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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-29 · 26 (29.6.1900) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
26 (29.6.1900)
Date
1900-06-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 2« Dr. BLoch's Wochenschrift, Sette 487 prinzipiellen Gründen sollte über beide Petitionen zur Tagesordnung übergegangen werden, da das Bedürfniß für die öffentlichen Kirchengesellschaften nicht befriedigt werden könne und eine Rechtspflicht nicht bestehe. — Korreferent Lerno war mit dem Standpunkte des Ministers einverstanden. — Referent Dr. Schädler aber wollte sich der Elfteren Petition gegenüber nicht ganz ablehnend verhalten; jedoch wegen der Gründe des Ministers beantragt er, die elftere Petition zur Kenntnißnahme zu übergeben, über die zweite Uebergang zur Tagesordnung zu beschließen. — Abgeordneter Jos. Wagner nahm sich der Petitionen an. Wenn auch eine Rechtspflicht nicht bestehe, so werden doch auch für den katholischen und protestantischen Cultus facultative Zuschüße geleistet, zu welchen alle Steuerzahler beitragen müssen. Ein Bedürfniß bestehe auch hier, und es sei billig, für die Petenten etwas zu thun. — Minister Dr. v. Landmann entgegnete hierauf: Den Erwägungen des Vorredners sei durch Einsetzung einer Budgetposition Rechnung getragen. Das Einzige, was man thun könnte, wäre, daß man dem Unterstützungsverein jenen Betrag, welcher von den 12.000 Mark erspart wird, zuweist, insofern hätte er gegen die Ueberweisung zur Kenntmßnahme keine Erinnerung. Doch habe die Sache Schwierigkeiten, weil in dem Unterstützungsverein nicht blos Religionslehrer, sondern auch Volksschullehrer sich befinden. — Die beiden Postulats werden genehmigt; erstere Petition wurde zur Kenntnißnahme übergeben, über letztere wurde zur Tagesordnung übergegangen. Gegen die Juden erhob sich keine Stimme. Bonn. Uns geht eine von einigen Mitglieder der jüdischen Verbindung Rheno-Silesia in Bonn veranlaßte Kundgebung der an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität immatriculirten jüdischen Studenten zu: Die jüdische Studentenschaft zu Bonn erklärt angesichts der schmachvollen Ereignisse zu Könitz: „Wir halten es tief unter unserer Würde, auf den nichtswürdigen Borwurf des Ritualmordes auch nur mit einem einzigen Wort einzugehen. Wir haben uns aber vereint, damit die ganze civilisirte Menschheit den Entrüstungsschrei der jüdischen Jugend Deutschlands vernehme, die es mit ansehen muß. wie man ihre Glaubensgenoffen zu Könitz in ruchloser, an die schrecklichsten Zeiten mittelalterlicher Roheit erinnernder Weise mißhandelt, ihr Leben gefährdet, ihre Existenz vernichtet, sie seelisch an den Rand der Verzweiflung drängt. Schon der Gedanke an die bloße Möglichkeit solcher Schandthaten kränkt unser Ehrgefühl aufs bitterste; wir verwahren uns aufs schärfste dagegen, daß man uns unseres Glaubens und unserer Abstammung wegen die Anhänglichkeit an die deutsche Heimat gewaltsam zu rauben sucht. Unsere Glaubensgenossen rufen wir auf, daran zu denken, daß, wenn auch die Staatsregierung pflichtgemäßer Weise für Aufrechterhaltung der äußeren Ordnung Sorge trägt, sie der Nothwendigkeit nicht enthoben ist, selbst in den schweren Kampf einzutreten, für ihre heiligsten Menschenrechte. „Wenn ich mir selber nicht helfe, wer dann? Und wenn nicht heute, wann bann?!* Der Konitzer Gemeinde die Versicherung innigsten. Mitgefühls, mögen ihre Mitglieder mit trotzigem Muth das bittere Geschick tragen, als Nachkommen eines der ältesten Kulturvölker der Welt den Verheerungen der Uncultur ausgesetzt zu sein. Karlsruhe. Die Wetterfahne am Rhein vulgo „Kölnische Zeitung* hat wieder einmal ihre antisemitische Periode. Liberal und antisemitisch haben ja in unserer allverwirrenden Zeit ausgehört, Widersprüche zu sein. Es stehen auch keine Landtags¬ und Stadtrathswahlen vor der Thür, bei denen man die Hilfe der „verehrten israelitischen Mitbürger* brauchen könnte, warum also nicht die vornehme „Objectivität* dadurch beweisen, daß man auch auf Juden schmäht? Sie läßt sich aus Wien eine Jermiade über die Niederlage der Liberalen bei den Gemeinderathswahlen berichten und bemerkt zur Erklärung dieser traurigen Erscheinung: „Eine der in den liberalen Blättern nicht erwähnten Ursachen bildet auch die fortdauernde Anmaßung eines Theiles der liberalen Presse, den Wählern in allen Dingen speeifisch-jüdische Anschauungen und Gesichtspunkte aufdrängen zu wollen.