Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 26 (29.6.1900)
- Date
- 1900-06-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 26 Dr. Bloch's Wochenschrift. Tritt 49t eines Selbstmordes so ferne, daß er gar nicht in ihr aufzutauchen vermochte. Sara lebte nun ganz allein in dem Vaterhause, das ihr einziges Besitzthum bildete. Pfarrer Willibald hatte sein Michael Klein gegebenes Versprechen, sich Sara's anzunehmen, redlich gehalten. Er hatte ihr nach Channe's Tode eindringlich vorgestellt, ihren Blick nicht immer in die Vergangenheit zu versenken; sondern muthig in die Zukunft zu blicken. Er hatte ihr mit bestem Wollen vorgestellt, daß jeder Mensch auch Pflichten gegen sich selbst habe, daß sie einen braven Mann als Gatten gewinnen und in dem Bestreben ihn zu beglücken, ihr eigenes Glück finden könnte. Sara hatte den Gedanken an eine solche Möglichkeit mit Entsetzen zurückgewiesen, so wollte Michael ihre Treue übers Grab bewahren. Allein auch dieser würdige Freund und Gönner wurde Sara durch den Tod entrissen. Pater Willibald starb plötzlich ohne vorhergehende Krankheit sanft wie er gelebt, ohne jeden Todeskampf. Der weise und weltkluge Pfarrer hatte jedenfalls in einer Beziehung vollkommen recht gehabt. Sara's ungewöhnliche Schönheit, ihr trauriges Schicksal, die rührende Würde, mit der sie es ertrug, ihre Klugheit hatten ihren Ruf in ganz Mähren verbreitet. Es hatten sich aus allen Theilen des Landes Freier eingefunden, darunter auch solche, auf welche das vornehmste, reiche Judenmädchen stolz hätte sein können, aber Sara wies alle unerschütterlich ab. Der Ansturm der Bewerber währte drei, vier Jahre, endlich war man zu der Ueberzeugung gelangt, daß Sara nie einen Mann durch ihre Hand beglücken, daß fie unvermält sterben würde. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. G. G. „WaS Krakau ohne Polen Was Prag ohne Kohlen Was Pilsen ohne Pilsner Das ist Baxa ohne Hilsner." I. U. C. H. Sch. Der 9. Ab 4636 war am IO. August 1875. Sabbath Nachnu am 13. August« I. 8. Die „Unita cattolica“ jammert darüber, daß in dem italienischen Parlament t7 Abgeordnete jüdischer Confession — darunter gewesene Minister — sitzen. In Italien kümmert man sich um die Religion eben nur, wenn es sich um religiöse Fragen und nicht, wenn es sich um politische handelt. W. I—g. Eine schatzenswerthe Monographie über den Selbstmord besitzen wir aus der Feder des vor einiger Zeit verstorbenen Rabbiners Aron Roth. B H—g. Eine Tochter Alexander Dumas' heiratete einen Juden. M. W—heim. Es gibt eine Art der Vertheidigung des Judenthums, die auf ein Haar einem gefährlichen Angriffe ähnlich sieht. 8. W. Die corrumpirende Wirkung des Antisemitismus zeigt sich auch darin, daß die von ihm Ergriffenen die Meinung haben, man dürfe getrost lügen und Meineide schwören, wenn es gilt, Juden zi schädigen. Einige Gerichtsfälle aus der jüngsten Zeit haben neuerlich Beweise hiefür gebracht. Justus. Paul Hey s e's Mutter eine Jüdin. Er spricht in den Erinnerungen, die er vor Kurzem in der „Deutschen Rundschau" veröffeutlichte, eiugehend von seinen jüdischen Anverwandten B. H. Es »st ganz richtig, wenn die Antisemiten von einer „jüdischen Moral" sprechen und wir andererseits wieder die „antisemitrscheMorallosigkeit" kennzeichnen. H. F. in