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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-07-06 · 27 (6.7.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
27 (6.7.1900)
Date
1900-07-06
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 27 >r. Limh's Wochenschrift. Seite,507 das Leben und die Werke des unsterblichen Leviten, dessen Sehnsucht nach Jerusalem und seinen tragischen Tod. Rauschender, sich wiederholender Beifall wurde dem Redner zu theil. Berlin. Die von Obercantor I. Singer im Jahre 1883 veröffentlichte musikwissenschaftliche Broschüre „Die Tonarten des traditionellen Synagogengesanges rc." wurde in der vom D. I. G. B. gegründeten und von Obercantor Friedmann geleiteten Cantoren-Ausbildungsschule in Berlin zum Leitfaden für den Traditionsgesang eingesührt. Berlin. Vorzügliche Erinnerungsblätter läßt die Chewra Kadischa der Ad aß Jisroel-Gemeinde in Berlin anläßlich des ersten Jahrzeitstages des unvergeßlichen Rabbi JsraelHildesheimer s. A. zur Veröffentlichung gelangen. Es sind dies eine Anzahl von Heliogravüren, welche nach einem von dem in Berliner Künstlerkreisen wohlbekannten Porträtisten S a ß n i k ausgeführten Oelgemälde des Verewigten hergestellt wurden. Die Kunstblätter sind aus der rühmlichst bekannten Photo chemigraphischen Kunstanstalt Meisenbach, Riffarth Le Co. in Berlin-Schöneberg hervorgegangen, bieten also eine Gewähr für durchaus vollendete Ausführung. (Siehe Inserat in der Nr. 26, vom 29. Juni 1900.) London, 24. Juni. (Beförderung.) Oberst A. E. W. G o l d s m i d wurde diese Woche zum Commandanten von Naaw- Port, Südafrika, ernannt. Mit diesem wichtigen Posten ist der Rang eines Generals für den Transportdienst verknüpft. Odeffa. „Juden, welche die Seebäder benützen müssen und dieses durch ein ärztliches Zeugniß bescheinigen können, dürfen während der Sommermonate sich in den Dörfern des Kreises Odessa aufhalten/ So lautet eine Verordnung des russischen Ministers des Innern. Wie gütig! Feuilleton. Gin wieder aktuell gewordenes Gedicht aus dem Jahre 1882. 18 Jahre sind verflossen, seitdem das untenstehende Gedicht in Hamburg das Licht der Oeffentlichkeit erblickt hat. Es war damals eine traurige Zeit für die Juden in Rußland. Der Alba Rußlands contra Judaeos, Jgnatieff, wüthete mit öffentlichen und geheimen Ukasen gegen unsere Glaubensgenossen. Ueberall flammten die Feuer in Brand gesteckter jüdischer Häuser auf, überall vertrieb man gewerbsfleißige Juden, da ihnen o f f i c i e l l der Aufenthalt in tausenden von Städten, Dörfern und Flecken verboten wurde. Russische Assecurranz-Gesellschaften nahmen Versicherungen von Juden nicht an, so daß die Mordbrenner nicht zu befürchten brauchten, der Schade würde gedeckt. Biele Tausende wurden auch, ohne daß sie sich des geringsten Vergehens schuldig gemacht hatten, ohne weiteres mit einem Federstrich des Landes verwiesen. Zu Fuße, wie heute die Rumänen, durchzogen sie die öden Steppen Rußlands in Kälte und Schnee, viele Hunderte erfroren, viele fanden ihren Tod durch Hunger und Entkräftung, oder auch durch Mißhandlungen der „Antisemiten" des „goldenen Rußland" (verwandt mit dem bekannten „goldenen Wiener Herzen"). Damals durchzogen factisch Tausende dieser schuldlos Gemarterten und Gemaßregelten Hamburg, um mit Hilfe ihrer Glaubensbrstder jenseits des Oceans eine neue Heimat und für ihren Fleiß, der über allem Zweifel stand, eine Stätte der Betätigung zu finden. Es geschah viel, aber alles reichte nicht aus, nm dem enormen Bedürfnisse zu entsprechen. Da griff der Dichter der folgenden Verse auf die A u f f o r d e r u n g des urchristlichgermanischen, einer alten