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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-29 · 26 (29.6.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
26 (29.6.1900)
Date
1900-06-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 486 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 26 israelitischer Confession gelebt — und auch bis an mein Lebensende diesem Grundsätze treu bleibend — so wie die schöne und edle Tugend, seine unbemittelten Mitmenschen hilfreich und nach Kräften zu unterstützen, erweckte in mir Gefühle, die mich dazu bewogen, das bei mir bestellte Brot und Semmeln für jene armen Unterdrückten israelitischer Confession, welche aus Rumänien obdachlos — in eine ihnen unbekannte fremde Heimat auswan^erteu — gratis — ohne Anspruch auf Honorar, einer löblichen israelitischen Cultusgemeinde beizustellen. Indem ich einer löblichen israelitischen Cultusgemeinde dies auf diesem Wege zur Kenntniß bringe, zeichne ich mit aller Hochachtung Johann D a s ch n e r, bürgerl. Bäckermeister. Semlin, 21. Juni 1900. Herr Daschner ist einfacher hiefiger Bürger römischkatholischer Confession, der stets als Freund Israels bekannt ist. Ich habe seinen Brief genau copirt, wollen Sie gefälligst densewen in einer gefälligen Weise rectificiren und in Ihrem geschätzten Blatte reproducire». II. Sr. Wohlgeboren Herrn Johann Daschner Hier. Ihre edle Entschließung, das auf Rechnung der israelitischen Cultusgemeinde gelieferte Brot und Backwerk zur Verpflegung der unglücklichen israelitischen Emigranten aus Rumänien unentgeltlich beizustellen, hat auf uns ein erhebendes Gefühl der Dankbarkeit und der Freude hervorgebracht. Wohl sind wir über Ihre Hochherzigkeit nicht überrascht, denn Ihre vornehme und edle Denkungsweise ist uns von Ihrer frühesten Jugend an bekannt. Daß Sie dies aber in geeigneter Zeit in so glänzender Weise manifestirten, hat in uns das Gefühl jener freudigen Geuugthuung hervorgebracht, daß wir uns in Ihrem edlen Charakter nicht täuschten. Empfangen Sie daher im Namen sämmtlicher Mitglieder unserer Cultusgemeinde unseren tiefgefühltesten und aufrichtigsten Dank. Der Mmächtige möge Ihnen seinen reichsten Segen spenden, er erhalle Ihr Leben in Gesunoheit und Kraft, zum Glücke Ihrer Familie, zur Zierde unserer Stadt und zum Tröste der unglücklichen Menschheit. Semlin, 22. Juni 1900. Bernhard Kohn, Dr. Isidor Weiß, Notär. Cultusvorstand.Z Berlin. (Unsere antisemitischen Boxer treiben in Könitz u n d U m g e g e n d a u ch noch immer ihr Wesen.) Wo genug Militär und Gendarmen da find, wird die äußere Ruhe aufrecht erhalten, aber im Uebrigen find für die Juden in jener Gegend die Verhältnisse nicht besser geworden. Die antisemitischen Hetzer führen ihr Geschäft munter weiter, und die antisemitische Berliner „Staatsbürger- Zeitung^ ist in Könitz uud Umgegend zur Zeit das gelesenste Blatt. Die Unverfrorenheit, mit der dieses saubere Preßorgan die Borurtheile gegen die Juden ausmünzt, wird dieses Blatt übrigens demnächst auf die Anklagebank führen, und zwar hier in Berlin. Daß die preußische Regierung mit Nachdruck bemüht ist, der scandalösen Ausschreitungen in Könitz Herr zu werden, ist selbstverständlich nur zu billigen; daß das Berliner Polizeipräsidium es aber auch für nothw endig gehalten hat, unter Berufung auf das preußische Landrecht eine von den Berliner Antisemiten geplante Volksversammlung zu verbieten, scheint uns eine vom Rechtsstaudpunkte aus zweifelhafte und vom Opportunitätsstandpunkte aus höchst anfechtbare Maßregel zu sein. Es wäre vielleicht ganz heilsam gewesen, wenn die Antisemiten einmal Gelegenheit bekommen hätten, in einer Stadt wie Berlin über all' den Blödsinn, den sie in der Konitzer Mordaffaire verbreitet haben, öffentlich Rede stehen zu müssen. Jedenfalls konnten aber die Antisemiten aus einer derartigen Volksversammlung — sie mochte nun ausfallen, wie sie wollte — nicht so viel agitatorische Nahrung ziehen, wie aus dem Verbot einer solchen Versammlung. Berlin. Die große Synagoge in der Oranienburgerstraße ist zur Zeit wegen bauliche Reparaturen geschloffen. Die Vergoldung an den schmiedeeisernen und mit getriebenen, theilweise vergoldeten Zinkblechen bedeckten Kuppeln hat durch Wind und Wetter im Laufe der Jahre etwas gelitten und muß erneuert werden. Die Synagoge, nach Knoblauch's Entwürfen zuerst