absicht und geht nicht in die Falle! Selbst wenn einzelne „Reiche" um der Bortheile willen, die sie momentan genießen, sich dem Irrwahn hingeben würden, die Verfolgung treffe nur die „Armen" und nicht sie, so würden die Ereignisse sie wohl bald eines Besseren belehren und sie zu der Solidarität zwingen, die ihre Pflicht ist. Ja die Judenverfolgung — die für die Rumänen eine Geldfrage ist — würde dann erst recht den „Reichen" an. den Leib rücken. Wahrheit und Dichtung. Umgeben von üppigen Prächten, Die Königin Reime flicht; Sie seufzt in einsamen Nächten, Die Seufzer werden Gedicht. Sie schreibt in ihrem Palaste Dem Volke aus der Seel'; Sie ruft die Musen zu Gaste, Sie kommen auf hohen Befehl. Doch draußen vor den Thoren Ein Schrei des Schmerzes gellt. Da wandern heimatverloren Viel arme Leut' in die Welt. Sie find zu Grunde gerichtet. Zermürbt von Noth und Leid — . Und Carmen Sylva dichtet Von Lieb' und Barmherzigkeit! Es lallen zitternde Greise, Gebrochen an Leib und Seel', Die alte hebräische Weise, Das „Höre, o Israel!" Mitunter kommt so ein Jiidcheu Durch Kolbenstöße zu Fall — Die Königin dichtet ein LiedchSb Vom Schlag der Nachtigall! Der Stern der Hoffnung schimmert Den Hungernden nimmermehr; Das Kind an der Mutterbrust wimmert, Sie ist verdorrt und leer. Der Priester die Andacht verrichtet, Jndeß manch' Auge bricht — Und Carmen Sylva dichtet Von Menschenrecht und Pflicht! Die Wächter sich erbosen. Sind ungeduldig schon. Sie bringen die Heimatlosen Zur nächsten Leidensstation. Die Anker werden gelichtet, Die Fahrt ins Elend geht — Und Carmen Sylva dichtet Ein Lied an die Humanität! O Königin, dichte, dichte Nur weiter in diesem Sinn, Du kommst in die Weltgeschichte Als Märchendichterin. Julius Bauer, Mädchenraub in Galizien. Die „Neue Freie Presse" vom 7. d. M. erhält folgende Zuschrift: „Sehr geehrter Herr Redacteur! Sie würden mich durch Aufnahme folgender Zeilen, welche einen charakteristischen Beitrag zur Illustration galizisckier Zustände und ein interessantes Analogon zum Falle Araten bilden, überaus verbinden. An der Veröffentlichung des Folgenden ist mir aus dem Grunde be-

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