Hamburger Familie entstammenden Herausgebers des „Hamburger Familienblattes" zur Feder, und in dem liberalen „Hamburger Fremdenblatt", dessen Redaction der Verfasser des Gedichtes als einziger Jude angehörte, erschien das Poem für die vertriebenen russischen Juden am Sonntag, 28. Mai 1882, das den Erfolg hatte, daß auch C h r i st e n sich zahlreich an den humanen Sammlungen für die unschuldigen russisch-jüdischen Opfer betheiligten. Bemerkt sei noch, daß damals nur wenige Wochen seit den Warschauer M a s s a c r e s vergangen waren, wobei harmlose Israeliten während des Osterfestes auf der Straße niedergemacht wurden, wie kürzlich schuldlose europäische Diplomaten in Peking von dem durch „Blutmärchen" fanatifirten chinesischen Pöbel. Hunderte von Warschauer Israeliten flohen damals ins Ausland und kamen nach Hamburg. Auf sie bezieht sich der Inhalt der Strophen, die von dem Greise und dem Jüngling sprechen, deren Geschick treu nach dem Leben gezeichnet ist. Wer hätte gedacht, daß dieses Gedicht, achtzehn Jahre nach seinem Erscheinen, wiederActualität gewinnen werde, angesichts des Jammer- Geschicks der ins Exil getriebenen rumänischen Juden. So möge denn das Gedicht für sich sprechen und ebenso menschlichschöne Folgen zeitigen, wie in Haml urg. Hier ist es. Für die vertriebenen russischen Inden. O gebt, o gebt, denn Noth und tiefes Elend Sie klopfen, Hilfe heischend, an die Thüren, Mög' himmlich Mitleid, Euch zur That beseelend. Das Herz erschüttern und die Seele rühren. O seht, dies Elend findet keine Worte, Es schleichet bleich und sprachlos durch die Gaffen, Es stehet stumm vor Eures Hauses Pforte, Es kann in Worte nicht sein Leiden fassen. O Vaterland! o Boden mütterlich! An den wir uns auch dann noch liebend klammern. Wenn Du uns schlugst und quältest bitterlich. Dir zucken noch im Tod des Herzens Kammern. Und wenn Du grausam auch sie hast vertrieben, Sie, die man Juden, vaterlandslos nennt, - Sie müssen doch das Land der Väter lieben, Wo man ihr Gut geraubt, ihr Haus verbrennt. Und wenn der Geist auch glaubensunterthan. Im „Lande der Verheißung" sich verloren, Ihr Herz, es hastet, glaubet nur daran. Am Mutterschooße, der sie hat geboren. Und wenn schon Todesschatten niederfinken, Einst auf die Armen in der weiten Ferne, Dann wird aus Himmelshöhen ihnen winken, Das Vaterland gleich einem gold'nen Sterne. O scheltet nicht den Dichter phrasenreich. Der dieser Armen Herz an's Herz Euch leget, Wohl lieft er in den Mienen kummerbleich, Was ihnen sich in tiefster Seele reget. Ihr Loos ist hart, jedoch ihr Herz ist weich. Sie denken todter Mütter, todter Väter, Die glücklich schlummern in dem Erdenreich, Ihr Grab entweiht vielleicht ein Missethäter! Sonst scheint Erinnerung in ihnen stumpf, Sie blicken leer nnd trostlos in die Weite, Nur manchmal mag's, gleich Glocken tief und dumpf, Im Herzen dröhnen wie ein Grabgeläute; Nur manchmal mag in ihres Unglücks Nacht Ein Strahl des einst'gen Kindheitsglückes leuchten, Dann kann, wenn so Erinnerung erwacht. Die Thräne erst das starre Auge feuchten. Ich sprach die Armen theilnahmsherzlich an. Sie aber schienen mich nicht zu verstehen, In ihnen lebt, so scheint's, kein „Wo", kein „Wann". Wie sie so ängstlich scheu zu Boden sehen. Auch hier noch sieht den Feind ihr kranker Sinn, Der anschleicht, um ihr Letztes zu erhaschen. Sie halten, ach! als wär' noch was darin. Sich ängstlich zu die ausgeraubten Taschen. O, geht nur hin und mischt Euch unter sie. Da könnt Ihr Scenen unvergeßlich, schäm n. Bei tiefster Noth, die höchste Apathie, Bald fühlt Ihr brennend Eure Augen thauen.

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