unter diesem Meister, dann unter Stüler von 1859 bis 1866 durch Hähnel ausgeführt, zeigte zum ersten Male den in der Schinkelfest-Cancurrenz des Jahres 1856 von dem Architetten Nohl ausgesprochenen Gedanken einer, durch Eisenbinder im Joche zerlegten Gewölbedecke mit Zenithbeleuchtung, in mustergiltiger Weise verwirklicht. Etwas zurückliegend von der Straße erhebt sich der stattliche Kuppelbau, der unten das polygonale Vestibül umschließt und von zwei kleinen Nebenkuppelthürmen flankirt wird. Die durch sinnreiche Verkeilung und überraschenden Effect ausgezeichnete Gasbeleuchtung an der Decke und an den hohen Glasfenstern hat im Verein mit dem Altar aus weißem Marmor der ganzen stimmungsvollen Architektur und den herrlichen Gesangschören hier auch schon manches profane Gemüth entzückt. Aus den Erinnerungen des jetzt 82jährigen Castellans L., der von notabeln Besuchen allein 9 Besuche des Kaisers Friedrich, damaligen Kronprinzen, in seiner Chronik verzeichnet hat, sei hervorgehoben, daß der Einweihungsfeier des Tempels am 5. September 1866 der damalige Ministerpräsident Graf Bismarck in Begleitung der Minister von der Heydt, Mühler Eulenburg, des Feldmarschalls Wrangel und des Generals von Waldersee beigewohnt haben. Auch Moltke hat in Begleitung des Kronprinzen das Gotteshaus besucht. Der jetzige Kaiser hat als Prinz Wilhelm mit dem Prinzen Heinrich das interessante, in architektonischem wie malerischem Sinne ausgezeichnete Bauwerk besichtigt. Die Kaiserin Friedrich erscheint in den Aufzeichnungen des Castellans in Begleitung des Prinzen von Wales. Auch die Egypter scheinen ein außerordentliches Interesse an dem Hause genommen zu haben, in dessen Liturgie ihrer Vorfahren öfters gedacht wird. Die Chronik verzeichnet für den 9. Mai den damaligen Bicekönig von Egypten, Ismail Pascha. Kaum einer der am Berliner Hof zum Besuch weilenden Herrscher fehlt in dem interessanten Fremdenbuch, das auch Namen wie Virchow, Franz Ziegler, Duncker, Löwe-Kalbe, Forckenbeck aufweist, die hier den Trauerfeierlichkeiten für die Abgeordneten Dr. Kosch und Lasker beigewohnt haben. Berlin. (Das Steuerprivilegium der Lehrer). Ein jüdischer Lehrer Sp. an einer jüdischen Schule hatte für sich das Steuerprivilegium der Beamten bei der Heranziehung zur Gemeinde-Einkommensteuer beansprucht. Nachdem der Magistrat den Einspruch abgewiesen hatte, erhob Sp. Klage im Berwaltungsstreitverfahren. Der Kreisausschuß und Bezirksausschuß entschieden jedoch zu Ungunsten des Lehrers, indem angenommen wurde, daß das Steuerprivilegium nur den Lehrern an christlichen Schulen zukomme. Das Oberverwaltungsgericht vernichtete aber die Vorentscheidungen und wies die Sache an den Bezirksausschuß zur anderweitigen Entscheidung zurück und machte geltend, das Steuerprivilegium komme allen Lehrern an öffentlichen Schulen zu; demnach stehe auch dem Kläger das Steuerprivilegium zu, wenn er an einer jüdischen Elementarschule beschäftigt sei, die zu den öffentlichen Schulen gehöre. Der Bezirksausschuß erkannte darauf zu Gunsten des beregten Lehrers, und das Oberverwaltungsgericht wies die Revision des Magistrates als unbegründet ab. München. In den süddeutschen Parlamenten herrscht eine wärmere Temperatur für die Juden als in den nord- und mitteldeutschen. Das kann man auch aus den Verhandlungen im Finanzausschuß der zweiten bayerischen Kammer über die Aufwendungen für den israelitischen Cultus mit Genugthuung entnehmen. Für diesen Zweck wurden wie früher a) zur Aufbesserung der Rabbiner 12.000 Mark, b) zur Fürsorge für dienstunfähige Rabbiner und deren Relikten 2000 Mark gefordert. — Dazu kamen nun zwei Petitionen 1. der Verwaltung des israelitischen Lehrervereines für Bayern um einen Zuschuß zur Unterstützüngsstiftung genannten Vereines, 2. des israelitischen Religionslehrers A. Morgenroth in Burgebrach und Genoffen um Gewährung einer Gehaltszulage an die israelitischen Religionslehrer auf dem Lande und in kleineren Städten. — Referent Dr. Schädler (Centr.) legte die Petitionen, welche schon dagewesen seien, ihrem wesentlichen Inhalte nach dar, fand berücksichtigenswerthe Momente darin und verlangte zunächst Aufklärung. — Cultusminister Dr. v. Landmann gab diese Erklärung ab: Das letzte Mal sei die erste Petition zur Kenntnißnahme hinübergegeben worden. Aus

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