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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-07-06 · 27 (6.7.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
27 (6.7.1900)
Date
1900-07-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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seile 502 Nr. 27 Dr. Bloch's Wocheafchrrfl. Wien. (Verein zur Abwehr des Antisemitism u s.) Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hielt vor einigen Tagen im Saale des Wissenschaftlichen Club seine diesjährige > Generalversammlung ab, zu welcher auch Hofrath Professor Nothnagel und Superintendent Professor Dr. Seberenyi erschienen waren. Den Jahresbericht erstattete der Vorsitzende, Vicepräfident Baron Dr. S e i l l e r. Es ist beabsichtigt, in nächster Zeit eine populär geschriebene Broschüre in deutscher und czechischer Sprache herauszugeben und zu verbreiten, welche die Unsinnigkeit der Blutlegende darstellen soll. Der Vorsitzende beantragte, dem Professor M a 1 a i. i)f für sein freimüthiges Auftreten in der Polnaer Afsaire den Dank des Vereines auszusprechen. Dieser Antrag wurde, nachdem ihn Hofrath Professor Nothnagel befürwortet, einstimmig angenommen. Bezirksrath W a l d st e i n wünschte eine Reorganisation des Vereines und beantragte, daß ein eigenes Konnte die diesbezüglichen Vorarbeiten treffe und im nächsten Herbst hierüber berichte. Hofrath Professor Nothnagel trat für die Durchführung dieses Gedankens euu Uuser Verein, sagte er, ist leider nicht in der Lage gewesen, in den letzten Jahren etwas Ersprießliches zu leisten, so daß wir uns thatsächlich die Frage vorlegen müssen, ob wir heute noch eine Existenzberechtigung haben. Wir sind nicht fähig, mit den Waffen zu kämpfen, mft denen unsere Gegner vorgegangen sind. Aber so kann es nicht wettergehen, wenn wir ein so beschauliches Dasein in eamera caritatis führen, so werden wir zum Gespött, statt daß wir einen ersten Factor darstellen. Der Name des Vereins ist heute nicht mehr zutreffend. Zur Zeit, als der Verein gegründet wurde, konnte man hoffen, mit Hilfe einer Reihe den intelligenten Schichten angehörender Persönlichkeiten vorwärts zu kommen. Damals waren die Gegner noch nicht so stark, damals konnte noch von einer Abwehr gesprochen werden. Allein die Situation hat sich vollständig geändert, heute muß man zufrieden sein, wenn der Antisemitismus uns nicht todtschlägt, natürlich in bildlichem Sinne. Es muß ein gnderes System, eine andere Art des Vorgehens inscenirt, jene Bestimmung der Statuten, welche dem Vereine die Politik untersagt, inuß eliminirt werden Heute gibt es nur eine Möglichkeit, um die große Menge von der brutalen Schändlichkeit und Schmach des Antisemitismus abzuwehren und das ist der finanzielle Krach in Wien. (Zustimmung.) Wir mögen mit Eugel- oder Menschenzungen reden, wir richten nichts aus. Vielleicht, wenn jeder von uns sich allabendlich in drei Vorstadtkneipeu setzen und den Leuten dort alles Mögliche und Unmögliche versprechen würde — da wir das aber nicht können, so werden wir nichts durchsetzen. Nur das wird fruchten, wenn der Wiener einmal zahlen muß (Zuruf: Beim Zahlen, da hört die Gemüthlichkeit auf!) daun wird ihm ein Licht aufgehen über den Werth des Antisemitismus. Durch unsere ethische Thätigkeit werden wir nichts erreichen, und auch in der Heranwachsenden Generation haben wir wenig Aussicht, Männer zu finden, die uuser Erbtheil übernehmen und das erreichen, was uns nicht möglich war. Aber wir dürfen nicht verschwinden, wir müssen uns unserer Haut wehren und den Kampf auftiehmen. Wir haben heute nicht den Antisemitismus abzuwehren, sondern uns gegen ihn zn wehren. Wir müssen festhhalten au dem alten Worte: ..Wie jeder sich wehrt, so wird er geehrt." (Lebhafter Beifall.) Ter Antrag des Bezirksrathes W a l d st e i n wurde sodann angenommen und per Acclamation in die Vereinsleitung gewählt: Baron A. G Suttner als Präsident, Baron Dr. S e i l l e r als Vicepräsident, ferner die Herren August B e i l i n g als Cassier, Balduin Groller und Friedrich Engel als Schriftführer. Superintendent Professor Dr-. F. M. Sebe r e n y i, die Abgeordneten Dr. Kronawetter und W r a b e tz, Franz Franenberger und Carl P a l a v a als Ausschußmitglieder. Prag. UeberHilsner's Abstammung finden wir im „ca§" vom 1. d. M. nachstehende Darstellung auf Grund amtlicher Erhebungen: Sarah H i l s n e r, Me bereits verstorbene Großmutter des verhafteten Leopold Hilsner war als junges Mädchen auf dem herrschaftlichen Gute ihrer Heimat beschäftigt und unterhielt dort ein Liebesverhältniß mit einem ch r i st l i ch e n Forstadjunkten, welches nicht ohne Folgen blieb. „Die Folge" war Jacob Hilsner, der Vater des jetzigen Angeklagten. Wie man im Geburtsorte Jacob Hilsner's allgemein glaubt, wollte sich der Adjunkt seiner Geliebten entledigen, als sie für ihr Kind Geldunterstützung verlangte. Bald darauf ward Sarah Hilsner im Walde angeschossen, so daß sie von der Zeit an ihr Gesicht in ein Tuch gehüllt trug und fortab in der Gemeinde nicht anders geheißen wurde, als „das a n geschossene Mädel". Jacob Hilsner wuchs als uneheliches Kind ohne jede Erziehung heran und hatte niemals eine dauernde Beschäftigung, noch einen bleibendeit Wohnort. Er heiratete die Marie Bodanska, und dieser Ehe entstammt Leopold Hilsner. Es ist also erwiesen, daß derselbe Leopold Hilsner, der des Ritualmordes beschuldigt wird, „einen Tropfen christlichen Blutes", wie sich die „Narodni Listy" auszudrücken belieben, in seinen Adern hat und daß man dieses christliche Blut bei ihm sehr wohlschmeckend feststellen kann, was die „8ipy", der illustrirte Ableger der „Narodni Listy" vergeblich ableugnen wollten. , Prag. (Heine und der Wiener Stadtrath.) Unter dieser Aufschrift bringt das Organ der Realistenpartei, Prof. Masaryk's „öas" vom 29. Juni v. M. folgendes Urtheil über das jüngste Kraststück der Wiener Rathhaus-Ochlocratie: Ochlocratie „der deutsche Gesangsverein theilt aus Paris, wo er zu Besuch geweilt hat, mit, er habe einen Kranz auf Heine's Grab gelegt. Der Wiener Stadtrath verhandelte über dieses Eceigniß und faßte den Beschluß, „dem Sängerverein sein Bedauern darüber auszudrücken, daß er das Grab des jüdischen Dichters bekränzt hat, welchen keine deutsche Stadt mit einem Denkmal beehren wollte" .. . Wie gut wußte es doch Heine im Jahre 184-4 voraus, wie es einst mit der Zeit bei den Deutschen ausschauen werde, als er schrieb: „Dieser deutsche Zukunftsduft — macht Alles überragen — was meine Nase je geahnt. Ich könnt' es nicht länger ertragen. Entsetzlich waren die Düfte, o Gott — die sich nachher erhoben. Es war, als fegte man den Mi st aus sechsunddreißig Gruben." — — — — Und ganz unnöthig obendrein hat sich der Wiener Stadtrath lächerlich gemacht. Die Wiener Sänger haben nämlich H e i n e's Grab überhaupt nicht bekränzt. Prag. Sehr geehrter Herr Redacteurl Da ich von Ihrer Wahrheitsliebe überzeugt bin, möchte ich Sie höflichst um die Aufnahme folgender Berichtigung in Ihr geschätztes Blatt bitten. In Ihrem Blatte vom 29. Juni wurde von einem mir unbekannten Referenten ein Absatz meiner Predigt, die ich am Schlußfeste 5660 in der hiesigen Synagoge gehalten habe, falsch citirt, aus dem dann weitere Schlüsse gezogen wurden. Gestatten Sie also, daß ich jenen Theil wörtlich in der Uebersetzung wiedergebe und einige Anmerkungen hinzufüge. Anknüpfend an den Satz I. Könige 8. 