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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-29 · 26 (29.6.1900) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
26 (29.6.1900)
Date
1900-06-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 26 Br« Bloch's WochrnjAMt. Seite 489 Vortrages dem Redner reichen Beifall. Se. Ehrwürden Herr Dr. Freimann dankte im Namen der Anwesenden Herrn Albert Löw für den wunderbaren Vortrag und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Herr Löw unserer Gemeinde noch mehrere angenehme Stunden durch seine wissenschaftliche Vorträge bereiten wird. Prag. Hier hat sich vor einigen Tagen unter zahlreicher Betheiligung ein „Jüdischer Gesang- und Musikverein" constituirt, der sich die Pflege des Gesanges und der Musik, sowie der Geselligkeit unter den Juden zur Ausgabe gemacht hat. Deutschbrod. (Danksagung.) Mit bestem Dank im eigenen Namen und im Namen des betreffenden Herrn mit seinem Fräulein Tochter, für die ich am 25. Mai mittelst Aufruf in der „Oesterreichischen Wochenschrift" um Spenden gebeten habe, bestätige ich nachstehend empfangene Beträge und Zusagen. Herr A. G. aus Karlsbad sagte für Beide unentgeltliche Wohnung über den Curgebrauch zu. Von der löblichen „Chewra-Kadischa" in Jglau, durch ihren Präses Herrn Wilhelm Oestreicher 10 Kronen, von der löblichen „Chewra-Zdobok" in Jglau durch Herrn Abraham Taussig 4 Kronen. Herr W. A. in S. 10 Kronen, Frau Marie Eisler in Ehrast 5 Kronen; Herr Wilhelm Fuchs m Stecken 2 Kronen; Glücklicher Bräutigam in Deutschbrod io Kronen; Herr Josef Stiastny, Fabrikant in Deutschbrod 20 Kronen; Löbliche Cultusgemeinde in Deutschbrod 10 Kronen; Löbliche Chewra-Kadischa in Deutschbrod 10 Kronen; Ein Curgast in Karlsbad durch Herrn A. G. dort 2 Kronen; Ein Ehepaar in Deutschbrod anläßlich ihres zehnjährigen Hochzeitsjubiläum 5 Kronen; Zusammen 88 Kronen. Nebst diesen Beträgen sagte auch noch Herr Wilhelm Oestreicher aus Jglau zu. daß er für beide Patienten unentgeltliche Behandlung durch seinen Bruder Herrn Med. Dr. Karl Oestreicher in Karlsbad sichert, mp Herr M. A. in S. will den Patienten während ihres Curgebrauches iu Karlsbad nach Bedarf nützlich sein. Der Allmächtige vergelte es Allen! Speciellen Dank sage ich dem hochgeehrten Herrn Dr. S. Bloch für die gütige Veröffentlichung des Aufrufes und der Danksagung. Mit besonderer Hochachtung Max L i l l i n g, Fabriksleiter, derzeit Cultusvorstand-Stellvertreter. Bei der „Oesterr. Wochenschrift" sind eingegangen: von Herrn Lazar Eppinger in Budapest 5 Kronen, unter Chiffre „Nelly" 1 Krone. Krakau. Für den jüngst verstorbenen kaiserlichen Rath Sigmund Schanzer, Gemeinderath der Stadt Krakau, Handelskammerrath und Staatseisenbahnrath fand vor einigen Tagen eine Trauerandacht im hiesigen Tempel statt, der der Stadtpräsident Friedlein, Gemeinderath Dr. Doboszynski, der Präsident der Cultusgemeinde Gemeinderath Dr. Leon Horowitz, der Bicepräsident der Cultusgemeinde Gemeinderath Hirsch Landau, viele Cultusvorsteher, Kammerräthe und ein zahlreiches Publicum beiwohnten. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Thon, der die Tugenden des Verblichenen, der sich hier allgemeiner Sympathien erfreute, in beredten Worten pries. E. B. Triest. (Tr auun g.) Unser geehrter Mitbürger Herr Adolf Wolf feiert am 8. Juli im hiesigen Tempel die Vermälung seiner Frl. Tochter Olga mit Herrn Ercole Fontanella, an welcher Feier die weitesten Kreise unserer Gemeinde sympathisch sich betheiligen werden. E. B. Budapest (Todesfall.) Sonntag, den 24. Juni wurde Frau Caesarine Feldmann, 31 Jahre alt, geborene Vogel, unter lebhafter Theilnahme zu Grabe getragen, eine durch reiche Gaben des Herzens und Gemüthes ausgezeichnete Dame, tiefbebetrauert von ihren Hinterbliebenen. Amsterdam. Unser Glaubensgenosse Staatsrath T. M. C. A s s e r ist zum Präsidenten des hier tagenden Congresses zur Regelung der internationalen Eherechtsverhältniffe gewählt worden. Der Congreß ist international und von allen europäischen Regierungen beschickt worden. — Der berühmte Maler Josef Israels hat eine Ehrenmedaille seitens der Kunstsection der Pariser Weltausstellung erhalten. Feuilleton. Der Sabbalhengel. Novelle