* Ja, wenn wir nur wüßten, was mit dieser zarten Andeutung gemeint ist. Haben die Juden diesen Liberalen eine jüdisch-nationale Weltanschauung aufgedrängt? Haben sie sie zur jüdischen Religion bekehren wollen? Was also ist geschehen? Ach, diese Juden konnten den Niedergang des Liberalismus nicht mehr aufhalten, also müssen sie den Prügelknaben abgeben und an diesem Uebel schuld sein. Das nennt man am Anfang des XX. Jahrhunderts logisch und gerecht denken! Petersburg. (Jüdischer Adel in Rußland.) Die Frage, ob in den Adelsstand erhobene Juden in dem Adelsregister eingetragen werden sollen, mußte seinerzeit vom Senat zu Gunsten der Juden entschieden werden, weil es keinen Gesetzesparagraph gibt, der für die Juden in dieser Hinsicht einen Ausnahmezustand schafft. Es war in der Gesetzgebung offenbar eine Lücke gelassen worden, durch die 2—3 Juden in den Adelsregister schlüpfen konnten. Diese empfindliche Lücke ist nun ausgefüllt. Am 16. Juni ist im officiellen „Regierungsboten* ein das Adelswesen regulirender Ukas erschienen, dessen 8 6 kurz und bündig lautet: Juden, welche den erblichen Adel erworben haben, dürfen in dem goldenen Buch des russischen Adels nicht registrirt werden. Fortan werden die Aveligen Rußlands unter sich bleiben können. Kiew. (Ein schweres Verbrechen.) Kiewer Blätter melden: Am 3. Juni drang die Polizei in die im Hause Reiterstraße Nr. 7 gelegene Wohnung des jüdischen Schneiders Simon Chasanow und hob da eine geheime — Synagoge auf. (Es wird wohl ein Minjan gewesen sein. Red.) 15 Juden wurden überrascht, wie sie in Gebetmänteln gehüllt, inbrünstig beteten. Entsetzt flohen die Missethäter auseinander. Biele gelangten wirklich aus dem Hause und entkamen, der Rest wurde von der Polizei — ausgeschrieben. New-Pork, 10. Juni. (Dritter Jahres-Convent der Zionisten Amerikas.) Der drttte Jahres-Convent der Vereinigung der amerikanischen Zionisten wurde gestern Vormittag in der „Educational Alliance*, East Broadway und Jefferson Str., eingeleitet. Rev. Dr. S. Schaffer aus Baltimore eröffnete die Versammlung und Dr. D. Blaustein, der Superintendent der „Educational Alliance*, hielt eine Begrüßungsansprache. Professor Richard Gottheil von der „Columbia Universität* wurde zum Präsidenten und Dr. Shaffer, Rabbi Margolis aus Bosten und Rev. H. Masliansky von hier zu Bice-Präfidenten gewählt. Der Bericht des Secretärs Isidore D. Morrison ließ ersehen, daß es in den Ber. Staaten 135 Zionisten-Bereine mit etwa 100.000 Mitgliedern giebt. Rabbi Stephen S. Wise von der Synagoge an Madison Avenue, welcher im Begriffe ist, eine Rabbinerstelle in Portland, Oregon, anzutreten, empfahl im Namen des Agitations-Comites die Herausgabe eines Blattes und Pamphleten, und die Veranstaltung einer großen Reise nach Palästina. Nachdem Rev. Pereira Mendes von hier und Rev. Seff aus Wien Ansprachen gehalten, wurde ein Brief von Max Nordau vom 13. Mai verlesen, in welchem dieser seine Freude über die Fortschritte der zionistischen Bewegung in Amerika Ausdruck giebt und erklärt, daß der Zionismus die einzige Rettung für die bedrückten Juden Europas und Nord-Afrikas sei und daß die gut situirten* Frauen und gebildeten Juden des Westens die Bewegung aus Selbstachtung unterstützen müßten. Ein ähnlicher Brief von Dr. Theodor Herzl, dem Präsidenten des Internationalen Jüdischen Congreffes, wurde ebenfalls verlesen. Präsident Gottheil wies in seinem Berichte auf die traurige Lage, in welcher sich die Juden in Europa in Folge der antisemittschen Hetzereien befinden, hin, und es sei eine Massenauswanderung von Juden zu erwarten, ähnlich wie vor mehreren Jahren aus Rußland. In der Nachmittagfitzung wurden Comitö-Berichte entgegengenommen und über einen Statuten-Entwurf berathen. Die bezüglichen Berathungen werden heute fortgesetzt werden. Am Abend fand im Cooper Institut eine ungemein enthusiastische Versammlung im Interesse der Wiedererrichtung des jüdischen Nationalstaates statt. Rev. Gustav Gottheil, welcher den Vorsitz führte, hielt bei der Uebernähme desselben eine kurze Ansprache. Rev. Dr. S. Schaffer aus Philadelphia, Rev. H. Jliowitz von ebendort und andere Redner ermahnten zu einigem Vorgehen und sprachen alle die Ueberzeugung aus, daß das angestrebte Ziel der Wiederaufrichtung des alten Zion mit Beharrlichkeit erreicht werden wird. Philadelphia, 10. Juni. Das Lucien Moß-Heim für Unheilbare, ein werthvoller Zuwachs des hiesigen Jüdischen Hospitals, wurde heute Vormittag in Gegenwart zahlreicher Freunde der Anstalt unter entsprechenden Ceremonien eröffnet und seiner Bestimmung übergeben. Lucien Moß, der edle Stifter des nach ihm benannten Heims, der im April 1895 Hierselbst im Alter von 64 Jahren starb, hatte während seines Wirkens für jüdische Wohlthätigkeitsanstalten, speciell aber im jüdischen Hospital, die Nothwendigkeit

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