61 sagte ich in der Predigt: „ . . . . Aber unser Herz ist nicht mit Gott, es ist ihm nicht ergeben; denn sonst würden wir uns bemühen, in die göttlichen Gebote einzudringen, wir würden dem Studium derselben mit größerem Fleiße obliegen. Wir thun dies nicht, und die Folgen hievon sehen wir in unserer düstern Zeit. Werden doch schon in unserer Mitte Stimmen laut, ob es doch nicht irgend ein verborgenes oder angedeutetes Gebot über den Gebrauch von Menschenblut gebe ...... Hier, an dieser heiligen Stätte betheuere ich. daß in unserem gesummten Schriftthum nicht die geringste Erwähnung vom Gebrauche des Menschenblutes vorhanden ist .... ." Zu diesen Worten wurde ich dnrch Anfragen veranlaßt, die einzelne Glaubensgenossen an mich richteten, die durch die antisemitische Hetze im Gemüthe selbst beunruhigt, einen bestimmten Ausspruch über diese Frage verlangten, „da es ihnen an Zeit und Gelegenheit mangele, sich in das jüdische Schriftthum einzuarbeiten." Es kann nicht meine Aufgabe sein, den Obmann der Xarodni Jednota ceskozidovskä, mit dem ich selten in Berührung komme, da ich außerhalb der dednota, sowie des ganzen politischen Lebens stehe, zu vertheidigen, — er wird es ja gewiß selbst thun —, doch wahrheitsgemäß will ich feststellen, daß er mir gegenüber oder in meiner Gegenwart keine solche oder ähnliche Aeußerung that, die in meine Worte hineingelegt wird. Uebrigens möchte ich noch auf die von mir geschriebene Vorrede zur böhmischen Uebersetzung der Strack'schen Schrift gegen den Ritualaberglauben Hinweisen, wo ich ausdrücklich sage: „Wenn die Juden in Böhmen zur niederen Verdächtigung des sogenannten Ritualmordes, einem Märchen, das ursprünglich gegen die Christen der ersten Jahrhunderte unter den heidnischen Römern verbreitet war, lange geschwiegen haben, thaten sie es mit Recht, indem sie jenen nichtswürdigen Anwurf für zu niedrig erachteten, als daß sie ihn eines Wortes der Vertheidigung Werth gehalten hätten. Weil jedoch alle Schichten der Bevölkerung unseres Vaterlandes durch Schriften über den Ritualmord aufgehetzt wurden, erachtet es die Närodni Jednota ceskozidovskä für uothwendig, das bisherige Schweigen zu brechen und die Mitbrüder von der Unwahrheit des abscheulichen Anwurfes zu überzeugen. Und aus diesem Grunde legt sie Ihnen dieses Schriftchen vor . . . ." Was den Obmanu der Prager Ortsgruppe der dednota, Dr. I Arnstein, betrifft, verweise ich auf seinen Vortrag: „Ueber unseren Standpunkt zum Dreyfus- und Hilsnerstreite", der auch als Broschüre erschienen ist, wo er die Behanptung, daß es eine jüdische Secte gebe, die Menschenblut brauche, entschieden zurückweist. Indem ich Ihnen im Voraus für die freundliche Aufnahme dieser Zeilen danke, zeichne ich hochachtungsvoll Dr. Gustav Weiner. Königl. Weinberge, 2. Juli 1900. . Prag. Herr Redacteur! Unter Berufung auf § 19 Pr.-G. ersuche ich gegenüber der in Nr. 26 der Zeitschrift „Dr. Bloch's Qrsterreichische Wochenschrift" unter dem Schlagworte: „Prag. Ein Dementi" veröffentlichten Notiz um Veröffentlichung der nachstehenden Berichtigung: Es ist nicht wahr, daß ich bereit bin, zuzugeben, daß eine geheime Ritualmordsecte vielleicht existire, und daß ich diesbezügliche Aussprüche

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