von Mela Escherich. (Fortsetzung.) Mittlerweile pflanzte sich der Schreckensruf von Straße zu Straße, von Haus zu Haus. Einer schrie es dem Anderen zu: „Der Jud' Mosessohn opfert Christenblur! Er hat Maria Slowata ermordet!" Der Ruf war wie der fallende Stein, der die Lawine ins Rollen bringt. Als es tagte, versammelte sich eine brüllende Masse vor Mosessohn's Haus. Der Jude versuchte auch die Fenster des Oberstocks zu verrammeln; aber die Steine flogen so zahlreich herein, daß er das Vorhaben aufgeben mußte. So beschränkte er sich darauf, seine Kostbarkeiten in den Keller zu tragen. Jessika blieb bei der Kranken. Mit ängstlicher Sorgfalt rückte sie ihr das Kissen zurecht, legte nasse Tücher auf ihre Stirne oder schmiegte ihre Wange an die feuchte, heiße Hand der Fiebernden. Sie fühlte sich mit inniger Liebe zu der schönen Frau hingezogen, die ihr blühendes Leben für sie, die verachtete Jüdin darangesetzt. Draußen währte das Johlen und Sleinwerfen den ganzen Tag und die folgende Nacht. Am nächsten Morgen sah das stattliche Haus schier einer Ruine ähnlich. Große Löcher klafften in der dünnen Mauer des Oberstocks. Das Dach war vollständig zertrümmert. Noch stand eine Anzahl Volkes lärmend auf der Straße- Aber neue Nachrichten brachten die Gemüther in Aufregung. Ein christliches Mädchen, dessen Kind vor Kurzem verschwunden, klagte eine alte Jüdin an, ihr das Kind gestohlen zu haben. Da rannte alles Volk nach der Judengasse und nur Wenige blieben vor Mosessohn's Haus und vergnügten sich damit, Schimpfworte hinaufzurufen. Mosessohn verließ den Keller nicht mehr. Ec hatte genug Vorräthe, um eine Weile damit Vorhalten zu können. Verzweifelt rang seine Tochter die Hände: , Vater! Vater! Sie wird uns sterben. In dieser Kellerluft hört das Fieber nicht auf!" David Mosessohn verhüllte sein Antlitz: „Jehovah! Jehovah! Verlaß uns nicht!" Tage gingen hinüber. Tage, in denen jede Stunde zur Ewigkeit wurde. Wieder rottete sich das Volk vor Mosessohn's Haus zusammen. Endlich kam der Bürgermeister selbst und forderte Einlaß. Es dauerte ziemlich lange. Dann plötzlich flogen die Thürflügel auf. Aber statt des Juden trat Frau Maria heraus. Todtenblässe bedeckte ihr Antlitz. Sie ging langsam, hochaufgerichtet. Ihre Hand stützte sich schwer auf Jefflka's Schulter. Die scharf von einander abstechende Schönheit der beiden Frauen machte Eindruck auf die Menge. „Ich lebe, wie Ihr seht" sprach Frau Maria laut, „und daß ich lebe —" Sie brach ab und griff nach der Brust. Der heftige Schmerz ihrer Wunde, zwang sie leiser zu sprechen. An den Bürgermeister gewandt, fuhr sie fort: „Saget dem Volk, Herr Bürgermeister, daß mich ein Christ verwundet hat und daß David Mosessohn mir das Leben gerettet." Der Bürgermeister zog die Brauen zusammen. „Vor allem erlaubt, daß ich Euch nachhause geleite." „Ich will hierbleiben", entgegnete Frau Marie. Jener machte eine ernste Miene: „Das kann ich nicht gestatten! Bedenkt auch, was würde Euer Gemal dazu sagen!" „So fordere ich Schutz für David Mosessohn." „Das soll geschehen. Uebrigens wird es wenig nützen. Das Volk ist zu erbittert. Wir können dagegen nichts thun." „Warum nicht?" Es ist nicht unsere Sache, die Juden zu schützen. Das hängt von dem Reichsverweser ab." „So sendet einen Boten nach Prag. Sogleich! Und beruhigt solange das Volk." Der Bürgermeister verbeugte sich. „Das will ich thun." Dann hielt er ihr noch einmal seinen Arm hin, aber Maria lehnte ihn dankend ab und wankte mit Jessika's Hilfe nach ihrem Haus hinüber. Doch der Bürgermeister folgte ihr: Wollt ihr die Jüdin mitnehmen?" »Ja." „Das kann ich nicht gestatten." Er trat dicht heran und wollte Jesfika zur Seite drängen. Aber Frau Maria riß das Mädchen mit sich über die Schwelle und schlug dem Erstaunten die Thüre vor der Nase zu. Dann brach sie erschöpft zusammen. Ihre Diener eilten herbei und trugen sie in ihr Gemach. Die Mägde drängten sich herzu, die verloren geglaubte Herrin zu begrüßen. Sie aber winkte allen zu gehen. „Laßt mich allein! Ich bin müde. Jesfika soll bleiben." Und Jessika war eine gute Pflegerin. Sie wich keinen Augenblick von der Kranken. In grenzenloser Dankbarkeit diente

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