T. 8. G. in T. Für diese Nummer zu spät. Gingesendek. Geehrte Redactionl Ich «suche höflichst um Aufnahme folgender Zeilen und Veröffentlichung eines Vorfalles, der sich am Freitag, de» 22. d. M. Nachmittags zutrug. Gegen 3 Uhr Nachmittags kam ich mit zwei galizischen Herren mosaisch« Confession ins Diana-Bad, um dort Bad« zu nehmen. Als wir die Badekarten vorwiesen und in die Anstatt schreiten wollten, wurde uns der Eingang in dieselbe verwehrt mit dem Bemerken, daß polnischen Juden der Eintritt nicht gestattet sei, und uns die Thüre gewiesen. Mit Rücksicht darauf, daß wir durch diese Hinausweisung nicht nur in uns«er Ehre gekränkt wurden, sondern daß auch dieses Vorgehen .ein geradezu unerhörtes ist, da ja derartige Vorschriften nirgends existiren, wäre es von besonderem Jntereffe, ein derartiges Vorgehen einer öffentlichen Badeanstalt, die zumeist von Juden besucht wird, zu veröffentlichen. Indem ich nochmals die löbliche Redaction um Veröffentlichung dieses Vorfalles bitte, wofür ich im Voraus bestens danke, zeichne ich im Namen der Uebrigen Hochachtungsvoll F. Nebenzahl, U., Glockengasse 1. Als Zeugen waren zugegen die Herren: Aron D y m, Gutsbesitzer in Tarawa, Schmerl Landau, Kaufmann in Przemysl. Wir ersuchen unsere geschätzten .Abonnenten um rechtzeitige Cinsendung der laufenden tAbonnemenfsgebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zar Zinsendung der Beträge wolle man die beigelegten Post-Checks benützen. Die ^Administration der „Qesterr. Wochenschrift“ Ettet BoMsehmUfsdie Stiftung fir Techniker, Lehrerswitwen und Krankenwärter. Der Vorstand der hiesigen israel. Cultusgemeinde bringt hiermit zur Kenntnis», dass die Zinsen aus den vom Herrn Moriz Ritter von Goldschmidt zum Andenken an seine in Gott ruhende Mutter Frau Ettol Goldsebmidt gegründeten Stiftungen im October des Jahres 1900 zur Verleihung kommen u. z. für einen Techniker ä 0. 100* für eine Lehrerswitwe ä fl. 100 und für einen Krankenwärter beziehungsweise Krankenwärterin, ohne Unterschied der Confession ä fl. 30. Bedingungen: 1. Die Techniker und Lehrers «itwen müssen der israel. Confession angehören, aus Frankfurt a. Main gebürtig oder im österr. Kaiserstaate geboren sein, die Techniaer in Wien studieren, und die Lehreiswitwen in Wien oder nächster Umgebung wohnen. 2. Nebst den Armuthszeugnissen haben die Techniker Studienzeugnisse, die Lehrerswitwen vom Wiener Rabbinate ausgestellte Wohl Verhaltungszeugnisse tnd die Krankenwärter resp. Krankenwärterinnen Dienstzeugnisse von öffentlichen Instituten oder beglaubigten Privatpersonen beizubringen. Den Vorzug haben a) Verwandte, des Stifters Herrn Moriz Rittsr voa Goldschmidt oder seiner Gattin Frau Naootto gab. Landauer, b) Lehrerswitwen, welche eine grosse Anzahl unversorgter Kinder haben. Die Gesuche werden im Einreicherungsprotokolle de Israel. Cuitusdemeinde (I., Seitenstettengasse 4, I. Stock) wor selbst auch Gesuchsblanquette unentgeltlich zu beheben sir.din den Amtsstunden von 9—12 Uhr Vormittag bis 31. Juli 1900 entgegengeno m men. In dem Gesuche ist anzugeben, ob der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums steht, eventuell in welchem Betrage. Mob, am 15. Juni 1900. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde